Sara C. Bisel

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Sara C. Bisel (* 13. Mai 1932 in Johnstown, Pennsylvania; † 4. Februar 1996; gebürtig Sara Louise Clark) war eine US-amerikanische Archäologin und Anthropologin, die insbesondere auf dem Gebiet der forensischen Archäologie und physischen Anthropologie tätig war.

Leben[Bearbeiten]

Sie wuchs im Westen des US-Bundesstaates Pennsylvania auf und graduierte an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh zum Bachelor in Lebensmittelwissenschaften und Biochemie. Anschließend heiratete sie Harry F. Bisel (* 1918; † 1994), einen Arzt der Mayo Clinic und Pionier auf dem Gebiet der medizinischen Onkologie und lebte ab 1963 mit ihm in Rochester in Minnesota. Das Ehepaar hatte mit Jane, Clark und Harold drei gemeinsame Kinder.

An der University of Minnesota erwarb sie den Master in klassischer Altertumsforschung mit einer Spezialisierung auf griechische Archäologie sowie im Weiteren ihre Promotion zum Ph.D. in physischer Anthropologie. 1977 nahm die Smithsonian Institution Bisel als Mitglied und wissenschaftliche Mitarbeiterin auf und in den folgenden Jahren lehrte sie an der University of Minnesota, der University of Maryland sowie von 1977 bis 1979 an der American School of Classical Studies at Athens und war darüber hinaus Gastdozentin an der Mayo Clinic. Zwischen 1981 und 1988 leitete sie – finanziert von der Smithsonian und der National Geographic Society – auch eigene Forschungsreisen und Untersuchungen und war unter anderem in Griechenland, der Türkei und Israel tätig.

Einige der unter Bisels Leitung freigelegten Bootskammern unterhalb der Strandterrassen in Herculaneum

Im Juni 1982 erhielt sie von der National Geographic Society den Auftrag für Ausgrabungen in Herculaneum, einer der römischen Städte, die im Jahre 79 bei einer Eruption des Vulkans Vesuv untergegangen waren. Durch Zufall waren Kanalisationsarbeiter im Bereich der ehemaligen Strandpromenade auf einzelne Skelette gestoßen, die Bisel nun untersuchen sollte. Was anfangs als maximal einwöchige Aufgabe ausgelegt war, entwickelte sich zu einer Arbeit über sechs Jahre in den Ruinen und verschaffte Bisel internationales Ansehen als Autorität auf dem Gebiet antiker Gesundheits- und Lebensmittel- beziehungsweise Ernährungsforschung. Unter ihrer Leitung legte man mehrere Bootkammern frei, in denen die Bewohner während des Ausbruchs Schutz gesucht hatten und gestorben waren und die später von vulkanischen Gesteinen verschlossen oder aufgefüllt worden waren. In den Kammern fanden sich mehrere hundert Skelette unterschiedlichster Bevölkerungsschichten. Zudem konnten Schmuck und zahllose Alltagsgegenstände geborgen werden. Die Funde gaben somit Gelegenheit für paläopathologische und paläodemografische Analysen eines repräsentativen, gleichzeitig verstorbenen Bevölkerungsquerschnitts einer antiken Stadt. Die anschließenden Laboruntersuchungen ermöglichten erstmals einen detaillierten Einblick in das Leben der damaligen Bewohner und den städtischen Alltag. Bisels Pionierarbeit bei der chemischen und physischen Analyse der Skelette erbrachte neue Hinweise und Erkenntnisse über die Ernährung und Gesundheit antiker Bevölkerungsgruppen und wird gemeinhin als bahnbrechend erachtet. Sie half entscheidend, die forensische Archäologie voranzubringen und weiterzuentwickeln.

In Anerkennung ihrer Leistungen verlieh der National Geographic Explorer's Club Bisel, die auch diverse Artikel in Fachzeitschriften veröffentlichte, 1988 die Auszeichnung Outstanding Woman of Science. Sie beging 1996 im Alter von 63 Jahren Suizid, nachdem vielfach Kritik an ihrer zunehmend unsachlichen Arbeit für National Geographic aufgekommen war.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Bücher

  • The Secrets of Vesuvius, Madison Press Books, Toronto, 1990 (und weitere Ausgaben).
    Deutsche Übersetzung: Die Geheimnisse des Vesuv. Tessloff Verlag, Nürnberg, 1991, ISBN 3-7886-0596-0.

Artikel

  • Buried Roman Town Give Up Its Dead. In National Geographic, Vol 162, Nr. 6, Dezember 1982.
  • An Archaeologist's Preliminary Report: Time Warp at Herculaneum. In: The Mayo Alumnus, Vol 19, Nr. 2, April 1983.
  • The Dead Do Tell Tales. In: National Geographic, Vol 165, Nr. 5, Mai 1984.
  • The Bone Lady. In: Discover, Vol 5, Nr. 10, Oktober 1984.
  • Bone Lady Reconstructs People at Herculaneum. In: Carnegie Mellon Magazine, Vol 4, Nr. 2, Winter 1985.
  • In the Shadow of Vesuvius. In: National Geographic Special, 11. Februar 1987.