Sarajevo

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Sarajewo ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Sarajewo (Begriffsklärung) aufgeführt.
Sarajevo
Сарајево

Wappen von Sarajevo

Sarajevo (Bosnien und Herzegowina)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation
Kanton: Sarajevo
Koordinaten: 43° 52′ N, 18° 26′ O43.85972222222218.431111111111511Koordinaten: 43° 51′ 35″ N, 18° 25′ 52″ O
Höhe: 511 m. i. J.
Fläche: 141,5 km²
Einwohner: 291.422 (2013[1])
Agglomeration: 515.368 (2013[1])
Bevölkerungsdichte: 2.060 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 33
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Ivo Komšić (SDU)
Webpräsenz:
Panoramablick von Osten aus über Sarajevo

Sarajevo (serbisch-kyrillisch Сарајево; dt. auch Sarajewo, türkisch: Saraybosna) ist Hauptstadt und Regierungssitz von Bosnien und Herzegowina, der Föderation Bosnien und Herzegowina (Federacija Bosne i Hercegovine/FBiH) und des Kantons Sarajevo.

Die Stadt hat in ihren vier Gemeinden Stari Grad (Altstadt), Centar (Zentrum), Novi Grad (Neustadt) und Novo Sarajevo (Neu-Sarajevo) 291.422 Einwohner. In der Agglomeration Sarajevo leben etwa 515.000 und in der Metropolregion Sarajevo 608.354 Einwohner (Zensus 2013).[1] Aufgrund der Einwohnerzahl sowie der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung, ist Sarajevo die einzige bosnische Metropole[2] und die wichtigste Stadt des Landes.

Sarajevo wurde durch drei Ereignisse weltweit bekannt: durch das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914, durch die Olympischen Winterspiele 1984 und durch die Belagerung durch Truppen der Vojska Republike Srpske während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt erstreckt sich in West-Ost-Richtung in der Ebene von Sarajevo inmitten des Dinarischen Gebirges. Der Fluss Miljacka fließt durch die Stadt; die Bosna entspringt westlich der Stadt, in der Gemeinde Ilidža. Die Ebene wird überragt von den Bergen der Bjelašnica und des Igman im Südwesten sowie der Jahorina und des Trebević im Südosten.

Das Stadtzentrum liegt 511 Meter über dem Meeresspiegel. Die Vororte reichen hinauf bis auf über 900 Meter. Die Berge um die Stadt herum sind zumeist bewaldet und bis zu 2.000 Meter hoch.

Direkt östlich von Sarajevo liegt der Ort Pale, der während des letzten Krieges das Zentrum der bosnischen Serben war.

280°-Panorama vom Avaz Twist Tower

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in Sarajevo ist gemäßigt und leicht kontinental geprägt. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 9,5 °C; der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt 932 mm. Dabei ist der wärmste Monat der August, der kälteste der Januar. Die meisten Niederschläge fallen im Juni und November; der Februar ist der trockenste Monat.

Die tiefste jemals gemessene Temperatur lag bei −21,8 °C (am 24. Januar 1963), die höchste bei 37,4 °C (am 24. Juli 1987).[3]

Sarajevo
Klimadiagramm
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-3
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Sarajevo
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,7 5,9 10,4 15,1 20,3 23,1 25,5 25,7 22,0 16,5 9,7 3,5 Ø 15,1
Min. Temperatur (°C) -4,4 -2,3 0,6 4,4 8,5 11,4 12,8 12,6 9,7 5,7 1,6 -2,8 Ø 4,8
Niederschlag (mm) 71 67 70 74 82 91 80 71 70 77 94 85 Σ 932
Sonnenstunden (h/d) 1,8 3,0 4,1 5,1 6,2 6,9 8,3 7,7 6,2 4,8 2,7 1,3 Ø 4,9
Regentage (d) 10 9 10 10 10 11 8 8 8 8 10 11 Σ 113
Luftfeuchtigkeit (%) 80 75 68 66 68 68 66 63 69 76 80 81 Ø 71,7
T
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Geschichte[Bearbeiten]

Historische Stadtansicht von Sarajevo um 1900
Altes Rathaus (Vijećnica), später Nationalbibliothek, im Bosnienkrieg zerstört und bis 2014 saniert

Im Jahr 1238/39 wurde in einer Urkunde des ungarischen Königs Béla IV. in Zusammenhang mit dem Bau der Sankt-Peter-Kathedrale erstmals eine slawische Siedlung namens Vrhbosna erwähnt. Ab 1463 erfolgte mit dem Beginn der osmanischen Herrschaft unter Isa-Beg Isaković, einem zum Islam übergetretenen Bosnier, der Ausbau der Stadt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hatte ein türkischer Statthalter sein Domizil am Ufer der Miljacka aufgeschlagen. Nach jenem Saray (türk. Schloss) wurde schon wenig später die rasch aufblühende Stadt Sarajevo benannt.[4] Der Name der Stadt wurde offenbar vom türkischen sarây bzw. saray ova abgeleitet, das der heutigen deutschen Bezeichnung Serail entspricht.

Seit 1850 war Sarajevo Hauptstadt der Provinz Bosnien im Osmanischen Reich, nach 1878 dann Verwaltungszentrum des durch Österreich-Ungarn okkupierten „Kondominiums“.

Am 28. Juni 1914 war die Stadt Schauplatz des tödlichen Attentates auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie, welches zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs beitrug. Nach 1918 kam Sarajevo mit Bosnien zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen.

Im Zweiten Weltkrieg war das Land zwischen 1941 und 1945 Teil des Unabhängigen Staats Kroatien, nach dessen Zusammenbruch und dem Kriegsende wurde Sarajevo 1945 Hauptstadt der Teilrepublik Bosnien und Herzegowina innerhalb Jugoslawiens.

1984 fanden die Olympischen Winterspiele in Sarajevo und den Gebirgen seiner Umgebung statt. Seit 1992 ist es die Hauptstadt des souveränen Staates Bosnien und Herzegowina. Dessen Unabhängigkeitserklärung von Jugoslawien führte zum Bosnienkrieg, in dem Sarajevo heftig umkämpft war.

Sarajevo ist laut Artikel 9 der Verfassung der RS auch Hauptstadt der Republika Srpska, obwohl sich deren Regierungssitz bereits seit 1998 in Banja Luka befindet. [5]

Krieg in Bosnien[Bearbeiten]

Während der Belagerung zerstörte Straßenzüge in Sarajevo
Hauptartikel: Belagerung von Sarajevo

Während des Bosnienkrieges war Sarajevo in einen von der Regierung Bosnien und Herzegowina kontrollierten bosniakisch-kroatischen und einen von der Republika Srpska kontrollierten serbischen Teil geteilt, die sich gegenseitig beschossen. Der von den Regierungstruppen kontrollierte Teil, zu dem unter anderem das Stadtzentrum und die Altstadt gehörten, wurde genau 1.425 Tage lang von den Truppen der damaligen bosnisch-serbischen Armee belagert.

Die Belagerung von Sarajevo begann am 5. April 1992 und war die längste Belagerung in der Geschichte der Stadt. Der Stadtkern von Sarajevo war vollständig umzingelt. Der Belagerung und den Kämpfen fielen nach Angaben der Regierung Bosnien-Herzegowinas 10.615 Menschen aller Volksgruppen zum Opfer, unter ihnen 1.601 Kinder. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden rund 50.000 Menschen, teilweise schwer, verletzt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Straßenszene in Sarajevo um 1900

Bei der Volkszählung 1991 bezeichneten sich 49,3 % der Einwohner Sarajevos als Bosniaken, 29,8 % als Serben und 6,7 % als Kroaten. Zu Beginn des Krieges flohen die meisten serbischen und kroatischen Einwohner aus der Stadt, auch wegen der anstehenden Belagerung der Stadt durch die Armee der „Republika Srpska“ VRS. Heute stellen die Bosniaken mit 78,3 % die Bevölkerungsmehrheit.[6]

Im Kanton Sarajevo leben 438.443 Einwohner.[1] Er ist damit die bevölkerungsreichste Agglomeration des Landes und, nach Belgrad, Zagreb, und Skopje, der viertgrößte Ballungsraum des ehemaligen Jugoslawien.

Religion[Bearbeiten]

Sarajevo ist Sitz des Großmuftis der bosnisch-herzegowinischen Muslime, des Metropoliten der serbisch-orthodoxen Kirche und eines Erzbischofs der Römisch-Katholischen Kirche.

In Sarajevo wird eine Vielzahl verschiedener Religionen ausgeübt. In der Stadt findet man Moscheen, Kirchen und Synagogen nicht weit voneinander entfernt. Deswegen wird die Stadt gelegentlich Klein-Jerusalem oder auch Europäisches Jerusalem genannt. Die König-Fahd-Moschee in Sarajevo ist die größte Moschee auf dem Balkan.

Politik[Bearbeiten]

Lage der vier Stadtgemeinden im Kanton Sarajevo
Parlamentsgebäude
Präsidentenpalast und Präsidentensitz von Bosnien und Herzegowina

Definitionen von Sarajevo[Bearbeiten]

Das ehemalige Gebiet der Stadt Sarajevo liegt auf beiden Seiten der innerbosnischen Entitätengrenze zwischen der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska. Während sich der größte Teil des bebauten Gebietes – die Altstadt (Stari grad) und Neustadt (Novi grad) – auf dem Gebiet der Föderation befindet, zählen einige im Ausbau begriffene Vorstädte im Süden zur Republika Srpska.

In der Föderation ist die Stadt Sarajevo in vier Stadtgemeinden unterteilt. Es sind dies Stari Grad (Altstadt), Centar (Zentrum), Novi Grad (Neustadt) und Novo Sarajevo (Neu-Sarajevo). Die Gemeinden Vogošća und Ilidža gehören sowohl historisch als auch baulich nicht zur eigentlichen Stadt.

Der zur Republika Srpska gehörige Teil Sarajevos wird als Istočno Sarajevo (Ost-Sarajevo) bezeichnet. Er unterteilt sich in sieben Gemeinden, von denen aber nur Istočno Novo Sarajevo als zum eigentlichen Stadtgebiet gehörig bezeichnet werden kann. Die restlichen sechs Gemeinden sind überwiegend ländlich geprägt und von der Stadt Sarajevo durch Gebirgszüge und/oder Wälder getrennt. Trotzdem hat Istočno Sarajevo den Status einer Stadt.

Stadtverwaltung[Bearbeiten]

Die Stadt Sarajevo in der Föderation ist eine administrative Einheit aus vier Gemeinden mit jeweils eigener Verwaltung. Das Oberhaupt der Stadtverwaltung ist der Bürgermeister. Als Legislative fungiert ein Stadtrat (Gradsko vijeće) mit 28 Abgeordneten, dessen Stimmverhältnisse sich aus den Wahlergebnissen in allen vier Gemeinden zusammensetzen.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Sarajevo unterhält internationale Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:

  • NiederlandeNiederlande Amsterdam (Niederlande)
  • TurkeiTürkei Ankara (Türkei), seit 1994
  • AserbaidschanAserbaidschan Baku (Aserbaidschan), seit 1972
  • SpanienSpanien Barcelona (Spanien), seit 1996
  • UngarnUngarn Budapest (Ungarn), seit 1995
  • TurkeiTürkei Bursa (Türkei), seit 1979
  • KanadaKanada Calgary (Kanada), seit 1986
  • ItalienItalien Collegno (Italien), seit 1994
  • Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Coventry (Vereinigtes Königreich), seit 1957
  • Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Dayton (USA), seit 1999
  • ItalienItalien Ferrara (Italien), seit 1978
  • DeutschlandDeutschland Friedrichshafen (Deutschland), seit 1972
  • OsterreichÖsterreich Innsbruck (Österreich), seit 1980
  • TurkeiTürkei Istanbul (Türkei), seit 1997
  • KuwaitKuwait Kuwait-Stadt (Kuwait), seit 1998
  • SpanienSpanien Madrid (Spanien), seit 2007
  • DeutschlandDeutschland Magdeburg (Deutschland), seit 1977
  • ItalienItalien Neapel (Italien), seit 1976
  • ItalienItalien Prato (Italien), seit 1995
  • FrankreichFrankreich Serre Chevalier (Frankreich), seit 1995
  • SchwedenSchweden Stockholm (Schweden), seit 1997
  • AlbanienAlbanien Tirana (Albanien), seit 1996
  • China VolksrepublikChina Tianjin (Volksrepublik China), seit 1981
  • AlgerienAlgerien Tlemcen (Algerien), seit 1964
  • LibyenLibyen Tripolis (Libyen), seit 1976
  • ItalienItalien Venedig (Italien), seit 1994
  • DeutschlandDeutschland Wolfsburg (Deutschland), seit 1985
  • KroatienKroatien Zagreb (Kroatien), seit 2001
  • SlowenienSlowenien Ljubljana (Slowenien), seit 2002

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Brauerei Sarajevska pivara

Durch den Bosnienkrieg kam die Wirtschaft in Sarajevo zum Erliegen, doch langsam erholt sich der Markt im ganzen Land wieder.

Vor 1992 war Sarajevo das Handels- und Industriezentrum von Bosnien und Herzegowina; in der Nachkriegszeit gab es in der Stadt fast keine aktiven Industriekomplexe mehr. In Sarajevo befindet sich die Automobilfabrik Volkswagen Sarajevo, in der VW-Fahrzeuge für den südosteuropäischen Markt produziert werden.

Die Stadt ist Sitz der 1997 gegründeten Zentralbank von Bosnien und Herzegowina sowie der landesweit größten Börse. Zu den größten ansässigen Unternehmen gehören B&H Airlines, BH Telecom, Bosnalijek, Energopetrol, die Fabrika Duhana Sarajevo (Tabakfabrik) und die Sarajevska pivara (Brauerei).

Verkehr[Bearbeiten]

Sechsspurige Hauptverkehrsstraße Zmaja od Bosne, während der Belagerung von Sarajevo als „Sniper Alley“ bekannt
Hauptbahnhof Sarajevo

Sarajevo ist das Zentrum des Straßenverkehrs in Bosnien und Herzegowina. Sieben große Magistralstraßen verbinden die Hauptstadt mit den anderen Landesteilen. Nach Norden führen die M5 (in Richtung Travnik, Banja Luka, Bihać), die M17 (nach Zenica und Doboj) sowie die M18 (nach Tuzla). In östliche Richtungen verlaufen die M5 (nach Višegrad und Goražde) sowie die M19 (nach Zvornik). Im Süden führt die M18 über Foča nach Dubrovnik bzw. Montenegro. Nach Westen führt ebenfalls die M17 (Richtung Mostar).

Seit 2003 hat Sarajevo einen eigenen Autobahnanschluss zur A1, welche die Stadt mit Ilijaš und Visoko verbindet. Ein Ausbau bis Zenica und weiter in Richtung Budapest ist in Planung. Zudem soll eine Stadtautobahn in Sarajevo gebaut werden. Sie soll auf einer Strecke von 2,6 km die Stadtteile Ciglane und Pofalići verbinden. Schon vor den Olympischen Spielen wurden zwei Tunnel (700 m) dafür gebaut, aber wegen Geldproblemen konnte man nicht die ganze Autobahn bauen. Heute wird nur ein Tunnel benutzt.

Es gibt tägliche Bahnverbindungen nach Zagreb, Zenica, Banja Luka, Doboj, Mostar und Ploče. Die Verbindung nach Budapest wurde im Frühjahr 2002 wieder aufgenommen, ist jedoch inzwischen wie die Verbindung nach Belgrad eingestellt.

Die Stadt ist über ein gut ausgebautes Netz von Busverbindungen zu erreichen. Busse von Belgrad aus fahren fast ausschließlich in den serbischen Teil der Stadt, Istočno Sarajevo.

Als öffentliche Verkehrsmittel existieren in der Stadt die Straßenbahn Sarajevo (seit 1885) mit sieben Linien, der Oberleitungsbus Sarajevo mit fünf Linien, sowie etliche Omnibus- und Minibus-Linien. Der öffentliche Nahverkehr wird vom Verkehrsunternehmen JKP GRAS Sarajevo betrieben. Vor dem Bosnienkrieg wurde eine Metro geplant, jedoch nie gebaut.

Flughafen[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen Sarajevo liegt im Stadtteil Dobrinja. Er verfügt über eine 2.600 m lange Start- und Landebahn und wurde am 2. Juni 1969 eröffnet.

Es gibt tägliche Verbindungen nach München, Frankfurt, Köln/Bonn, Stuttgart, Kopenhagen, Ljubljana, Wien, Zagreb, Budapest, Mailand, Istanbul und Belgrad.

Im Bosnienkrieg wurde der Flughafen in der Nacht vom 4. zum 5. April 1992 von bosnischen Serben besetzt. Im Juni 1992 wurde der Flughafen von der UNPROFOR übernommen. Er wurde im Krieg 1992–1995 stark beschädigt. Am 16. August 1996 wurde er wieder für den Zivilverkehr geöffnet. 2001 wurde der Flughafen von Grund auf saniert und erhielt vom Airport Council International, im Juni 2005 die Auszeichnung „Bester europäischer Flughafen“ in der Kategorie: Flughafen unter 1.000.000 Passagiere.

Von Juni 1992 bis 1996 wurde der Flughafen nur von Militärflugzeugen genutzt. Humanitäre Hilfe für Sarajevo, ausländische Journalisten, Künstler, Politiker, Unterhändler, Diplomaten und Einwohner mit UN-, Presse- oder UNHCR-Ausweisen wurden hier abgefertigt. Der Flughafenbetrieb hing sehr stark von den politischen Zielen und militärischen Aktivitäten der Belagerer ab. In Wahrheit kontrollierten aber nicht die französischen Blauhelme, sondern die Belagerer den Flughafen. Vor der Fertigstellung des Sarajevo-Tunnels 1993 konnten die Einwohner die belagerte Stadt nur über die Start- und Landebahn verlassen und erreichen. Der Flughafen wurde durch Stacheldraht, Gräben und weitere Hindernisse der UNPROFOR gesichert. Die fliehenden Bewohner mussten nicht nur den Scharfschützen entkommen, sondern auch den weißen UN-Transport- und Patrouillenfahrzeugen, die das Überqueren der Start- und Landebahn verhindern wollten. Die Zahl der Todesopfer und Verletzten auf der Start- und Landebahn wurde täglich im Radio bekanntgegeben. Mehrere Male während der Belagerung organisierte die UNPROFOR Transporte für Zivilisten über die Start- und Landebahn.

Bildung[Bearbeiten]

In Sarajevo existieren 46 Grundschulen (Klassen 1–8) und 33 höhere Schulen (Klassen 9–13)[7].

Die Universität Sarajevo besteht seit den 1940er-Jahren. Darüber hinaus gibt es verschiedene andere Hochschulen. Die Stadt beherbergt ca. 40.000 Studierende. Die im Bosnienkrieg schwer beschädigte Nationalbibliothek beherbergte zuvor eine der wichtigsten literarischen Sammlungen Osteuropas.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baščaršija-Platz in der Altstadt

In Sarajevo befinden sich zahlreiche Theater, Museen und Kultureinrichtungen, wobei das bekannteste und bedeutendste Museum, das Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina (bosnisch: Zemaljski Muzej Bosne i Hercegovine) seit Oktober 2012 aus finanziellen, aber auch aus politischen Gründen geschlossen wurde.

Nationaltheater

In der Stadt finden jährlich verschiedene wichtige Kulturveranstaltungen statt: das Sarajevo Film Festival, das Jazz-Festival, „Baščaršijske noći“, das Kulturfestival „MESS“ und „Sarajevska Zima“ (Sarajever Winter).

Sarajevo hat eine sehenswerte orientalisch geprägte Altstadt mit mehreren Moscheen und Kirchen, dem Baščaršija-Platz (Basar) und zahlreichen Geschäften. Die Altstadt wurde nach dem Krieg renoviert.

Bauwerke[Bearbeiten]

Akademie der Künste, früher evangelische Kirche

Sakralbauten

Weitere Bauwerke

  • Akademie der Bildenden Künste (ehemals evangelische Kirche), 19. Jahrhundert
  • Universitätsgebäude, 19. Jahrhundert
  • Despića kuća (Despića-Haus, traditionelles Haus einer serbischen Kaufmannsfamilie, heute Museum)
  • Lateinerbrücke (ehemals Princip-Brücke)
  • Ziegenbrücke östlich der Altstadt
Die Hauptpost von Sarajevo
  • Nationalbibliothek (Vijećnica), erbaut im 19. Jahrhundert als Rathaus von Sarajevo, seit 1948 als National- und Universitätsbibliothek genutzt, im Krieg 1992 schwer beschädigt, ein detailgetreuer Wiederaufbau erfolgte 1996 bis 2014
  • Nationalmuseum, 19. Jahrhundert
  • Historisches Museum von Bosnien und Herzegowina
  • Stadtmarkthalle Markale, 19. Jahrhundert
  • Brusa bezistan, 1551 als Markthalle für Bekleidung erbaut, beherbergt heute eine Ausstellung des Stadtmuseums Sarajevo
  • Sebilj, orientalischer Brunnen in der Altstadt
  • Zetra (Stadthalle)
  • Hotel Holiday Inn, erbaut 1983 von Ivan Štraus
UNIS-Türme

Sportzentren

Musik[Bearbeiten]

Sarajevo galt als ein wichtiges Zentrum der jugoslawischen Rockmusik. Aus der Stadt stammten u.a. die landesweit populären Bands Indexi (seit den 1960er Jahren), Bijelo Dugme (um Bandleader Goran Bregović, ab 1974) sowie Zabranjeno pušenje (u.a. mit Emir Kusturica), Crvena Jabuka, Plavi orkestar und Hari Mata Hari in den 1980er Jahren.

Sport[Bearbeiten]

In Sarajevo wurden die Olympischen Winterspiele 1984 ausgetragen. Sarajevo hatte sich für die Olympischen Winterspiele 2010 beworben, wurde jedoch nicht als Kandidatenstadt berücksichtigt.

Im September 2001 war Sarajevo Austragungsort der 17. Junioren-Europameisterschaften im Amateurboxen.

In der Stadt gibt es mehrere Fußballvereine. Zu den berühmtesten und beliebtesten gehören der FK Sarajevo und der FK Željezničar Sarajevo. Die anderen beiden Erstligisten sind Olimpik und Slavija.

Der Basketballverein Košarkaški Klub Bosna Sarajevo gewann 1979 den Europapokal der Landesmeister.

Sarajevo in der Kunst[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Sarajevo war besonders in den letzten zwanzig Jahren Schauplatz und/oder Drehort mehrerer international beachteter Spielfilme, die sich vorwiegend mit dem Bosnienkrieg und dessen Folgen auseinandersetzten. Vor 1991 in Sarajevo gedrehte Filme erlangten bis auf wenige Ausnahmen nur innerhalb Jugoslawiens Bekanntheit.

Auswahl von Filmen:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sarajevo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Preliminary Results Of the 2013 Census of Population, Households and Dwellings in Bosnia and Herzegovina (PDF; 752 kB; Englisch/Bosnisch). Agency for Statistics of Bosnia and Herzegovina, 5. November 2013. Abgerufen am 9. Dezember 2013.
  2. http://zpr.ks.gov.ba/sites/zpr.ks.gov.ba/files/pp/Prostorni_plan/PROSTORNI%20PLAN%20%20za%20štampu.pdf
  3. Temperatures And Precipitations
  4. Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf/Wien/New York/Moskau 1993, S. 193, ISBN 978-3-430-14445-2.
  5. Verfassung im Originaltext
  6. Sarajevo Official Web Site: Demography
  7. Primary Education & Secondary Education Daten des Kantons Sarajevo (PDF-Dokument)