Sarnen

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Sarnen
Wappen von Sarnen
Staat: Schweiz
Kanton: Obwalden (OW)
Bezirk: (Der Kanton Obwalden kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1407i1f3f4
Postleitzahl: 6056, 6060–6063
UN/LOCODE: CH SNN
Koordinaten: 661615 / 19432846.8972148.24722470Koordinaten: 46° 53′ 50″ N, 8° 14′ 50″ O; CH1903: 661615 / 194328
Höhe: 470 m ü. M.
Fläche: 70.01 km²
Einwohner: i10'084 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 144 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Manfred Iten (CSP OW)
Website: www.sarnen.ch
Blick vom Sarnersee auf die südwestlichen Dorfteile: Goldmattquartier, Pfarrkirche St. Peter und Paul und darüber Ramersberg

Blick vom Sarnersee auf die südwestlichen Dorfteile: Goldmattquartier, Pfarrkirche St. Peter und Paul und darüber Ramersberg

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Sarnen ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kantons Obwalden in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am nördlichen Ende des Sarnersees auf 470 m ü. M. Der tiefste Punkt ist der Wichelsee auf 459 m ü. M., der höchste Punkt ist der Fürstein mit 2'040 m ü. M. Zur Gemeinde Sarnen gehören die Ortsteile bzw. Weiler Bitzighofen, Kägiswil, Kirchhofen, Ramersberg, Stalden und Wilen/Oberwilen. Der Sarnersee und der Wichelsee liegen teilweise auf dem Gebiet der Gemeinde Sarnen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name «Sarnen» ist vorkeltischen Ursprungs und enthält die indogermanische Wurzel ser bzw. sar mit der Bedeutung fliessen. Demnach dürfte Sarnen bereits in der frühen Bronzezeit, also in den ersten Jahrhunderten nach 2000 v. Chr., besiedelt gewesen sein. Die erste schriftliche Erwähnung Sarnens stammt aus einer Schenkungsurkunde des Adligen Recho an das Kloster St. Leodegar in Luzern. Dort erscheint der Ortsname als Sarnono, die Schenkung fand zu einem unbestimmten Zeitpunkt zwischen 825 und 909 statt. In einer Urkunde des Grafen Ulrichs des Reichen (Ulrich I.) von Lenzburg aus dem Jahr 1036 erscheint der Ort mit dem Namen Sarnuna, im alten Sarner Jahrzeitenbuch als Sarnon.[2]

Während der Helvetischen Republik zwischen 1798 und 1803 war Sarnen Hauptort des Distrikts Sarnen des Kantons Waldstätte. In der Mediation 1803 wurde dann die Souveränität des Halbkantons Obwalden wiederhergestellt und Sarnen ist seitdem wieder Hauptort von Obwalden.

Landessender Sarnen[Bearbeiten]

In der Nähe von Sarnen befand sich bis Mitte der 90er Jahre der Landessender Sarnen, eine Sendeanlage für Rundfunk im Mittelwellenbereich mit einer Steilstrahlantenne. Sie diente zur nächtlichen Ausstrahlung des Rundfunkprogramms des Senders Beromünster. Diese Anlage ist heute als Mittelwellensender ausser Betrieb, aber noch existent und möglicherweise funktionsfähig.

Katastrophen[Bearbeiten]

Am 14. August 1468 zerstörte zwischen ein und zwei Uhr am Nachmittag ein verheerender Brand mindestens zweiundzwanzig Häuser, darunter auch das 1418 erbaute Rathaus. Bruder Klaus soll vom Flüeli aus mit einem Kreuzzeichen den Brand gelöscht haben.[3] In der Nacht vom 5. zum 6. April 1919 kam es zu einer Brandkatastrophe am Dorfplatz von Sarnen. Dabei brannten das Zunft- und Gasthaus «Zum Schlüssel» und das Wohnhaus «Joller» ab.

Am 9. August 1831 kam es zu einer grossen Überschwemmung durch die Grosse Melchaa. Da dies nicht die einzige war, wurde zwischen 1878 und 1880 die Melchaa verlegt und fliesst seither nicht mehr durch Sarnen, sondern in den Sarnersee. In der Folge musste auch zwischen 1881 und 1882 der Abfluss des Sarnersees in die Sarner Aa tiefer gelegt werden. Beim Alpenhochwasser 2005 trat der Sarnersee erneut über die Ufer und richtete in Sarnen grosse Schäden an.[4][5]

Nach Erdbeben im 14. Jahrhundert traten in den Jahren 1774–1777 in der Gegend von Sarnen mehrere Erdbeben mit einer Intensität von mindestens Io = VII auf.[6] Bei den Erdbeben vom 17. Februar und vom 14. März 1964 wurden mehrere Gebäude in Sarnen beschädigt, so dass diese abgestützt werden mussten.[7][8] Auch die Sarner Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde durch das Erdbeben der Magnitude 5,7 in Mitleidenschaft gezogen.[9][10]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Sarnen gibt es 853 Unternehmen, welche insgesamt 7'138 Mitarbeiter beschäftigen, 5.6 % davon im landwirtschaftlichen Sektor, 27.7 % in der Industrie sowie 66.7 % in Dienstleistungen (Stand 2008).[11] Das Kantonsspital Obwalden beschäftigt 440 Mitarbeiter.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind der Landenberg (ehemaliger Sitz der Vögte, vom 17. bis 20. Jahrhundert Tagungsort der Obwaldner Landsgemeinde), der Dorfplatz, das Grundacherhaus und das Historische Museum Obwalden in der ehemaligen Kaserne Sarnen.

Sehenswert ist auch der Hexenturm am linken Ufer der Sarner Aa. Er ist einer der wenigen noch erhaltenen Burgtürme aus der Entstehungszeit der Eidgenossenschaft und steht unter Denkmalschutz des Innerschweizer Heimatschutzes. Er wurde vor 1291 erbaut und kam etwa 1308 nach gewaltfreier Einnahme in den Besitz des Landes Obwalden. In der Folgezeit diente er als Gefängnis, Verhörkammer, Schatzturm, Archiv und Museum. Heute ist in dem Turm das Obwaldner Staatsarchiv untergebracht, zu dem auch das Weisse Buch von Sarnen gehört. Im Jahr 2009 wurde eine neue selbsttragende Stahltreppe angebaut.[12]

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul im Dorfteil Kirchhofen ist ein geschlossenes, spätbarockes Bauwerk, das mit seiner Lage oberhalb des Sees weit in die Umgebung ausstrahlt. Es steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz. Ebenfalls unter Denkmalschutz steht die Kollegiumskirche St. Martin, die in ihrer Formensprache an die Arbeiten des schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier erinnert. Das Frauenklosters St. Andreas stellt mit dem um 1360 entstandenen Sarner Jesuskind ein Wallfahrtsort dar. Zudem gehört die Sammlung und Musikaliensammlung des Klosters zu den Kulturgütern von nationaler Bedeutung.

Bilder[Bearbeiten]

Kultur und Bildung[Bearbeiten]

Sarnen ist bekannt für seine traditionelle Musik. Im Sommer gibt es ein kleines Musikfestival, das HUIS Festival. Die Kantonsbibliothek Obwalden mit einem bedeutenden historischen Buchbestand[13] ist in dem denkmalgeschützten Grundacherhaus untergebracht.

Sarnen ist der Sitz der Kantonsschule Obwalden, des Berufs- und Weiterbildungszentrums Obwalden[14], der Höheren Fachschule Medizintechnik[15], der Schule Sarnen[16] (Kindergarten, Primarschule und Sekundarschule/Integrierte Orientierungsschule), zweier Privatschulen und des Freizeitzentrums Obwalden[17].

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1860 1870 1880 1888 1900 1910 1920 1930 1941 1950 1990 2000 2010
Einwohner 3402 3301 3723 4029 3906 3949 4661 4980 5282 5591 6199 8334 9219 9971

Angaben jeweils zum Jahresende[18], [19], [20]

Verkehr[Bearbeiten]

Sarnen ist durch einen Vollanschluss an die Autostrasse A8 gut erschlossen. Die Fahrzeit nach Luzern beträgt rund 20 Minuten. Die Kantonsstrasse Luzern–Interlaken führt mitten durchs Dorf.

Der Bahnhof Sarnen an der Brünigbahn (heute: Zentralbahn) ermöglicht es seit 1888, die Ortschaft auf dem Schienenweg zu erreichen. Weiterhin gibt es Busverbindungen mit Postautolinien. Diese führen nach Alpnach-Dorf, Kerns, Wilen sowie auf den Glaubenberg. Auf dem Sarnersee verkehrt im Sommer das Kursschiff Seestern, das von Sarnen aus alle Orte rund um den Sarnersee anfährt.

Im Ortsteil Kägiswil befindet sich der Flugplatz Kägiswil.

Zur historischen Verkehrssituation von Sarnen siehe die Angaben beim Kanton Obwalden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Sarnen geboren wurden:

Sonstiges[Bearbeiten]

Die von René Heim erstmals auf dem Glaubenberg bei Sarnen gefundene Nacktschnecke Sarner Schnegel (Limax sarnensis) wurde 2009 als neue Schneckenart anerkannt und nach dem Fundort benannt.[21]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Sarnen – Quellen und Volltexte
 Commons: Sarnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. von Flüe 2012, S. 13
  3. Quellen Bruder Klaus, No. 301
  4. Hochwasser Obwalden 2005 (PDF, 4,7 MB) Bericht des Kantons Obwalden mit vielen Fotos
  5. Hochwassersituation August 2005 Hochwasserbericht von Verner Nielsen, abgerufen am 23. Januar 2012
  6. Seismizität der Nord- und Zentralschweiz Technischer Bericht NTB 00-05 der Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle), Dezember 2000
  7. Erdbebenschäden in Sarnen Video von SF Wissen vom 27. März 1964, 1:13 Min.
  8. Erinnerungen an Erdbeben in Obwalden – Am 14. März 1964 lag das Epizentrum in Sarnen, Artikel der ONZ Obwalden und Nidwalden Zeitung vom 18. März 2011. Archiviert von der originalen Online-Version am 18. März 2012.
  9. Expertenbericht: Erdbeben und Kulturgüter (PDF) der Arbeitsgruppe Erdbeben und Kulturgüter im Auftrag des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS), Ende Dezember 2004, Seite 15 f.
  10. Erinnerung an die Erdbeben in Obwalden, Artikel auf dem Nachrichtenportal von Bluewin.
  11. Statistik Sarnen, abgerufen am 11. November 2011
  12. Hexenturm, Sarnen Seite auf dem Webangebot von Sarnen
  13. Eintrag Kantonsbibliothek Obwalden, Sarnen im Handbuch der historischen Buchbestände in der Schweiz
  14. Webangebot des Berufs- und Weiterbildungszentrums Obwalden
  15. Webangebot der Höheren Fachschule Medizintechnik
  16. Webangebot der Schule Sarnen
  17. Webangebot des Freizeitzentrums Obwalden
  18. 1850–1950, INSA Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850–1920, Band 8, Herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Orell Füssli 1996, ISBN 3-280-02410-2
  19. 1990–2000: Statistik Schweiz – Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen, Bezirken und Gemeinden (XLS)
  20. 2010: Obwalden in Zahlen, Website des Volkswirtschaftsdepartements Obwalden
  21. Neu entdeckte Schnecke erhält Sarner Namen Neue Obwaldner Zeitung, 18. September 2009