Sarstedt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sarstedt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Sarstedt
Sarstedt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Sarstedt hervorgehoben
52.2394444444449.860555555555664Koordinaten: 52° 14′ N, 9° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Hildesheim
Höhe: 64 m ü. NHN
Fläche: 42,94 km²
Einwohner: 18.541 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 432 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31157
Vorwahl: 05066
Kfz-Kennzeichen: HI, ALF
Gemeindeschlüssel: 03 2 54 028
Stadtgliederung: 7 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Steinstr. 22
31157 Sarstedt
Webpräsenz: www.sarstedt.de
Bürgermeister: Karl-Heinz Wondratschek (SPD)
Lage der Stadt Sarstedt im Landkreis Hildesheim
Landkreis Hildesheim Niedersachsen Landkreis Holzminden Landkreis Northeim Landkreis Goslar Landkreis Wolfenbüttel Salzgitter Landkreis Hameln-Pyrmont Region Hannover Landkreis Peine Landwehr Winzenburg Everode Freden (Leine) Lamspringe Coppengrave Harbarnsen Sehlem Sehlem Neuhof Woltershausen Adenstedt Bockenem Alfeld (Leine) Duingen Sarstedt Algermissen Harsum Giesen Nordstemmen Hildesheim Elze Betheln Gronau Gronau Eime Diekholzen Despetal Diekholzen Schellerten Schellerten Söhlde Bad Salzdetfurth Holle Weenzen Marienhagen Hoyershausen Banteln Rheden Brüggen Eberholzen Sibbesse Westfeld AlmstedtKarte
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Sarstedt (lat. Kertzstadensis[2]; nds. Cerstede, Cherstede, Chiarstede, Scherstede, Tzarstede, Tzerstede, Zarstede, Zerstede) ist eine am Fluss Innerste gelegene Kleinstadt im (süd)östlichen Niedersachsen (West-Ostfalen). Das Mittelzentrum des Landkreises Hildesheim hat derzeit etwa 18.500 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten]

Sarstedt liegt etwa 13 km nordwestlich von Hildesheim und 21 km südöstlich von Hannover. Sarstedt war zwischen 1885 und 1946 die einzige und ist seitdem die nördlichste Stadt im Landkreis Hildesheim. Westlich des Ortes verläuft die Innerste, welche vom Bruchgraben im Süden gespeist wird und 2 km weiter im nördlichen Ortsteil Ruthe in die Leine mündet. Mit dem Sarstedt-Sehnder Höhenzug endet das Leinebergland und geht endgültig in die norddeutsche Tiefebene über. Sarstedt grenzt im Osten an Algermissen, im Südosten an Harsum, im Süden an Giesen und Barnten (das seit 1974 Ortsteil von Nordstemmen ist) (alle Landkreis Hildesheim), im Nordwesten an Pattensen und im Norden an Laatzen (beide Region Hannover).

Seit der Gebietsreform von 1974 gehören zu Sarstedt zusätzlich zur Kernstadt sechs Ortschaften mit jeweils eigenen Ortsbürgermeistern:

Die Einwohnerzahl beläuft sich in der Kernstadt auf 14.600 und einschließlich der sechs Ortschaften auf 18.500 Einwohner.

Name der Stadt (Herkunft und Wandel)[Bearbeiten]

Dass die Benennung der Stadt Sarstedt eine wechselvolle Geschichte hat, das ist bereits einem namhaften Gelehrten des 19. Jahrhunderts aufgefallen. Der Begründer der deutschen Philologie und Altertumswissenschaft, der Sprach- und Literaturwissenschaftler Jacob Grimm hat die zahlreichen Varianten des Stadtnamens in seiner Geschichte als auffällig angesehen. Für den Mitverfasser des Lexikographen umfangreichsten Deutschen Wörterbuchs lag diese zahlreichen Abwandlungen im Sarstedt-Namen in der Eigenart des Niederdeutschen begründet; denn auch in anderen niederdeutschen Ortsnamen mit anlautendem Buchstaben K im Laufe der Jahrhunderte durch verschiedene Zischlaute ersetzt (Assibilierung) und damit der Variantenreichtum verstärkt worden. Das „hildesheimische Städtchen Sarstedt“ trat für ihn jedoch auch aus dieser Gruppe von Ortsnamen in besonderer Weise hervor:

„Noch andere niederdeutsche ortsnamen weisen mit ihrem wechselnden S SC CH TZ SZ Z auf ursprüngliches K; so das hildesheimische städtchen Sarstedt, welches im chronicon bei Pertz 9, 861–865[3] Scherstede Tzerstede Cherstede Chyerstede, in Urkunden von 1252. 1349 bei Lüntzel s. 110. 222 Zerstede Zchiarstede Cserstede Tzerstide Tzarstede geschrieben und nach dem ein glossator des Sachsenspiegels Brand von Tzerstedt genannt ist; ich vermute, es hiesz anfänglich Carastad locus […]“

Jacob Grimm: Kleinere Schriften[4]

Entstehung und Herkunft des Namens der Stadt Sarstedt finden sich noch prägnanter in der Stadtgeschichte von Hans Wehling beschrieben. 1973 schreibt er:

„In der Zeit zwischen 300 und 800 n. Chr. entstanden die Orte mit der heutigen Endung -stedt. Zu ihnen ist Sarstedt zu zählen. Vermutlich sind die Orte durch Erweiterung des Siedlungslandes entstanden, und zwar schon in altsächsischer Zeit, also vor dem Einfall der Franken. Geht man auf die ersten Schriftformen dieses Namens zurück, kann man auf seine Bedeutung schließen. Wenn man die Schreibweisen Stardethe, Cerstede oder Tzerstede in Beziehung zu dem altdeutschen Wort scard bedeutet Sumpf setzt, lässt sich der Name als Siedlung am Sumpf deuten. Aus der Endung ,stede‘, vom noch älteren ,ithi‘ abgeleitet, kann man Siedlung entnehmen: ,stard ithi‘. Die Ergebnisse der Ortsnamenforschung sind bei der ungefähren Altersangabe richtungsweisend. Betrachtet man die Lage der ersten Ansiedlung am Nordrand des großen Sumpfgebietes, das vom Bruchgraben und Innerste gebildet wurde, ist die Namensdeutung durchaus zutreffend. Die Flurbezeichnung ,Altes Dorf‘, südlich der Hildesheimer Straße, deutet noch heute auf die erste Ansiedlung hin.“[5]

Wehling gibt weitere Varianten des Sarstedter Ortsnamens: „Zerstede (1221), Schirstede (1225–1247), Tzerstede (1302), Cerstede (1367), Tzerstede (1434) und Cerstidde (1474)“.

Sarstedt wies im Laufe der Zeit verschiedene, ja kaum glaubhaft unterschiedliche Schreibweisen auf. Von daher verwundert nicht, wenn seine Quellen im Laufe der Jahrhunderte lückenhaft sind. In über 10 Jahrhunderten sind wiederholt Urkunden und Archivalien der Stadt verloren gegangen oder Zerstörung und Bränden zum Opfer gefallen. Auch dies kann der natürliche Erklärung dafür anbieten, weshalb unterschiedliche Schreibweisen des Stadtnamens sich auch in kürzeren Zeitabschnitten gehäuft haben.

Geschichte[Bearbeiten]

Urgeschichte und Prähistorie[Bearbeiten]

Da über geraume Zeit in und um Sarstedt zahlreiche Ziegeleien in Betrieb waren, sind in den dafür notwendigen Tongruben immer wieder Fossilien entdeckt worden, darunter in der Tongrube Moorberg Nanoplankton[6] sowie hummerartige Krustentiere der lateinischen Bezeichnung Hoploparia dentata,[7] welche aus der Unterkreide stammen, einem Erdzeitalter, das 130–134 Millionen Jahre zurückliegt. Zu dieser Zeit war im Gebiet des heutigen Sarstedt das Meer, bis es sich Jahrmillionen später nach Norden zurückgezogen hat. Die Vorfahren des Menschen, wie der Neandertaler und der Homo erectus, konnten in der Gemarkung Sarstedt ebenfalls nachgewiesen werden.[8] Seit diesen archäologischen Funden gilt Sarstedt als „nördlichster Punkt in Europa, an dem sterbliche Überreste dieser vor 30.000 Jahren ausgestorbenen Entwicklungslinie des Menschen entdeckt wurden“.[9] Erste dauerhafte Besiedlungen fanden in der Gegend in und um Sarstedt nachweislich vor etwa 7.000 Jahren statt. Für die Jungsteinzeit (Neolithikum) in Mitteleuropa, also jene Epoche der Menschheitsgeschichte, deren Beginn mit dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen definiert ist, wurde Bandkeramik und damit eine Phase bäuerlicher Kulturen ohne Metallverarbeitung sowohl für Sarstedt, als auch in den Nachbargemeinden Barnten, Jeinsen und Algermissen archäologisch nachgewiesen.[10]

Mittelalter[Bearbeiten]

Fünf Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde dieser Kupferstich von Matthäus Merian fertiggestellt (1653). Der Betrachter blickt vom Zusammenfluss von Innerste und Leine (beim Ortsteil Ruthe) von Norden auf die Stadt in südliche Richtung. Zu dieser Zeit gab es nur den Kirchturm von St. Nicolai
Die einstige Mühle des Hildesheimer Bischofs, aufgenommen 1910, 600 Jahre nach ihrer ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 1302 (vor dem großen Brand 1919)

Zwischen 772 und 802 lag das heutige Gebiet Sarstedt in dem Einzugsbereich der sich über 30 Jahre hinziehenden Feldzüge der Franken unter Karl dem Großen gegen die seinerzeit noch heidnischen Sachsen (zwischen Nordsee und Harz, Rhein und Elbe). Die Forschung stimmt hier nicht mit den Aufzeichnungen der Zeitgenossen, darunter dem Biographen Karls des Großen, Einhard überein, der immer nur von dem einen Krieg gegen die Sachsen berichtet hat. Gleichwohl gibt es diverse Schauplätze zahlreicher kriegerischer Einzelauseinandersetzungen zwischen den Franken Karls des Großen und den heidnischen Altsachsen. Nach der entscheidenden Niederlage unter Widukind als Führer der Sachsen (dux Saxonum) 785, wurde der heutige Nordwesten Deutschlands dem fränkischen Karolingerreich einverleibt und schrittweise christianisiert. Bei Sarstedt sind aus der Zeit Karls des Großen in einem Abschnitt, der bei der Errichtung des Gewerbeparks Sarstedt freigelegt wurde und seit alters her den Namen „Heidenkirchhof“ trägt, Gräber altsächsischer Reiterkrieger gefunden worden, welche auffällige Parallelen mit jenen Funden aufweisen, die den Beteiligten bei der berühmten Schlacht am Süntel (782) zugeschrieben werden.[11] In dieser Schlacht beim Süntel war das Heer der christlichen Franken von den Altsachsen unter Widukind stark aufgerieben worden. Die Einzelheiten sind durch die Jahrbücher des Biografen Karls des Großen, Einhard, gut belegt.[12] Demnach war die Niederlage am Süntel der Auslöser für Karl den Großen gewesen, mit den Hinrichtungen von 4.500 Sachsen bei Verden an der Aller ein Exempel zu statuieren.[13]

Noch vor Ende der Sachsenkriege erhob Karl der Große vom Bischofssitz Minden im Jahr 800 ausgehend von der östlich der Weser gelegenen und deshalb Ostfalen genannten Region zuerst den Missionsstützpunkt Elze (damals Aula Caesaris, kurz Aulica genannt, etwa 18 km südwestlich zum heutigen Sarstedt gelegen) zu dem territorial festgelegten Verwaltungsbezirk eines neuen Bischofs. Dieses Elzer Bistum wurde unter dem Nachfolger und Sohn Karls des Großen, Ludwig dem Frommen, im 15 Kilometer östlicher und an der Innerste gelegenen Hildesheim 815 neu gegründet. Das zweite ostfälische Bistum Halberstadt im Harz war noch unter Karl dem Großen zusammen mit Elze entstanden.

Seit Anfang des 9. Jahrhunderts ist nördlich von Sarstedt (vor Heisede gibt es noch den entsprechenden Straßennamen in Verlängerung zum östlichen Heidenkirchhof) die Wüstung Helperde (alt. Helperdun) urkundlich belegt (826–876), dass neben dem Bistum Hildesheim, das Michaeliskloster die Grafen von Wunstorf sowie das Kloster Corvey hier Landereien besessen haben. Dem Ort entstammte zudem eine seit dem 12. Jahrhundert nachzuweisende adelige Familie. Die Wüstung muss noch bis 1458 als Ort bestanden haben, weil Sibert von Bolzum unter anderem „das Gericht über den Ort und den Rodungszehnt vom Hildesheimer Bischof zu Lehen erhielten".[14]

Die Rolle, die Sarstedt im 9. und 10. Jahrhundert im Hildesheimer Bistum spielte, ist von den archäologischen und überlieferten schriftlichen Quellen her nicht eindeutig. Doch wird es eine Furt an der Innerste und einen Marktflecken schon gegeben haben. Der alte Sarstedter Siedlungskern wird sich zunächst im Bereich des „Alten Dorfs“ (1279 Altendorp) als Grundbesitz des Hildesheimer Domkapitels entwickelt haben,[15] das ist jener östliche Stadtteil oberhalb der unweit der alten Mühle (heute Mühle Malzfeldt), Mündung des Bruchgrabens in die Innerste zwischen Festplatz und Hildesheimer Straße.

Zu den frühesten schriftlichen Quellen, die auf das Gebiet Sarstedt hinweisen, gehört eine Quelle aus dem Jahr 993. Das war zu einer Zeit, da Bernward noch vor seinem Amtsantritt als Bischof in Hildesheim (Januar 993) in seiner Eigenschaft als treuer und von diesem geachteter Lehrer König Ottos III. eine Streitfrage über die Stiftsgrenze elegant gelöst hatte. Er berief eine Kommission ein, um diese Grenze zwischen dem Hochstift Minden und Hildesheim, welche unterhalb von Hannover die Leine (bei Sarstedt) verließ. Diese Kommission für die Regulierung der Stiftsgrenze war ranghoch besetzt. Neben den Bischöfen Erp von Verden, Dodo von Münster, Friedrich zu Mainz und weltlichen Kommissarien auch 16 eidliche Zeugen aus der direkten Umgebung, darunter von den Ostfalen zwei Brüder aus Wennerde mit Namen „Thiedhard“ und „Oddo de Wongerdun“ (Wennerde (lat. Wongerdun (990), später Wengarde (um 1038)), war eine westlich von Sarstedt, jenseits des heutigen Bahnhofsgebäudes auf dem Wege nach Schliekum, gelegene Wüstung, die mit der Erteilung der Stadtrechte im frühen 14. Jahrhundert in Sarstedt aufgegangen ist).[16] Ebenfalls als Zeuge trat ein gewisser „Deddi de Rothun“ auf, offensichtlich ein Mann aus dem Ortsteil Ruthe, der in der lateinischen Quelle auch latinisiert auftritt.[17]

Um das Jahr 1000 hatte der heute nördliche Ortsteil von Sarstedt, Ruthe, an der Mündung von Innerste und Leine schon eine befestigte Schutzanlage und bildete als Besitz des Bischofs von Hildesheim den nordwestlichen Grenzort des Gaues Astfala.[18] Als kirchlicher Siedlungs- und damit auch Missionspunkt wird Sarstedt (Kertzstadensis) zum ersten Mal im Jahr 1075 und im Vergleich mit dem älteren Missionsstützpunkt Elze lobend erwähnt.[19] Sarstedt liegt auf einem alten Handelsweg, dem Hellweg vor dem Santforde, der im Mittelalter die Bistümer Minden und Hildesheim verbunden hatte.

Dass Stift Hildesheim war von 1150 bis 1450 der Raum in der norddeutschen Tiefebene, in dem man sich nicht den Braunschweiger Geschlecht der Welfen beugen musste, da die „Lehnshoheit des Hildesheimer Bischofs (…) hier keine gesonderten Grafschaften“ zuließ.[20] Seit 1200 wird die Stadt Sarstedt sich zwischen der vermutlich bei St. Nicolai gelegenen Kirche und der Bischofsburg ausgebreitet haben. Die Lage der ursprünglichen Burg wird auf dem Areal vermutet, das heute die untere Steinstraße, die Burgstraße, die Weichsstraße und die Innerste eingrenzen (heute das Gelände des Hallen- und Schwimmbades mit Parkplatz). Denn dieser Bereich liegt nur wenige Schritte von der Innerstebrücke und dem westlichen Stadttor (Holztor) entfernt. Die Bischofs- oder Retburg (später auch Rietburg oder Rittburg im Besitz derer v. Alten) hatte von Anfang an die Aufgabe, das bischöfliche Hildesheimer Land gegen die Welfen im Westen, den Leineübergang bei Ruthe und die Innerstefurt bei Sarstedt zu schützen. Der bischöfliche Hof wird unter dem hildesheimer Bischof Siegfried I. in dessen letztem Amtsjahr 1221 erstmals urkundlich erwähnt (also noch vor der eigentlichen Stadtgründung). Der ursprünglich errichtete Hoftyp frühkarolingischer Zeit wird auch Villikation[21] genannt. Ein Herren- oder Fronhof (lat. curtis) mit umfangreichem, selbst bewirtschafteten Landbesitz (Salland, lat. terra salica) wurde hier mutmaßlich betrieben, und um diesen Fronhof gruppierten sich kleinere Bauernstellen (Hufen, lat. mansi), die vom Grundherrn ausgegeben und von den Bauern bewirtschaftet wurden.[22]

Der Hof des Bischofs von Hildesheim muss vor 1221 als Lehen gewissermaßen verpachtet gewesen sein, da die damaligen Besitzer, die Brüder Basil und Lippold von Escherde als bischöfliche Ministeriale Vogteirechte (im Auftrage des Hildesheimer Bischofs) in Sarstedt wahrgenommen haben.[23] Es war Bischof Konrad II., der gewissermaßen als Verpächter in der Nachfolge Siegfrieds I. (bis 1221) den von diesen Vögten an diesem Ort errichteten Turm zwischen 1222–1225 niederreißen ließ (villa Schirstede, 1225–1247). Offenbar hatten sie ohne bischöfliche Einwilligung gehandelt und diesen Turm erbaut, oder aber der neue Bischof wollte sie seine Macht spüren lassen. Zwei Jahrzehnte später wird unter dem gleichen Bischof Konrad II. Bodo von Gleidingen als bestellter Amtmann dieser Burg (in castro Chyarstede) an der Innerste erwähnt.[23] Herzog Albrecht von Braunschweig eroberte die Burg 1256 und brannte sie während der Regierungszeit Ottos I. um 1279 nieder. In einem Vertrag vom 10. Dezember 1283 konnte deshalb auch von einem „von dem Bischofe zu erbauenden Schloss Sarstedt“ die Rede sein.[24][25] 1485 wurden Burg und Stadt Sarstedt in den Kämpfen des Bischofs gegen die Stadt Hildesheim erneut zerstört. Von daher wird die Retburg auch mit dem Weichsschen Hof (1724–1752) in Verbindung gebracht,[26] dessen Rudimente samt zweiteiliger Eremitage an der Steinstraße erst zu Beginn der 1970er Jahre neueren Vorhaben gewichen sind und dessen Wiederaufbau seit einigen Jahren zur Debatte steht.[27]

Vom Weichsschen Hof sind nur die Säulen des Portals erhalten, an denen inzwischen das hölzerne Tor zum Innerstebad befestigt ist. Rechts und links ist mittig das in Stein gehauene Wappen des Adelsgeschlechts derer von und zu Weichs noch erkennbar, auf den Steinen darunter links der Schriftzug „Ignatius Baron De Weichs“ und rechts „Frans Adam Baron De Weichs“
Das Geschlecht aus bayerischem Uradel stammt aus dem gleichnamigen Ort Weichs im bayerischen Landkreis Dachau. Das Familienwappen derer „von Weichs zur Wenne" gründet stilistisch auf dem Wappen der Stadt (Schild unten in der Mitte)

Der älteste Siedlungskern des Ortes befindet sich mutmaßlich im Bereich der evangelisch-lutherischen Kirche St. Nicolai (Der Vorgängerbau wurde zwischen 1038 bis 1044 gestiftet und mit einem Zehnt als Einnahmequelle ausgestattet, der zuvor der Kirche in Elze zugestanden wurde),[25][28] die sich auf einer Anhöhe befindet, oberhalb des „alten Dorfes“ und der nahe gelegenen Vereinigung des Bruchgrabens mit der Innerste sowie südwestlich der Mühle, die 1302 erstmals erwähnt wird und seit dem frühen 14. Jahrhundert zum Tafelgut (Mensal- oder später Kammergut) des Bischofs in Hildesheim gehörte.[29] Der heutige Bau von St. Nicolai geht auf das Jahr 1457 zurück.[30] Nicht bewiesen ist, dass Sarstedt bereits vorher an gleicher Stelle eine Steinkirche von Thietmar, dem Nachfolger des heiliggesprochenen Hildesheimer Bischofs Godehard, in dessen Amtszeit (1038–1044) gestiftet worden war.[31] Auf jeden Fall war die erste Mühle vor St. Nicolai an jenem Ort entstanden, wo die Innerste früher eine Flussinsel gebildet und von daher ideale Bedingungen für einen natürlich geschützten Mühlenbetrieb geboten hatte.

Schon früh war Sarstedt das Objekt streitender politischer Kräfte. Mitte des 13. Jahrhunderts (1254) wurde die Asseburg vom Herzogtum Braunschweig-Lüneburg durch Albrecht den Großen drei Jahre lang vergeblich belagert. Gunzelins ältester Sohn Burchard (Busso), der sich „von der Asseburg“ nannte, hatte sie hartnäckig verteidigt. Der Hildesheimer Bischof Heinrich betrachtete den drohenden Übergang des Ländchens an das Welfenhaus wie seine eigene Angelegenheit und nahm Partei für Asseburg. Im Jahr 1255 brach die Fehde offen aus, deren Ergebnis war, dass Albrecht neben der gegnerischen Feste Wolfenbüttel, die Asseburg sowie ein Jahr später auch im Fürstbistum Hildesheim bzw. im Hildesheimer Stift die Orte Sarstedt und Rethen 1256 erobern konnte.[32]

Sarstedt wurde zur Stadt um das Jahr 1296, als Sarstedt von Bischof Siegfried II. (1279–1310) territorial erweitert wurde; denn nach der Einbeziehung der älteren Dörfer oder Siedlungen „Wennerde und Helperde“ traten die Stadtrechte in Kraft.[33] Vermutlich gingen mit der prosperierenden materiellen Bedeutung von Sarstedt seit dem 12./13. Jahrhundert auch die verstärkten baulichen Anstrengungen der Sicherung der Stadt einher, allem voran die Errichtung von Stadtmauer, Wall und Graben sowie der Bau der beiden Stadttore „Ostertor“ (im Osten) und „Holztor“ (im Westen vor der Innerste-Brücke).[34]

Als Stadt erstmals erwähnt wird Sarstedt in einer Urkunde in einer Aufzählung mit anderen Ortschaften wie Braunschweig, Goslar oder Hildesheim im Jahr 1339 (31. Januar). Für 1250 ist ein Leutpriester oder Pfarrer (lat. plebanus) belegt, 1258 wird in einer Urkunde ein Sarstedter Bürger benannt. Ab 1319 wird Sarstedt als civitas bezeichnet, 1327 ist der Ort als Archidiakonatssitz verbürgt, und von 1428 stammt das erste Siegel der Stadt.[25] Wiederholt wurde die Stadt zerstört und musste mühsam wieder aufgebaut werden: zuerst 1283, nach der Großen Fehde 1485, der Hildesheimer Stiftsfehde 1521, 1556, 1580, 1716[35] und 1798.[36]

Mitte des 14. Jahrhunderts muss indessen der Ort Sarstedt für die Führung des Sarstedter Klerus einen sehr beständigen und treuen Eindruck gemacht haben, da die Geistlichkeit in Hildesheim mit der Stadt in Konflikt geraten war. Rat und Domkapitel traten sich feindselig gegenüber und man erwog, die Residenz nach Goslar oder auch nach Sarstedt zu verlegen, weil man Gewalttaten der Hildesheimer Bürgerschaft befürchtete.[37] Hinzu kam, dass Karl IV. dem Hildesheimer Bischof 1374 die „Einrichtung eines Freigrafenstuhls“[25][38] gestattet hatte. 1395 entschied der bischöfliche Gograf „auf dem Hassel“ die zivilen Streitfälle innerhalb der Bürgerschaft.[25]

Frühe Neuzeit und Reformation[Bearbeiten]

Erich I., der als katholischer Landesherr von Calenberg die Wahl Kaiser Karls V. unterstützt hatte, mit seiner zweiten Frau Elisabeth, die nach seinem Tod die Reformation Luthers in Südniedersachsen und auch für Sarstedt durchgesetzt hatte, gemalt um 1530.
Der Reformator und Verfasser der Calenberger Kirchenordnung, Anton Corvinus, 1501–1553

Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte Sarstedt unter Hildesheimer Landesherrn, den Fürstbischöfen des Stifts, eine weitgehend friedliche Zeit, sieht man einmal von der unter Bischof Magnus eingerichteten Zollstation in Sarstedt ab, die entgegen der bisherigen Zollfreiheit im Stift Hildesheim für Unmut gesorgt hatte.[39][40] Mitte des 14. Jahrhunderts sind für Sarstedt erstmals auch Einwohner jüdischen Glaubens belegt. (Zahlen jüdischer Einwohner, s. weiter unten rechts: Tabelle 1). Diese für Sarstedt weitgehend stabile Phase endete mit der so genannten Großen Fehde, bei der Sarstedt mit Feuerkugeln am 23. September 1485 völlig zerstört wurde.

Tabelle 1: Sarstedter Einwohnerschaft von 1593 bis 2011[41]
Jahr Einwohner
1593 131
1654 1.012
1785 1.134
1833  ?

(e-l:?; r-k:?; j:36)[41]

1855 1.579
1862 1.520[42]
1864  ?

(e-l:?; r-k:?; j:85)[41]

1867 1.695[43]
1885 2.455[44]
1890 2.768[45]

(e-l:2.173; r-k:595; j:34)

1900 3.664[46]
1903 3.664[47]
1904 3.932[48]
1905 4.147[49]
1910 4.645[50]

(e-l:3.522; r-k:1.093; j:30)

1916 4.373[51]
1917 4.550[52]
1919 4.803[53]
1925a 5.002[54] (1. März);

(e-l:?; r-k:?; j:18)[41]

1925b 5.106[55] (16. Juni)
1927 5.169[56]
1928 5.260[57] (31. Dez.)
1930 5.292[58]
1933 5.472[59]
1936 5.710[60]
1938a 5.806 (1. Jan.)
1938b ca. 6.000 (31. Dez.)
1945 8.500
1949 9.797 (1. Okt.)
1961 10.196[61]
1970 13.420[61]
1972 13.500
1999 17.805
2010 18.551

Am 4. August 1503 hielt der neu gewählte Bischof und Landesherr, Johann IV. von Hildesheim von Sarstedt kommend seinen Einzug in Hildesheim.[62] Doch in seiner Zeit brach die Hildesheimer Stiftsfehde (1519) aus. Sarstedt ging ein weiteres Mal in Flammen auf. Zunächst schien es, dass Johann IV. nach der Schlacht bei Soltau (1519) den Sieg davontragen werde. Dass aber ein militärischer Erfolg nicht so wichtig ist wie der politische, zeigt sich auch daran, dass das „große Stift“ nach dem Quedlinburger Rezess trotz dessen militärischer Niederlage in die Obhut des Herzogs von Calenberg, Erich I. von Calenberg-Göttingen am 13. Mai 1523 kam. Hildesheim musste seine Besitzungen Gronau, Wohldenstein und Sarstedt abgeben. In der Schlacht bei Soltau noch unterlegen, gelang es Erich I. jedoch durch einen Schiedsspruch Kaiser Karls V. zu obsiegen und damit die größeren Teile des Hochstifts seiner Herrschaft hinzuzufügen. Sarstedt wurde welfisch und dem Amt Coldingen (OT von Pattensen, 13 km von Sarstedt) unterstellt.

1540, knapp 23 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers, starb Herzog Erich I. Sein Sohn Erich II. war noch ein Kind, weshalb seine Mutter, die Herzogin Elisabeth, zunächst die Regierungsgeschäfte übernahm. Elisabeth hatte sich bereits zwei Jahre zuvor öffentlich bei einem Gottesdienst das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichen lassen. Fortan war von daher ihre Ehe mit Erich I. konfessionsverschieden: der Herzog katholisch, die Herzogin lutherisch. Als Herzog Erich I. am 30. Juli 1540 beim Reichstag im Elsässischen Haguenau verstarb, erhielt seine Witwe Elisabeth trotz des erbitterten Widerstands Heinrichs von Braunschweig-Wolfenbüttel gemeinsam mit Philipp von Hessen die vormundschaftliche Regierung über das Fürstentum Calenberg. Die fünf Jahre ihrer Vormundschaft nutzte sie zu der Durchsetzung der Reformation nach Martin Luther und zur Sanierung des fürstlichen Haushalts. Elisabeth von Brandenburg gilt als „Reformationsfürstin“, die mit dem hessischen Reformator Anton Corvinus im ganzen heutigen Südniedersachsen den neuen Glauben von oben durchsetzte. Antonius Corvinus wurde zum Superintendenten des Fürstentums mit Sitz in Pattensen ernannt. Der Jurist Justus von Waldhausen, der in Wittenberg studiert hatte, wurde auf Empfehlung Luthers zum fürstlichen Rat und späteren Kanzler ernannt. Der Mediziner Burckard Mithoff sowie der Hofrichter Justinus Gobler und der Magister Heinrich Campe komplettierten die Mannschaft, mit der die Fürstin ihr Reformationswerk durchsetzen wollte.

Drei Jahre vor dem Tod Luthers 1546 hielt in Sarstedt die Reformation um die Jahreswende 1542/43 Einzug. 1542 entstand eine von der Landesherrin Elisabeth in Auftrag gegebene und von Corvinus entwickelte (auch als Kirchenordnung Elisabeths bekannte) Calenberger Kirchenordnung[63] für ganz Calenberg-Göttingen verfasst und nach der gründlichen Kirchenvisitation (17. November 1542 bis 30. April 1543), an der Elisabeth persönlich teilnahm, dekretiert. Eine Klosterordnung vom 4. November 1542 regelte die evangelische Umgestaltung der Klöster. 1544 wurde zusätzlich eine Hofgerichtsordnung erlassen, um auch die Rechtsverhältnisse im Lande zu ordnen. Zur Untermauerung ihrer Entschlossenheit verfasste die Fürstin eigenhändig zahlreiche geistliche Lieder sowie einen Sendbrief an ihre Untertanen, welcher diese im Glauben stärken sollte.

Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges gerieten die verschiedenen Kombattanten auch bei Sarstedt vermehrt aneinander: Am 12. Oktober 1625 verlangte ein dänischer Oberst mit seinen protestantischen Truppen nach Proviant. Drei Tage später der feindliche Generalissimus, der sein Hauptquartier in Mahlerten aufgeschlagen hatte, um die Burg Calenberg zu bezwingen.[64] Sieben Jahre später überschritt für den Entsatz (eine militärische Operation) des Steuerwaldes die Kavallerie des Generals Lintlo die Leine bei Poppenburg, wurde aber von den Lüneburgischen Truppen unter der Führung von Herzog Georg bei Sarstedt besiegt. Neun Jahre später trafen am 9. Juli 1634 kaiserlich-katholische Truppen zur Verteidigung Hildesheims „am Hülpersberge“ bei Sarstedt (heute „am Kipphut“) mit der Belagerungsarmee zusammen und wurden von dieser vernichtend geschlagen. Am Abend standen die Sieger erneut vor Hildesheim, das sie zuvor lange belagert hatten.[65] Als sich Franzosen und Schweden auf deutschem Boden über 13 Jahre (1635–1648) bekämpften, hatten die Schweden an der Mündung der Innerste in die Leine (im Sarstedter Ortsteil Ruthe) ihr Lager sieben Jahre später vorübergehend aufgeschlagen (September 1641).[66] Die Schweden und die Lüneburger Truppen lagerten bei Sarstedt unter dem „Hülpersberge“, die Gegner bei Groß Lafferde.[67] Im Jahr 1673 war Sarstedt einmal mehr Verhandlungsort von Oberkommandierenden gegnerischer Truppen gewesen.[68] Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden in Sarstedt 131 Bürger (dazu neun Schutzbefohlene und drei Sattelhöfe) gezählt (1593).[41]

1653–1815 war der Ort wieder Teil des Bistums Hildesheim, bevor die Stadt zusammen mit dem Bistum zum Königreich Hannover kam.

In dieser Zeit 18. Jahrhundert wurde von Sarstedt bekannt, dass hier Adelige aus Friesland und Mecklenburg eigene Anwesen unterhalten. In der größten Enzyklopädie dieser Zeit heißt es „Etliche von Adel, als die Friesen und Barner“, hätten hier „freye Burghöfe“ besessen.[35]

Bis zum Anschluss an das neuzeitliche Massenverkehrsmittel Eisenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts wird Sarstedts Lage an einer durch Zoll und Brücke passierbaren Flussüberquerung große Bedeutung in Nachschlagewerken beigemessen.[69]

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Während der Zeit der französischen Besetzung (1807 und 1813) gehörte Sarstedt zum Departement der Oker (mit Hauptstadt Braunschweig) als Teil des Königreichs Westphalen, das nach dem Frieden von Tilsit (7. und 9. Juli 1807) entstanden war. König war Jerome Bonaparte, ein Bruder Napoleon Bonapartes. Vom Departement der Oker kamen drei Kantone aus dem bisherigen Distrikt Hildesheim, Elze (der Teil auf dem linken Leine-Ufer) Sarstedt und Algermissen, zum Departement der Aller (ab 1. September 1810).

Um 1850 war Sarstedt eine Stadt im Amtsbezirk Ruthe des Fürstentums Hildesheim (ohne die Mühle und die Mühlenstraße, die calenbergisch verwaltet wurden) samt den Gerichtsplätzen Gogericht, Stadtgericht und Landgericht.[25][70] Sarstedt erlangte 1852 den Status einer Titularstadt und somit eine gewisse amtliche Eigenständigkeit;[41] die Gerichtsbarkeit ging erst 1859 vom Amt Ruthe auf das Amtsgericht Hildesheim über. Seinerzeit wurde im Umland der Stadt vor allem Flachs (für die Herstellung von Leinen) angebaut, das vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert neben Hanf, Nessel und Wolle die einzige Textilfaser war.

Sarstedt hatte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts einen Bahnhof, einen Halt an der Hannöverschen Südbahn, deren Abschnitt Hannover-Alfeld 1853 eröffnet wurde.[71] 1890 hatte Sarstedt 2.768 Einwohner, darunter – wie es im seinerzeitigen Brockhaus hieß – „561 Katholiken und 34 Israeliten“.[45]

Neueste Geschichte und Zeitgeschichte[Bearbeiten]

Die 1893 neu erbaute „Restauration Sarstedter Hof“ vor über 100 Jahren. Scherzhaft wurde er wegen der lauten Frösche am Dickebast auch „Poggenkrug“ genannt, Ansichtskarte um 1902
Anfang der Holztorstraße bei der „Maiwiese“ und „Dickebast-Brücke“, links der „Sarstedter Hof“, um 1906

Die Landwirtschaft und das Kleingewerbe prägte Sarstedt die meiste Zeit im 19. Jahrhundert. Sarstedt wird 1852 Titularstadt, 1929 erhält es den offiziellen Stadt-Status gemäß der seinerzeit gültigen preußischen Gemeindeverordnung.

Nach dem Bau der Bahnverbindung Hannover-Hildesheim mit einem Sarstedter Halt und dem Sarstedter Bahnhof entstand eine Seifen- und eine Lichterfabrik. Hinzu kam die Übernahme der bischöflichen Mühle durch den Kaufmann Ernst Malzfeldt 1854, der den Betrieb mit seinen Söhnen auch dank des neuen Transportmittels zur ersten Handelsmüllerei in Niedersachsen ausbauen konnte. Eine Schlosserei von 1844 bildete die Grundlage für eine Ofen- und Herdfabrik in den 1870er Jahren, die spätere Vosswerke AG, deren Belegschaft sich 1880–1914 von 100 Mitarbeitern in kaum 35 Jahren verzehnfachte. Die Vosswerke betrieben eigene Gleisanlagen, um ihre schweren Waren besser transportieren zu können. Auch waren nach 1850 bis 1900 zwei Zündholzfabriken in Sarstedt entstanden.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Sarstedt auch eine Zuckerfabrik, die aber nicht lange bestand. Angefangen mit 1800 entstanden bis 1850 6 Ziegeleien in Sarstedt, von denen die Dachsteinfabrik Otto Gott GmbH noch heute besteht. Die Transfers der Stadt beziffern sich wie folgt: „1996 gab es in Sarstedt insgesamt 700 Betriebe mit 6.000 Beschäftigten. 2.500 Menschen pendelten zur Arbeit in den Ort ein, 4.100 gingen ihrer Arbeit in Hannover oder Hildesheim nach“ (Jürgen Rund).[41]

Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich die Sarstedter Bevölkerung vervierfacht (von zirka 1.500 auf 5.700);[49] nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie sich abermals verdoppelt. Dieser Zuzug war zum einen mit der Industrialisierung und der damit verbundenen wirtschaftlichen Prosperität verbunden. Obwohl eine kleine Stadt in der preußischen Provinz, konnte Sarstedt früh an der industriellen Entwicklung durch den Bahnanschluss teilnehmen. Auf der anderen Seite haben auch beide Weltkriege eine Bevölkerungsverschiebung durch Migration und Vertreibung zur Folge gehabt, die Sarstedt ein bedeutendes Wachstum seiner Einwohnerschaft bescherte.

Die durch den Bahnanschluss ermunterte Investitionsbereitschaft brachte zwangsläufig einen Bevölkerungszuwachs mit sich, und dieser eine Ausbreitung des Stadtareals. Eine signifikante Erweiterung der Baumasse erfuhr die Stadt in dieser Zeit zuerst jenseits der Innerste bis zu dem südlichen Stadtteil Giebelstieg. Ende der 1880er Jahre prosperierte nicht zuletzt wegen der durch den Bahnhof begründeten neuen Anziehungskraft als Verkehrsknotenpunkt das Holztorviertel, das Ende der 1880er Jahre gebaut wurde. Die Neubautätigkeit im Westteil der Stadt an der Holztorstraße und auf der so genannten Füllkuhle (Venedig, Schliekumerstraße, Querstraße) war seinerzeit besonders rege.[72] Bis zur Jahrhundertwende war das von der Giesener Straße, den Vosswerken und dem Bahnhof begrenzte Gebiet bebaut.[73]

Südlich der Vosswerke AG entstanden ab 1898 durch den „Gemneinnützigen Bauverein“ Wohnungen für den privaten Bedarf. Auf dem Dehnberg errichtete man 1938 20 Eigenheime, in den 1950er Jahren kamen um die 1.200 neue Wohnungen hinzu. Weitere Siedlungen entstanden in den 1960er und 70er Jahren auf den bis dahin landwirtschaftlich genutzten Flächen.[41]

Facetten dieser turbulenten aber auch wechselvollen Zeit der niedersächsischen Stadt finden sich in der Sarstedter Polizeiberichterstattung aus hundert Jahren (1853–1947), von denen die interessantesten Auszüge im „Sarstedter Anzeiger“[74] 1996 abgedruckt worden sind. Diese in ihren Teilen zugängliche Chronik gibt einen tiefen zeitgeschichtlichen Einblick in die Folgen zweier Weltkriege für eine Stadt im Einzugsgebiet von Hannover und im Landkreis Hildesheim.[75]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte Sarstedt im Landkreis Hildesheim zum Regierungsbezirk Preußen im Kaiserreich. Für erwähnenswert hielten zeitgenössische Nachschlagewerke das Telegraphenamt, die Zucker-, Kochherd- und Zündholzfabrik, die Eisengießerei, fünf Dampfziegeleien sowie zwei Dampfmühlen.

Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben im Kreis Sarstedt spielte seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Kalibergbau, bei dem Kalisalze zur Herstellung von Dünger unter Tage abgebaut wurden. Beide unmittelbar zu Sarstedt gehörende Kalischachte „Glückauf-Sarstedt“ und „Siegfried-Giesen“ verfügten über eine Grubenanschlussbahn und dienten seit 1904/06 zahlreichen Sarstedter Familien mehreren Generationen als Einnahmequelle, bis sie beide 1987 geschlossen wurden. Wenn nun seit Ende 2010 eine Wiederbelebung von „Siegfried-Giesen“ erwogen und eine Machbarkeitsstudie eines Düngemittel- und Salzfabrikanten in Auftrag gegeben wird, wäre dies das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, dass „ein stillgelegtes Bergwerk wieder in Betrieb genommen wird“.[76] Unter den Sarstedter Kalikumpeln gab es nicht wenige Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten, mit den 1960er Jahren setzte die Zuwanderung der so genannten Gastarbeiter ein, unter denen nicht wenige in Sarstedt eine zweite oder eine neue Heimat gefunden haben.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Giften, Gödringen, Heisede, Hotteln, Ruthe und Schliekum (letztere aus dem Landkreis Springe) eingegliedert.[61]

Politik[Bearbeiten]

Sarstedt unterhält seit 1992 Städtepartnerschaften zu den französischen Gemeinden Aubevoye und Gaillon.

Ortsratswahl 2011[77]
Wahlbeteiligung: 51.00 %
 %
50
40
30
20
10
0
26,9 %
45,1 %
12,2 %
4,4 %
6,5 %
4,9 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
e Die Unabhängigen
f Wahl-Alternative-Sarstedt

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich aus 32 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Amtierender Bürgermeister ist Karl-Heinz Wondratschek (SPD)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten von Gold und Rot, belegt mit grünem Kleeblatt an verschlungenem Stiel.“ Als Bischof Siegfried II. von Hildesheim 1296 Sarstedt zur Stadt erhob, trat auch gleichzeitig das erste Siegel auf, welche über Wellen, die für die Innerste stehen, eine dreitürmige Burg abgebildet zeigt. Auf den zinnen des niederen Mittelturms erscheint im 15. Jahrhundert wachsend ein Heiliger mit Kreuzstab und Buch. Von Otto Hupp wird er als der Heilige Antonius beschrieben. Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich das Wappen unabhängig vom früheren Siegel und zeigt sich seit damals in seiner heutigen Form. Das gespaltene Schild steht für das Wappen des Hochstifts Hildesheim, das Kleeblatt geht vermutlich auf ein einstiges Ortszeichen zurück.[78]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

Die Kirche St. Nicolai wurde 1457 fertiggestellt und ist damit das älteste Gebäude in Sarstedt

Der spätgotische Bau der St.-Nicolai-Kirche, bis zur Reformation Kirche des Archidiakonats Sarstedt im Bistum Hildesheim, war 1457 vollendet und ersetzte einen romanischen Vorgängerbau aus dem 11. Jahrhundert. Namensgeber ist der heilige Nikolaus als Schutzpatron der Kaufleute. 1543 wurde für Kirche und Stadt die lutherische Kirchenordnung eingeführt.

Die katholische Heilig-Geist-Kirche wurde 1912/13 im neuromanischen Stil erbaut und bis 1961 Ruthe unterstellt. Die Katholiken in Sarstedt waren auf die Pfarrei in Ruthe verwiesen, und ab Mitte des 18. Jahrhunderts konnten sie die Privatkapelle des Weichsschen Hofes für den Gottesdienst nutzen.[25] Erst 2002 erfuhr sie eine durchgreifende Innenrenovierung mit postmodernen Gestaltungselementen.

Als zweite lutherische Kirche Sarstedts entstand die St.-Paulus-Kirche 1963–1965 im Stadtteil Giebelstieg. Konstruiert mit einem Stahlbetonskelett und verblendet mit hellen Klinkern, ist sie im Stil einer Basilika gebaut. Der etwas vorgeschobene Turm ist mit einem Verkündigungsengel bekrönt und misst 37 m Höhe.

Nordöstlich des Stadtzentrums befindet sich die jüngste evangelisch-lutherische Kirche Sarstedts, die Paul-Gerhardt-Kirche.

Eine Neuapostolische Kirche befindet sich am südlichen Ortsrand von Sarstedt (In der Peulen 21), die Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Hannover-Südwest.

Museen[Bearbeiten]

Die Wassermühle Malzfeldt an der Innerste wird in einer Quelle aus dem Jahr 1302 erstmals erwähnt. Seit 1965 wird sie als Wasserkraftwerk genutzt, durch das Strom ins öffentliche Netz einspeist wird. Ein Mühlenmuseum ist darin untergebracht und kann nach Voranmeldung besichtigt werden.

Im „Haus am Junkernhof“ befindet sich das Sarstedter Kulturzentrum, das Veranstaltungen zu Musik, Literatur und darstellender und bildender Kunst sowie der Stadt- und Regionalgeschichte verpflichtet ist. Darin gibt es ein Heimatmuseum, in dem eine historische Apotheke und eine Seilerwerkstatt als Dauerausstellung zu sehen sind. Darüber hinaus finden vermehrt Sonderausstellungen statt.[79]

Ansichtskarte, 1908
Mühle Malzfeldt, 2005

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhofsgebäude Sarstedt, 2009

Bahn-, Straßenbahn- und Busverkehr[Bearbeiten]

Das „Straßenbahnhofs-Restaurant“ befand sich bis in die 1990er Jahre gegenüber der Wendeschleife der Straßenbahn. Diese „rote Linie 11“ führte von 1899 bis 1958 an diesem Haus vorbei, Ansicht vor 1910[80]

Sarstedt liegt an der hannöverschen Südbahn HannoverGöttingen. Über die Bahnstrecke Lehrte–Nordstemmen existieren zudem Verbindungen über den Oberharz nach Halle (Saale). Unter anderem mit der S-Bahn Hannover ist der Hannoversche Hauptbahnhof erreichbar. Seit 1900 besteht eine direkte elektrische Stadtbahn- oder Überland-Straßenbahnverbindung mit Hannover, die seit 1958 nicht mehr nach Hildesheim weiterführt, sondern in einer Wendeschleife endet. Diverse Buslinien übernehmen die Binnenerschließung und Verbindungen mit Hildesheim, Elze, Nordstemmen und Rethen. Der wichtigste Betreiber des Busverkehrs ist die Regionalverkehr Hildesheim GmbH.

Flugverkehr-Einrichtungen[Bearbeiten]

UKW-Drehfunkfeuer Leine DLE

Auf der Anhöhe Kipphut befindet sich ein Drehfunkfeuer für die Navigation der Luftfahrt. Hier beginnt das Instrumentenanflugverfahren für den Flughafen Hannover. Sollte ein Anflug vorübergehend nicht möglich sein, werden hier Warteschleifen geflogen.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Sarstedt liegt an der Bundesstraße 6.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Regionale Medien[Bearbeiten]

  • Sarstedter Zeitung (gegr. 13. Oktober 1888)
  • Sarstedter Anzeiger
  • Kleeblatt.net: Heimatzeitung am Donnerstag für die Region Sarstedt, Hildesheim Nord und Hannover Süd

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Innerstebad – Hallen- und Freizeitbad der Stadt Sarstedt
  • Stadtbücherei Sarstedt
  • Sarstedter Heimatmuseum[79]
  • Jugendzentrum Klecks
  • Stadtarchiv Sarstedt[81]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]


Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Das Innerstebad Sarstedt ist ein Hallen- und Freizeitbad; dessen Freibad in der Sommersaison von Mai bis September geöffnet ist. Daneben bieten sich die Giftener Seen und der Badesee im Ortsteil Heisede als Naherholungsgebiete an.

Die Seen bei Giften; rechts Badesee und links der Surf- und Segelsee; im Hintergrund die Trasse des ICE HannoverGöttingen

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Freiwilligenagentur spontan (in Kooperation mit der Nachbarschaftshilfe des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises)

Wissenschaftliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Mit dem GEO600 befindet sich ein Detektor zum Erfassen von möglichen Gravitationswellen in Ruthe bei Sarstedt. Dieser ist Teil der internationalen Einrichtung LIGO, die aus fünf Detektoren besteht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • In seiner Novelle „Die Innerste“ zeichnete der niedersächsische Schriftsteller Wilhelm Raabe im Jahre 1876 ein liebevolles Bild der Landschaft am Innerste-Ufer südlich und damit flussaufwärts von Sarstedt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heiner Jürgens, Hans Lütgens, Arnold Nöldeke, Joachim Freiherr v. Welck: Die Kunstdenkmale des Landkreises Hildesheim. Selbstverlag der Provinzialverwaltung Theodor Schulzes Buchhandlung, Hannover 1938, S. 176–189 (Sarstedt)
  • Chronik der Stadt Sarstedt 1853 bis 1949. Zusammengestellt im Auftrag der Stadt Sarstedt vom Redakteur des „Sarstedter Kreisanzeigers“ Albert Rolff, Sarstedt (um 1950) o.J. 187 S.
  • Hans Wehling: Sarstedt – Geschichte einer kleinen Stadt. Bearbeitet und ergänzt von Margarete Schaper, Verlag Kreis-Anzeiger, Sarstedt 1973
  • Kurt Brüning, Heinrich Schmidt (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 2: Niedersachsen und Bremen. 5. Aufl., Stuttgart 1986
  • Friedrich Dietrich (Hrsg.): Sarstedt. Geschichte unserer Stadt. Band 1: Von der Furt zum Ort; Die Entwicklung; Historisches; Berichte über die Stadt; Namen, Fakten, Geschichte; 1853 bis 1949. Gestern und Heute; Bilder der Stadt, Sarstedt 2001. (Enthält die Langfassung der Chronik der Stadt Sarstedt 1853 bis 1949, zusätzlich aber reichlich bebildert und mit zahlreichen Aufsätzen des Stadtheimatpflegers Werner Vahlbruch und dem Stadthistoriker Hans Wehling)
  • Margret Zimmermann, Hans Kensche: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land. Hrsg. von der Hildesheimer Volkshochschule e. V., Verlag Lax, Hildesheim 1998, ISBN 3-8269-6280-X.
  • Andreas Voß: Dachsteinwerk Otto Gott, Sarstedt. In: Feldbahn kreuzt! No. 9 vom Oktober 2002. Hrsg. Feldbahnmuseum Hildesheim. Seite 32-39.
  • Jürgen Rund: Städtische Siedlungen. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, S. 96–135, bes. 130–133
  • Literatur von Sarstedt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sarstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Sarstedt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Sarstedt wird mit diesem Namen in einer lateinischen Quelle aus dem Jahr 1075 bezeichnet, welche die Gründung der Hildesheimer Kirche beschreibt. Der Verfasser war mutmaßlich Bernhard von Konstanz: Fundatio Ecclesie Hildensemensis. Hildesheim 1075.
    (Vgl. auch die zweisprachige Ausgabe von Adolf Bertram: Hildesheims Domgruft und die Fundatio Ecclesie Hildensemensis. A. Lax (Hrsg.) Hildesheim 1897, S. 7–8 (Lat. und Dt. sowie die digitalisierte lat. Ausgabe in den Monumenta Germaniae Historica: S. 943).)
  3. Die von Grimm zitierten Textstellen sind heute im Band 7 der wissenschaftlichen Quellenedition Monumenta Germaniae Historica einzusehen, die von der Bayerischen Staatsbibliothek in München herausgegeben werden. dmgh.de, abgerufen am 3. Juni 2011.
  4. Jacob Grimm: Keverlingeburg. In: M. Haupt (Hrsg.): Zeitschrift für deutsches alterthum. Bd. 7, 1849, S. 559–561. Digitalisat der zitierten Stelle in einer späteren Ausgabe: Jacob Grimm: Kleinere Schriften, Bd. 7: Recensionen und verschiedene Aufsätze. 4. Teil, Berlin 1884, S. 261, abgerufen am 3. Juni 2011.
  5. Hans Wehling: Sarstedt – Geschichte einer kleinen Stadt. Sarstedt 1973, S. 11.
  6. Angelika Köthe: Kalkiges Nannoplankton aus dem Unter-Hauterivium bis Unter-Barremium der Tongrube Moorberg/Sarstedt (Unter-Kreide, NW-Deutschland). In: Mitteilungen aus dem Geologischen Institut der Universität Hannover, Heft 21, Hannover 1981.
  7. Werner Pockrandt: Hoploparia dentata (A. Roemer) aus der Unterkreide (Hautevirium) von Hannover und Umgebung (Dekapoda). Systematik und Fundmaterial (11. Abb.). In: Arbeitskreis Paläontologie Hannover, 10. Jahrgang, 2 (1982), S. 1–12
  8. Dies belegen entsprechende Funde knöcherner Schädelreste sowie typischer Werkzeugreste dreier Hominiden (gefunden im Leinetal im November 1997 sowie im Januar und Oktober 1999 in einer Schliekumer Kiesgrube von dem Hannoveraner Hobbyarchäologen Karl-Werner Frangenberg), deren Alter vom federführenden Paläoanthropologen Alfred Czarnetzki (Universität Tübingen) auf inzwischen 700.000 Jahre geschätzt werden.
  9. Alfred Czarnetzki, S. Gaudzinski, A. Pusch: Hominid skull fragments from Late Pleistocene layers in Leine Valley (Sarstedt, District of Hildesheim). (PDF; 393 kB) In: Journal of the Human Evolution. 41 (2001), S. 133–140; Regionale und überregionale norddeutsche Zeitungsartikel machten diesen archäologischen Fund publik, unter anderem: Hinnerk Blombach: Der Neandertaler lebte bei Hannover. In: Hamburger Abendblatt, 14. März 2003; sowie: Tarek Abu Ajamieh: Sind Funde älter als gedacht? (PDF; 291 kB) In: Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 19. Juli 2008. Achim Duve: Neandertalerfunde aus dem Leinetal bei Sarstedt. In: Springer Jahrbuch 2011 für die Stadt und den Altkreis Springe. Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe e. V., Springe 2011, S. 23–25: Ill., Farbtaf. auf S. 212–213.
  10. Hans-Günter Peters: Ur- und Frühgeschichte. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 24–34, bes. 27.
  11. Wanderbroschüre „Wehmholz-Route“ (PDF)
  12. deutschsprachige Übertragung des lateinischen Originals der Seiten zum Jahr 782 an der Staatsbibliothek München, S. 66–67.
  13. Bei der Notgrabung jenseits der Bundesstraße 11 auf Höhe des nördlichen Zubringers der B11 zwischen Heisede und Sarstedt-Nord im Jahr 2001 wurden nicht nur altsächsisch-heidnische Krieger mit Pferden, sondern auch beigabenlose christliche (also fränkisch-karolingische) Gräber gefunden. Darunter ein altsächsischer Reiterkrieger, dem der rechte Unterschenkel fehlte und dieser untypischerweise nicht mitbestattet worden war. Offenbar hatte der Reiterkrieger diesen bei der Schlacht eingebüßt, denn ohne Unterschenkel hätte er als Kämpfer zu Pferde während der Schlacht kaum dienlich sein können. Einen detaillierten Grabungsbericht mit vielen interessanten Zeichnungen und s/w-Fotografien im Hochglanzdruck hat Dr. Erhard Cosack, Bezirksarchäologe des Staatlichen Amts für Denkmalpflege im Regierungsbezirk Hannover, vorgelegt, bezuschusst von der Stadt Sarstedt unter ihrem Bürgermeister Karl-Heinz Wondratschek: Erhard Cosack: Der altsächsische „Heidenkirchhof“ bei Sarstedt, Ldkr. Hildesheim, und die Schlacht am Süntel 782. Isensee Verlag, Oldenburg 2007, ISBN 978-3-89995-487-6 (= Studien zur Sachsenforschung 16).
  14. Uwe Ohainski: Mittelalterliche Wüstungen. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 72–89, bes. 81
  15. „Durch die Ausgabe von Lehen für dieses Gebiet war der Hildesheimer Bischof bekannt. 1377 übertrugen die Grafen von Wunstorf 3/4 des Zehnten im Oldendorper veld dem Hildesheimer Moritzstift. Offenbar verließen die Einwohner schon im 14. Jh. – angeblich wegen einer Fehde – den Ort und zogen nach Sarstedt. An der Siedlungsstelle sind ein Reitergrab und Körpergräber aus der Karolingerzeit ergraben worden.“ Uwe Ohainski: Mittelalterliche Wüstungen. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 72–89, bes. 77; zum Mitte der 1920er Jahre freigelegten Reitergrab vgl. Hans Gummel: Das Reitergrab in Sarstedt, Kreis Hildesheim, Hildesheim 1926.
  16. „An der Ortsstelle wurden 1932 bei einer Grabung bauliche Reste des Ortes, darunter ein mittelalterlicher Brunnen entdeckt.“ Vgl. Uwe Ohainski: Mittelalterliche Wüstungen, in: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 72–89, bes. 86 und O. Grotefend: Wennerde – eine mittelalterliche Dorfstätte bei Sarstedt. In: Hannoversches Magazin 8 (1933), S. 78–83.
  17. Johann Heinrich Böttcher: Geschichte des Kirchspiels Kirchrode und der Umgegend, Hannover 1858, Bd. 1, S. 38; Publicationen aus den Preußischen Staatsarchiven, Band 65, Verlag S. Hirzel, 1896, S. 24; Stadtarchiv und Stadtbibliothek Hildesheim (Hrsg.): Alt-Hildesheim, Bände 48-51, Verlag A. Lax, Hildesheim 1977, S. 18; Historischer Verein für Niedersachsen (Hrsg.): Hannoversche Geschichtsblätter (1978), S. 5.
  18. Franz Anton Blum: Geschichte des Fürstenthums Hildesheim, Wolfenbüttel 1805, Bd. 2, S. 72ff. An die strategische Rolle von Sarstedt und Ruthe für den Hildesheimer Bischof erinnert auch der Kreisheimatbund Hildesheim.
  19. (Vgl. Fundatio Ecclesie Hildensemensis, Hildesheim 1075. (Abgedruckt in der zweisprachigen Ausgabe von Adolf Bertram, Hildesheims Domgruft und die Fundatio Ecclesie Hildensemensis […], Hildesheim 1897, S. 7 und 8 (lat. und dt.)): „[…] jene hochgeachtete Kirche von Sarstedt“)
  20. Carl-Hans Hauptmeyer: Allgemeine und Politische Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 35–47, bes. 39.
  21. Hans Goetting: Das Bistum Hildesheim. Die Hildesheimer Bischöfe von 815 bis 1221 (1227), De Gruyter Verlag, Berlin, New York 1984, S. 522
  22. Von dieser Unterteilung in Fronhof und abhängige Hufen in der Villikation leitet sich die Bezeichnung zweigeteilte Grundherrschaft ab: Georg Ludwig von Maurer: Geschichte der Fronhöfe, der Bauernhöfe und der Hofverfassung in Deutschland. 4 Bände. Enke Verlag, Erlangen 1862–1863 (Neudruck: Scientia, Aalen 1961) und Werner Rösener: Artikel „Fronhof“. In: Lexikon des Mittelalters. 8 Bde., Stuttgart (1977)–1999, Bd. 4, Sp. 989 f.
  23. a b Jürgen Rund: Städtische Siedlungen. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 96–135, bes. 131.
  24. Margret Zimmermann, Hans Kensche: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land. Herausgegeben von der Hildesheimer Volkshochschule e. V., Verlag Lax, Hildesheim 1998, S. 142
  25. a b c d e f g Jürgen Rund: Städtische Siedlungen. in: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 96–135, bes. 132.
  26. 1724 bis 1752 bauten Ignatz Freiherr von Weichs, Drost zu Steuerwald und sein Bruder Adam, Domherr zu Hildesheim, auf dem Gelände der alten Burg ihr Stadthaus, den Weichsschen Hof, zu dem die Anfang der 1970er Jahre abgerissene Ermitage gehörte. (Vgl. Margret Zimmermann, Hans Kensche: Burgen und Schlösser im Hildesheimer Land, Hildesheim 1998, S. 142). Zur Retburg und zum späteren Weichsschen Hof finden sich weitere Angaben bei Hans Wehling: Sarstedt – Geschichte einer kleinen Stadt, Sarstedt 1973, S. 29–35, 65–66, Kurt Brüning, Heinrich Schmidt (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 2: Niedersachsen und Bremen, 5. Auflage, Stuttgart 1986, 411, Zimmermann, Kensche: Burgen und Schlösser […], S. 142.
  27. Hans Wehling: Sarstedt – Geschichte einer kleinen Stadt, Sarstedt 1973, S. 35–38
  28. vgl. auch Ernst Schubert (Hrsg.): Geschichte Niedersachsens, Band 2,1: Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert (=Veröffentlichungen der historischen Kommission Niedersachsens 36), Hannover 1997, S. 338.
  29. Die Einkünfte aus dem Betrieb dieser Wassermühle gingen von Anfang an an den kirchlichen Landesherrn, der in Sarstedt auch die Steuern erhob. Die Mühle wurde bis ins 19. Jahrhundert, weil sie nicht innerhalb der Stadtmauer lag, als „Mühe vor Sarstedt“ bezeichnet. Mutmaßlich ist sie auch identisch mit der Mühle hinter Ahrbergen, von der die bischöflichen Akten berichten, die als Eigentum des Hildesheimer Bischofs schon Mitte des 13. Jahrhunderts erwähnt wird. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts trägt sie nach dem neuen Besitzer den Namen „Mühle Malzfeldt“. Insgesamt war sie über 600 Jahre in Betrieb (bis 1965) gewesen. Heute sind darin ein Elektrizitätswerk und ein Mühlen-Museum untergebracht. (Werner Vahlbruch: Die Wassermühle Ernst Malzfeldt an der Innerste.)
  30. Detailliertere Angaben zur Geschichte Sarstedts finden sich auf der Webseite der Stadt: Geschichte.
  31. Die Angaben stammen aus dem historiographischen Abschnitt der Portrait-Borschüre des Pfarramtes: St Nicolai anno 1457. (PDF; 6,2 MB) S. 4.
  32. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim. Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 1, S. 59/60
  33. Werner Vahlbruch: Stadtwerdung und Stadtentwicklung im 13. und 14. Jahrhundert. 2001, S. 4
  34. Werner Vahlbruch: Stadtwerdung und Stadtentwicklung im 13. und 14. Jahrhundert. 2001, S. 10.
  35. a b Sarstede. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 34, Leipzig 1742, Spalte 143.
  36. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949. Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1887, dritter Eintrag
  37. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim. Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 1, S. 101
  38. vgl. auch Ernst Schubert (Hrsg.): Geschichte Niedersachsens, Band 2,1: Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert (=Veröffentlichungen der historischen Kommission Niedersachsens 36), Hannover 1997, S. 852 (Anm. 747).
  39. Die Verfügung einer inländischen Verzollung von transportierten Waren führte auch zur Errichtung von Zollstationen an der Marienburg sowie bei Grasdorf. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim. Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 1, S. 117
  40. Jürgen Rund: Städtische Siedlungen. in: in: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 96–135, bes. 130.
  41. a b c d e f g h Jürgen Rund: Städtische Siedlungen. in: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 96–135, bes. 133.
  42. Pierer’s Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 935
  43. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1867, letzter Eintrag
  44. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1885, letzter Eintrag
  45. a b Sarstedt. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 14. Band, S. 325.
  46. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1900, viertletzter Eintrag
  47. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1903, vorletzter Eintrag
  48. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1904, fünftletzter Eintrag
  49. a b Sarstedt. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 17. Leipzig 1909, S. 618
  50. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1910, vorletzter Eintrag
  51. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1916, letzter Eintrag
  52. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1917, letzter Eintrag
  53. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1919, sechstletzter Eintrag
  54. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1925, neunter Eintrag
  55. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1925, 28. Eintrag
  56. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1927, letzter Eintrag
  57. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1928, letzter Eintrag
  58. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1930, erster Eintrag
  59. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1933, 12. Eintrag
  60. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949, Sarstedt (um 1950) o.Jg., s. Jahrgang 1936, elftletzter Eintrag
  61. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 210.
  62. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim. Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 1, S. 145
  63. Wie der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis „Laatzen-Springe“ unter der Leitung des Superintendenten Detlef Brandes anlässlich Corvinus’ 450. Todesjahres im Jahre 2003 in der Ausstellung und Würdigung seiner reformatorischen Lebensleistung festhielt, habe Corvinus mit der Abfassung der so genannten Kirchenordnung Elisabeths „die Grundlage für die Durchführung der Reformation im Fürstentum Calenberg-Göttingen“ geschaffen. Es handele sich dabei um eine größere Anzahl Ordnungen, die nicht nur theologische Grundsatzfragen behandeln, sondern Reformvorschläge für die Klöster, die ökonomische und soziale Neuordnung und die Erneuerung des Schulwesens enthalten. In der eigentlichenKirchenordnung Elisabeths wird die theologische Basis gelegt und in ihren Konsequenzen für Gottesdienst und Katechismusunterricht ausgeführt. Sie ist also in drei Teile gegliedert, deren erster sich als eine evangelisch-lutherische Dogmatik an die bis dahin katholische Geistlichkeit wendet. Als „Christliche beständige und in der Schrift und heiligen Vätern wohl gegründete Erklärung der vornehmsten Artikel unserer wahren alten christlichen Religion für arme einfältige Pfarrherren in den Druck gegeben …“ überprüft sie anhand der reformatorischen Lehre, inwieweit die bisherige kirchliche Praxis – Messopfer, Heiligenverehrung, Buße, Taufe usw. – schriftgemäß ist. Der zweite Teil enthält eine Neuauflage von Kinderpredigten unter dem Titel „Katechismus oder Kinderlehre, ausgelegt, und für ungeschickte und arme Pfarrherren in besondere Predigt gestellt und in den Druck gegeben“. Der dritte Teil unter dem Titel „Christliche Kirchenordnung, Ceremonien und Gesänge für arme ungeschickte Pfarrherren gestellt und in den Druck gegeben“ ist eine landeskirchliche Gottesdienstagenda mit Anweisungen, Gebeten, Gesängen, Lesungen und Formularen, die hauptsächlich unter pädagogischem Gesichtspunkt eine Einheitlichkeit des Gottesdienstablaufs für die reformatorischen Kirchen zum Ziel hat. Am 27. Oktober 2003 haben der Präsident des Niedersächsischen Landtages, Jürgen Gansäuer, und die damalige Landesbischöfin, Dr. Margot Käßmann, eine Ausstellung des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Laatzen-Springe über Antonius Corvinus (1501–1553) eröffnet. Über die Webseite des Kirchenkreises Laatzen Springe werden die Beiträge der Ausstellung von 2003 dokumentiert und belegen das offizielle Gedenken an Corvinus und eine Kirchenordnung (dort Seite 08/16, Kapitel 10: Partizipation) (PDF), die Elisabeth von Brandenburg bei Corvinus in Auftrag gegeben und nach außen vertreten hatte. Bei der bislang schwer zugänglichen „Calenberger Kirchenordnung“ liegt über die Wolfenbütteler Digitale Bibliothek (WDB), einem Projekt der Herzog August Bibliothek, als Digitalisat des in Erfurt 1542 erschienenen Originals vor; eine wissenschaftliche Quellenedition ist nach 1957 nicht wieder aufgelegt worden: Emil Sehrling: Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts, Band 6 (Niedersachsen), Halbband 2 (Die Welfischen Lande), Tünringen 1957, S. 708–865
  64. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim, Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 2, S. 44
  65. Oberstwachtmeister von Gryfort unterschrieb sodann für die Hildesheimer Neustadt die unvermeidliche Kapitulation: „der lutherische Glaube triumphierte wieder, und die Jesuiten hatten nicht nur die Lambertikirche räumen, sondern überhaupt vom Domhof in die Fremde ziehen müssen“. (Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Neustadt Hildesheim, Hildesheim und Leipzig 1937, S. 109)
  66. Dreißigjähriger Krieg. In: Pierer’s Universal-Lexikon. Band 15. Altenburg 1862, S. 323.
  67. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim, Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 2: S. 92
  68. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim, Hildesheim / Leipzig 1922, Bd. 2, S. 115
  69. In Johann Hübners Neu vermehrtes verbessertes und reales Staats-Zeitungs- und Conversations-Lexikon, Wien 1780, S. 1182 wird „Sarstedt“ als „Stadt und Paß an dem Innerstefluße im Stift Hildesheim“ charakterisiert.
  70. August Böttcher: Sarstedt. Die aufstrebende Stadt zwischen Hannover und Hildesheim. Sonderdruck aus August Söding: Heimaterde – Landschaften und Siedlungen im Altkreis Hildesheim-Land. Hildesheim 1971, S. 176. Jürgen Rund: Verwaltungs- und Gerichtsbezirke um 1800 einschließlich mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gerichtsplätze. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 48–54, bes. 53–54
  71. Sarstadt (Sarstedt). In: Pierer’s Universal-Lexikon. Band 14. Altenburg 1862, S. 935.
  72. Chronik der Stadt Sarstedt 1854 bis 1949. Sarstedt (um 1950) o. Jg., s. Jahrgang 1891, erster Eintrag
  73. Die detaillierte Angaben wurden dem sehr kompakten Aufsatz von Jürgen Rund entnommen: Städtische Siedlungen. In: Carl-Hans Hauptmeyer, Jürgen Rund, Gerhard Streich (Hrsg.): Blatt Hannover (Hannover und Hannover-Nord). Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2007, 96–135, bes. 133.
  74. Der „Sarstedter Anzeiger“ ist heute eine Nebenausgabe der ältesten Tageszeitung Deutschlands, der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung (nicht durchgehend seit 1705).
  75. Auszüge aus der Polizeichronik Sarstedt.
  76. lv.(?): K+S erarbeitet Machbarkeitsstudie und will bis zu 700 Arbeitsplätze schaffen. Bergwerk „Siegfried“ soll wiederbelegt werden, in: Kehrwieder am Sonntag, 20. März 2011, S. 2
  77. http://stadt.sarstedt.de/KW2011/start.htm
  78.  Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. 5, Angelsachsen-Verlag, Bremen 1970, S. 70.
  79. a b Kulturgemeinschaft Sarstedt - Museum
  80. Günter Hansen: Auf den Spuren der roten 11 in 72 Bildern. Vortrag 13. April 2007
  81. Adresse und Hinweise auf Archivalienbestände
  82. Der legendäre Frankfurter Studentenführer Hans-Jürgen Krahl hat am Montag 35. Todestag. In: Sarstedter Anzeiger v. 12. Februar 2005.
  83. Die Band belegte den 4. Platz im dritten Bandwettbewerb des Freizeitheims Vahrenwald am 5. Oktober 1966. (Blazek, Matthias: Das niedersächsische Bandkompendium 1963–2003 – Daten und Fakten von 100 Rockgruppen aus Niedersachsen, Celle 2006, S. 202, ISBN 978-3-00-018947-0).