Sasha Grey

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Sasha Grey, 2010

Sasha Grey (auch Sasha Gray, geb. als Marina Ann Hantzis, * 14. März 1988 in Sacramento, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Schauspielerin, Musikerin sowie Autorin und ehemalige Pornodarstellerin.

Biografie[Bearbeiten]

Sasha Grey wuchs als jüngstes von drei Kindern katholischer Eltern vor allem bei ihrer Mutter auf.[1] Sie war fünf, als sich ihre Eltern scheiden ließen.[2] Die Mutter lehrte sie, dass ihr Körper ein Tempel sei, und ihr Vater ermahnte sie, dass Männer von ihr nur eines wollen würden; beides habe sie neugierig gemacht.[1] Sie besuchte die Highlands High School in North Highlands, Kalifornien. Sie wurde zu Hause unterrichtet und schloss die High School schon mit 17 ab, ein Jahr früher als üblich. Daneben erhielt sie im Alter zwischen 12 und 18 Jahren Schauspielunterricht. Anschließend arbeitete sie zunächst als Bedienung in einem Steak House in Sacramento.[3] Mit 16 habe sie damit begonnen, Pornofilme anzuschauen.[1]

Pornokarriere[Bearbeiten]

Sasha Grey, 2007

Mit 17 begann sich Sasha Grey für die Tätigkeiten von Pornodarstellerinnen zu interessieren und sie recherchierte deren Arbeitsbedingungen. Unter anderem nahm sie über MySpace Kontakt zu einer Darstellerin auf.[3] Als sie gerade 18 geworden war, zog sie nach Los Angeles, unterzeichnete einen Vertrag bei einem Agenten und begann zwei Wochen später mit ihrem ersten Pornofilm.[4] Ihre erste Szene war Gruppensex[3] mit Rocco Siffredi und anderen für den Film Fashionistas Safado – The Challenge von John Stagliano. Sie wählte ihr Pseudonym nach Sascha Konietzko, dem Sänger der Band KMFDM, sowie nach dem Roman Das Bildnis des Dorian Gray bzw. dem Grau der Kinsey-Skala.[1]

Sasha Grey trat ohne blondierte Haare, Tätowierung, Brustvergrößerung und Intimrasur auf und beeinflusste damit die Porno-Ästhetik des 21. Jahrhunderts.[4] Als sie 80 Pornofilme gedreht hatte, äußerte sie in der Tyra Banks Show, dass sie bereit wäre, alles vor der Kamera zu zeigen außer Sex mit Tieren oder Kindern.[5] In einem 2011 nach dem Ende ihrer Pornokarriere gegebenen Interview meinte sie, dass ihr Ruf in der Branche auch daher rühre, dass sie bereit gewesen sei, Dinge vor der Kamera zu tun, vor denen selbst Männer zurückschreckten. Es habe nichts gegeben, was sie geschockt hätte, wohl aber Dinge, die sie angeekelt hätten.[3] Im Rolling Stone wurde sie als „Dirtiest Girl in the World“ bezeichnet, aber auch als Ausnahmeerscheinung in der Pornoindustrie und als intelligente Frau mit feministischen Zügen.[6] Sie bezeichnete ihre Auftritte in Pornofilmen als Performance-Kunst, bei der sie ihre Stimme und ihren Körper einsetzte.[7] Sasha Grey fiel bei Pornodreharbeiten vor allem auch dadurch auf, dass sie aggressiv in die Kamera sprach und auch härtere und erniedrigendere Behandlungen forderte.[8] Sie habe so die Vierte Wand durchbrechen und der „imaginären Handlung einen Hauch Realität“ verpassen wollen. Die konsumierenden Männer sollten verstört und, auch nach dem Konsum, zum Nachdenken angeregt werden.[3]

2007 gewann sie zwei AVN Awards, unter anderem mit 19 anderen Darstellern den für die beste Sex-Szene[1]. Sie war auch als „Best New Starlet“ nominiert, als das später aber dann Naomi St. Claire ausgezeichnet wurde. Im Mai 2007 gewann sie dann den XRCO Award als „Best New Starlet“. Grey wurde 2008 in der August-Ausgabe des Pornomagazins Genesis auf Platz 6 im „Porn’s-Hot-100“-Ranking von Pornodarstellern gelistet, 2009 belegte sie dort Platz 1.

Am 8. April 2011 kündigte Grey ihren Rückzug aus der Pornoindustrie an. Als Grund dafür gab sie an, dass sie Wiederholungen nicht möge und sie die Tätigkeit deshalb zu langweilen begonnen habe.[3][1] Bis dahin hatte sie laut Internet Adult Film Database in fünf Jahren in 271 Pornofilmen bzw. -szenen mitgewirkt.[9]

Schauspiel- und Modelkarriere[Bearbeiten]

Im Juli 2007 wurde sie zum „Penthouse Pet“ des Monats gewählt. Sie ließ sich dann von dem Modefotografen Terry Richardson fotografieren. Zudem wurde sie 2007 Teil des Artworks des Smashing-Pumpkins-Albums Zeitgeist. Sie spielte in dem Film Broken, gedreht von Dave Navarro von Jane’s Addiction, mit und schlug dessen Titel vor.

2008 wurde sie neben anderen Pornofilmschaffenden in dem Dokumentarfilm 9to5 – Days in Porn von Jens Hoffmann porträtiert.[8]

Nachdem sie 2008 für kleinere Rollen in zwei Spielfilmen gebucht worden war, übernahm sie die Hauptrolle, in Steven Soderberghs Film The Girlfriend Experience. Der Film beleuchtet das Prostitutiertenmilieu aus dem Blickwinkel eines Edel-Callgirls (Chelsea), gespielt von Sasha Grey[1] mit teils improvisierten Dialogen. Soderbergh castete Grey wegen ihrer Erfahrung in der Darstellung von Sexualität und weil sie stets den Sex zu kontrollieren scheint.[10] Nach Greys Ansicht handelte es sich dabei nicht um etwas vollkommen Neues für sie, da Pornos ebenfalls Teil der Popkultur seien.[11]

Anfang 2010 posierte Grey bei einer Kampagne der Tierschutzorganisation Peta für mehr Geburtenkontrolle bei Hunden und Katzen.[12]

Ab der siebten Staffel übernahm Sasha Grey in der HBO-Serie Entourage einen Gastauftritt über mehrere Folgen, sie spielte sich dabei selbst. Der Autor meinte, er habe den Part speziell auf Grey zugeschnitten. Reales Vorbild für die Storyline war Two-and-a-Half-Men-Star Charlie Sheen, der Anfang der 90er Jahre eine Beziehung mit der Pornodarstellerin Ginger Lynn hatte.

2012 stand Sasha Grey mit Jeffrey Combs für den Thriller Tödliches Spiel – Would You Rather? von Regisseur David Guy Levy vor der Kamera.[13]

2013 wurde ein von Richard Phillips gefertigtes Kopfporträt von Sasha Grey im Stil des Fotorealismus auf einer Kunstmesse in London angeboten.[14]

Musikkarriere[Bearbeiten]

Im Mai 2009 wirkte sie als Sängerin auf dem Album Aleph at Hallucinatory Mountain von Current 93 mit. 2008 hatte sie das experimentelle/Industrial-/Dub-Musik-/Kunst-Projekt aTelecine zusammen mit Pablo St. Francis gegründet. Ihre erste EP aVigillant Carpark wurde vom New Yorker Label Pendu Sound veröffentlicht. Sie wirkte zudem an dem Song Pum Pum auf Lee Perrys Album Repentance mit.[15] Im Juli 2013 wurde bekannt, dass Sasha Grey nicht mehr Mitglied von aTelecine sei.[16] In dem Video zum 2008 erschienenen Song Birthday Girl der Band The Roots spielte sie die Hauptrolle.

2011 war Grey zudem in dem Musikvideo Space Bound des US-amerikanischen Rappers Eminem zu sehen.

Autorin[Bearbeiten]

2011 erschien im Zusammenhang mit ihrem Ausstieg aus der Pornobranche ihr erster Fotoband „Neü Sex“. Das Buch enthält Polaroidaufnahmen und essayistische Texte von ihr und dokumentiert ihr Leben in den letzten Jahren vor ihrem Ausstieg aus der Branche. Das Ü im Titel kann als Anspielung auf die Sprache von Friedrich Nietzsche und der Band Kraftwerk verstanden werden, die beide zu Greys Interessensgebieten gehören.[1] Den Bildern in „Neü Sex“, die eine neugierige Mädchensexunschuld präsentieren, kann die Ästhetik von Facebook oder Instagram zugesprochen werden.[1]

Im Mai 2013 erschien der Erotikroman „Die Juliette Society“.[17] Der Roman handelt von der Filmstudentin Catherine, deren Partner sie sexuell nicht befriedigt. Durch die Besprechung des Films Belle de Jour – Schöne des Tages von Luis Buñuel wird bei der Protagonistin die Lust zur Unterwerfung geweckt. Durch ihre Kommilitonin Anna kommt Catherine dann in Kontakt zu einer Geheimgesellschaft von Männern, die sadomasochistische Praktiken ausleben. Die Hauptfigur unterwirft sich willig diesen Praktiken.

Auf die Frage, aus welcher Motivation heraus sie den Roman Die Juliette Society geschrieben habe, antwortete Sasha Grey in einem Interview mit Spiegel Online am 12. November 2013: „Das war mein Traum, seit ich mit 16 "Die 120 Tage von Sodom" von Marquis de Sade verschlang. Das schockierte mich damals, aber bestätigte auch Phantasien, die ich bereits mit zwölf hatte. All die verwirrenden Gedanken um meine Sexualität, Verlangen und mein Selbstverständnis, die damals durch meinen Kopf schwirrten, wurden durch dieses Buch geordnet. Ich hatte viele Fragen, die ich niemals meinen Eltern hätte stellen können. Das Buch war meine Rettung.“[18] Grey will in dem Roman zum Ausdruck bringen, dass ihrer Ansicht nach jemand, der sich selbst willig unterwirft, nicht mehr Objekt, sondern handelndes Subjekt sei.[1]

Maximilian Probst erinnert diese Geschichte einerseits an E. L. James’ „Fifty Shades of Grey“ und andererseits an Elfriede Jelineks „Die Klavierspielerin“. Greys Werk könne als Gegenstück zu E. L. James’ Romantrilogie gelesen werden. Vom künstlerischen Standpunkt bewege sich Greys Werk zwischen „Shades of Grey“ und der Wortakrobatik Jelineks. Die „Juliette Society“ könne – als Mischung von Pornografie und Kunst – als „Punst“ bezeichnet werden.[7] Im Spiegel erinnern Phillip Ohmke die Hintergründe der dargestellten Orgien an Stanley Kubricks Eyes Wide Shut. Das Buch sei eine typische Coming-of-Age-Geschichte und eine realistischere und düsterere Version von Shades of Grey.[4] Für Dirk Schneider vom Deutschlandradio bewegt sich Greys Roman auf den ausgetretenen Pfaden von Erotikliteratur wie Shades of Grey und Feuchtgebiete.[19]

Porno-Auszeichnungen[Bearbeiten]

Jahr Preis Award Film
2007 AVN Award Best Three-Way Sex Scene (zusammen mit Sandra Romain und Manuel Ferrara) Fuck Slaves
AVN Award Best Group Sex Scene (Video) Fashionistas Safado – The Challenge
Adultcon Top 20[20] Adult Actresses
2008 AVN Award Best Oral Sex Scene (Video) Babysitters
AVN Award Female Performer of the Year
XRCO Award Female Performer of the Year
2009 XRCO Award Mainstream Adult Media Favorite
2010 AVN Award Best Anal Sex Scene (zusammen mit Erik Everhard) Anal Cavity Search 6
AVN Award Best Oral Sex Scene Throat: A Cautionary Tale
AVN Award The Jenna Jameson Crossover Star of the Year
XRCO Award Mainstream Adult Media Favorite
XBIZ Award Crossover Female Star
2011 XRCO Award[21] Mainstream Adult Media Favorite

Ausgewählte Filme[Bearbeiten]

Diskographie[Bearbeiten]

mit Lee Perry
  • 2008: Repentance (Narnack Records)
mit Current 93
  • 2009: Aleph at Hallucinatory Mountain (Coptic Cat)
  • 2009: Monohallucinatory Mountain (Coptic Cat)
mit Andrew W. K. und DJ B-Roc
  • 2009: Andrew W.K. & B-Roc Present: Damn! The Mixtape Vol. 1 (Lee Perrys Pum Pum (Super Remix); Skyscraper Music Maker)
mit aTelecine
  • 2009: aVigillant Carpark (EP; Pendu Sound Recordings)
  • 2010: A Cassette Tape Culture (Pendu Sound Recordings)
  • 2010: …And Six Dark Hours Pass (Dais Records)

Musikvideos[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sasha Grey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Sasha Grey, das schmutzigste Mädchen der Welt, Die Welt Online vom 12. Oktober 2013
  2. Sasha Grey interview for The Girlfriend Experience, The Telegraph vom 20. November 2009 (Englisch)
  3. a b c d e f Ex-Pornostar Sasha Grey: "Ich wollte die Männer verunsichern" (Interview), Spiegel Online vom 13. November 2011
  4. a b c Phillip Oehmke, Gefesselt, Der Spiegel, Heft Nr. 41/2013 vom 7. Oktober 2013, S. 124/125.
  5. Johannes Gernert, Die emanzipierte Porno-Revoluzzerin, Der Stern Online vom 13. Juli 2009
  6. Sasha Grey, The Dirtiest Girl in the World: The Story Behind the Story, Rolling Stone vom 29. April 2009
  7. a b Maximillian Probst, Autorin Sasha Grey - Was ich mache, ist Kunst , Die Zeit vom 2. Oktober 2013
  8. a b Susanne Baller, Der Pornostar, dem die Frauen vertrauen, stern.de vom 11. Oktober 2013
  9. http://www.adultfilmdatabase.com/actor/sasha-grey-43367/
  10. Ben Walters, Steven Soderbergh on The Girlfriend Experience: 'I hired real people and turned them loose', The Guardian vom 29. April 2009 (Englisch)
  11. Jörg Böckem, Hochgeschlafen, KulturSpiegel 7/2009 vom 29. Juni 2009
  12. Mitteilung von Peta-Deutschland vom 11. Januar 2010
  13. Plate Shattering New One-Sheet for Would You Rather
  14. Ausweitung der Spielzone, Welt am Sonntag (Kultur) vom 20. Oktober 2013, S. 28
  15. atelecine.
  16. Javier Blánquez, PlayGround Mix 149: aTelecine, http://www.playgroundmag.net vom 31. Juli 2013.
  17. Die Juliette Society auf perlentaucher.de
  18. Christoph Dallach: Neu-Schriftstellerin Sasha Grey: "Pornografie ist wie McDonald's" Spiegel Online, 12. November 2013
  19. Vom Pornostar zur Autorin, Deutschlandradio vom 29. Oktober 2013
  20. Adultcon Names Top 20 Adult Actresses Honor Roll. 27. Dezember 2007, abgerufen am 13. März 2013.
  21. http://www.xrco.com