Sasol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sasol
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1950[1]
Sitz Johannesburg, Südafrika
Leitung David E. Constable (CEO)[2]
Mitarbeiter 33.339 (2010) [3]
Umsatz 122,256 Mrd. ZAR (2010) [3]
Branche Kohleverflüssigung, Chemie
Website www.sasol.com

Sasol (ursprünglich Suid-Afrikaanse Steenkool-, Olie- en Gasmaatskappy) ist ein transnationales Unternehmen der Erdöl- und chemischen Industrie. Das Unternehmen mit Sitz in Johannesburg ist Südafrikas zweitgrößtes Industrieunternehmen. Es wurde 1950 als South African Coal, Oil and Gas Corporation Limited zur Herstellung von Kraftstoffen aus Vergasungstechnologien gegründet.[4] Das Unternehmen hat etwa 33.000 Beschäftigte weltweit (Stand 2010). Der Unternehmensname ist ein Akronym für South African Synthetic Oil Limited.

Geschichte[Bearbeiten]

Sasol wurde 1950 durch die staatliche Industrial Development Corporation gegründet, um auf Basis der Fischer-Tropsch-Synthese Benzin aus Steinkohle herzustellen. Die Technik der Kohleverflüssigung galt damals als unrentabel und wurde vor allem deshalb betrieben, da Südafrika zur Zeit der Apartheid mit umfangreichen Sanktionen belegt wurde, weshalb die Versorgung mit Rohöl schwierig war, während inländische Kohle preiswert gefördert werden konnte.[5] Die Produktion begann 1955.

Anfang 1980 kaufte Sasol für rund 43 Millionen US-Dollar etwa 180.000 Tonnen unterschlagenes Rohöl von den Eignern des Tankers Salem.

Im Jahre 1995 erfolgte ein Joint Venture der Hans-Otto Schümann GmbH & Co KG (Hamburg) und Sasol Wax Ltd. (Südafrika) und machte die Schümann Sasol International AG zum weltweit bedeutendsten Anbieter synthetischer Hartwachse und Heißkleber. Im Zuge der vollständigen Übernahme aller Anteile an der Schümann Sasol International AG durch die Sasol Holding in Germany GmbH im Jahre 2003 erfolgte auch ihre Umfirmierung in die Sasol Wax International AG mit ca. 1.200 Beschäftigten. Aufbauend auf diese Entstehungsgeschichte bietet Sasol Wax heute die gesamte Bandbreite von Paraffin, Fischer-Tropsch-Hartwachsen und paraffinverwandten Produkten an.

Mit der politischen Öffnung Südafrikas begann die Internationalisierung. 2001 wurde der Vertrag für den Bau einer GTL-Anlage in Katar unterzeichnet, die 2007 die Produktion aufnahm. Weitere Verträge für den Bau von CTL oder GTL-Anlagen bestehen in Nigeria (2005), China (2009) und Usbekistan (2009).[1] Mit der Übernahme von Exel Petroleum 2004 ist Sasol auch im Tankstellengeschäft aktiv.[1]

Geschäftsaktivitäten[Bearbeiten]

Ein Sasol-Tankstelle in Boksburg, Südafrika

Das Hauptgeschäft von Sasol ist die Weiterverarbeitung von Kohle und Erdgas mittels Kohlevergasung und Fischer-Tropsch-Synthese zu Benzin und Grundstoffen für die chemische Industrie in den Anlagen Sasol 1 (Sasolburg) und Sasol 2 und 3 (beide in Secunda).

Das Unternehmen besitzt Werke in zehn Ländern auf drei Kontinenten, darunter sechs in Deutschland. Mitarbeiter von Sasol sind in 50 Ländern tätig, die deutschen Zentralen sind in Hamburg.

Sasol ist in vier Bereiche gegliedert: South African energy cluster, International energy cluster, Chemical cluster und Other businesses.[3]

Der South African energy cluster betreibt Kohlebergbau in Südafrika (sasol mining), handelt mit Erdgas aus Mosambik (sasol gas), betreibt die CTL-Anlage in Secunda (sasol synfuels), eine Erdölraffinerie und -verarbeitungsanlage, sowie verschiedene Vertriebsaktivitäten einschließlich Tankstellen (sasol oil).

Sasolburg und Secunda[Bearbeiten]

Die südafrikanische Stadt Sasolburg ist nach dem Unternehmen benannt, nachdem sie in den 1950er Jahren als Wohnstadt für Angestellte gegründet wurde. Gleiches gilt für die Stadt Secunda, die bei der Errichtung von Sasol 2 ca. 80 km östlich von Johannesburg auf gleiche Weise entstanden ist.

Sasol in Deutschland[Bearbeiten]

Sasol ist in Deutschland mit zwei Aktivitäten vertreten, die alle ihren Sitz in Hamburg haben: die Sasol Wax GmbH (s.o.) mit zwei Werken in Hamburg und die Sasol Germany GmbH.

Die Sasol Germany GmbH entstand 2001 durch Übernahme der CONDEA von RWE Dea. In ihren zwei Werken in Brunsbüttel und Marl produziert Sasol Germany vor allem Tenside, Aluminiumoxide und Vorprodukte wie Fettalkohole und Ethylenoxid. Sasol Germany beschäftigt etwa 1.400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro.

Die ehemalige Sasol Solvents mit Werken in Moers und Herne wurde zum 1. Juni 2014 von der INEOS-Gruppe übernommen und heißt seitdem INEOS Solvents.[6]

Wachskartell[Bearbeiten]

Sasol war der Kartellanführer des sogenannten Wachskartells, das von 1992 bis 2005 den Preis von Paraffinwachs in Europa abgestimmt hat. Gegen Sasol wurde am 1. Oktober 2008 eine Buße von 318 Millionen Euro wegen der Beteiligung am Wachskartell verhängt.[7] Wegen der Lieferung wichtiger Informationen zu dem Kartell wurde ein Nachlass von 50 Prozent auf die Buße gewährt, sonst hätte die Strafe über 600 Millionen Euro betragen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sasol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Darstellung der Unternehmenshistorie auf sasol.com, abgerufen am 6. März 2012
  2. Darstellung des Personals auf sasol.com, abgerufen am 6. März 2012
  3. a b c „sasol facts 2011“ auf sasol.com, abgerufen am 6. März 2012 (PDF; 4,3 MB)
  4. U.S. Department of Energy. National Energy Technology Laboratory: History of Gasification. auf www.netl.doe.gov
  5. Der heimliche Ölkonzern aus Südafrika auf handelsblatt.com vom 30. August 2006, abgerufen am 6. März 2012
  6. INEOS Enterprises to acquire Sasol’s German based European Solvent Business.
  7. Kartelljäger verdonnern Wachs-Mafia zu Rekordstrafe auf spiegel.de vom 1. Oktober 2008, abgerufen am 6. März 2012