Satan

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Satan (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Prüfung des Hiob: Satan schüttet die Plagen über Hiob aus (William Blake)

Satan (heb. שָׂטָן, Satan „Gegner“; Masoretisches Hebräisch: Śāṭān; Koine-Griechisch: Σατανᾶς, Satanás; Aramäisch: צטנא, Ṣaṭana; Arabisch: ‏شيطان‎, DMG Šaiṭān) ist ein Begriff, der einen oder mehrere Engel bezeichnet. Er hat seine Ursprünge im jüdischen Monotheismus und enthält antike persische religiöse Einflüsse, besonders des Zoroastrismus. Satan ist vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testet und Sünden anklagt, wie es beispielsweise aus den biblischen Büchern Ijob und Sacharja bekannt ist. Andere religiöse Glaubenssysteme belegen den Begriff Satan mit Bedeutungen wie Dämon, dem gegen Gott rebellierenden gefallenen Engel, Verkörperung des Bösen und Teufel oder Götzen (falscher Gott).

Etymologie und alternative Namen

Das hebräische Substantiv שָׂטָן, Satan („Gegner“ oder „Ankläger“), und das arabische Substantiv شيطان, Šayṭān, entstammen der nordwestsemitischen Wurzel sn, was „feindlich sein“ oder „anklagen“ bedeutet.[1]

Satan nach den jüdischen Quellen

Der Begriff „Satan“ wird in der hebräischen Bibel mit verschiedenen Bedeutungen gebraucht:

  • Ein Ankläger vor dem Richtersitz [2]
  • Ein Feind in Krieg und Frieden [3]
  • Ein Antagonist, der Widerstände in den Weg legt.[4]
  • Im Buch Ijob wird „Ha-Satan“ als Staatsanwalt und Hauptankläger gegen die Menschheit im Himmel an Gottes Gerichtshof beschrieben. Außer Satan werden keine anderen Engel erwähnt, und er bezweifelt als Ankläger die Gottergebenheit und Gottesfürchtigkeit der Menschheit. Er behauptet, dass die Menschen nur gottesfürchtig seien, weil Gott ihnen Wohlstand und Entwicklung schenke. Er wird daraufhin von Gott beauftragt, Ijob mit Plagen zu belegen, um die Glaubensstärke Ijobs in Gottes Wort zu testen. Satan wird so zum Gegner Ijobs. [5]
  • Im 1. Buch der Chronik 21,1 EU wird König David von Satan angestachelt, einen Zensus des Volkes Israel zu veranlassen. Diese Bibelstelle führt auf eine ältere Bibelstelle zurück, in der Adonai selber David anstachelt, das Volk Israel zählen zu lassen (2 Sam 24,1 EU). Die jüngere Stelle wurde zur Zeit des Babylonischen Exils von den Hebräern aufgeschrieben, als sie unter dem persischen Einfluss des Zoroastrismus standen, in dem es eine ausgesprochene Polarität zwischen Gut und Böse bzw. Licht und Dunkelheit als ewigem göttlichem Kampf gibt.

Frühe rabbinische Kommentare zur Mischna zeigen, dass Satan beinahe keine Rolle im Judentum spielte. Je jünger ein rabbinischer Kommentar datiert wird, desto öfter tritt der Begriff Satan oder dessen Synonyme auf. [6] Seit der Zeit der Babylonischen Exils sind Einflüsse aus dem Zoroastrismus im Babylonischen Talmud festgehalten. Der Palästinische Talmud, fertiggestellt etwa um 400 n.Chr., ist in derselben Gegend wie das Neue Testament verfasst worden und ist bedeutend zurückhaltender im Gebrauch des Begriffs Satan und seiner Synonyme. Allerdings sind große Teile dieses Teils des Talmud nicht im Original erhalten.

Als Beispiel kann die Besprechung der Erzählung der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten in Eden in diesen Literaturen gelten. Die klassischen jüdischen Bibelkommentatoren verstehen die Schlange darin wörtlich als Schlange. Sie sind sich jedoch uneinig darin, für was diese symbolisch in der Erzählung steht: Die Neigung zum Bösen (jetzer ha-rah), Satan oder der Engel des Todes. Andere Bibelkommentatoren haben vermutet, die Schlange sei ein phallisches Symbol. Nach der Mischna sei die Schlange vor ihrer Verfluchung aufrecht gestanden und habe die Fähigkeit besessen, mit Menschen zu kommunizieren.

Die normative, rabbinische, klassische, jüdische Lehre, der zufolge Satan kein selbständiges Geistwesen ist, ist bis heute gültig und wichtig im Judentum. Es steht im Einklang mit den jüdischen Lehren, dass es keine Verkörperung des Bösen gibt und dass Gott als Schöpfer dessen bezeichnet wird, was Menschen als Böses beschreiben. Im Babylonischen Talmud[7] beteuert Rabbi Levi: „... alles was Satan tut, geschieht nach dem Willen des Himmels ...“ Als ein anderer Rabbi in seiner Stadt etwas Ähnliches lehrte, sei Satan selbst gekommen und habe seine Knie geküsst.

Im Midrasch[8] wird Samael, der höchste der Satane, eine bestimmte Ordnung von Engeln und keine Anspielung auf Dämonen, als ein mächtiger Prinz der Engel im Himmel beschrieben. Samael kam durch eine Frau in die Welt[9] und ist daher gezeugt und nicht ewig. Wie alle himmlischen Wesen kann er durch die Luft fliegen[10] und jede Form annehmen, z. B. die eines Vogels[11], eines Hirsches[12], einer Frau[13], eines Bettlers oder jungen Mannes[14] und von ihm wird gesagt, er hüpfe bzw. tänzele, in einer Anspielung auf seine Erscheinung als Ziege[15].

Obwohl Satan Macht über alle Werke der Menschen hat, könne er nicht[16] über zwei Menschen unterschiedlicher Nationalität zur gleichen Zeit wirken. Daher habe Samuel, ein anerkannter Astronom, Arzt und Toragelehrter (er starb in Nehardea um 247), immer nur mit einem Fremden zusammen eine Reise angetreten[17].

Satans Wissen bleibt nicht erhalten, weil das Blasen des Schofar, des Horns eines Widders, am Rosch ha-Schanah, dem jüdischen Neujahrstag[18], den Satan total verwirrt und durcheinander bringt. Der numerische Wert des hebräischen Wortes Satan ergibt 364. Dies wird so interpretiert, dass Satan deshalb an allen Tagen des Sonnenjahres gegen Israel und die Menschen Anklage erheben muss, nur nicht an einem Tag, dem 365ten. Am Jom Kippur, dem hohen jährlichen Versöhnungstag, hat Satan keine juristische Gewalt, da alles Böse an diesem Tage von der Menschheit genommen ist[19].

Ein einziger Rabbi notiert, dass Satan aktiv in die Verführung Evas im Garten Eden eingegriffen habe[20] und der Vater von Kain sei[21], während er auch hilfreich bei der Opferung Isaaks [22], in der Freilassung Esaus Tieres, das für seinen Vater bestimmt war[23], in der Theophanie, der Erscheinung Gottes Gegenwart am Berg Sinai, beim Tode Moses[24], bei Davids Sünde in Bath-Scheba[25] und beim Tode der Königin Vaschti[26] war. Der Befehl zur Tötung aller jüdischen Untertanen, den Haman erteilte, sei auf ein Pergament geschrieben worden, das Satan brachte[27]. Und als Alexander der Große die jüdischen Weisen wegen ihrer Rebellion tadelte, baten sie um Gnade, da Satan zu mächtig für sie gewesen sei[28].

Nicht alle rabbinischen Kommentatoren stimmten mit den Vorstellung über die spirituelle Natur des Satan überein. Der berühmte Rabbi Saadia Gaon, ein jüdischer Gelehrter, Torameister und Philosoph des 11. Jahrhunderts, schrieb in seinem Kommentar zum Buch Ijob, dass Satan lediglich ein menschliches Wesen gewesen sei, das die spirituelle Gottergebenheit Ijobs bezweifelte und Gott anrief, Ijob zu testen. Diese Vorstellung des Gaon erwächst aus einer Lesart des hebräischen Wortes שטן oder "Ankläger", wovon Rabbi Saadia meinte, es werde nur gegen die Intentionen der fraglichen Person gerichtet und stehe nicht grundsätzlich als Titel für natürliche oder übernatürliche Wesen zur Verwendung.

Satanskonzept der hebräischen Bibel (Tanach/Tora)

Im Tanach ist Ha-Satan („der Satan“) ein Name, der verschiedenen Engeln gegeben wird, mit deren Hilfe Gott die religiöse Rechtschaffenheit und Integrität verschiedener Menschen auf die Probe stellt (vergleiche: Advocatus Diaboli). Im normativen Judentum ist Satan der Hauptankläger, Staatsanwalt, Gegner, Feind im Kampf und die spirituelle Kraft, die im Judentum die Neigung zum Bösen (jezer ha-rah) genannt wird. Satan ist dabei jedoch wie alle Engel unter vollkommener Kontrolle und Befehl von Gott, er ist keinesfalls ein Wesen von freiem Willen, das gegen Gott rebellieren könnte oder als "Gegenspieler" und Führer des Bösen auftritt. Freien Willen schreibt das normative Judentum nur den Menschen zu. In diesem Sinne ist „Ha-Satan“ eher ein Titel denn ein Eigenname eines bestimmten Engelwesens. Diese Begriffsbestimmung wird von den christlichen Glaubensrichtungen nicht anerkannt, weil die spätere Kirchengeschichte feststellte, dass Satan gegen Gott rebelliert habe, obwohl diese Rebellion in der heiligen Schrift nicht erwähnt wird. Der Titel Satan wird sowohl für übernatürliche Wesen wie auch für Menschen verwendet. In Num 22,22 [1], ist Satan nicht negativ handelnd, sondern wird von Gott gesandt, um Schlimmeres für Bileam zu verhindern:

„Aber Gott war erzürnt über seinen Weg; deshalb stellte sich ein Engel Adonais in seinen Weg als ein Gegner (hebräisch: Satan) (Numeri 22, 22).“[29]

Im Talmud und einigen Quellen der Kabbala, des mystischen Judentums, werden der Engel Samael oder andere Engel manchmal Satan genannt. In der Angelologie, der Lehre von den Engeln, bezeichnen diese verschiedenen Namen verschiedene Engel. Und es gibt erheblichen Widerstand im Judentum gegen die Vorstellung, dass diese wirklich böse seien, da sie nur auf göttlichen Befehl hin handeln. Das Problem der Theodizee findet im Judentum keine endgültige Antwort. In den Sprüchen der Väter, einem Teil der Mischna und Hauptwerk der jüdischen Ethik, steht: „Rabbi Janai sagt: Es ist uns nicht gegeben zu wissen, warum Frevler in Wohlergehen und Gerechte in Leiden leben.“

Im normativen rabbinischen Judentum sind Engel göttliche Boten oder Helfer bei der Ausführung göttlichen Willens. Bekannt ist der Satan der hebräischen Bibel vor allem aus dem Buch Ijob, in dem Gott Satan als den Hauptankläger des göttlichen Gerichtshofes beauftragt, die religiöse jüdische Rechtschaffenheit des als perfekt gottesgehorsamen und religiös ergebenen Ijob auf die Probe zu stellen, indem Satan Ijob nacheinander seine reichen Güter, Kinder und seine Gesundheit nimmt. Ijob bleibt gottergeben, klagt jedoch Gott an.

Das normative Judentum hat kein religiöses Konzept einer unheiligen Dunkelheit in Opposition zu Gott. Es lehrt nicht die Vorstellung einer Verkörperung des Bösen als Gegenspieler bzw. Gegenkraft von Gott. Da Ha-Schem („Gott“) als Schöpfer von Licht und Dunkelheit verehrt wird, gibt es in jüdischer Tradition und Glauben keinen Ort oder Raum, der nicht von Gott erfüllt bzw. transzendiert ist.

Satan in den jüdischen Apokryphen

In Weish 2,24 EU ist Satan mit Verweis auf GenEU als der Vater aller Lügen beschrieben, der den Tod auf die Welt brachte; eine weitere Stelle findet sich in Ekklesiastikus (Sir 21,27 EU). Allegorisch wurde Satan als Verführer und Nebenliebhaber Evas im Garten Eden beschrieben, der gemeinsam mit anderen Engeln wegen seiner Frevel aus dem Himmel geschleudert wurde.[30] Seit dieser Zeit sei er Satan genannt worden, vorher habe er Satanael geheißen.[31]

Die Doktrin des Gefallenen Satan und der Gefallenen Engel findet sich in überkommenen Schriften aus dem antiken Babylon: Satan regiert über einen Staat von Engeln.[32] Mastema, der Gott veranlasste, Abraham durch die Opferung Isaaks zu testen, ist mit Satan identisch. Azazel aus der Apokalypse Abrahams und Asmodäus aus dem Buch Tobit werden genauso mit Satan identifiziert, besonders hinsichtlich seiner Liederlichkeit. Als Herr der Satane (einer Ordnung von Engeln) wird er auch Samael genannt.

Es ist schwierig, andere Stellen in den Apokryphen zu zeigen, die Verweise auf Satan liefern. Dies hat einen Grund darin, dass die Originale nicht erhalten sind und die Übersetzungen der erhaltenen Sekundärliteratur der Apokryphen verschiedenste Vergleiche bemühen. Daraus lässt sich aufgrund des Fehlens wichtiger Quellen im Sinne eines argumentum a silentio vermuten, dass ein Konzept des Satan wohl nicht weit verbreitet war. Wahrscheinlicher ist eine enge Bindung von Verweisen auf „üble Geister“ mit dem Satan aus den Apokryphen.

Satanskonzept des Christentums

Siehe auch: Teufel

Altes Testament

Nach dem christlichen Verständnis, der Auslegung und Bibelübersetzungen wird Satan als ein bestimmter Engel angesehen, der eigenwillig gegen Gott rebellierte und als gefallener Engel aus dem Himmel verstoßen wurde. Satan habe durch die Schlange im Garten Eden gesprochen und Eva zur Sünde verführt.

Nach christlichen Vorstellungen ist der Teufel des Alten Testaments (AT) der Versucher der Menschen. Die hebräische Bezeichnung „Satan“ (שטן, Sin-Teth-Nun) bedeutet „Widersacher“ oder „Gegner“. Die Bezeichnung „Satan“ wird im AT auch für Menschen verwendet (Num 22,22;32 EU; 1 Sam 29,4 EU; 1 Kön 5,18 EU; 11,14.23.25 EU; Ps 109,6 EU; als Verben im Sinne von „Anfeindungen“ in Ps 38,21 EU; 71,13 EU; 109,4.20.29 EU)

Neues Testament

Satan ist im Neuen Testament ein Eigenname und bezeichnet eine übernatürliche Wesenheit mit gottähnlichen dämonischen Kräften, die nicht von Gott kontrolliert wird und frei handelt. Satan ist der Versucher in den verschiedenen Evangelien.

Satan ist im christlichen Kulturkreis auch als Teufel, Herr der Finsternis, Herr der Hölle, Höllenfürst, Beelzebub, Luzifer, Beliar und Mephistopheles bekannt.

Beelzebub bedeutet „Herr der Fliegen“ und bezieht sich in der hebräischen Bibel auf einen antiken Gott der Philister. Er erscheint im Neuen Testament als Synonym für Satan, gibt hier aber augenscheinlich den Sprachgebrauch der jüdischen Gegner wieder (Mt 10,25 EU; Mt 12,24–27 EU).

Luzifer bedeutet „Lichtbringer“ und ist eine Wortschöpfung, die auf einer Missinterpretation des hebräischen Urtextes und seiner Falschübersetzung beruht. Sie bezieht sich auf Jes 14,12–14 EU. Jedoch hat die dort erscheinende Allegorie eines untergehenden Morgensterns (Venus) nichts mit dem christlichen gefallenen Engel Luzifer zu tun, sondern bezieht sich auf den Untergang des babylonischen Reiches und seines Königs Nebukadnezar II., der mit dem Morgenstern verglichen wird, der von der Sonne, die Israel darstellt, überstrahlt wird. Dies bedeutet, dass das babylonische Reich untergeht, während das Volk Israel noch strahlt, trotz der Macht und der Grausamkeit, die Nebukadnezar dem Volk Israel angetan hatte, siehe Babylonisches Exil. Auf diese Untergangsgeschichte bezieht sich die Vorstellung, der Luzifer sei der gefallene Engel Satan, der aus dem Himmel verbannt worden sei.

In abgewandelter Form findet sich dieser Gedanke in der Offenbarung wieder, wo von einem endzeitlichen Kampf berichtet wird, in dessen Verlauf der Satan vom Himmel geworfen (Offb 12,8–9 EU vgl. auch Lk 10,18 EU; Joh 12,31 EU) und am Ende grausam bestraft wird (Offb 20,10 EU).

Das Christentum lehrt, dass Satan die Menschen hasst und alles unternimmt, um sie vom rechten Weg abzubringen und von Gott zu trennen. In der Kirchengeschichte führte dieser Gedanke immer wieder dazu, dass Menschen anderen Glaubens, Häretiker, Apostaten oder Atheisten, insbesondere Juden und Muslime, als Mächte des Satans oder als Erscheinungsformen des Teufels bezeichnet und blutig verfolgt wurden.

Satan im Islam

Die formale Entsprechung für Satan im Islam ist Schaitān (arabisch ‏شيطان‎, DMG šaiṭān). Der Begriff stammt aus dem Hebräischen, die arabischen Lexikographen leiten das Wort jedoch von der arabischen Wurzel š-ṭ-n ("jemanden von seiner urspringlichen Absicht abbringen") ab. Die vorislamischen Araber glaubten, dass es nicht nur einen Satan, sondern viele Satane (šayāṭīn) gebe. Diese Satane waren nach ihrer Vorstellung aufsessige Dschinn.[33] Jeder große Dichter, so glaubte man, habe seinen eigenen Schaitān.[34] Mit der Figur des Schaitān ist die Figur des Iblīs verwandt. In der koranischen Geschichte über Adam im Paradies kommen beide Figuren nebeneinander vor.

Erwähnungen im Koran

Mit 88 Erwähnungen ist Schaitān eines der am häufigsten vorkommenden Geistwesen im Koran. So kommt er auch in der Geschichte über Adam und Eva vor. Nachdem sie erschaffen worden waren, lebten sie im Paradies. Gott verbot ihnen, in die Nähe des „Baumes der Unsterblichkeit und der Herrschaft, die nicht vergeht“ zu gehen. Schaitān verführte sie jedoch, von dem Baum zu kosten (Sure 20:120) mit dem Argument, dass Gott mit dem Verbot nur verhindern wolle, dass sie zu unsterbliche Wesen würden (Sure 7:20). Gott vertrieb sie daraufhin auf die Erde. Die Werkzeuge Satans in dieser Welt sind der Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile. Mit ihnen will er Hass und Feindschaft zwischen den Muslimen aufkommen lassen und sie vom Gottesgedenken und Gebet abhalten (Sure 5:90-91).

Die Satansgeister sind es, die die Menschen zu Fehltritten verleiten (Sure 2:36) und sie die Zauberei lehren (Sure 2:102). Sie versuchen immer wieder die Geheimnisse der oberen Sphären zu belauschen, doch werden sie durch Feuerbrände davon abgehalten (Sure 15:16-18). Die Menschen werden zur Vorsicht vor falschen Inspirationen durch solchen Satanen gewarnt (Sure 26:221-227). Wenn ein Mensch einen Satan zum Gesellen hat, wird er Qārin genannt (Sure 4:38). Selbst ein Prophet ist nicht davor sicher, dass ihm ein Satan eine Offenbarung zuflüstert, "aber Gott tilgt dann jedesmal, was der Satan ihm untergeschoben hat" (Sure 22:52; siehe Satanische Verse). Auch Mohammed wurde vorgeworfen, dass der Koran die Inspiration eines Satans sei, was aber im Koran (Sure 81:25) zurückgewiesen wird. Wenn der Mensch im Koran liest, soll er Zuflucht in Gott vor dem verstoßenen Satan suchen, heißt es in Sure 16:98.[35]

Rolle im islamischen Volksglauben

Die Satansgeister spielen auch eine große Rolle im islamischen Volksglauben. Die Anthropologin Kjersti Larsen, die sich mit dem Glauben an solche Geister auf Sansibar befasst hat, hat festgestellt, dass in der Vorstellung der dortigen Bevölkerung eine ganze Anzahl unterschiedlicher Satansgeister existiert. Diese Geister, die auf Swahili als masheitani (sing. sheitani) bezeichnet werden, sollen sich in den Körpern von Menschen einnisten können. Damit sie den Menschen nicht schaden, müssen sie in Ritualen beschworen werden.[36] Bei diesen Ritualen treten die Menschen in einen imaginären Dialog mit den Geistern ein und erörtern dabei auch Fragen der Moralität.[37]

Satanismus

Hauptartikel: Satanismus

Der Satanismus ist von einer positiven Bezugnahme auf Satan bestimmt. Er wird oftmals mit einer Inversion des Christentums gleichgesetzt, die vor allem durch die christlichen Vorstellungen von Teufel und bösen Kräften und der Erbsünde beeinflusst ist. In ihr ist vor allem der göttliche Kampf zwischen Gut und Böse aus der Tradition des Christentums wesentlich. Daneben gibt es zahlreiche weitere Ausprägungen, in denen ein explizit antichristliches Auftreten und das Christentum selbst nicht zwingend eine Rolle spielen. Neben diesem spielen oftmals sumerische und ägyptische mythologische Einflüsse eine Rolle. Der Satanismus kann sich sowohl in einem theistischen als auch in einem atheistischen und rationalistischen Standpunkt äußern, in dem Satan lediglich als Symbol dient, beispielsweise in der Church of Satan.

Literatur

  • Harry Harun Behr: Der Satan und der Koran: zur theologischen Konstruktion des Bösen im Islam und dem therapeutischen Ansatz im islamischen Religionsunterricht. In: Klaus Berger (Hrsg.): Das Böse in der Sicht des Islam. Pustet, Regensburg 2009, S. 33–52.
  • T. Fahd: Shayṭān. 1. In pre-Islamic Arabia. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band IX. S. 406b–408a.
  • Karl R. H. Frick: Satan und die Satanisten I–III. Satanismus und Freimaurerei – Ihre Geschichte bis zur Gegenwart. Marix Verlag GmbH, Wiesbaden 2006, ISBN 978-386539-069-1.

Weblinks

 Wiktionary: Satan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Satan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. American Heritage® Dictionary: Semitic roots: sn. Abgerufen am 31. Mai 2006.
  2. Ps 109,6 EU
  3. 1 Kön 5,4 EU; 11,14.23.25 EU
  4. Num 22,22 EU
  5. Jewish Encyclopaedia
  6. Satan in relation to different religions.
  7. Bava Bathra 16a
  8. Genesis Rabbah 19
  9. Midrash Yalkut, Genesis 1:23
  10. Genesis Rabbah 19
  11. Talmud, Sanhedrin 107a
  12. Talmud, Sanhedrin, 95a
  13. Talmud, Sanhedrin, 81a
  14. Midrash Tanchuma, Wayera, end
  15. Talmud Pesachim 112b and Megilla. 11b
  16. Talmud Berachot 46b
  17. Talmud, Shabbat 32a
  18. Rosh Hashana 16b, Targum Yerushalmi to Numbers 10:10
  19. Yoma 20a
  20. Midrash Pirke de-Rabbi Eliezer 13, beginning
  21. Midrash Pirke de-Rabbi Eliezer 21
  22. Midrash Tanchuma, Wayera, 22 [ed. Stettin, p. 39a]
  23. Midrash Tanchuma, Toledot, 11
  24. Deuteronomy Rabbah 13:9
  25. Sanhedrin 95a
  26. Megilla 11a
  27. Esther Rabba 3:9
  28. (Tamid 32a)
  29. Amatzia Baruchi: Amen: an Essay; Trafford Publishing, 2003; ISBN 1-55395-429-7; S. 23
  30. Slawisches Henochbuch 29,4ff.
  31. Slawisches Henochbuch 31,3ff.
  32. Martyrium Jesajas 2,2; Vita Adæ et Evæ, 16
  33. Vgl. Fahd in EI², Bd. IX, S. 406b.
  34. Vgl. Fahd in EI², Bd. IX, S. 406b.
  35. Vgl. hierzu Kornelius Hentschel: Geister, Magier und Muslime. Dämonenwelt und Geisteraustreibung im Islam. Diederichs, München, 1997. S 29-32.
  36. Vgl. Kjersti Larsen: Where Humans and Spirits Meet: The Politics of Rituals and Identified Spirits in Zanzibar. Berghahn, Oxford, 2008.
  37. Vgl. Kjersti Larsen: "Dialogues between Humans and Spirits: Ways of Negotiating Relationships and Moral Order in Zanzibar Town, Zanzibar" in Ulrich Demmer, Martin Gaenszle: The Power of Discourse in Ritual Performance: Rhetoric, Poetics, Transformations. Lit-Verlag, Münster, 2007. S. 54-73.