Satanische Verse

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Dieser Artikel befasst sich mit einer umstrittenen Episode aus dem Leben Mohammeds. Zu dem gleichnamigen Roman von Salman Rushdie siehe Die satanischen Verse.

Satanische Verse“ ist die Bezeichnung für eine Episode in der Biographie von Mohammed, die mit der 53. Sure „Der Stern“ (al-Nadschm) zusammenhängt. Dort geht es um die in der Kaaba in Mekka verehrten alten Gottheiten. Nach einer Überlieferung, die der Biograph Ibn Saʿd[1] in sein Kitāb aṭ-Ṭabaqāt sowie der Korankommentator und Historiker Tabari in seine Chronik und seinen Korankommentar aufgenommen haben,[2] erlaubte Mohammed, die Göttinnen Al-Lat, Al-Uzza und Manat um Fürsprache anzurufen, widerrief die entsprechenden Verse jedoch bald. Den Ausdruck "Satanische Verse" prägte William Muir, in arabischen Chroniken und in Korankommentaren wird die Episode als der "Kranichbericht" oder auch als die "untergeschobenen Verse" bezeichnet.

Die Verse[Bearbeiten]

Der Überlieferung nach wurde die Sure in Mekka offenbart, wo die drei Göttinnen Al-Lat in einer Statue als Frau, Al-Uzza als Baum und die Schicksalsgöttin Manat als Stein verehrt wurden. Alle drei wurden neben dem Hochgott Allah und anderen Göttern, wie Hubal in der Kaaba verehrt.

Während einer Stellungnahme zu diesen drei Göttinnen begann Mohammed:

(19) Habt ihr Lat und Uzza gesehen,
(20) und auch Manat, diese andere, die dritte?

Hier setzt die Variante ein:

Das sind die erhaben Kraniche.
Auf ihre Fürbitte darf man hoffen[3]

während die Verse in der kanonischen Form lauten:

(21) Ist denn für Euch das, was männlich ist, und für Ihn das, was weiblich ist, bestimmt?
(22) Das wäre dann eine ungerechte Verteilung.
(…) Jene sind nur leere Namen, welche ihr und eure Väter für die Götzen ausdachtet, wozu Allah keine Erlaubnis gegeben hat.

Die Überlieferung ist eingebettet in eine Versuchungsgeschichte, in der statt des Erzengels Gabriel, der nach islamischer Tradition den übrigen Koran diktiert hat, Satan die anstößigen Verse diktiert habe, was erst in einer späteren Offenbarung durch den Engel richtiggestellt worden sei.

Die innerislamische Kontroverse über den Bericht[Bearbeiten]

Zu den wenigen Gelehrten, die diesen Bericht im Sinne einer Heimsuchung durch Satan für authentisch hielten, gehörten Ibn Taimiya, Ibrahim al-Kurani und Muhammad ibn Abd al-Wahhab.[4][5]

Deutungen der satanischen Verse in der Islamwissenschaft[Bearbeiten]

Abgesehen von einer psychologisierenden Erklärung, die sich vor allem in trivialer und populärwissenschaftlicher Literatur findet, geht die historisch-kritische Analyse überlieferungsgeschichtlich vor. Da sich die Variante nicht in einer tatsächlichen oder vorgeblichen Polemik durch Nichtmuslime findet, haben William Montgomery Watt und Alfred Guillaume für die Ursprünglichkeit der anstößigen Variante plädiert, da Muslime ihrem Propheten kaum eine derart despektierliche Geschichte zugeschrieben hätten. Im Rahmen der Überlieferungskritik ist es denkbar, dass eine anstößige Variante durch Gemeindebildung einer nichtanstößigen Variante ersetzt wird, nicht jedoch umgekehrt. Die verbundene Versuchungslegende versucht dann, die immer noch bekannten und nicht vollständig verdrängten Verse zu erklären. Die erste schriftliche Endredaktion entstand nach dem Tode des Propheten im Jahre 11 n. H. (632 n. Chr.) zur Zeit des ersten Kalifen Abu Bakr, sodass bis zu diesem Zeitpunkt noch das Eindringen einer Überlieferungsvariante möglich gewesen wäre.

Dagegen wird es in der neueren Koranexegese auch für möglich gehalten, dass unter dem Einfluss des jüdischen und christlichen Prophetenbildes auch für das Prophetenbild der Muslime eine Versuchungsgeschichte zur konstitutiven Überlieferung gehört.

Quellen[Bearbeiten]

Die Koranzitate entstammen:

Die satanischen Verse wurden zitiert aus:

  • Der Koran, Kommentar und Konkordanz. Kohlhammer, 1971 (2005, 7. Aufl.). ISBN 3-17-018990-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ibn Saʿd: Kitāb aṭ-Ṭabaqāt, Kairo: 1968, Bd. I,1 S. 137, Z. 8–13
  2. Tabari, Annalen I, S. 1192–1196 u. a., vgl. Rudi Paret: Der Koran. Kommentar und Konkordanz, Stuttgart: Kohlhammer, 1971, S. 461
  3. tilka l-garaniqu l-'ula wa-inna safa'atahunna la-turtaga
  4. Shahab Ahmed: "Ibn Taymiyyah and the Satanic verses" Studia Islamica 87 (1998) S. 67–124
  5. Alfred Guillaume: “al-Lumʿat as-sanīya fī taḥqīq al-ilqāʾ fī l-umnīya by Ibrāhīm al-Kūrānī” Bulletin of the School for Oriental and African Studies 20 (1957) S. 291–303