Savignyplatz

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Der Savignyplatz 1902

Der Savignyplatz befindet sich in Berlin-Charlottenburg und entstand nach dem Plan von James Hobrecht aus dem Jahr 1861 für die Stadterweiterung von Berlin und wurde 1887 nach dem Juristen Friedrich Carl von Savigny benannt. Der S-Bahnhof Savignyplatz wurde 1896 eröffnet. Der französische Name Savigny wird von den Berlinern auf der zweiten statt auf der dritten Silbe betont.

Der Savignyplatz wurde erst 1892 durch den städtischen Garteninspektor Ludwig Neßler begrünt. Er ist ein Blockplatz mit sieben Straßeneinmündungen. Die Straßen durchkreuzen den Platz, wobei die Kantstraße als größte Straße zur Auflockerung den Platz teilt. Die weiteren Straßen durch den Savignyplatz sind von Nordwest nach Nordost: Grolmanstraße, Knesebeckstraße und die Carmerstraße, die auf der Nordhälfte des Platzes bis zum Steinplatz verläuft.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entwicklung

Der Savignyplatz mit Bronzeskulpturen von August Kraus

1926/1927 wurde der Savignyplatz durch den städtischen Gartenbaudirektor Erwin Barth und seinem Nachfolger im Amt mit Sitzlauben und Staudenrabatten umgestaltet. Nach vielen Veränderungen in der Zwischenzeit wurde der Platz für das 750-jährige Stadtjubiläum wieder hergestellt. Er steht seitdem unter Denkmalschutz.[1] Ursprünglich befand sich auf dem Platz ein Spielplatz, der jedoch bei der Rekonstruktion nicht erneuert wurde.

Auf der Nordhälfte wurden 1931 zwei gleiche Bronzeskulpturen „Knabe mit Ziege“ von August Kraus (1928) aufgestellt. Als sie 1955 wieder aufgestellt wurden, war nur eine der beiden erhalten – die zweite ist ein Nachguss. Die Anordnung der Skulpturen, symmetrisch zueinander, rund zehn Meter voneinander entfernt, entspricht der symmetrischen Teilung des Platzes durch die Kantstraße.

Auf der Südhälfte des Platzes befindet sich ein 1987 rekonstruierter Kiosk aus dem Jahr 1905 von Alfred Grenander. Er steht heute ebenfalls unter Denkmalschutz.[2]

Die Straßennamen rund um den Savignyplatz, wie eigentlich in der ganzen City-West, wurden Ende des 19. Jahrhunderts angelegt. Man findet am Platz keine Frauennamen, da man damals die Straßen nur nach berühmten Geisteswissenschaftlern, Philosophen, Juristen und Generälen benannte (Savigny, Bleibtreu, Giesebrecht, Kant, Knesebeck, Leibniz, Niebuhr, Mommsen, Sybel, Wieland).

[Bearbeiten] S-Bahnhof Savignyplatz

Bahnhof Savignyplatz ca. 1900

Am 1. August 1896 wurde auf den Bögen der Stadtbahn der S-Bahnhof Savignyplatz eröffnet. Er ist damit der jüngste S-Bahnhof auf der Stadtbahn und liegt zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten (seit 1882) und Charlottenburg am Stuttgarter Platz (seit 1890) und steht heute unter Denkmalschutz.[3] Den Mittelbahnsteig erreicht man über Zugänge in der Schlüterstraße und im Else-Ury-Bogen. Der Bahnhof wurde eher schlicht mit einem vier Meter hohen, hölzernen Satteldach auf gusseisernen Säulen (Typ „Wannseebad“) gestaltet.

Der S-Bahnhof ist von Gebäuden umgeben, von denen jedoch fast ausschließlich Brandmauern zu sehen sind. Auf der nördlichen Bahnhofsseite wurde 1986 im Rahmen der Sanierung des Bahnhofes die Brandmauer durch eine Künstlergruppe um den amerikanischen Künstler Ben Wagin mit der Wandbemalung Weltbaum II gestaltet. Die Kunst rund um den Bahnhof mahnt den Menschen seine Verantwortung für die Umwelt ernst zu nehmen.

[Bearbeiten] Die Straßen rund um den Savignyplatz

Die Bleibtreustraße wurde 1897 nach dem Maler und Grafiker Georg Bleibtreu benannt. Er lebte bis zu seinem Tod in der Knesebeckstraße. Die Carmerstraße erhielt 1892 ihren Namen nach dem Juristen und Politiker Graf Johann Heinrich Casimir von Carmer. Nach dem preußischen General Karl Wilhelm Georg von Grolman wurde 1874 die Grolmanstraße benannt. Namensgeber der Kantstraße war der Philosoph Immanuel Kant (Benennung 1887). Die Knesebeckstraße wurde 1866 nach dem preußischen General Karl Friedrich Freiherr von dem Knesebeck und die Mommsenstraße 1897 nach dem Historiker und Nobelpreisträger für Literatur Theodor Mommsen benannt. Die Schlüterstraße erhielt 1885 nach dem Bildhauer und Architekten Andreas Schlüter ihren Namen. Schlüter gestaltete unter anderem das Berliner Zeughaus, große Teile des Berliner Schlosses, das Potsdamer Stadtschloss und das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten vor dem Schloss Charlottenburg.

[Bearbeiten] Gedenktafeln am und um den Savignyplatz

  • Savignyplatz 5: George Grosz, Zeichner und Maler
  • Bleibtreustraße 10/11: Mascha Kaléko, Dichterin, lebte hier von 1936 bis 1938. Das Deutschland von damals trieb sie ins Exil und verbot ihre Bücher. Sie emigrierte 1938 nach New York, lebte seit 1966 in Jerusalem.
  • Bleibtreustraße 15: Tilla Durieux, Schauspielerin; ab 1903 an den Reinhardt-Bühnen in Berlin. Emigration 1933, Rückkehr nach Berlin 1952, lebte hier von 1966 bis 1971.
  • Bleibtreustraße 15: Alfred Flechtheim, Kunsthändler, Verleger und Förderer der modernen Kunst; Gründer und Herausgeber der Zeitschrift „Der Querschnitt“, lebte hier von 1923 bis 1933. 1933 musste er emigrieren. Er starb im Londoner Exil.
  • Bleibtreustraße 34/35: Das erste Büro des 1880 in Petersburg gegründeten ORT (Organisation-Rehabilitation-Training), ein jüdisches Berufsfortbildungswerk zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden, befand sich hier seit 1921. 1937 eröffnete ORT seine eigene Fachschule in Berlin, die zu einem Teil noch 1939 nach England gerettet werden konnte.
  • Bleibtreustraße 38/39: Nathan Zuntz, Begründer der Luftfahrtmedizin, Professor für Tierphysiologie, lebte hier von 1914 bis 1919.
  • Carmerstraße 12: Otto von Gierke, Rechtshistoriker, schrieb „Das Deutsche Genossenschaftsrecht“ und Anna von Gierke, Leiterin der Ausbildungsstätte „Jugendheime e.V.“ (1898–1933) und Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, lebten in der Carmerstraße 12, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Gierke.
  • Kantstraße 30: Else Ury, Schriftstellerin, lebte hier von 1905 bis 1933. Die Verfasserin der Nesthäkchen-Romane wurde 1935 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, 1943 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
  • Kantstraße 152: Carl von Ossietzky, Nobelpreisträger, wirkte hier von 1927 bis 1933 als Herausgeber der „Weltbühne für Recht Freiheit Frieden und Völkerverständigung“.
  • Kantstraße 153: Rudolf Diesel, der Ingenieur und Erfinder des Dieselmotors, wohnte und arbeitete hier von 1893 bis 1894.
  • Knesebeckstraße 12: Hedwig Courths-Mahler, Romanautorin, lebte hier von 1914 bis 1932.
  • Knesebeckstraße 17: Emma Gumz (1899–1981) und Franz Gumz (1899–1945) lebten hier von 1900 bis 1981. Sie waren „Stille Helden“, die während der Zeit des Nationalsozialismus Menschen jüdischer Herkunft halfen, indem sie sie versteckten oder beschützten. Viele verdanken ihnen ihr Leben.
  • Knesebeckstraße 32: Emil Nikolaus von Reznicek, Komponist und Dirigent, lebte und wirkte hier von 1902 bis 1945.
  • Mommsenstraße 6: Leo Blech lebte hier von 1913 bis zu seiner Emigration im Jahre 1937. Er war Komponist und Dirigent, Generalmusikdirektor an der Staatsoper Unter den Linden und am Deutschen Opernhaus Charlottenburg.
  • Mommsenstraße 57: Günter Neumann, Komponist und Autor („Die Insulaner“) wurde hier geboren.
  • Schlüterstraße 21: Georgi Dimitroff, Generalsekretär der Komintern, ab 1946 bulgarischer Ministerpräsident, wirkte hier von 1930 bis 1933.

[Bearbeiten] Kultur und Freizeit

Rund um den Savignyplatz und seinen angrenzenden Straßen gibt es eine Vielzahl von Restaurants, Bars, Cafés, Jazzclubs, Kinos und Buchläden. Nachfolgend eine Auswahl der dort ansässigen Gewerbetreibenden:

[Bearbeiten] Gastronomie

  • Savignyplatz 1: Das 2006 eröffnete Brel bezeichnet sich selbst auf seiner Homepage als Bar-Bistro-Caf'Conc'. Neben Außenplätzen bietet das Brel noch ein Separée mit Kamin für 50 Personen und eine Gästewohnung an.
  • Savignyplatz 2: Das Drei am Savignyplatz ist eine Verbindung aus Restaurant, Café und Cocktailbar. Man bekommt vom Steak über Pasta oder satinierten Pilzen vieles geboten. Die leicht erhobenen Logen mit je sechs Sitzplätzen wirken wie Separées.
  • Savignyplatz 5: Das Gainsbourg, benannt nach Serge Gainsbourg, mit der Cocktailbar Bar Américain.
  • Savignyplatz 7–9 Ecke Grolmanstraße: Das Lokal Zwiebelfisch, benannt nach einem Setzerfehler, ist eine seit 1967 existierende Kneipe.
  • Savignyplatz/Kantstraße 148: Das Hefner war die erste Bar/Café/Lounge auf der Südseite des Savignyplatzes Richtung Zoo, die einen gehobeneren Stil hatte. Vorher war in dem Laden die Kant-Klause, in der sich gerne das damals hier ansässige Rotlichtmillieu traf.
  • Carmerstraße 9: Die Dicke Wirtin ist ein Kneipen-Restaurant im Alt-Berliner Stil. Die ursprüngliche Wirtin Anna Stanscheck, nach der die Kneipe benannt ist, war bekannt für ihr großes Herz, ihre Eintöpfe und ihre Liebe zu den Studenten der nahen Kunsthochschule und einer herben Sympathie für Künstler, Autoren, Schauspieler und andere Zeitgenossen.
  • Grolmanstraße 28: Das Terzo Mondo, ein griechisches Restauraunt, das seit 1972 vom Schauspieler Kostas Papanastasiou betrieben wird. Neben dem Restaurant beinhaltet es auch eine Galerie mit ständig wechselnden Ausstellungen sowie vielen Kleinkunstveranstaltungen.
  • Grolmanstraße 47: Der Tattersall ist das traditionsreiche, in seiner Einrichtung unveränderte, ehemalige Lokal des Schwergewicht-Boxers Franz Diener aus den 1920er-Jahren, an dessen Fassaden noch die Schriftzüge „Tattersall des Westens“ und „Reithalle“ stehen.

[Bearbeiten] Geschäfte

  • Savignyplatz 2: Das seit 1975 bestehende Ananda (aus dem Sanskrit, bedeutet übersetzt „Glückseligkeit“) bietet exklusive Mode für Frauen.
  • Savignyplatz 3: Die Eisenwarenhandlung C. Adolph wurde 1898 gegründet. Man bekommt dort alles, was im Haushalt benötigt wird. Außerdem werden Bühnenbedarf und ein Schlüsseldienst angeboten. Das Geschäft hat noch die Originaleinrichtung aus der Gründungszeit: Eine raumhohe Schrankwand mit einer großen Anzahl von Schubladen zum Aufbewahren der Schrauben, Muttern, Dübel usw.
  • Savignyplatz 4–5: Ricardo Cartillone hat gleich zwei seiner Schuhläden am Savignyplatz eröffnet.
  • Savignyplatz 7–8: Das Habitare wohnen & wohnen ist ein modernes Einrichtungshaus. Das Angebot reicht über Sofas und Sessel über Tische und Stühle, Garten und Terrasse bis zu Leuchten und Accessoires sowie Kommoden, Regale, Schränke und Sideboards.
  • Savignyplatz 11: Hier befindet sich einer von mehreren Schuhtick-Läden in Berlin. Dieser ist besonders für Paare günstig angelegt, da zwischen der größeren Abteilung mit Damenschuhen zur Herrenabteilung eine kleine Filiale des Café Einstein zu einer kurzen Shopping-Pause einlädt.
  • Bleibtreustraße 12: Das Filmkunst 66 ist ein Kino. Das Haus wurde 1951 als eingeschossiger Flachbau auf einem ehemaligem Trümmergrundstück errichtet. 1993 wurde es abgerissen, um einem neuen Geschäftshaus einschließlich Kino mit zwei Sälen (einer im Souterrain) zu weichen. Die Wiedereröffnung des Kinos fand 1995 statt.
  • Kantstraße 17–20: Das Stilwerk ist ein 1998/1999 errichtetes Geschäftshaus mit 58 verschiedenen Einrichtungs- und Designerläden des gehobenen Segments sowie einer Filiale des Klavierbauers C. Bechstein. Im Erdgeschoss des Stilwerk befindet sich die Ultra Lounge – Dining and Dancing. Sie wurde unter als Studio 54 von Joe Jackson 2006 ins Leben gerufen und bietet alles über Soul, Funk und Jazz.
  • Knesebeckstraße 33: Die Bücherstube Marga Schoeller wurde 1929 von Marga Schoeller am Kurfürstendamm gegründet und zog in den 1970er-Jahren in die Knesebeckstraße 33 um. Die Bücherstube ist eine der renommiertesten Buchhandlungen Berlins: Schriftsteller wie Erich Kästner, Elias Canetti und Bertolt Brecht waren oft gesehene Gäste. Der Schwerpunkt liegt heute bei englischsprachiger und Frauenliteratur, außerdem bei Theater-, Film- und Kinderbüchern.
  • Knesebeckstraße 68: Hartog-Wohnaccessoires, 1936 von Magda Hartog gegründet, war lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg das einzige Fachgeschäft für modernes Kunsthandwerk in Berlin. Heute ist es die Anlaufstelle für Liebhaber zeitlosen Designs, insbesondere aus Skandinavien.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Savignyplatz (Berlin-Charlottenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Eintrag zum Savignyplatz in der Berliner Landesdenkmalliste
  2. Eintrag zum Kiosk in der Berliner Landesdenkmalliste
  3. Eintrag zum S-Bahnhof Savignyplatz in der Berliner Landesdenkmalliste

52.5058213.32242Koordinaten: 52° 30′ 21″ N, 13° 19′ 21″ O

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