Savignyplatz

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Savignyplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Savignyplatz
Der Savignyplatz mit Bronzeskulpturen von August Kraus
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Charlottenburg
Angelegt 1870er/1880er Jahre
Neugestaltet 1926/1927
Einmündende Straßen Kantstraße,
Knesebeckstraße,
Grolmannstraße,
Carmerstraße
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer, Autoverkehr, ÖPNV
Platzgestaltung Ludwig Neßler,
Erwin Barth

Der Savignyplatz befindet sich im Berliner Ortsteil Charlottenburg und entstand nach dem Plan von James Hobrecht aus dem Jahr 1861 für die Stadterweiterung von Berlin. Im Jahr 1887 wurde er nach dem Juristen Friedrich Carl von Savigny benannt. Der S-Bahnhof Savignyplatz wurde 1896 eröffnet. (Der französische Name Savigny wird von den Berlinern auf der zweiten statt auf der dritten Silbe betont.)

Erst im Jahr 1892 erhielt der Savignyplatz Grünanlagen nach Entwürfen des städtischen Garteninspektors Ludwig Neßler. Er ist ein Blockplatz mit sieben Straßeneinmündungen. Die Straßen durchkreuzen den Platz, wobei die Kantstraße als größte Straße zur Auflockerung den Platz teilt. Die weiteren über den Platz verlaufenden Straßen sind von Nordwest nach Nordost: Grolmanstraße, Knesebeckstraße und die Carmerstraße, die auf der Nordhälfte des Platzes bis zum Steinplatz verläuft.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Savignyplatz, 1902
Das Stromhäuschen von 1926 ist eine 2007 vorgenommene Rekonstruktion.

In den Jahren 1926/1927 wurde der Savignyplatz durch den städtischen Gartenbaudirektor Erwin Barth und seinen Nachfolger im Amt mit Sitzlauben und Staudenrabatten umgestaltet. Nach vielen folgenden Veränderungen erhielt er anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums seine ursprüngliche Gestalt zurück, allerdings ohne den früheren Spielplatz. Seitdem ist er ein Gartendenkmal.[1]

Auf der Nordhälfte wurden 1931 zwei gleiche Bronzeskulpturen Knabe mit Ziege von August Kraus (1928) aufgestellt. Als sie 1955 wieder aufgestellt wurden, war nur eine der beiden erhalten – die zweite ist ein Nachguss. Die Anordnung der Skulpturen ist symmetrisch zueinander, rund zehn Meter voneinander entfernt, parallel zu einer der Symmetrieachsen des Platzes, der Kantstraße.

Auf der Südhälfte des Platzes befindet sich ein 1987 rekonstruierter Kiosk aus dem Jahr 1905 von Alfred Grenander. Er steht heute ebenfalls unter Denkmalschutz.[2]

Im Jahr 2007 wurde das Stromhäuschen durch den Berliner Architekten Christian Koch rekonstruiert.[3] Der früher offene Durchgang des 1926 entworfenen Häuschens wurde mit einer zeitgenössischen Kunstinstallation aus hinterleuchtetem Glas versehen.

S-Bahnhof Savignyplatz[Bearbeiten]

Bahnhof Savignyplatz, um 1900

Am 1. August 1896 wurde auf den Bögen der Stadtbahn der S-Bahnhof Savignyplatz eröffnet. Er ist damit der jüngste S-Bahnhof auf der Stadtbahn und liegt zwischen den Bahnhöfen Zoologischer Garten (seit 1882) und Charlottenburg am Stuttgarter Platz (seit 1890) und steht heute unter Denkmalschutz.[4] Den Mittelbahnsteig erreicht man über Zugänge in der Schlüterstraße und im Else-Ury-Bogen. Der Bahnhof wurde eher schlicht mit einem vier Meter hohen hölzernen Satteldach auf gusseisernen Säulen (Typ „Wannseebad“) gestaltet.

Unter den Bahngleisen führt die Bleibtreustraße vom Platz aus hindurch nach Süden. Die entsprechende Bahnbrücke ist Bestandteil des Projekts Perlenkette aus Licht, das aus Mitteln des Programms Aktive Zentren finanziert wird. Die damit verbundene künstlerische Lichtinstallation wurde am 27. September 2013 feierlich in Betrieb genommen. Die Lichtanlage kostete 200.000 Euro, für ihren dauerhaften Betrieb konnte die AG City Sponsorengelder einwerben.[5]

Der S-Bahnhof ist von Gebäuden umgeben, von denen jedoch fast ausschließlich Brandmauern zu sehen sind. Auf der nördlichen Bahnhofsseite wurde 1986 im Rahmen der Sanierung des Bahnhofes die Brandmauer durch eine Künstlergruppe um den US-amerikanischen Künstler Ben Wagin mit der Wandbemalung Weltbaum II gestaltet. Die Kunst rund um den Bahnhof mahnt den Menschen, seine Verantwortung für die Umwelt ernst zu nehmen.

Die Straßen rund um den Savignyplatz[Bearbeiten]

Die Straßen rund um den Savignyplatz, wie eigentlich in der ganzen City-West, wurden Ende des 19. Jahrhunderts angelegt. Man findet am Platz keine Frauennamen, da man damals diese Straßen nach Geisteswissenschaftlern, Philosophen und Juristen benannte (so auch der Philosoph Leibniz, der Schriftsteller Wieland und die Historiker Giesebrecht, Niebuhr, Mommsen, Sybel).

Die Bleibtreustraße wurde 1897 nach dem Maler und Grafiker Georg Bleibtreu benannt.[6] Er lebte bis zu seinem Tod in der nahen Knesebeckstraße. Die Carmerstraße erhielt 1892 ihren Namen nach dem Juristen und Politiker Graf Johann Heinrich Casimir von Carmer.[7] Namensgeber der Kantstraße war der Philosoph Immanuel Kant (Benennung 1887).[8] Die Knesebeckstraße wurde 1866 nach dem preußischen Feldmarschall Karl Friedrich Freiherr von dem Knesebeck[9] und die Mommsenstraße 1897 nach dem Historiker und Nobelpreisträger für Literatur Theodor Mommsen benannt.[10] Die Schlüterstraße erhielt 1885 nach dem Bildhauer und Architekten Andreas Schlüter ihren Namen.[11] Schlüter gestaltete unter anderem das Berliner Zeughaus, große Teile des Berliner Schlosses, das Potsdamer Stadtschloss und das Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten vor dem Schloss Charlottenburg. Die Motivation bei der 1874 erfolgten Benennung der Grolmanstraße ist heute nicht mehr restlos aufzuklären: Sie erfolgte vermutlich nach dem Juristen und Hauptredaktor des preußischen Landrechts (das ab 1820 von Savigny revidiert wurde) Heinrich Dietrich von Grolman und nicht nach seinem Sohn, dem General Karl Wilhelm Georg von Grolman.[12]

Gedenktafeln am und um den Savignyplatz[Bearbeiten]

  • Savignyplatz 5: George Grosz, Zeichner und Maler
  • Bleibtreustraße 10/11: Mascha Kaléko, Dichterin, lebte hier von 1936 bis 1938. Das damalige Deutschland von trieb sie ins Exil und verbot ihre Bücher. Sie emigrierte 1938 nach New York, lebte seit 1966 in Jerusalem.
  • Bleibtreustraße 15: Tilla Durieux, Schauspielerin; ab 1903 an den Reinhardt-Bühnen in Berlin. Emigration 1933, Rückkehr nach Berlin 1952, lebte hier von 1966 bis 1971.
  • Bleibtreustraße 15: Alfred Flechtheim, Kunsthändler, Verleger und Förderer der modernen Kunst; Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Der Querschnitt, lebte hier von 1923 bis 1933. 1933 musste er emigrieren. Er starb im Londoner Exil.
  • Bleibtreustraße 34/35: Das erste Büro des 1880 in Sankt Petersburg gegründeten ORT (Organisation-Rehabilitation-Training), ein jüdisches Berufsfortbildungswerk zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden, befand sich hier seit 1921. 1937 eröffnete ORT seine eigene Fachschule in Berlin, die zu einem Teil noch 1939 nach England gerettet werden konnte.
  • Bleibtreustraße 38/39: Nathan Zuntz, Begründer der Luftfahrtmedizin, Professor für Tierphysiologie, lebte hier von 1914 bis 1919.
  • Carmerstraße 12: Otto von Gierke, Rechtshistoriker, schrieb Das Deutsche Genossenschaftsrecht und Anna von Gierke, Leiterin der Ausbildungsstätte „Jugendheime e. V.“ (1898–1933) und Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, lebten in der Carmerstraße 12, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Gierke.
  • Kantstraße 30: Else Ury, Schriftstellerin, lebte hier von 1905 bis 1933. Die Verfasserin der Nesthäkchen-Romane wurde 1935 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, 1943 nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
  • Kantstraße 152: Carl von Ossietzky, Nobelpreisträger, wirkte hier von 1927 bis 1933 als Herausgeber der Weltbühne für Recht Freiheit Frieden und Völkerverständigung.
  • Kantstraße 153: Rudolf Diesel, der Ingenieur und Erfinder des Dieselmotors, wohnte und arbeitete hier von 1893 bis 1894.
  • Knesebeckstraße 12: Hedwig Courths-Mahler, Romanautorin, lebte hier von 1914 bis 1932.
  • Knesebeckstraße 17: Emma Gumz (1899–1981) und Franz Gumz (1899–1945) lebten hier von 1900 bis 1981. Sie waren „Stille Helden“, die während der Zeit des Nationalsozialismus Menschen jüdischer Herkunft halfen, indem sie sie versteckten oder beschützten. Viele verdanken ihnen ihr Leben.
  • Knesebeckstraße 32: Emil Nikolaus von Reznicek, Komponist und Dirigent, lebte und wirkte hier von 1902 bis 1945.
  • Mommsenstraße 6: Leo Blech lebte hier von 1913 bis zu seiner Emigration im Jahre 1937. Er war Komponist und Dirigent, Generalmusikdirektor an der Staatsoper Unter den Linden und am Deutschen Opernhaus Charlottenburg.
  • Mommsenstraße 57: Günter Neumann, Komponist und Autor (Die Insulaner) wurde hier geboren.
  • Schlüterstraße 21: Georgi Dimitroff, Generalsekretär der Komintern, ab 1946 bulgarischer Ministerpräsident, wirkte hier von 1930 bis 1933.

Kultur und Freizeit[Bearbeiten]

Rund um den Savignyplatz und seinen angrenzenden Straßen gibt es eine Vielzahl von Restaurants, Bars, Cafés, Jazzclubs, Kinos und Buchläden.

Filme[Bearbeiten]

  • Am Savignyplatz. Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, 43:34 Min., Buch und Regie: Caterina Woj, Produktion: rbb, Reihe: Berliner Ecken und Kanten, Erstsendung: 2. Juni 2012, Filminformationen von der Regisseurin.
    Unter anderem mit Aykut Kayacık, dem „heimlichen Bürgermeister“ des Savignyplatzes, und Verleger Klaus Wagenbach.
  • Die rbb Reporter – Von 6 bis 6 am Savignyplatz. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 30 Min., Buch und Regie: Caterina Woj, Produktion: rbb, Reihe: Die rbb Reporter, Erstsendung: 18. April 2012 bei rbb, Inhaltsangabe von rbb.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Savignyplatz (Berlin-Charlottenburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zum Savignyplatz in der Berliner Landesdenkmalliste
  2. Eintrag zum Kiosk in der Berliner Landesdenkmalliste
  3. http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/presse/archiv/20070619.1020.80052.html
  4. Eintrag zum S-Bahnhof Savignyplatz in der Berliner Landesdenkmalliste
  5. Information in der Berliner zeitung vom 25. September 2013, Seite 19; Rubrik Berlin/Bezirke
  6. Bleibtreustraße bei Luise
  7. Carmerstraße bei Luise
  8. Kantstraße bei Luise
  9. Knesebeckstraße bei Luise
  10. Mommsenstraße bei Luise
  11. Schlüterstraße bei Luise
  12. Grolmanstraße bei Luise

52.5058213.32242Koordinaten: 52° 30′ 21″ N, 13° 19′ 21″ O