Rispen-Steinbrech

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Saxifraga paniculata)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rispen-Steinbrech
Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) in den Zillertaler Alpen

Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata) in den Zillertaler Alpen

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Steinbrechartige (Saxifragales)
Familie: Steinbrechgewächse (Saxifragaceae)
Gattung: Steinbrech (Saxifraga)
Art: Rispen-Steinbrech
Wissenschaftlicher Name
Saxifraga paniculata
Mill.

Der Rispen-Steinbrech (Saxifraga paniculata Mill., syn. Saxifraga aizoon Jacq., Chondrosea aizoon (Jacq.) Haw.), auch Trauben-Steinbrech oder Immergrüner Steinbrech, gehört zur Gattung Steinbrech (Saxifraga).

Beschreibung[Bearbeiten]

Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)

Die Pflanze wird etwa 5 bis 30 cm hoch. Die immergrünen, fleischigen Blätter bilden ein bis sechs Zentimeter breites halbkugeliges Rosettenpolster. Die Blätter scheiden wie beim Blaugrünen Steinbrech (S. caesia) aktiv Kalk am Rand aus und sind oft mit einer hellgrauen Kalkschicht überzogen. Die Grundblätter werden 3–6 mm lang und sind eiförmig, kurz bewimpert. Die weißen bis gelblichen, oft rotgepunkteten Blüten werden etwa 8 bis 15 mm groß. Sie stehen in lockeren, rispenartigen Trauben am meist drüsig behaarten Stängel. Die Rispenäste sind ein- bis dreiblütig.

Die Blütezeit ist je nach Höhenlage Mai bis August.

Die Art hat die Chromosomenzahl 2n = 28.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die kalkliebende Pflanze bevorzugt als Standort felsige alpine Rasen, Felsspalten und Felsflure bis in die alpine Höhenlage (etwa 3400 m). Sie ist soziologisch eine Ordnungscharakterart der Potentilletalia caulescentis[1]. Nach Beobachtungen auf der Schwäbischen Alb kommt der Trauben-Steinbrech im Drabo-Hieracietum humilis, im Diantho-Festucetum pallescentis und im Valeriano-Seslerietum vor. Das Verbreitungsgebiet umfasst in Europa die Gebirge von den Pyrenäen, den Alpen, dem Apennin, den Karpaten bis zu den Gebirgen der Balkanhalbinsel. Sie kommt aber auch in Island und Norwegen vor und besiedelt (meist in besonderen Unterarten oder Varietäten) auch die Gebirge in Eurasien und Nordamerika[2][3].

Ökologie[Bearbeiten]

Die Pflanze ist sehr trockenresistent und frosthart und somit gut an extreme Standortbedingungen angepasst. Die Winkel der Blattzähne besitzen Wasserspalten (Hydathoden), die aktiv kalkreiches Wasser abscheiden, um den Kalküberschuss zu verringern. Nach Verdunstung des Wassers bleiben dort kleine Kalkschüppchen zurück. Immergrüne, kleine Blätter nützen jeden Sonnenstrahl, der Wasservorrat ist in den fleischigen Blättern mit einer dicken Oberhaut geschützt, Anordnung in Rosetten, angeborene Frosthärte. An schneefrei geblasenen Stellen ist Assimilation sogar im Winter möglich.

Nach Beobachtungen auf der Schwäbischen Alb[4] ist die Art lichtliebend, erträgt Halbschatten, meidet aber eher vollsonnige Südexposition. Sie gedeiht auf kalkreichen Felsen, vor allem auf Felsköpfen und Felsgesimsen, auch auf konsolidierten Felsschutt. Sie wurzelt aber nicht mit der Hauptwurzel in Spalten, sondern mit vielen feineren Wurzeln in der dünnen humosen Schicht über den Felsen, gern zusammen mit teppichbildenden Moosen.

Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“; sie sind ausgeprägt vormännlich; die Griffel entwickeln sich erst nach dem Verstäuben der Staubbeutel. Der zweiblättrige Fruchtknoten endet in 2 freien Griffeln. Die gelben Flecken an der Basis der Kronblätter verstärken die Signalwirkung der Staubblätter und ersetzen diese nach dem Abwurf der Staubbeutel (Antherenimitation). Dis soll verhindern, dass die Bestäuber die Blüten außerhalb der männlichen Phase meiden. Über 90 Insektenarten, vorwiegend Fliegen, kommen als Bestäuber in Frage. Die Blütezeit ist je nach Höhenlage Mai bis August.

Die Früchte sind fachspaltige Kapseln. Die sehr kleinen Samen werden als Körnchenflieger ausgebreitet. Fruchtreife erfolgt ab September. Vegetative Vermehrung erfolgt durch bis 4 cm lange Ausläufer.


Rosetten vom Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)

Literatur[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Seite 489. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  2. Oskar Sebald: Saxifragaceae. In: O. Sebald u.a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3, Seite 270-272. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1992. ISBN 3-8001-3314-8
  3. Jaakko Jalas, Juha Suominen, Raino Lampinen, Arto Kurtto: Atlas florae europaeae. Band 12 (Resedaceae to Platanaceae). Seite 165-166, Helsinki 1999. ISBN 951-9108-12-2
  4. Oskar Sebald: Saxifragaceae. In: O. Sebald u.a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3, Seite 270-272. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1992. ISBN 3-8001-3314-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rispen-Steinbrech – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien