Sayn-Wittgenstein

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Grafschaft Wittgenstein
Grafschaft / Fürstentum Sayn-Wittgenstein
Wappen
Sayn Wittgenstein Wappen WWB 261.jpg
Karte
1450 Sayn Map.jpg
Grafschaft Sayn (braun) mit Wittgenstein (hellbraun, rechts) und Herrschaft Homburg (weiß) im 15. Jahrhundert
Alternativnamen Wittichenstein
Herrschaftsform Grafschaft
Herrscher/Regierung Graf
Heutige Region/en DE-NW
Reichsmatrikel 1 Reiter, 4 Fußsoldaten, 14 Gulden
Reichskreis Oberrheinisch
Kreistag Reichsfürstenrat: Teil einer Kuriatstimme der wetterauischen Grafenbank[1]
Hauptstädte/Residenzen Laasphe, Berleburg, Homburg
Dynastien Wittgenstein
1361: Sayn-Homburg
Sprache/n Deutsch
Fläche 280 km² (um 1800)
Einwohner 24.000 (um 1800)[2]
Aufgegangen in 1806: H.-Darmstadt, Homburg an GHzm Berg
1815: Preußen

Die Familie Sayn-Wittgenstein geht auf ein ehemaliges Adelsgeschlecht mit Stammsitz auf der Burg Sayn bei Bendorf am Rhein zurück. Seit 1605 ist das Geschlecht in die drei Linien Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (Laasphe) und Sayn-Wittgenstein-Sayn (Sayn) geteilt. Als "Chef des Gesamthauses" wird im historisch-genealogischen Sinne nach einer privaten Familienregelung ("Hausgesetz") Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (* 29. Oktober 1934) bezeichnet.

Genealogie[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Die heutigen Familien zu Sayn-Wittgenstein sind die Nachkommen aus den Linien der Grafen von Wittgenstein sowie der Grafen von Sayn aus dem Hause Sponheim.

Die Wittgensteiner Grafen starben im 14. Jahrhundert im Mannesstamm aus, und durch die Heirat Adelheids von Wittgenstein mit Salentin von Sayn-Homburg wurde der Zusammenschluss der Familien begründet.

Die Vorfahren Salentins von Sayn-Homburg stammten aus der Engelbertschen Linie der Grafen von Sayn aus dem Hause Sponheim, die die Gebiete um Vallendar und die Herrschaft Homburg ererbt hatten. Diese wiederum entstammten einer Verbindung der Grafen zu Sponheim mit den im 14. Jahrhundert im Mannesstamm ausgestorbenen Grafen zu Sayn.

Grafen von Wittgenstein bis 1361[Bearbeiten]

Die Grafen von Wittgenstein waren ein Zweig der Grafen von Battenberg und Wittgenstein, die sich bis 1238 mal von Battenberg und mal von Wittgenstein nannten und deren Besitz um Battenberg und Wittgenstein lag. Mit dem Bau der Burg Wittgenstein um 1187 dehnten sie ihr Herrschaftsgebiet bis an die Lahn aus.

Im Jahre 1238 wurde die Grafschaft Battenberg und Wittgenstein unter den Enkeln des Grafen Werner I. geteilt: Widekind II. erhielt die Battenberger Besitzungen und Siegfried I. erhielt die Burg Wittgenstein und die Stadt Laasphe.

1295 unterstellte sich Wittgenstein der Lehnsherrschaft der Erzbischöfe von Köln.[3] Unter Siegfried II. konnte das Haus Wittgenstein 1322 die Herrschaft über die Stadt Berleburg erlangen.

Grafen von Sayn[Bearbeiten]

Mit Werner IV. starb das Geschlecht im 14. Jahrhundert in der männlichen Linie aus. Seine Schwester Adelheid heiratete Salentin von Sayn-Homburg (aus der Engelbertschen Linie der Grafen von Sayn aus dem Hause Sponheim), der damit die Grafschaft Wittgenstein erbte. Er führte als erster Graf den Namen "Sayn-Wittgenstein". Die Besitzungen wurden ab 1361 in zwei Linien weitergeführt:

Seit 1500 zählte die Grafschaft Wittgenstein zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis, während die Grafschaft Sayn zum Oberrheinischen Reichskreis gehörte. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Reformation in der Grafschaft eingeführt.[4]

1606 starb die Linie Sayn-Sayn in der männlichen Linie aus, die seit 1294 die eigentliche Grafschaft Sayn besessen hatte. Ihr letzter Vertreter, Heinrich IV., hatte schon 1605 die Grafschaft seiner einzigen Verwandten, seiner Nichte Anna Elisabeth, vermacht, die mit dem dritten Sohn des Grafen Ludwig von Sayn-Wittgenstein, Wilhelm III., verheiratet war, so dass die beiden Linien für kurze Zeit wieder vereint werden konnten.

Grafen und Fürsten zu Sayn-Wittgenstein von 1605 bis 1806[Bearbeiten]

Ludwig I., Graf von Sayn zu Wittgenstein, vereinte beide Grafschaften, Sayn und Wittgenstein, in einer Hand. Aber schon 1605 teilte er sein Erbe auf seine drei Söhne auf:

  • Sayn-Wittgenstein-Berleburg.JPG
    Der älteste Sohn, Georg, erbte den nördlichen Teil der Grafschaft Wittgenstein mit Sitz in Berleburg. Er begründete die Linie der Grafen und Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die 1792 zu Reichsfürsten erhoben wurden. Von ihr spalteten sich im frühen 18. Jahrhundert die gräflichen Nebenlinien von Karlsburg und von Ludwigsburg ab, begründet durch Karl Wilhelm zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1693–1749) und Ludwig Franz II. zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1694–1750), die beiden jüngeren Brüder des regierenden Berleburger Grafen Casimir (1687–1741).
  • Sayn-Wittgenstein-Hohenstein.JPG
    Der zweite Sohn, Ludwig II., erbte den südlichen Teil der Grafschaft Wittgenstein mit Sitz in Wittgenstein (Laasphe). Er begründete die Linie der Grafen und Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein bzw. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, die seit 1801 Reichsfürsten waren.
  • Der dritte Sohn, Wilhelm III., war in erster Ehe mit der Gräfin Anna Elisabeth von Sayn, Erbin der 1606 ausgestorbenen Linie Sayn-Sayn, verheiratet. Er begründete 1605 die (ältere) Linie der Grafen zu Sayn-Wittgenstein-Sayn mit Sitz in Sayn. Diese Linie starb schon 1636 aus.

Ein Ast der Linie Sayn-Wittgenstein-Berleburg, die Grafen zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg-Ludwigsburg, begründete mit Graf Ludwig Franz II. die dritte Linie der Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (ab 1834 Fürsten des Königreichs Preußen). Ludwig Adolph Friedrich Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Ludwigsburg (1799–1866), ältester Sohn des kaiserlich russischen Feldmarschalls Fürst Ludwig Adolph Peter, kehrte 1848 mit seiner Gemahlin Leonilla Barjatinsky (1816–1918) aus Russland zurück, gründete in Sayn ein Fideikommiss und erhielt für den jeweiligen Chef dieser neuen Linie den Titel eines Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Sein Sohn Alexander (1847–1940) musste wegen unstandesgemäßer Heirat auf den Titel verzichten und nahm den Titel Alexander Graf von Hachenburg an. Träger des Fürstentitels wurde sein Sohn Stanislaus (1872–1958).

Schloss Berleburg ist bis heute im Besitz der Familie Sayn-Wittgenstein-Berleburg

Territorium[Bearbeiten]

Die Grafschaft Sayn-Wittgenstein lag auf dem Gebiet des heutigen Landes Nordrhein-Westfalen am Oberlauf von Eder und Lahn. Benachbarte Herrschaften waren:

Wappen[Bearbeiten]

Die Grafen von Wittgenstein hatten folgendes Stammwappen: In Silber zwei schwarze Pfähle (siehe oben). Es erscheint auch heute noch in einer Reihe aktueller Gemeindewappen, z.B.:

Die Grafen von Sayn-Wittgenstein (-Homburg) hatten ein Stammwappen mit vier Feldern im Hauptschild sowie einem Herzschild (siehe oben):[5]

  • Hauptschild, Feld 1 und 4 (links oben und rechts unten): In Silber zwei schwarze Pfähle – für Wittgenstein
  • Hauptschild, Feld 2 (rechts oben): In Rot eine zweitürmige silberne, schwarzgefugte Burg – für Homburg
  • Hauptschild, Feld 3 (links unten): In Schwarz ein mit drei schwarzen, rechtsgewandten Schweinsköpfen belegter silberner Schrägbalken – für Freusberg (In späteren Darstellungen wird das Feld gewendet, so dass die Eberköpfe einwärts blicken.)
  • Herzschild: In Rot ein goldener Gelöwter Leopard – für Sayn

Fürstennamen und Namensführung „Prinz zu“ und „Fürst von Sayn-Wittgenstein“[Bearbeiten]

Seit Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung vom 14. August 1919 tragen alle deutschen Familienangehörigen der ehemals fürstlichen Familien den bürgerlich-rechtlichen Familiennamen „Prinz bzw. Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-…“. Fürsten-Bezeichnungen können mit dem Fortfall der Adelstitel als Teil des Familiennamens nicht mehr vererbt werden, da mit der Abschaffung des Adels als bevorrechtiger Stand die Vorrechte des Primogenituradels weggefallen sind und an Nachkommen nicht mehr im Familiennamen weitergegeben werden können.

Im Oktober 1904 hatte sich jedoch ein neuer bayerischer Zweig von der Familie abgespalten: Prinz Hermann zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, der eine unstandesgemäße Ehe mit Gertrude Katharina Westenberger eingegangen war, und sein aus dieser Verbindung stammender Sohn Alexander wurden in die Adelsmatrikel des Königreichs Bayern in der Fürstenklasse eingeschrieben, allerdings unter dem Namen „von Sayn-Wittgenstein“. Prinz Hermann verzichtete am 23. Januar 1905 auf die Zugehörigkeit zu dem Hause Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Die österreichische Prävalierung der Familie erfolgte am 11. Juli 1912 in Wien.[6]

Die beiden Familien „zu Sayn-Wittgenstein“ und „von Sayn-Wittgenstein“ stehen somit in keiner rechtlichen Verbindung zueinander.

Die Mitglieder des russischen Zweiges, die heute vor allem in Kanada leben, führen alle den Namen Fürst bzw. Fürstin zu Sayn-Wittgenstein (erblicher preußischer Fürstenstand als Fürst zu Sayn und Wittgenstein 1834; Bestätigung und Aufnahme in den erblichen russischen Fürstenstand 1834; alles für Peter (1769-1843), Sohn des Grafen Christian Ludwig zu Sayn-Wittgenstein (1725-1797), kaiserlich russischen Generalleutnants).[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Träger des Namens sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Antiquitates Saynenses a Joh. Phil. de Reifenberg anno 1644 collectae. Aachen, 1830.
  • Matthias Dahlhoff: Geschichte der Grafschaft Sayn. Dillenburg, 1874.
  • Karl E. Demandt: Geschichte des Landes Hessen, 2. Auflage, Kassel 1972 (S. 514–520). ISBN 3-7618-0404-0
  • Günther Wrede: Territorialgeschichte der Grafschaft Wittgenstein. Marburg 1927.
  • Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. Wiesbaden 1958, Nachdruck 1987.
  • Johannes Burkardt, Ulf Lückel: Das Fürstliche Haus zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Deutsche Fürstenhäuser. Bd 17. Börde, Werl ³2006. ISBN 3-9810315-0-4
  • Ulf Lückel, Andreas Kroh: Das Fürstliche Haus zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Deutsche Fürstenhäuser. Bd 11. Börde, Werl 2004. ISBN 3-9809107-1-7
  • Ludwig Tavernier: Das Fürstliche Haus Sayn-Wittgenstein-Sayn. Deutsche Fürstenhäuser. Bd 6. Börde, Werl ²2005. ISBN 3-9807740-3-1
  • Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Franz-Eugen Volz: Die Münzen und Medaillen der gräflichen Häuser Sayn. Schulten, Frankfurt am Main 1975. ISBN 3-921302-10-2
  • Albert Hardt: Urkundenbuch der Herrschaft Sayn. Bd 1.2. Wolfenacker, Wiesbaden 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. zwei Teile der Kuriatsstimme während des 18. Jahrhunderts für Wittgenstein und Berleburg
  2. Köbler, Gerhard: "Historisches Lexikon der Deutschen Länder", S. 615
  3. Köbler, Gerhard: "Historisches Lexikon der Deutschen Länder", S. 799
  4. Grafschaft Wittgenstein bei hoeckmann.de
  5. "Entwicklung und Varianten des Sayn-Wittgensteiner Wappens" bei dr-bernhard-peter.de
  6. Die Familie starb allerdings schon 1959 im Mannesstamm wieder aus, vgl. Die Fürsten von Sayn-Wittgenstein
  7. Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser Band XV, Limburg (Lahn) 1997, S. 628-634