Scandza

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Scandza ist der Name Skandinaviens in der Getica des Jordanes. Er taucht in der Antike in variierenden Namensformen auf, bis sich im Mittelalter schließlich die heutige Form „Skandinavien“ durchsetzte.

Hintergrund[Bearbeiten]

Skandinavien nach Ptolemäus
  • Plinius der Ältere erwähnte im 1. Jahrhundert n. Chr. in seinem Werk Naturalis historia die Halbinsel als Scatinavia und nannte die Einwohner Hillevionen.
  • 98 n. Chr. schrieb Publius Cornelius Tacitus in seinem Werk Germania erstmals über einen skandinavischen Stamm, indem er die Suionen als seefahrendes Volk im Meer bezeichnete.
  • Etwa 50 Jahre später erwähnte Claudius Ptolemäus vier skandische Inseln (τέσσαρες νῆσοι αἱ καλούμεναι Σκανδίαι)[1] und beschrieb die östlichste Insel, die gleichzeitig auch die größte ist genauer. Sieben Stämme wohnen ihm zufolge auf dieser Insel: die Chaediner im Westen, die Firaesen und Favonen im Osten, die Finnen im Norden, die Gauten und Daukionen im Süden und die Levoner in der Mitte.
  • Eine Insel namens Scadinavia (Paulus Diaconus) oder scadan[an] (Origo Gentis Langobardorum) soll Herkunftsort der Langobarden gewesen sein.[2]

Beschreibung des Jordanes[Bearbeiten]

Skandinavien um 550 n. Chr. nach Jordanes

Der römisch-gotische Geschichtsschreiber Jordanes schrieb, dass die Goten ihre ursprüngliche Heimat die Insel Scandza verließen und mit drei Schiffen unter ihrem König Berig über die Ostsee fuhren. Dort trafen sie auf die Küste des heutigen Polen, wo sie neue Ansiedlungen errichteten. Dieser Küstenabschnitt wurde Gothiscandza benannt.[3] Jordanes lieferte in seinem Werk ein detaillierteres Bild von Skandinavien (Scandza). Seite Angaben aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. werden jedoch in der modernen Forschung eher kritisch betrachtet.[4] Jordanes beschrieb Scandza als große, nicht runde Insel, mit einem großen See im Landesinnern, einem daraus ins Meer fließenden Fluss namens Vagus (möglicherweise der Vänernsee und der Göta älv, früher Ván) und einer Landbrücke (Lappland) zum Festland im Osten. Jordanes nannte eine Vielzahl von Stämmen, wobei es fraglich ist, ob diese Angaben genau sind. Hoch im Norden lebten die Adogit bei denen es im Hochsommer eine Zeit des andauernden Licht für vierzig Tage und Nächte gäbe und im Winter für die gleiche Anzahl von Tagen und Nächten eine völlige Dunkelheit. Ein weiteres Volk seien die Screrefennae (Skridfinner), die sich nicht von Getreide ernährten, sondern vom Fleisch der wilden Tiere und den Eiern der Vögel. Dort gäbe es so reichlich junges Wild in der sumpfigen Landschaft, dass sie von der Jagd ein gutes Leben führen könnten. Weiter südlich lebten die Suehans, die wie die Thurini hervorragende Pferde besaßen. Unter diese befanden sich auch jene, die für ihre schönen dunklen Pelze bekannt waren, ein Volk, das in Bescheidenheit lebte jedoch die wertvollste Kleidung besaß.[5]

In den fruchtbaren Ebenen von Scandza siedelten die Stämme der Theusten, Vagothen, Bergio, Hallin und Liothida. Diese wurden daher oftmals von anderen Stämmen angegriffen. Nördlich von ihnen lebten die Ahelmil, Finnaithae oder Finnveden, die Fervir und die Gautigoten (Götaland), ein Volk von kräftigen und schnellen Kämpfern. Dann gab es noch die Mixi, Evagre, Otingis, die alle wie Tiere in Höhlen oder in den Fels geschlagenen Burgen hausten, die Ostrogothae, Raumarici, Aeragnaricii und die freundlichen Finnen, die friedfertiger als alle anderen Bewohner Scandzas waren und die den Vinovilothen ähnelten. Jordanes zählte des Weiteren die Suetidi, die größer als die anderen Völker waren. Zu den Dani, die ebenfalls ihre Wurzeln von diesem Stamm ableiteten, gehörten die Heruler, die alle Völker Scandzas überragten. Daneben gab es in ihrer Nachbarschaft noch die Granier, Augandzier, Eunixier, Taetel, Rugier, Arochier und die Ranier.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ptolemäus: Geographike Hyphegesis. Band 2, 10.
  2. Monika Mokre, Gilbert Weiss, Rainer Bauböck: Europas Identitäten. Mythen, Konflikte, Konstruktionen. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-593-37231-2, S. 31. (online).
  3. John Ole Askedal, Harald Bjorvand: Drei Studien zum Germanischen in alter und neuer Zeit. Odense University Press, Odense 1995, ISBN 9-027-27283-2, S. 87 ff. (online).
  4. Arne Søby Christensen: Cassiodorus, Jordanes and the History of the Goths. Studies in a Migration Myth. Kopenhagen 2002, S. 255 ff.
  5. a b Charles C. Mierow: Geographical Introduction. Abschnitt III. in: The origin and deeds of the Goths.