Schäfflertanz

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Schäfflertanz im Januar 2012 in Neuhausen

Schäfflertanz ist ein Zunfttanz der Schäffler (Fassküfer, Fasshersteller), ursprünglich nur in München, die zu Musik festgelegte Figuren tanzen. Ab 1830 verbreitete sich der Brauch durch wandernde Schäfflergesellen auch außerhalb Münchens und ist heute in vielen Orten im altbayerischen Raum üblich.

In der unteren Etage des Glockenspiels am Münchner Neuen Rathaus wird der Schäfflertanz dargestellt.

Entstehungslegende[Bearbeiten]

Der Legende nach wurde der Tanz in München erstmals 1517 während einer Pestepidemie aufgeführt, um die Bevölkerung, die sich aufgrund der Pest kaum mehr auf die Straße traute, zu beruhigen und das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen.

Tänzer und Tanzfiguren[Bearbeiten]

Neben den Tänzern gibt es Vortänzer, Fassschlager (die mit Hämmern auf Fässer schlagen), Spaßmacher ("Kasperl", die zum Beispiel die Lokalprominenz „derblecken“) und Reifenschwinger. Die Reifenschwinger schwingen Holzreifen, in denen auf einer kleinen Verdickung ein volles Weinglas steht (manchmal gar zwei oder drei), ohne etwas daraus zu verschütten. Die Tanzgruppen geben teilweise über 20 Vorstellungen am Tag. Bei der letzten Vorstellung der Saison wird nachts mit Fackeln getanzt, einer oder mehrere der Tanzreifen werden zerbrochen und ins Publikum geworfen. Alle sind in das Schäfflerkostüm mit schwarzen Schuhen, weißen Kniestrümpfen, schwarzer Kniebundhose, Schurzleder, roter Jacke und grüner Kappe mit weißem Federbusch gekleidet. Teilnehmen durften ursprünglich nur unverheiratete Schäfflergesellen mit einwandfreiem Leumund, nicht jedoch Schäfflermeister oder deren Söhne. Erst ab den 1960er-Jahren mussten verheiratete und berufsfremde Tänzer zugelassen werden, um die Tradition aufrechterhalten zu können.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Erstmals nachgewiesen ist der Münchner Schäfflertanz für das Jahr 1702[1]. Die Legende, die ihn mit der Pest in Verbindung bringt, dürfte erst im 19. Jh. entstanden sein. So wird bezweifelt, dass es 1517 in München überhaupt eine Pestepidemie gab, da die Sterberegister für dieses Jahr keine auffälligen Todesraten aufweisen[1].

Der ursprüngliche Aufführungsturnus ist unklar. Seit 1760 wird das Schauspiel alle sieben Jahre – das nächste Mal wieder 2019 – zur Faschingszeit aufgeführt. Warum alle sieben Jahre, ist nicht sicher geklärt; Vermutungen zielen auf ein verstärktes Auftreten der Pest alle sieben Jahre, die man durch den Tanz eindämmen wollte, auf die Sieben als Glückszahl oder auf Herzog Wilhelm IV., der den Schäfflern das Recht gab, alle sieben Jahre ihren Tanz aufzuführen. Danach hätte die herzogliche Anordnung ein Überhandnehmen der Feste verhindern sollen[1], zumal auch viele andere Zünfte ihre traditionellen Feste hatten.

Aus Kulmbach liegt eine schriftliche Erwähnung des Tanzes aus dem Jahre 1765 vor. In den Alt Kulmbacher Erinnerungen, geschrieben von Dr. Wilhelm Bauer, erzählt der Universitätsapotheker Dr. Ernst Wilhelm Mauritius von seinem Erlebnissen als Kind in Kulmbach: „Die Küfer feierten den Jahrestag durch einen Reifentanz. Neben den Springern trat hier ein Hanswurst mit harmlos derben Witzworten hervor.“

Ausbreitung im 19. Jh.[Bearbeiten]

Durch wandernde Schäfflergesellen gelangte der Schäfflertanz ab etwa 1830 auch in andere Orte im altbayerischen Raum. Vielerorts nahmen die zu dieser Zeit aufgekommenen Turnvereine die Münchner Tradition auf und führen den Schäfflertanz seitdem in einem siebenjährlichen Turnus auf. Zu diesen Orten zählen Arnstorf, Aschheim, Bad Griesbach im Rottal (um fünf Jahre versetzt), Berchtesgaden, Dinkelscherben, Eggenfelden, Eichstätt (um drei Jahre versetzt), Ergoldsbach[2], Eschelbach/Ilm, Frontenhausen, Geiselhöring, Geisenfeld, Großmehring, Ingolstadt, Ismaning[3], Kelheim, Kirchheim bei München, Kraiburg am Inn, Kolbermoor, Landau an der Isar, Landshut, Mainburg, Moosburg an der Isar, Mühldorf am Inn, Murnau am Staffelsee, Nonnenhorn am Bodensee, Osseltshausen, Partenkirchen, Peißenberg, Pfaffenhofen an der Ilm, Pleinting, Rottenburg an der Laaber, Schierling, Schwarzach, Stadtprozelten, Taufkirchen (Vils), Velden, Haag in Oberbayern, Wasserburg am Inn und Wemding.

Figürliche Darstellungen[Bearbeiten]

Der Schäfflertanz ist sowohl im Glockenspiel am Münchner Neuen Rathaus als auch in einem der Reliefs am so genannten Wurmeck dargestellt. Ferner befinden sich am Schäfflereck (Schäffler-/Wein-/Theatinerstraße) zwei einzelne Schäfflerfiguren in traditioneller Tänzertracht als Hauszeichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Sabine Reithmaier: Schäfflertanz & Perchtenlauf, Lebendige Traditionen und Bräuche in Altbayern. Süddeutsche Zeitung, München 2009, ISBN 978-3-86615-729-3, S. 23.
  2.  Bianca Marklstorfer: Bei den Schäfflern mittanzen, ist eine Ehre. In: Landshuter Zeitung. 7. November 2011 (online, abgerufen am 20. August 2012).
  3. Schäfflertanz. In: Web-Seite des Bauerntheaters Ismaning. Bauerntheater Ismaning e.V., abgerufen am 28. Januar 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schäfflertanz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien