Schöftland

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Schöftland
Wappen von Schöftland
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4144i1f3f4
Postleitzahl: 5040
Koordinaten: 646444 / 23959047.3055538.052785461Koordinaten: 47° 18′ 20″ N, 8° 3′ 10″ O; CH1903: 646444 / 239590
Höhe: 461 m ü. M.
Fläche: 6.28 km²
Einwohner: 4046 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 644 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 16,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.schoeftland.ch
Schöftland

Schöftland

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Schöftland (schweizerdeutsch: Schöftle, ˈʃœfːtlə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im mittleren Suhrental im Süden des Kantons.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf erstreckt sich entlang des östlichen Rands der flachen Ebene der Suhre, wobei der Fluss im Wesentlichen die westliche Begrenzung der Siedlungsfläche bildet. Am südlichen Ende des lang gestreckten Dorfes dehnt sich die Besiedlung jedoch über die gesamte Breite des Tals aus und erreicht mit dem Ortsteil Picardie den Westrand der Ebene. Dort bildet der steil aufragende Uerknerberg (586 m ü. M.) die Begrenzung zum Uerkental. In Richtung Südosten erstreckt sich, durch die Ebni (607 m ü. M.) getrennt, das von der Ruederche durchflossene Ruedertal. Von diesem Tal wiederum zweigt in Richtung Nordosten das Surtal ab. Es führt zum 611 Meter hohen Böhlerpass, dem Übergang ins Wynental, und wird durch den Brendelrain (601 m ü. M.) und den Gschneit (648 m ü. M.) begrenzt.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 628 Hektaren, davon sind 248 Hektaren bewaldet und 149 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 648 Metern auf dem Gschneit, der tiefste auf 443 Metern an der Suhre.

Nachbargemeinden sind Hirschthal im Norden, Unterkulm im Osten, Schlossrued im Südosten, Staffelbach im Süden, Uerkheim im Südwesten und Holziken im Nordwesten. Das Siedlungsgebiet ist fast mit demjenigen von Hirschthal zusammengewachsen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Alamannen siedelten sich um die Mitte des 7. Jahrhunderts in der Gegend an. Ausgrabungen im Jahr 1964 ergaben, dass bereits damals eine Kirche errichtet worden war. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1220. Damals übergab der Stiftspropst von Schönenwerd dem Kloster St. Urban zwei Güter in Schofftellang. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Sceftilwanc und bedeutet «Abhang mit Schachtelhalm (bewachsen)».[3] Die Schreibweise des Ortes änderte sich über die Jahrhunderte über Schoflach, Schopflanc, Scheftlan und Schöfftland zu Schöftland. Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Um 1350 entstand das Muhenamt, ein gesonderter Gerichtsbezirk, zu dem auch Schöftland gehörte.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Schöftland gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau und war Sitz eines Gerichtsbezirks im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Schöftland gehört seither zum Kanton Aargau.

Am 30. Januar 1811 erhielt die Gemeinde von der Kantonsregierung das Marktrecht. Noch heute findet jeweils am 1. Mai und am letzten Samstag im Oktober ein Warenmarkt statt. Die Suhrentalbahn nahm am 19. November 1901 ihren Betrieb auf. Dadurch erfuhr die Industrie einen Aufschwung. Seit 1900 ist die Bevölkerungszahl um das Zweieinhalbfache angestiegen, wobei es jedoch zwischen 1970 und 1990 eine Stagnationsphase gab.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Schloss Schöftland wurde 1660 erbaut. An derselben Stelle befand sich während des Mittelalters ein kleiner Burgturm, der jedoch im Sempacherkrieg zerstört wurde. Seit 1917 ist das Schloss im Besitz der Einwohnergemeinde und dient als Sitz der Gemeindeverwaltung.[5] Die Kirche von Schöftland entstand im Jahr 1506 im spätgotischen Stil. 1683 wurde das Kirchenschiff durch einen Brand zerstört und danach verbreitert wieder aufgebaut; erhalten geblieben sind der Chor und der nördlich daran angebaute Kirchturm.[6]

Galerie[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb rotes Andreaskreuz.» In den Bilderchroniken des 16. und 17. Jahrhunderts wurde Schöftland irrtümlicherweise das seit 1340 nachweisbare Wappen der Herren von Hattstatt aus dem Elsass zugewiesen, obwohl diese keinerlei Beziehungen zum Dorf hatten.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1243 1323 1869 2316 2698 2709 2755 2736 3271 3715

Am 31. Dezember 2013 lebten 4046 Menschen in Schöftland, der Ausländeranteil betrug 16,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 55,7 % reformiert. 24,0 % römisch-katholisch und 3,8 % moslemisch; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 89,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,7 % Italienisch, 3,0 % Albanisch.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Holziken, Schlossrued und Schmiedrued verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Schöftland gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1400 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 24 % in der Industrie und 74 % im Dienstleistungsbereich.[11] Die Industriebetriebe sind kleinere und mittlere Unternehmen in den Bereichen Textilien, Maschinenbau, Metall- und Holzverarbeitung, Hoch- und Tiefbau sowie im graphischen Gewerbe. Schöftland ist das Regionalzentrum des mittleren Suhrentals und hat deshalb zahlreiche Zupendler aus den umliegenden Gemeinden. Viele Erwerbstätige, die in Schöftland selbst leben, sind jedoch Wegpendler und arbeiten in Aarau und Umgebung.

Seit November 2009 ist an der Suhre in Schöftland das erste Wasserwirbelkraftwerk der Schweiz in Betrieb. Die Anlage soll jährlich 100'000 bis 130'000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen.[12]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist ausgezeichnet erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse 24 zwischen Aarau und Sursee. Weitere wichtige Strassen führen ins Ruedertal, ins Uerkental und über den Böhlerpass nach Unterkulm. Westlich des Dorfes verläuft eine Umfahrungsstrasse, die gleichzeitig als Zubringer zum Anschluss Aarau-West der Autobahn A1 dient. In Schöftland befindet sich die südliche Endstation der Suhrentalbahn nach Aarau; am Nordweg gibt es eine zusätzliche Haltestelle. Vom Bahnhof aus verkehren Postautolinien nach Schmiedrued und Sursee sowie eine Buslinie der Gesellschaft SZR zum Bahnhof Zofingen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und vier Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule absolviert werden können (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 387–388.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1109, Swisstopo
  5.  Michael Stettler, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen, Birkhäuser Verlag, Basel 1948, S. 230–231.
  6. Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. S. 225–229.
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 271.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Das erste Wasserwirbelkraftwerk der Schweiz entsteht im Kanton Aargau in Schöftland. Baublatt, 30. Oktober 2009, abgerufen am 6. Januar 2010.