Schönfließ (Eisenhüttenstadt)

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52.1514.61666666666740Koordinaten: 52° 9′ 0″ N, 14° 37′ 0″ O

Schönfließ
Höhe: 40 m ü. NHN
Einwohner: 3275 (2006)
Eingemeindung: 13. November 1961
Postleitzahl: 15890
Vorwahl: 03364
Schönfließ auf einer Postkarte (um das Jahr 1915)

Schönfließ ist ein Ortsteil von Eisenhüttenstadt. Das ehemals eigenständige Dorf liegt nahe der Oder, etwa 25 km südlich von Frankfurt (Oder) und 25 km nördlich von Guben, 120 km südöstlich von Berlin fast an der polnischen Grenze.

Der Name des Ortes entstand durch das Fließ, welches die Gemeinde von West nach Ost durchzieht und an dessen Ufern die Bauerngehöfte errichtet wurden, woran sich dann jeweils die zugehörigen, Ställe und Felder anschlossen.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Erstmals wurde Schönfließ in einer Rathenower Urkunde aus dem Jahr 1316 erwähnt. Danach verkaufte der Markgraf Johann von Brandenburg am 4. Juni 1316 die Stadt Fürstenberg (Oder) sowie die Dörfer Schönfließ, Diehlo, Ratzdorf, Ziltendorf und Lawitz an das Kloster Neuzelle, in dessen Besitz das Dorf bis zur Säkularisierung im Jahr 1817 verblieb. Die Schönfließer Bauern hatten an die Zisterzienser neben den zu leistenden Hand- und Spanndiensten jährlich auch Naturalabgaben zu leisten, u.a. Hühner, Getreide, Bienenhonig und Wein.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Im Jahre 1618 zählte Schönfließ zirka 22 Gehöfte. Die Gebäude waren Holzbauten mit Stroh oder Schilf gedeckt. Der Dreißigjährige Krieg richtete in den Jahren 1637 und 1642 großen Schaden an. Von den 22 Gehöften blieben nur neun übrig, denn die Schwedenheere plünderten und brandschatzten sehr. In den Jahren nach 1650 wurde das Dorf wieder aufgebaut und der alte Zustand wiederhergestellt.

Die Gemeindeverwaltung im 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

In den Jahren 1700 bis 1765 waren stets die Lehngutsbesitzer auf dem Grundstück Nummer 1 zugleich Schulze oder Ortsvorsteher. Dazu gehörte ein Beischulze (ein Bauerngutsbesitzer) und drei bis vier Schöffen (das Dorfgericht).

Ende der Klosterherrschaft[Bearbeiten]

Laut Kabinettsorder vom 18. Februar 1817 des Königs Friedrich Wilhelm des III. von Preußen wurden das Stift und Kloster Neuzelle aufgehoben. Die Naturalleistungen und Dienstpflichten an das Kloster wurden in Barleistungen umgerechnet und zur Ablösung gebracht. Dies geschah in den Jahren 1850/60.

Der Strukturwandel im Dorf[Bearbeiten]

Im Jahre 1847 fand man beim Bau eines Brunnens nahe der Försterei Braunkohle. Der Fürstenberger Kaufmann Thielenberg witterte hier seine große Chance. Er holte Bergleute herbei, kaufte das Gelände und begann 1858 mit der Förderung der Kohle. Durch Einführung der amerikanischen Korbweide erhielt das Korbmacherhandwerk einen bedeutenden Aufschwung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Korbmacherinnung gegründet. Das Dorf begann sich vom Bauerndorf zum Industrieort zu verändern. Dazu trugen besonders die Verkehrsbauten in der Region bei:

  • 1846/47 Bau der Eisenbahnstrecke Berlin - Breslau bei Fürstenberg (Oder)
  • 1889/90 Bau der Chaussee Fürstenberg (Oder) - Fünfeichen durch den Ort
  • 1890 Bau des Oder-Spree-Kanals
  • 1894/95 die Straße nach Diehlo wird gebaut.

Durch den Bergbau kamen mehr Leute in das Dorf. Die Einwohnerzahl betrug am 1. Dezember 1845 467 Personen. Die Volkszählung am 16. Juni 1925 zeigte 1334 Personen an. Durch die Zunahme der Bevölkerung stieg auch der Bedarf an gewerblichen Einrichtungen und auch die Schule musste erweitert werden. Dies erfolgte mit Unterstützung des Besitzers der Braunkohlengrube. 1905 wurde das neue Schulgebäude an der Müllroser Straße der Schulbehörde feierlich übergeben.

Nach einem vorhanden Protokollbuch des ehemaligen Schönfließer Bergmannsvereins, ist dieser wahrscheinlich 1897 gegründet wurden. Er übernahm die Versorgung seiner Mitglieder bei Krankheit und Unfall sowie die Unterstützung der Hinterbliebenen im Todesfall. Jeweils im Februar und im Sommer fand das Bergmannsfest mit Ball statt.

1926 gab es im Dorf 49 Industrie- und Gewerbeeinrichtungen u. a.:

  • eine Holzwollefabrik,
  • zwei Dampfziegeleien,
  • ein Dampfsägewerk,
  • drei Gastwirtschaften,
  • drei Bäckereien,
  • drei Schlächtereien,
  • fünf Kolonialwarenläden,
  • ein Konsumgeschäft,
  • neunzehn Korbmachereien,
  • eine Schmiede mit Hufbeschlag,
  • eine Schlosserei mit Fahrradhandel,
  • eine Tischlerei und Stellmacherei,
  • einen Schuhmacher,
  • zwei Frisörgeschäfte,
  • eine Gärtnerei
  • einen Maler- und Anstreichbetrieb.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Ende Januar 1945 kam die Front nach Schönfließ und die Einwohner mussten ihr Dorf verlassen. Nach Kriegsende kehrten viele Einwohner zurück und fanden ein von der Waffen-SS geplündertes Dorf vor.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Oktober 1945 begann im Dorf wieder der Schulunterricht. Zwei Alt- und drei Neulehrer unterrichteten in Schönfließ. Später wurde am Ort eine Zentralschule gebildet, in der auch die Kinder aus Pohlitz und Rießen sowie zeitweilig auch aus Diehlo aufgenommen wurden.

Die Braunkohleförderung wurde 1947 auf Befehl Nr. 132 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland wieder reaktiviert, da viel Kohle zum Aufbau einer Industrie im Lande benötigt wurde. Eine kleine Gruppe beherzter ehemaliger Bergleute der 1927 stillgelegten Grube schuf alle Voraussetzungen, damit der Kohleabbau wieder durchgeführt werden konnte. Die Braunkohle konnte wieder aus 60 bis 66 Meter Tiefe gefördert werden. Sie wurde mit einer Kleinbahn zum Milenzhafen transportiert. Dort trennte man die größeren Stücke Siebkohle von der Feinkohle. Letztere wurde an Ort und Stelle zu Naßpreßsteinen verarbeitet. Per Schiff oder Eisenbahn wurde die Kohle abtransportiert. 1952 wurde die Grube in Schönfließ endgültig stillgelegt, denn die Tagebaue der Niederlausitz förderten billiger und ergiebiger.

Nur wenige landwirtschaftliche Betriebe nahmen nach 1945 wieder ihre Arbeit auf. Sie bestellten ihre Felder oft unter großen Schwierigkeiten (Kriegsschäden), zunächst mit geliehenem Saatgut. Der größte Teil des Erntegutes musste an den Staat und die Sowjetarmee abgegeben werden.

Das metallurgische Werk EKO[Bearbeiten]

Mit dem historisch gewordenen Axthieb in der Schönfließer Heide am 18. August 1950 begann der Aufbau des metallurgischen Werkes EKO. Dazu gingen viele Landflächen der Schönfließer Bauern verloren, ebenso für den Aufbau der neuen Wohnstadt für die Hochofenarbeiter. Der Rest der landwirtschaftlichen Flächen wurde in die LPG übernommen.

Zusammenschluss mit Fürstenberg (Oder) und Stalinstadt[Bearbeiten]

Schönfließ wurde zweimal, zuerst 1944-1947 und endgültig 1950 nach Fürstenberg (Oder) eingemeindet. Mit diesem wurde es durch den Zusammenschluss mit Stalinstadt am 13. November 1961 ein Stadtteil von Eisenhüttenstadt.

Schönfließ heute

Alte Schreibweisen des Ortsnamens[Bearbeiten]

  • In der Urkunde von 1316 als Schonenvlyt
  • 1416/1626 Schonenflysze
  • seit 1826 schreibt man Schönfließ wie heute

Brauchtum[Bearbeiten]

Es gibt die Aussage vom Fließ, es enthalte sehr reines, klares und gesundes Wasser. Bekannt ist bei älteren Einwohnern das so genannte „Osterwasser holen“. Die Überlieferung sagt aus, man solle sich den Körper damit waschen: „Zur Schönheit und Gesunderhaltung, und den Mund ausspülen, damit die Zähne erhalten bleiben“. Wenn das Osterwasser in Flaschen gefüllt und verschlossen hingestellt wird, behält es seine Kraft angeblich bis zum nächsten Osterfest. Die Pflege des alten sorbischen Brauchs ist ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil der Schönfließer Bevölkerung in früheren Zeiten zum Volk der Sorben gehört hat.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schönfließ (Eisenhüttenstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien