Schülerlotse

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Briefmarke 1971

Ein Schülerlotse hat die Aufgabe, Schülern das sichere Überqueren einer Straße zu ermöglichen. Am Lotsenpunkt werden die Schüler in kleinen Gruppen über die Fahrbahn geleitet. Hierbei wartet der Schülerlotse, offizielle Bezeichnung Verkehrshelfer, auf eine genügend große Lücke im Verkehrsstrom, wobei er sich auch mittels der Schülerlotsenkelle bemerkbar macht.

Am 14. Januar 1953 wurde die in den USA geborene Idee eines Schülerlotsendienstes auch in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Die Einführung geht auf eine Initiative mehrerer Partner zurück, darunter auch die Deutsche Verkehrswacht (DVW). Heute liegt die Weiterentwicklung des Ausbildungskonzepts sowie auch die Ausstattung der Verkehrshelfer mit ihrer Dienstkleidung allein bei der DVW. In der Lotsenausbildung engagiert sich hauptsächlich die Polizei, in die Lotsenbenennung sind maßgeblich die Schulen eingebunden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt das Projekt finanziell.

Schülerlotsen in Deutschland[Bearbeiten]

Schülerlotsen 1956 in Berlin

Bundesweit sind derzeit rund 50.000 Menschen als Schülerlotsen tätig.[1]

Details[Bearbeiten]

Schülerlotsen agieren vorwiegend vor Beginn des Unterrichts, an einigen Schulen ist es üblich, dass Schülerlotsen auch nach Schulschluss ihren Dienst verrichten. Ihre Aufgabe erfüllen sie in jeder Jahreszeit und auch bei "Wind und Wetter".

Zur Erkennung der Schülerlotsen dienen eine Signalkelle, eine neongelbe Mütze zusammen mit einem neongelben Überwurf oder einer wetterfesten Jacke, die mit reflektierenden Materialien besetzt sind.

Schülerlotsen müssen in Deutschland mindestens 13 Jahre alt und in der 7. Klasse sein. In Brandenburg ist die Ausbildung bereits ab dem 11. Lebensjahr und in Berlin ab der 5. Klasse möglich.[2] Als Schülerlotsen können sich auch Erwachsene (zum Beispiel Eltern schulpflichtiger Kinder oder andere interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger) melden. Erst nach einer Ausbildung und einer bestandenen Prüfung kommt ein Einsatz in Betracht.[3]

Die Deutsche Verkehrswacht betont, dass es in über 60 Jahren Praxisbetrieb an den von Lotsen gesicherten Übergängen keinen einzigen tödlichen Verkehrsunfall gegeben habe.[4]

Jährlich werden Schülerlotsenwettbewerbe ausgerichtet, zunächst auf Stadt- oder Kreisebene, danach auf Landesebene. Die besten der Bundesländer treffen sich zum Bundeswettbewerb der Schülerlotsen und stellen dort ihr theoretisches und praktisches Können unter Beweis.[5] Auf Bundesebene erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als Dank für ihr Engagement eine Belohnung, die Sieger einen Preis.

Weitere Initiativen, die Schülern einen sicheren Schulweg ermöglichen sollen, sind beispielsweise Aktionen nach dem Prinzip eines Schulbus zu Fuß (auch "Pedibus" genannt).

Verkehrszeichen Nummer 356

Verkehrshelfer[Bearbeiten]

Hauptartikel: Verkehrshelfer

Schülerlotsen gehören zur Gruppe der Verkehrshelfer. Auf den Einsatz von Verkehrshelfern, so die amtliche Bezeichnung in Deutschland laut StVO § 42, wird in gebührender Entfernung durch das blaue Verkehrszeichen 356 hingewiesen. Der Vorgänger, das Verkehrszeichen „Schülerlotse“ mit derselben Ordnungsziffer wurde umbenannt, damit es so als Rechtsgrundlage für eine größere Vielfalt von engagierten Helfern im Straßenverkehr dienen kann. Als Verkehrshelfer werden neben Schülerlotsen auch Schulweghelfer, Schulbuslotsen und Schulbusbegleiter, sowie Verkehrskadetten bezeichnet.

Schülerlotsen in anderen Ländern[Bearbeiten]

In Österreich, vor allem in Großstädten, werden größtenteils Zivildienstleistende als Schülerlotsen eingesetzt.[6] Sie sind mit einer reflektierenden gelben Jacke oder einem gelben- oder orangefarbenen Mantel sowie einer Signalkelle ausgerüstet. Falls keine Zivildienstleistenden verfügbar sind, sorgen Polizisten für die Schulwegsicherung.

In Großbritannien werden Schülerlotsen als „Lollipop-Man/Lady“ bezeichnet, da sie ein mannshohes Stoppschild in der Hand halten, das wie ein riesiger Dauerlutscher (engl. "lollipop") aussieht. Sowohl ihre Uniform wie auch das Schild sind überwiegend in gelber Leuchtfarbe mit weißen Reflektorenstreifen gehalten, was den optischen Eindruck verstärkt. In Großbritannien sind Schülerlotsen häufig verbalen und physischen Attacken durch Autofahrer ausgesetzt. Im Jahr 2007 wurden über 1400 solcher Fälle gemeldet.[7]

In den Vereinigten Staaten, wo die Mehrzahl der Schüler den Schulbus benutzt, werden an den Grundschulen und Middle Schools Hall monitors und Safety patrolers (freiwillige Schüler der oberen Klassenstufen) eingesetzt, um morgens bei Schulbeginn und nachmittags bei Schulschluss erstens auf den Schulfluren Aufsicht zu führen (um zu verhindern, dass die Mitschüler sich ungeordnet und rennend fortbewegen) und zweitens die fünfjährigen Kindergardeners sicher zu ihren Unterrichtsräumen bzw. Bussen zu führen. Straßenübergänge im unmittelbaren Schulbereich werden in den USA regelmäßig durch Absenkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit gesichert (in New York z. B. 25 mph, etwa 40 km/h); morgens und nachmittags werden dort zusätzlich erwachsene Lotsen (Crossing guards) eingesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite der Deutschen Verkehrswacht: Schülerlotsen, abgerufen am 6. Februar 2014.
  2. Webseite der Deutschen Verkehrswacht: Schülerlotsen, abgerufen am 6. Februar 2014.
  3. Folder 2009 der Deutschen Verkehrswacht (PDF; 992 kB), abgefragt am 13. September 2010
  4. Pressemitteilung der Deutschen Verkehrswacht zum 60. Geburtstag des deutschen Schülerlotsendienstes
  5. Webseite der Deutschen Verkehrswacht: Schülerlotsen, abgerufen am 6. Februar 2014.
  6. Zivildienstleistende als Schülerlotsen Bundesministerium für Inneres, 14. Jänner 2011
  7. Süddeutsche Zeitung, 2. Mai 2008, Seite 12

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schülerlotse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen