Schülervertretung

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In der Schülervertretung (kurz SV) wirken Schüler an der Gestaltung ihrer Schule und des Schulwesens mit. Dabei vertreten sie vorrangig die Interessen ihrer Mitschüler.

Ob und in welchem Ausmaß Schülervertretungen in verschiedenen Staaten existieren, variiert stark. In manchen Ländern sind Schülervertretungen gesetzlich verankert, in anderen schulautonom organisiert. Auch die Rechte der Schülervertretungen sind sehr unterschiedlich. Während etwa österreichische Schülervertretungen starke Mitbestimmungsrechte im Schulleben haben, sind Schülervertretungen in vielen anderen Ländern nicht einmal anerkannt.

Schülervertretung in Deutschland[Bearbeiten]

Eine Mitwirkung der Schüler im pädagogischen Bereich gab es bereits im 19. Jahrhundert, z.B. in Internaten wie der Landesschule Pforta. In der Weimarer Republik war dann von Reformpädagogen sogar eine Schülerselbstverwaltung gefordert worden. Zu einer Einrichtung von Schülervertretungen an allen öffentlichen Schulen kam es erst in der Bundesrepublik.

Aufgrund des föderalen Schulsystems in Deutschland unterscheiden sich die Rechte und Pflichten der Schülervertretungen in den Bundesländern stark voneinander. Die Schülervertretung wird auch Schülermitverantwortung (SMV), Schülermitverwaltung (SMV), Schülerverwaltung oder Schülermitwirkung genannt. Die Schülervertretung ist ein gewähltes Gremium von Schülern einer Schule. Sie verwaltet und organisiert sich autonom und ist dabei den Gesetzen des jeweiligen Bundeslandes unterworfen. Die meisten Ämter werden für ein Jahr vergeben.

Häufig wählen dabei die Klassen oder Stufen ihre Klassensprecher oder Schulstufenvertreter, die dann an der Schülerversammlung, auch Schülerrat genannt, teilnehmen und bei dieser den Vorstand der SV wählen (beispielsweise Schülersprecher, Kassenwart und Schriftführer). Alternativ wird der Schülersprecher direkt von allen Schülern gewählt. Schülervertreter haben besondere Rechte. Beispielsweise müssen Schüler, die der Schülervertretung angehören, in einigen Bundesländern vom Unterricht befreit werden, wenn sie einer Tätigkeit für die SV nachgehen, und dürfen aufgrund ihrer Tätigkeit nicht benachteiligt werden.

Die Schülervertretung vertritt die Belange der Schüler gegenüber den anderen Schulinstitutionen (wie dem Schulleiter) und ist je nach Bundesland in der Schul- oder Gesamtkonferenz und im Schulvorstand vertreten.[1]

Kommunale Schülervertretung[Bearbeiten]

In einigen Städten und Landkreisen gibt es eine Bezirksschülervertretung, einen Stadtschülerrat oder eine Kreisschülervertretung (die Bezeichnung variiert je nach Bundesland).[2][3][4][5][6] In diesen kommunalen Schülervertretungen treffen sich Schülersprecher, teilweise auch gewählte Verbindungslehrer und/oder gewählte Schüler[7] der einzelnen Schulen, beispielsweise zur Planung von stadt- bzw. kreisweiten, also schulübergreifenden, Aktionen. In manchen Städten haben diese Schülervertretungen auch einen beratenden Sitz im entsprechenden Ratsausschuss. Die kommunalen Schülervertretungen besitzen zudem einen Vorstand, welcher sich meist aus dem Kreis- oder Stadtschülersprecher, dessen Vertreter und gewählten Schülern zusammensetzt. Der Vorstand bildet das höchste beschlussfassende Gremium der Schülerschaft auf Kreis- bzw. Stadtebene. Eine kommunale Schülervertretung wählt Delegierte für die überregionale Schülervertretung.

Überregionale Schülervertretung[Bearbeiten]

Obwohl die Struktur der Schülervertretungen von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden ist, wurde in allen Bundesländern ein gesetzlich vorgeschriebenes Schülervertretungsgremium auf Landesebene eingeführt. Bayern folgte mit der Gründung des Landesschülerrats 2008 als letztes Bundesland.[8]

Oberhalb der Landesebene spaltete sich 2004 die Bundesschülerkonferenz (BSK) von der 1984 gegründeten Bundesschülervertretung aufgrund interner Konflikte ab. In der BSK sind sieben Landesschülervertretungen organisiert, bei drei weiteren ruht die Mitgliedschaft.[9]

Schülervertretung in Österreich[Bearbeiten]

Die Schülervertretung in Österreich ist gesetzlich gesichert und eine der stärksten weltweit. Auf Ebene der Schule, des Bundeslands und des Staats existieren verschiedene Arten der Schülervertretung. Auf jeder dieser Ebenen ist der Schülervertretung ein Organ der Schulverwaltung zugeordnet (auf Schulebene der Schulgemeinschaftsausschuss, auf Landesebene der Landesschulrat und auf Bundesebene das Unterrichtsministerium).

Schulebene[Bearbeiten]

In jeder mittleren, höheren oder Berufsschule in Österreich sind innerhalb der ersten fünf Schulwochen am Beginn eines Jahres (Ausnahmen bilden lehrgangsmäßige Berufsschulen) Schülervertreter zu wählen. Jeder Schüler der Schule ist aktiv wie passiv wahlberechtigt. Gewählt wird mit Wahlpunkten, der Kandidat mit den meisten Erststimmen ist Schulsprecher, fünf weitere Vertreter werden nach Wahlpunkten gereiht. Alle Mitglieder der Schülervertretung sind für ein Jahr gewählt.

Die Schülervertretung ist im Schulgemeinschaftsausschuss vertreten. Hier sind die ersten drei Schülervertreter neben drei Lehrervertretern und drei Elternvertretern stimmberechtigt. Der Schulgemeinschaftsausschuss ist das wichtigste Gremium des Schullebens, in ihm werden viele wichtige Fragen des Schullebens, wie beispielsweise die Hausordnung oder schulautonome Regelungen, beschlossen. Der Schulsprecher hat darüber hinaus das Recht in der Wahl zur Landesschülervertretung seine Stimme abzugeben oder sich durch einen seiner beiden Stellvertreter vertreten zu lassen. Die Rechte der Schülervertretung darüber hinaus sind weitgehend und reichen von der Einberufung von Klassensprechersitzungen zum Recht auf Teilnahme an Lehrer- und Disziplinarkonferenzen, Anhörung und Redebeiträge. Fehlen Schülervertreter im Unterricht aufgrund von Tätigkeiten für die Schülervertretung, ist dies zu entschuldigen/genehmigen.[10]

Landesebene[Bearbeiten]

Die Landesschülervertretungen in Österreich bilden sich aus drei Schularten, den allgemeinbildenden höhere Schulen (AHS), berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BHS) sowie den Berufsschulen (BS). Für jede Schulart werden vier bis acht Mitglieder (je nach Größe des Bundeslands) und gleich viele Ersatzmitglieder einmal jährlich gewählt. Aktiv wahlberechtigt sind die Schulsprecher für ihre jeweilige Schulart, passiv wahlberechtigt die Schulsprecher sowie ihre ersten beiden Stellvertreter. Ähnlich wie auf Schulebene wird mit Wahlpunkten gewählt, der Kandidat mit den meisten Wahlpunkten in der jeweiligen Schulart wird zum Landesschulsprecher gewählt.

Die Landesschülervertretungen setzen sich also aus drei Landesschulsprechern, neun bis 21 weiteren Mitglieder sowie zwölf bis 24 Ersatzmitgliedern zusammen. Der Landesschülervertretung obliegt die Vertretung der Schüler als Landesebene gegenüber dem Landtag und dem Landesschulrat. In den meisten Fällen kandidieren Teams der beiden bundesweit vertretenen österreichischen Schülerorganisationen, der Aktion Kritischer Schülerinnen und Schüler (AKS) und der Schülerunion (SU).

Die drei Landesschulsprecher sind berechtigt, an der Wahl zur Bundesschülervertretung teilzunehmen. Außerdem haben sie bei Schulthemen ein beratendes Stimmrecht (bis auf Tirol) im Landesschulratskollegium. Alle sind für ein Jahr gewählt.[11]

Bundesebene[Bearbeiten]

Die Bundesschülervertretung setzt sich aus den drei Landesschulsprechern aller neun österreichischen Bundesländer sowie zwei Vertretern der Zentrallehranstalten (ZLA), also insgesamt 29 Mitgliedern, zusammen. Diese wählen unter sich einen Bundesschulsprecher sowie Bereichssprecher in den Bereichen AHS, BMHS und BS.

Der Bundesschulsprecher ist für ein Jahr gewählt und ist berechtigt, bei Verhandlungen über Schulthemen vom Bundesminister für Unterricht angehört und beigezogen zu werden.[12] Derzeitiger Bundesschulsprecher (2013/14) ist Angi Groß (Niederösterreich). Die jeweiligen Bereichssprecher sind im AHS-Bereich Lukas Faymann (Burgenland), im BMHS-Bereich Andreas Kavalirek (Kärnten) und im BS-Bereich Dominik Danner (Oberösterreich). Die drei Bereichssprecher sind gleichzeitig die drei Stellvertreter des/r Bundesschulsprecher/in.[13]

Sonstige Gremien der Schülervertretung[Bearbeiten]

  • Schulgemeinschaftsausschuss, zusammen mit Vertretern des Lehrkörpers und der Elternschaft, gesetzlich verankertes Gremium für mittlere und höhere Schulen
  • Daneben gibt es autonome Vertretungen im Kontext Mitbestimmung der Schüler, wie das Konzept Schülerparlament.
  • An Alternativschulen sind demokratischere Ansätze der Schülervertretung allgemein üblich.

Schülervertretung in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz sind aufgrund des föderalen Schulsystems und weitgehender Schulautonomie die Schülervertretungen an jeder Schule unterschiedlich. Es gibt kein Gesetz, das die Schülervertretung rechtlich verankert. 1991 wurde die Union der Schülerorganisationen CH/FL (USO) gegründet, die als Dachverband lokale Schülervertretungen vertritt. Derzeit sind etwa 90 Schülervertretungen Mitglied in der USO.

Vernetzung von Schülervertretungen auf Europaebene[Bearbeiten]

Europaweit haben sich nationale Schülervertretungen im „OBESSU“, dem Organising Bureau of European School Student Unions, organisiert. Jedes Mitglied der OBESSU entsendet Delegierte. Für Österreich ist die Aktion Kritischer Schülerinnen und Schüler Mitglied der OBESSU, für die Schweiz die Union der Schülerorganisationen CH/FL, Deutschland stellt aufgrund der föderalen Struktur des Bildungswesens kein Mitglied.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStrukturen der Schülervertretung. DGB-Jugend, abgerufen am 24. November 2008 (deutsch).
  2. § 123 (Kreis- und Stadtschülerrat) Hessisches Schulgesetz (HSchG). In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen Teil I. Zitat: „Die Kreis- und Stadtschülerräte werden von jeweils zwei Vertreterinnen und Vertretern des Schülerrats der Schulen, einschließlich der Ersatzschulen, eines Landkreises, einer kreisfreien Stadt oder einer kreisangehörigen Gemeinde, die Träger von Schulen mehrerer Schulformen ist, gebildet.“
  3. § 83 SchulG_MV_2006 – Kreis- oder Stadtschülerrat
  4. § 31 Schulgesetz für Rheinland-Pfalz – Vertretungen für Schülerinnen und Schüler
  5. § 50 SchulG_ST_2005 ff. – Gemeinde- und Kreisschülerräte
  6. § 28 SchulG_TH_2003 – Mitwirkung der Schüler
  7. etwa in NRW, verankert im § 74 SchulG NRW, Runderlass des KultM NRW von Nov. 1976. Art und Umfang regelt die jeweilige Satzung der StadtschülerInnenvertretung
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEine landesweite Schülervertretung aller Schularten nun auch in Bayern. Landesschülervertretung Bayern e.V., 16. Jänner 2008, abgerufen am 24. November 2008 (deutsch).
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMitgliedsländer der Bundesschülerkonferenz. Bundesschülerkonferenz, abgerufen am 1. Februar 2009 (deutsch).
  10. Schulunterrichtsgesetz (SchUG, § 45, 58, 59, 64), zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 117/2008.
  11. Schülervertretungengesetz (SchVG) § 6-20, zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 284/1990.
  12. Schülervertretungengesetz (SchVG) § 21-24, zuletzt geändert durch BGBl. Nr. 284/1990.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAustria Presse Agentur: Schülerunion stellt erneut Bundesschulsprecher. Austria Presse Agentur, 12. September 2012, abgerufen am 5. November 2012 (deutsch).