Schürmann-Bau

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Der Schürmann-Bau (vorne) mit dem Langen Eugen (hinten rechts)
Der Schürmann-Bau mit dem Post Tower im Hintergrund

Der Schürmann-Bau ist ein Bürogebäude im Bonner Ortsteil Gronau, das 2002 fertiggestellt wurde. Benannt ist es nach seinem Architekten Joachim Schürmann. Das Gebäude beherbergt heute die Zentrale der Deutschen Welle, nachdem es ursprünglich als Abgeordnetenbürohaus geplant war und 1993 durch ein Rheinhochwasser schwer beschädigt wurde. Der Schürmann-Bau gilt mit geschätzten 700 Millionen Euro als eines der teuersten Gebäude der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Lage[Bearbeiten]

Der Schürmann-Bau erstreckt sich auf einer Länge von etwa 300 m an der Ostseite der gegenüberliegend von Villen bestandenen Kurt-Schumacher-Straße, zwischen dem Post Tower im Südosten und der Hermann-Ehlers-Straße im Nordwesten. Nördlich grenzt das Bundeshaus an, im Nordosten das ehemalige Abgeordnetenhochhaus Langer Eugen.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre beschloss der Bundestag, Abhilfe für die beengten Platzverhältnisse im Abgeordnetenhochhaus „Langer Eugen“ zu schaffen. In einem der größten Architektenwettbewerbe der deutschen Nachkriegszeit setzte sich 1983 schließlich der Entwurf des Kölner Architekturbüros Schürmann durch. Die Bauarbeiten begannen 1989, als Einzugstermin wurde 1995 geplant. Für den Schürmann-Bau mussten die auf dem Grundstück gelegenen Sportanlagagen samt Sportstadion (sog. „Gronau“), bis zur Eröffnung des Sportparks Nord (1970) Zentrum des Bonner Sports, geschlossen und abgerissen werden.[1]

Das Hochwasser[Bearbeiten]

Im Dezember 1993 stieg der Rhein auf ein Hochwasser bis dahin nicht gekannten Ausmaßes. Am 22. Dezember 1993 erreichte das Hochwasser Bonn, dabei stieg auch der Grundwasserspiegel. Der im Rohbau befindliche Schürmann-Bau schwamm auf, das Gebäude hob sich stellenweise bis zu 70 Zentimeter. Tage zuvor war ein großer Teil der Lüftungsanlage geliefert und in der Tiefgarage gelagert worden. Kompetenzstreitigkeiten seitens der Bauleitung verhinderten damals ein rechtzeitiges Fluten der Tiefgarage, welches hätte verhindern können, dass das Bauwerk aufschwimmt. Dabei wären große Teile der gelieferten Lüftungskomponenten unter Wasser gesetzt worden. Durch das Hochwasser schwamm das Gebäude auf und setzte sich danach ungleichmäßig, wobei es „verkantete“. Dadurch wurde die Bausubstanz schwer beschädigt.


In der Folge entbrannte ein heftiger politischer und juristischer Streit um die Schuldfrage. Am 16. November 2007, vierzehn Jahre nach dem Hochwasser endete ein zehnjähriger Rechtsstreit zwischen der Bundesrepublik Deutschland als Bauherr und den drei Baufirmen. Vor der 1. Zivilkammer des Bonner Landgerichts einigte man sich auf einen Vergleich. Von den ursprünglich 73,7 Mio. Euro, die der Bund forderte, werden nun 55 Mio. gezahlt. Ursprünglich verlangte der Bund 1997 vom Architekten, der mit der Bauaufsicht beauftragt war (nicht Schürmann) und den Baufirmen zusammen 300 Millionen DM.[2] Mit dem Architekten einigte man sich außergerichtlich.

Weiterbau[Bearbeiten]

Im Juli 1997 fiel die Entscheidung, das Gebäude zu sanieren. Im Juni 2000 wurde Richtfest gefeiert und am 27. Juni 2002 wurde der Schürmann-Bau offiziell seiner Bestimmung übergeben. Seit 2003 wird er als Zentrale und Funkhaus der Deutschen Welle genutzt.

Architekturpreis[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 erhielt Schürmann für sein Bauwerk einen von fünf alle drei Jahre ausgelobten Preisen Auszeichnung guter Bauten 2003 des regionalen BDA Bonn-Rhein-Sieg.

Kunst am Bau[Bearbeiten]

Im Außenbereich des Gebäudes befindet sich seit September 2004 eine Reihe von Kunstobjekten internationaler Künstler. Dazu gehören „Fest für Neptun“ von Sokari Douglas Camp und „Ich und der Hahn - Hören und Sehen“ von Babak Saed, „Comunicación cruzada“ von Manuel Marin.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hinter dem Langen Eugen schlug das Herz des Bonner Sports, General-Anzeiger, 6. Mai 2013
  2. Bonner Rundschau v. 17. November 2007 (AZ LG Bonn: 1 O 376 / 97)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schürmann-Bau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.7177.1275Koordinaten: 50° 43′ 1,2″ N, 7° 7′ 39″ O