Schütting (Bremen)

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Der Schütting (2010)

Der Schütting ist das Gebäude der Bremer Kaufmannschaft, ehemals Gilde- und Kosthaus der Kaufleute und seit 1849 der Sitz der Handelskammer Bremen. Seit 1973 steht es unter Denkmalschutz.[1]

Es steht an der Südseite des Bremer Marktplatzes, direkt gegenüber dem Rathaus.

Portal von 1896

Der Name Schütting[Bearbeiten]

Gildehäuser Namens Schütting gibt bzw. gab es außer in Bremen auch im norwegischen Bergen (Scotting), sowie in Lübeck, Lüneburg , Oldenburg (seit 1604), Osnabrück und Rostock. Sie dienten nicht nur Veranstaltungen und Verwaltungsaufgaben, sondern auch als Unterkunft für auswärtige Kaufleute. Der Name steht also wohl in Verbindung mit dem Niederdeutschen Verb schütten, inschütten = „schützen“.

Lage und Baugeschichte[Bearbeiten]

Der Westgiebel von 1537/38 trägt noch spätgotische Züge
Schütting um 1641

Das erste Gildehaus der Bremer Großkaufleute stand an der Einmündung der Ecke der Langenstraße mit der Hakenstraße, gegenüber deren oberem Ende sich Bremens erstes Rathaus erhob. Nach dem Bau des heutigen Rathauses wollten die Elterleute weiterhin gleichermaßen am Marktplatz präsent sein und erwarben 1425 das Privathaus eines Kaufmanns, das dem neuen Rathause gegenüber zwischen Markt und Balge stand. Nach dem Umzug in den dort errichteten gotischen Schütting (der seit 1444 auch mit diesem Namen bezeichnet wurde) wurde das alte Gildehaus an der Langenstraße 1444 verkauft.

Auf dem Grund des gotischen Schütting ließen die Bremer Kaufleute durch den Antwerpener Baumeister Johann den Buschener von 1537 bis 1538 einen moderneren und größeren errichten. Die künstlerische Gestaltung der Fassaden erstreckte sich aus finanziellen Gründen über weit längere Zeit. Nur der Treppengiebel an der Westseite wurde noch von Buschener selbst geschaffen, stilistisch an der Grenze von der Spätgotik zur Renaissance. An die Nutzung der drei Dachgeschosse als Speicher erinnern drei Türen in Geschossmitte und eine vierte darüber, aus der der Hauskran hing. Auch das Portal zum Markt wurde 1538 fertiggestellt. Es befand sich noch nicht in der Mitte, sondern in der zweiten Fensterachse von links, und hatte eine gerade Freitreppe auf den Platz hinunter. Beiderseits befand sich vor dem Sockelgeschoss ein niedriger Laubengang, der wohl zu Marktständen genutzt wurde. Den Ostgiebel schuf 1565 der bremische Steinmetz Karsten Husmann. Er verkörpert reinsten Renaissance-Stil. Die in Abbildungen überlieferte Gestaltung der Marktfassade stammte aus den 1590er Jahren. Lüder von Bentheim war daran zumindest als Lieferant des Sandsteins beteiligt. Leichte Unregelmäßigkeiten in den Abständen der Fensterachsen lassen offen, wie weit der Vorgängerbau abgetragen wurde. Seit 1595 hatte die Marktfront sieben durchlaufende Simse, von denen je eines die Fensteröffnungen der beiden Hauptgeschosse waagerecht durchteilte. Über jedem dem Markt zugewandten Fenster befand sich ein Medaillon. Über der mittleren, damals noch türlosen Fensterachse wurde das Dach mit dem noch heute bestehenden (bzw. wiederhergestellten) Zwerchhaus versehen, dessen Giebelfeld auf spätgotische Formen zurückgreift.

Das Bremer Kaufmannswappen im Schmuckgiebel des Eingangsportals
Schütting seit 1756 mit schlichter Barockfassade, Lithografie 1830
Schütting um 1900

Im 18. Jahrhundert wurde und der Eingang 1756 durch Theophilus Wilhelm Freese in die Mitte versetzt. Zunächst war er nur schlicht umrahmt und hatte wieder nur eine einläufige Freitreppe. Die Medaillons über den Fenstern verschwanden und von den durchlaufenden Simsen blieben nur drei erhalten, unter jeder Fensterreihe und unter der Dachtraufe.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die kleinen Läden entfernt, zu denen die Arkade inzwischen umgebaut worden war. So entstand Platz für eine doppelläufige Freitreppe.

Insgesamt blieb die in der Barockzeit entstandene schlichte Fassadengestaltung erhalten, bis Ende des 19. Jahrhunderts die Handelskammer als Nachfolgerin der Kaufmannsgilde wieder mehr Pracht wollte. Geplant von Max Salzmann und ausgeführt von Ernst Ehrhardt wurde der Eingang zu einem pompösen neobarocken Portal. Die Plattform davor wurde von der Breite einer Fensterachse auf drei aufgeweitet und die beiden Flügel der Freitreppe entsprechend versetzt. Ein großer Teil der Sandsteinverkleidung wurde erneuert. Dabei wurden die bis 1756 die Fensterhöhlen durchteilenden Simse wieder hergestellt. Als Neuerung wurden über den Edgeschossfenstern ziselierte Kartuschen angebracht, über denen der ersten Etage Ziergiebel.

Das Hauptportal erhielt im Jahr 1899 oberhalb des Rundbogens die plattdeutsche Inschrift:

SchuettingWahlspruch.jpg
Teilansicht der Marktfront (2011): Schiffsgiebel mit Flaggenschmuck (Bremische Flagge mit dem Bremer Kaufmannswappen), darunter der Schmuckgiebel des Eingangsportals (mit Kaufmannswappen-Emblem)


In der Hansestadt Bremen und weit darüber hinaus sollten die Kaufleute es wagen und dabei gewinnen.[2] Dieser Wahlspruch der Bremer Kaufleute stammt vom Bürgermeister Otto Gildemeister (1823 – 1902).[3]

Das Gebäude mit seinen prächtigen Innenräumen und der kostbaren Ausstattung brannte am 6. Oktober 1944 bis auf die Umfassungsmauern nieder. Beim 1956 abgeschlossenen Wiederaufbau wurde die Außenfront in alter Form unter Verzicht auf die marktseitigen Dachgauben wiederhergestellt, während die Innenräume neu gestaltet wurden. Bereits 1951 konnte die Handelskammer wieder ihren Betrieb im Erdgeschoss des Schütting aufnehmen. In den nächsten fünf Jahren erfolgte in einem 2. Bauabschnitt der Wiederaufbau der Räume im 1. Stockwerk.[4] 2009 wurden Fassade und Kupferdach restauriert und die Dachgauben wieder hergestellt. Das Unternehmen Johann Osmers wurde dafür vom Landesamt für Denkmalpflege im Jahr 2010 ausgezeichnet.[5]

Nutzung[Bearbeiten]

Seit 1451 gab es mit der Ordinantie vom 10. Januar 1451 eine Regelung des Umgangs der Bremer Kaufleute miteinander. Dies gilt als die Geburtsstunde der Bremer Handelskammer, die bis zum Jahre 1849 als „Collegium Seniorum“ bezeichnet wurde. Seither hat die Handelskammer die Vertretung der Kaufmannschaft übernommen.

Die erste Kaffeestube im deutschsprachigen Raum entstand 1673 in Bremen, wo genau ist nicht belegt. Es könnte im Schütting oder einem der umliegenden Häuser am Markt gewesen sein. Ab 1679 gab es nachweisbar eine Kaffeestube an der Marktseite des Schütting.[6]

Der Schütting ist noch heute das Haus der Bremer Kaufmannschaft und Sitz der Handelskammer Bremen. Im Untergeschoss hat der traditionsreiche Club zu Bremen seine Räume, er ist hervorgegangen aus der Gesellschaft Museum.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
  • Konrad Elmshäuser, Hans-Christoph Hoffmann, Hans-Joachim Manske: Das Rathaus und der Roland auf dem Marktplatz in Bremen (Druck des UNESCO-Welterbeantrages); Edition Temmen, Bremen, 2002, ISBN 3-86108-682-4.
  • Rudolf Stein, Romanische, gotische und Renaissance-Baukunst in Bremen, Bremen 1962 (im Lesesaal des Bremer Staatsarchivs)
  • Lydia Niehoff: 550 Jahre – Tradition der Unabhängigkeit, Chronik der Handelskammer Bremen. Schünemann Verlag, Bremen 2001, ISBN 3-7961-1827-5.
  • Peter Hahn: 450 Jahre Haus Schütting, Sitz der Handelskammer Bremen. Die Baugeschichte. Hrsg.: Handelskammer Bremen. Schünemann Verlag, Bremen 1988, ISBN 3-7961-1797-X.
  • Bremer Ingenieur- und Architektenverein: Bremen und seine Bauten, 1900, Kap. Das alte Bremen (im Lesesaal des Bremer Staatsarchivs)
  • H. A. Schumacher: Zur Geschichte des Schüttings. In: Bremisches Jahrbuch. Band 5, Bremen 1870, S. 192–214.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schütting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmaldatenbank des LfD
  2. Handelskammer Bremen Kaufmannsmotto und Schüttingwappen geladen am 18. Juni 2013
  3. Werner Kloos: Bremer Lexikon. Hauschild, Bremen 1980, Lemma Buten un Binnen, Wagen un Winnen.
  4. Lydia Niehoff: 550 Jahre Tradition der Unabhängigkeit, Schünemann Verlag, Bremen 2001, S. 200.
  5. Denkmalpflegepreis
  6. Lydia Niehoff: 550 Jahre Tradition der Unabhängigkeit, Schünemann Verlag Bremen 2001, S. 92.

53.0755555555568.8066666666667Koordinaten: 53° 4′ 32″ N, 8° 48′ 24″ O