Schützengraben

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Feldbefestigung, zum Fließgewässer siehe Amorsbach.
Plan der Schützen- und Laufgräben bei der Belagerung von Candia (Scheither 1672)
Schützengräben als Teil der Hindenburglinie im Ersten Weltkrieg
Britischer Laufgraben während der Schlacht an der Somme, Juli 1916
Seife für den britischen Schützengraben (Werbung von 1915)

Ein Schützengraben ist eine Form der Feldbefestigung, meist in Form eines simplen Grabens, der dem Schützen durch eine vorderseitige und rückwärtige Deckung zur sicheren Schussabgabe im Stehen oder Knien und zum Schutz vor Granaten und deren Splittern dient. Bereits von den osmanischen Truppen bei der Belagerung von Candia auf Kreta 1648 und der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 in großem Stil angewendet und perfektioniert, waren viele der verlustreichsten Schlachten in der zweiten Hälfte des Sezessionskrieges und während des Ersten Weltkrieges vom Grabenkrieg geprägt (siehe: Grabenkrieg im Ersten Weltkrieg).

Deutsche Soldaten in Kampfpause in Schützengraben, Erster Weltkrieg

Um beim Eindringen feindlicher Einheiten oder einem Granattreffer in den Graben mehr Schutz zu gewähren, wurden Schützengräben oft in Zickzack-Form (Splittergraben) gegraben.

In den verschiedenen Armeen waren unterschiedliche Profile vorgeschrieben. Die Situation vor dem Ersten Weltkrieg war dabei folgende:

Profile der Schützengräben
Armee Anschlaghöhe Deckungshöhe Brustwehr Sohlenbreite
Kniende Schützen
Deutsche 0,9 m 0,9 m 0,4 m 1,3 m
Österreicher 0,8 m 1,0 m 0,55 m 1,0 m
Franzosen 0,8 m 0,8 m 0,5 m 1,3 m
Italiener 0,8 m 0,8 m 0,45 m 1,6 m
Stehende Schützen
Deutsche 1,4 m 1,4 m 0,6 m 1,0 m
Österreicher 1,3 m 1,75 m 0,55 m 1,0 m
Franzosen 1,1 m 1,1 m 0,6 m 1,2 m
Italiener 1,25 m 1,25 m 0,7 m 1,4 m
Verstärktes Profil
Deutsche 1,4 m 1,8 m 0,6 m 0,75 m
Österreicher 1,2 m 1,95 m 0,6 m 0,8 m
Franzosen 1,3 m 1,35 m 0,8 m 1,0 m
Italiener 1,25 m 1,8 m 0,7 m 0,6 m

Zum Auflegen der Arme beim Schießen wurde die innere Brustwehrböschung abgetreppt. Auf jeden Schützen wurde eine Schrittlänge des Schützengrabens berechnet.

Ziel dieser Gräben ist es, die Truppenverteilungen so vorzunehmen, dass die so sich dem Feind annähernden Soldaten möglichst vor dem Beschuss des Gegners geschützt sind. Gewünscht hierbei ist außerdem, dass die Truppenverschiebungen so vonstattengehen, dass der Gegner sie möglichst nicht bemerkt, bevor das Feuer eröffnet wird. Zu den Gräben gehören auch gestapelte Sandsäcke und ab 1873 auch Stacheldrahtverhaue (Spanischer Reiter). Das Hauptziel einer solchen Annäherung in einem Stellungskrieg an den Feind ist, einen taktischen Vorteil zu erzielen.

Arten von Schützengräben[Bearbeiten]

Das Wort Schützengraben wurde zu einem Synonym für alle Arten von Erdbefestigungen. Hier die unterschiedlichen Grabenarten:

  • Die Schützenmulde ist die kleinste militärische Erdbefestigung für einen Soldaten.
  • Das Schützenloch ist eine kleinere Verteidigungsanlage, der Kampfstand für zwei Soldaten.
  • Laufgräben sind innerhalb großer Verteidigungsstellungssystemen als Verbindungsgräben angelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hein „Das kleine Buch vom Deutschen Heer“ Leipzig 1901