Schāhnāme

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Schāhnāme (persisch ‏شاهنامه ‎ / Šāhnāma; auch Šāhnāmeh), das Königsbuch (oder auch Buch der Könige), ist das Lebenswerk des persischen Dichters Abū ʾl-Qāsim Firdausī (940/41-1020) und gleichzeitig das Nationalepos der persischsprachigen Welt, für dessen Niederschrift der Dichter nach eigenen Angaben 35 Jahre benötigte. Es ist eines der berühmtesten Werke der persischen Literatur und der Weltliteratur. Mit nahezu 60.000 Versen in Form von Distichen ist es mehr als doppelt so umfangreich wie Homers Epen und mehr als sechsmal so lang wie das Nibelungenlied.

Der historische Kern[Bearbeiten]

Das Heldenepos befasst sich mit der Geschichte Persiens vor der islamischen Eroberung. Es beginnt mit der Erschaffung der Welt und beschreibt die Entwicklung der persischen Zivilisation (Nutzung des Feuers, Entwicklung der Kochkunst, der Schmiedekunst und die Entstehung eines kodifizierten Rechtssystems, die Stiftung der traditionellen Festtage, usw.). Das Werk ist nicht exakt chronologisch aufgebaut, führt den Leser aber von der Vergangenheit in die Gegenwart Firdausīs. Einige der literarischen Figuren leben für mehrere hundert Jahre, aber die meisten erleben nur ein Menschenalter. Im Werk benutzt Firdausī nicht das aus dem Griechischen stammende Wort „Persien“, welches im Persischen nur die südiranische Provinz Fārs (gr. Persis) bezeichnet, sondern stattdessen die einheimische Bezeichnung Irān, welche in der Vergangenheit ein weitaus größeres Gebiet umfasste als den heutigen Staat Iran. Die Schahs und Helden kommen und gehen, und das einzige was bleibt, ist – so erklärt es Firdausī – nur Irān. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, von denen keiner dem anderen gleicht, beschreiben das Vergehen der Zeit.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Firdausīs Biograf Nezāmī ʿArūżī berichtet, dass Firdausī als Vorlage seiner Dichtung das Ḫodāynāme, das „Buch der Könige“, herangezogen hat.[1] Dieses Opus der Könige Persiens entstand auf Betreiben von Abū Manṣur Moḥammad ibn ʿAbdor-Razzāq, dem seinerzeitigen Statthalter von Tūs,[2] und basierte auf Berichten zoroastrischer Priester, die in mündlichen Überlieferungen von Generation zu Generation weitergegeben worden waren und im Mittelpersischen als Ḫotāynāmag bekannt waren.

Der erste, der die vorislamische Geschichte Persiens in Gedichtform fasste, war Abū Mansūr Muhammad ibn Ahmad Daqīqī, ein Dichter am Hof der Samaniden. Daqīqī war angeblich Anhänger der zoroastrischen Religion, was in diesen Tagen lebensgefährlich war. Sein türkischer Diener soll ihn erstochen haben. Vor seinem gewaltsamen Ende hatte er 1.000 Verse verfasst, wobei den Beginn seiner Arbeit die Schilderung der Herrschaft Goštāsp und das Auftreten Zarathustras bildete.[3] Ein Vers seiner Dichtung lautet:[4]

„Daqīqī, was in diese Welt geboren
aus Gut und Schlechtem, hat vier Dinge auserkoren,
Rubinrote Lippen und der Harfe Klang,
Blutroter Wein und Zarathustras Sang.“

Firdausī berichtet, dass ihm Daqīqī im Traum erschienen sei und ihn gebeten habe, sein Werk fortzusetzen. Firdausī hat einige Versvorlagen Daqīqīs in sein Werk einbezogen. Er begann 977 mit der Niederschrift und beendete sein Werk um 1010.[5] Firdausī schrieb sein gewaltiges Epos in einer Zeit, in der die neue Dynastie der Ghasnawiden sich einer islamischen Staatsidee zuwandte und Vorislamisches nicht gefragt war. Firdausī ging bei seiner Dichtung umsichtiger als Daqīqī vor und vermied es, pro-zoroastrisch zu erscheinen. Einige Autoren behaupten daher, dass mehrere Verse Daqiqis, die gegenüber der Herrscherschicht zu kontrovers gewesen wären, von Firdausī nicht übernommen worden seien.[4] Trotzdem enthält das Werk deutliche Hinweise auf die zoroastrischen Traditionen Irans, die heute noch unter anderem in der Feier des iranischen Neujahrsfestes „Nouruz“ lebendig sind.

Um Anfeindungen zu entgehen, widmete Firdausī sein Werk dem Ghasnawiden Sultan Mahmud.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Schāhnāme ist in 62 Sagen, bestehend aus 990 Kapiteln mit nahezu 60.000 Versen, gegliedert. Firdausī selbst spricht von 60.000 Versen. Die vorliegenden Veröffentlichungen enthalten 50 Sagen mit etwas mehr als 50.000 Versen.

Hauptfigur ist neben den in den jeweiligen Sagen dargestellten Königen der mythische Held Rostam, Prinz von Zabulistan, der bei vielen Schlachten die Grenzen des antiken Iran gegen seine Feinde, insbesondere gegen die Turaner, verteidigt. Das Schāhnāme ist nicht nur ein beeindruckendes Denkmal der persischen Dichtkunst, sondern auch ein Stück Geschichtsschreibung, da Firdausī in seinem Werk wiedergibt, was er und seine Zeitgenossen als die Geschichte Irans betrachteten. In die Darstellung historischer Ereignisse lässt Firdausī an seine Mitmenschen gerichtete Ratschläge einfließen.

Das Epos beginnt mit der Regierungszeit der Urkönige, in der die rasche Entwicklung der menschlichen Zivilisation dargestellt wird. Wirklich lebendig wird das Epos mit der Sage 4 von Dschamschid und dessen Auseinandersetzungen mit Zahak, dessen Sturz durch den Schmied Kaveh und Fereydūn. Die Teilung des altiranischen Reiches unter den drei Söhnen des Fereydūn führt zum ersten Brudermord. Iradsch wird von seinen Brüdern Tur und Selm ermordet. Damit beginnt die Blutfeindschaft zwischen Iran und Turan. Zunächst rächt Manutscher den Tod seines Vaters Iradsch. Unter Manutschers Regierung wird von Sām berichtet. In diese Zeit fallen auch die abenteuerlichen Jugendgeschichten von Sāms Sohn Zal, seine Liebe zu Rudabeh und die Geburt und die ersten Abenteuer von Rostam. Die Ermordung des in Gefangenschaft geratenen Königs Nowzar, des Nachfolgers von Manutscher, durch den turanischen König Afrasiab entfacht wieder den Krieg mit Turan. Der Krieg sollte, zwar mehrmals auf längere Zeit unterbrochen, die Zeit der Regierung der fünf folgenden Könige andauern. Rostam kann zwar bereits in der ersten Schlacht Afrasiab am Gürtel packen, doch der Gürtel reißt und der feindliche König entkommt. In die Regierungszeit des unverständigen Kai Kawous, auch Kai Kaus genannt, fallen die großartigsten Heldentaten Rostams und auch der tragische Zusammenstoß mit seinem Sohn Sohrab, der durch seinen eigenen Vater aus Unkenntnis über dessen wahre Identität getötet wird. Afrasiab tötet Siyawasch, der sich wegen Misshelligkeiten mit seinem Vater Kai Kawous zu ihm geflüchtet und dem er seine Tochter zur Ehe gegeben hat. Diese Mordtat macht den Krieg unversöhnlich. Im weiteren Kriegsgeschehen, das unter dem Motto „Rache für Siyawasch steht“, tritt Rostam etwas in den Hintergrund. Kai Chosrau, der Sohn Siyawaschs, der mit viel Mühe aus Turan geholt worden war, beendet den Krieg siegreich. Afrasiab flüchtet, wird aber entdeckt und getötet. Zuvor wird noch die Liebesgeschichte zwischen Bijan und Manischeh, der Tochter Afrasiabs, erzählt. Bei Lohrāsp, mit dem eine Nebenlinie auf den Thron kommt, hören wir fast nur von den Abenteuern seines Sohnes Goschtasp. Unter Goschtasp predigt Zarathustra seine neue Religion. Infolgedessen kommt es erneut zum Krieg. Vorkämpfer der Religion des Zarathustra ist Esfandiyar, der Sohn des Königs Goschtasp. Esfandiyar wird von seinem Vater, der ihm den Thron versprochen hat, immer wieder in den Krieg geschickt. Zuletzt soll er Rostam gefangen nehmen. Esfandiyar, der mit geschlossenen Augen ein Bad der Unverwundbarkeit genommen hat, wird von Rostam durch einen Pfeilschuss in die offenen Augen getötet. Rostam fällt jedoch wenig später ebenfalls. Mit Darab und Dara leitet das Epos auf Alexander über. Mit Ardaschir I. beginnt der Bericht der Geschichte der Sassaniden bis zum Untergang des Perserreiches mit der Schlacht von Kadesia. Das Epos endet mit der Schilderung des Schicksals des letzten Königs der Sassaniden Yazdegerd III.[6]

Für die Rostam-Legende sind die ersten fünfzehn Könige interessant, die schon das Avesta nennt und deren Reihenfolge dort mit der Reihenfolge in Schāhnāme übereinstimmt. Diese Anordnung erfolgte wahrscheinlich unter Schapur I., um die Rechtmäßigkeit der dynastischen Ansprüche der Sassaniden zu belegen.[7]

Die Könige[Bearbeiten]

Nach dem Iranisten Zabihollāh Safā lässt sich der Inhalt zeitlich in drei Perioden gliedern:

  1. dauraye asātirī – mythische Epoche
  2. dauraye pahlavānī – heroische Epoche
  3. dauraye tārīḫī – historische Epoche

Könige des mythischen Zeitalters[Bearbeiten]

  • Sage 1 = Gayōmarth, der erste menschliche König in der persischen Mythologie.
  • Sage 2 = Hōšang, der Enkel des Gayōmarth, der den Menschen Recht und Gerechtigkeit bringt.
  • Sage 3 = Tahmōrath, der Bändiger der bösen Geister, der unter anderem die Schrift einführt.
  • Sage 4 = Ğamšīd (Dschamschid), Sohn des Tahmōrath, Stifter des Neujahrsfestes Nouruz.
  • Sage 5 = Ẓahhāk, der Dämonenkönig, der einen Pakt mit Ahrimān eingeht.
  • Sage 6 = Fereydūn, der Ẓahhāk tötet und vor seinem Tod die bekannte Welt unter seinen drei Söhnen aufteilt.
    • beinhaltet die Sage der drei Söhne: Iradsch erhält von seinem Vater den Iran und wird aus Neid durch seine beiden Brüder Selm und Tūr ermordet.

Könige des heroischen Zeitalters[Bearbeiten]

Könige des historischen Zeitalters (Dynastie der Bābakān)[Bearbeiten]

Rezeptionsgeschichte[Bearbeiten]

Das Schāhnāme war und ist die Basis des persischen Nationalbewusstseins in der persischsprachigen Welt – in den Staaten Iran, Afghanistan und Tadschikistan. Zahlreiche Sprachwissenschaftler sind der Meinung, dass der Grund dafür, dass die moderne persische Sprache nahezu identisch mit der 1.000 Jahre alten Sprache Firdausīs ist, der Existenz des Schāhnāme geschuldet ist. Das Werk Firdausīs hatte und hat einen tiefgehenden Einfluss auf Sprache und Kultur Irans, das Schāhnāme ist einer der Hauptpfeiler der modernen persischen Sprache. Das Studium Firdausīs Meisterwerks gilt als Grundvoraussetzung für die Beherrschung der persischen Hochsprache, wie der Einfluss des Schāhnāme auf die Werke zahlreicher persischer Dichter belegt. Die sprachbildende Kraft des Werkes Firdausīs wird dadurch belegt, dass der vor tausend Jahren geschriebene Text auch heute noch problemlos von jedem, der persisch spricht, gelesen und verstanden werden kann.

Von Geschichtenerzählern in Teestuben eindrucksvoll vorgetragen, aber auch in einer großen Anzahl von Handschriften verewigt, hat das Schāhnāme durch seine Sprache und seinen Gegenstand entscheidend zur Kulturgemeinschaft der Völker des mittleren Ostens, Irans, Afghanistans und Tadschikistans beigetragen.[8] Nach Dschalāl Chāleghī Mutlaq vermittelt Firdausi in Schāhnāme folgende Wertvorstellungen und Verhaltensweisen: Gott dienen, Gottes Gesetze respektieren, religiöse Standhaftigkeit bewahren, sein Land wertschätzen, seine Familie, Frau und Kind lieben, den Armen und Hilfsbedürftigen helfen, nach Weisheit streben, sich für Gerechtigkeit einsetzen, langfristig planen, nach Ausgeglichenheit streben, Höflichkeit bewahren, gastfreundlich sein, Ritterlichkeit zeigen, Vergebung gewähren, Dankbarkeit zeigen, mit dem Gegebenen glücklich und zufrieden sein, hart zu arbeiten, friedfertig und sanftmütig sein, treu sein, Wahrheitsliebe pflegen und die Unwahrheit verabscheuen, vertragstreu sein, Selbstkontrolle bewahren, bescheiden sein, wissenshungrig sein und redegewandt sein.[9] Firdausī hat mit seinem Werk also nicht nur den Versuch unternommen, die Geschichte Irans zu dokumentieren, sondern auch dichterisch zu fassen, was aus seiner Sicht den Iran definiert.

Unter der Regentschaft von Reza Schah und der Gründung eines iranischen Nationalstaates kam Firdausīs Schahname und den von ihm vermittelten Wertvorstellungen eine herausragende Bedeutung zu. Dem Dichter des iranischen Nationalepos wurde 1934 ein Mausoleum erbaut, in dem seine sterblichen Überreste bestattet wurden. Unter der Regentschaft von Schah Mohammad Reza Pahlavi wurde 1975 unter der Schirmherrschaft von Schahbanu Farah Pahlavi ein Festival zu Ehren Firdausīs, das jährlich stattfindende Tus-Festival, gestiftet, das unter anderem im Rahmen eines literaturwissenschaftlichen Symposiums den Stand der Rezeptionsgeschichte des Schāhnāme dokumentiert.

Übersetzungen[Bearbeiten]

Eine erste auszugsweise deutsche Übersetzung des Schahname durch Graf Adolf Friedrich von Schack erschien 1865 unter dem Titel Heldensagen des Ferdusi. Eine Textfassung in drei Bänden veröffentlichte unter dem Titel Firdusii Liber Regum qui inscribitur Schahname Johann August Vullers 1877 und 1878. Der dritte Band konnte erst nach dem Tode Vullers in der Bearbeitung von S. Landauer erscheinen. Die erste und bislang einzige Übersetzung in Versform stammt von Friedrich Rückert. Band 1, der die Sagen I bis XIII enthält, erschien allerdings erst nach dem Tod Rückerts im Jahr 1890. Die Bände 2 und 3 wurden 1895 und 1896 veröffentlicht. Rückert hat sich in seiner Übersetzung auf die ersten fünfzehn Könige beschränkt, die schon das Avesta nennt, und vor allem für die Rostam-Legende von Interesse ist. Die Geschichte von Rostam und seinem Sohn Sohrab hatte Rückert bereits 1838 in einer Nachdichtung unter dem Titel Rostem und Suhrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern bei Theodor Bläsing in Erlangen veröffentlicht.

Das Interesse an Schāhnāme hat im deutschen Sprachraum nie abgenommen. Immer wieder erschienen Prosatexte, die die Geschichte von den Königen Irans den deutschen Lesern nahebringen wollten. Bis heute hat das Werk Firdausīs nichts von seiner Strahlkraft verloren. Und auch heute noch gilt, wer Iran verstehen will, muss Firdausī gelesen haben.

Einige Illustrationen zum Schāhnāme[Bearbeiten]

Schāhnāme-Ausgaben[Bearbeiten]

Statue von Rostam

Der erste Versuch, eine Schāhnāme-Ausgabe auf der Grundlage der bekannten Handschriften herauszugeben, wurde von Mathew Lumsden unternommen. Der erste Band der auf acht Bände angelegten Ausgabe wurde 1811 in Calcutta publiziert. Lumsden hatte für seine Ausgabe 27 Handschriften durchgesehen. Lumsden kam allerdings über den ersten Band nicht hinaus. Turner Macan übernahm die Herausgabe und veröffentlichte 1829 die erste vollständige Ausgabe des Schāhnāme unter dem Titel The Shah Namah, An Heroic Poem, carefully collated with a number of the oldest and best manuscripts ... by Abool Kasim Firdousee by Turner Macan.[10]

Zwischen 1838 und 1878 veröffentliche Julius Mohl eine weitere Ausgabe unter dem Titel Le Livre des Rois. Die sieben Bände dieser Ausgabe enthalten neben einer umfangreichen Einführung auch eine französische Übersetzung. Mohl benutzte für seine Ausgabe 35 Manuskripte, versäumte es allerdings, bei den einzelnen Textstellen die jeweilige Quelle anzugeben.

Der deutsche Orientalist Johann August Vullers erstellte auf der Grundlage der Macan- und der Mohl-Ausgabe eine Neuausgabe in drei Bänden, die in den Jahren 1877 bis 1884 unter dem Titel Firdusii liber regum veröffentlicht wurde. Seine Ausgabe reicht bis zum Ende der Kayaniden und geht ausführlich auf die Textunterschiede zwischen den Ausgaben von Mohl und Macan ein.

In den Jahren 1934 bis 1936 erstellten dann M. Minovi, A. Eqbal, S. Haim und S. Nafisi zur Tausendjahrfeier Ferdausis auf der Grundlage der Ausgabe von Vullers eine zehnbändige illustrierte Ausgabe, wobei die Teile aus den Ausgaben von Turner und Mohl ergänzt wurden, die Vullers wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr bearbeitet hatte. Diese erste in Teheran produzierte und häufig nachgedruckte Ausgabe galt lange Zeit als die beste verfügbare Ausgabe.[11]

Als erste kritische Schāhnāme-Ausgabe gilt die sog. Moskauer Ausgabe von E. E. Bertel, die in der Hauptsache auf dem im Britischen Museum aufbewahrten Manuskript von 1276 und dem Leningrader Manuskript von 1333 beruht. Die Ausgabe wurde vom Institut für Orientstudien der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in neun Bänden in den Jahren 1960 bis 1971 publiziert.

1972 gründete das iranische Ministerium für Kunst und Kultur die Schahname-Stiftung (Bonyād-e Shahname-ye Ferdowsi), die von Mojtabā Minovi geleitet wurde. Ziel der Stiftung war eine vollständige Sammlung der Kopien aller Manuskripte und die Herausgabe einer neuen, umfassenden Schahname-Ausgabe. Die Stiftung konnte allerdings nur drei Bände veröffentlichen (Dāstān-e Rostam o Sohrāb, 1973; Dāstān-e Forud, 1975; Dāstān.e Siāvush, 1984).

Eine umfassende kritische Ausgabe wurde ab 1990 von Djalal Khaleghi-Motlagh verfasst, der sämtliche bekannte Manuskripte berücksichtigt hat, wobei neben den bereits bekannten Manuskripten vor allem das 1977 aufgefundene Florenzer Manuskript aus dem Jahr 1217 von Bedeutung ist. Djalal Khaleghi-Motlagh konnte die Ausgabe 2009 abschließen. Sie umfasst insgesamt acht Bände und vier Kommentarbände. Diese Ausgabe übertrifft bei weitem die Moskauer Ausgabe, da sie zahlreiche Textvarianten und eine ausführliche Kommentierung umfasst. In Anlehnung an die Reihe persischer Texte der Bongah-e Tarjama va Nashr-e Ketab, die in den Jahren 1959 bis 1977 in Teheran erschien, erscheint diese Schāhnāme-Ausgabe als Nummer 1 der Persian Text Series herausgegeben von Ehsan Yarshater.

Die Herausgeber des Schahname stehen vor dem Problem, dass die älteste bekannte Handschrift, das Florenzer Manuskript, aus dem Jahr 1217, also zweihundert Jahre nach Ferdausis Tod, datiert. Vergleicht man die einzelnen Handschriften, so stellt man zahlreiche Textvariationen fest, die aus Zusätzen, Streichungen oder Veränderungen bestehen. Djalal Khaleghi-Motlagh hat für seine Ausgabe zunächst fünfundvierzig Handschriften in Kopien gesammelt, aus denen er dann fünfzehn als Textgrundlage auswählte.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Mediale und öffentliche Rezeption[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1972: Rustam i Suchrab (dt. Die Schlacht im Tal der weißen Tulpen)[13]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Johann August Vullers: Firdusii liber regum. 3 Bde. Leiden 1876–84.
  • M. Minovi, A. Eqbal, S. Haim, Said Nafisi: Schahname-je-Ferdousi. I-X. Teheran 1934/35.
  • E.E. Bertel, Abdolhosein Nuschina, A.Azera: Firdousi, Šach-name. Kreiticeskij tekst pod redakcii. I-IX. Moskva 1960-1971.
  • Djalal Khaleghi-Motlagh (Hrsg.): The Shahnameh (The Book of Kings) (Bd. 1-8). Published by the Persian Heritage Foundation in association with Bibliotheca Persica. New York 1988–2008, ISBN 978-1-934283-01-1.

Schāhnāme-Übersetzungen[Bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten]

  • Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch, (Schāhnāme). Aus dem Nachlaß herausgegeben von Edmund Alfred Bayer, 3 Bände, 1890–1895. Nachdruck: Imperial Organisation for Social Service, Teheren 1976. (The Pahlevi Commemorative Reprint Series)
  • Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. Aus dem Nachlaß herausgegeben von E. A. Bayer. 1890. Nachdruck: epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-356-6.
  • Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch (Schahname) Sage XV-XIX. Aus dem Nachlaß herausgegeben von E. A. Bayer. Nachdruck: epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-407-5.
  • Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch (Schahname) Sage XX-XXVI. Aus dem Nachlaß herausgegeben von E. A. Bayer. Nachdruck der Erstausgabe. epubli Berlin, 2010, ISBN 978-3-86931-555-3.
  • Friedrich Rückert: Rostem und Suhrab. Eine Heldengeschichte in 12 Büchern. Nachdruck der Erstausgabe von 1838. epubli, Berlin, 2010, ISBN 978-3-86931-571-3.
  • Friedrich Rückert: Rostam und Sohrab. Neuausgabe. Epubli, 2010 ISBN 978-3-86931-684-0.
  • Friedrich Rückert: Rostam und Sohrab. Neuausgabe E-Book. Epubli, 2011 ISBN 978-3-86931-939-1.
  • Helmhart Kanus-Credé: Das Königsbuch. Augustin, Glückstadt
  • Werner Heiduczek: Die schönsten Sagen aus Firdausis Königsbuch. 4. Auflage. Kinderbuchverlag, Berlin 1989, ISBN 3-358-01413-4
  • Adolf Friedrich von Schack: Heldensagen des Firdusi. In deutscher Nachbildung nebst einer Einleitung von Adolf Friedrich von Schack. In drei Bänden, Cotta, Stuttgart 18xx.
  • Uta von Witzleben: Firdausi. Geschichten aus dem Schāhnāmeh. Eugen Diederichs Verlag. Gelbe Reihe, Köln 1960 (Neuausgabe 1984), ISBN 3-424-00790-0.
  • Abu'l-Qasem Ferdausi: Rostam – Die Legenden aus dem Sahname. Aus dem Persischen übersetzt und herausgegeben von Jürgen Ehlers. Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-050039-7.

Englisch[Bearbeiten]

  • Arthur Warner, Edmond Werner: The Shahnama. 9 Bd. London, 1905–1925.
  • Dick Davis: Shahnameh. Penguin Group, New York, 2006, ISBN 0-670-03485-1.

Französisch[Bearbeiten]

  • Jules Mohl: Le Livre des Rois I-VII. Paris 1838-1855.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fateme Hamidifard-Graber: Von Ackerwinde bis Zypresse - Das Pflanzenreich im „Königsbuch“ des Ferdousī. Klaus Schwarz Verlag, Berlin 2009.
  • Djalal Khaleghi-Motlagh: Notes on the Shahnameh. Vol 1-4. Published by the Persian Heritage Foundation. Eisenbraun, Winona Lake/Indiana 2001-2009, ISBN 0-933273-59-2.
  • Djalal Khaleghi-Motlagh: Die Frauen im Schahname - Ihre Geschichte und Stellung unter gleichzeitiger Berücksichtigung vor- und nachislamischer Quellen. Köln 1971.
  • Theodor Nöldeke: Das iranische Nationalepos. 2. Aufl. Berlin 1920 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle).
  • Parvaneh Pourshariati: The Parthians and the Production of Canonical Shahnames. In: Henning Börm, Josef Wiesehöfer (Hrsg.): Commutatio et Contentio. Studies in the Late Roman, Sasanian, and Early Islamic Near East. In memory of Zeev Rubin (= Reihe Geschichte. Bd. 3). Wellem, Düsseldorf 2010, ISBN 978-3-941820-03-6, S. 346–392.
  • Fritz Wolff: Glossar zu Firdosis Schahname. Nachdruck der Erstausgabe von 1935. Hildesheim 1965 und Teheran 1377/1998.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schāhnāme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nezāmī ʿArūżī: Ahmad ibn ʿOmar ibn ʿAlī: Čahār maqāle (Vier Abhandlungen). o.J., S. 51.
  2. Theodor Nöldeke: Das iranische Nationalepos. 2. Aufl. Berlin 1920, S. 16.
  3. Abu'l-Qasem Ferdausi: Rostam – Die Legenden aus dem Sahname. Aus dem Persischen übersetzt und herausgegeben von Jürgen Ehlers. Reclam, Stuttgart 2002, ISBN 3-15-050039-7, S. 383.
  4. a b Ferdowsis Shahnameh. Zoroastrian Heritage (englisch)
  5. Djalal Khaleghi-Motlagh: FERDOWSI, ABU'L-QĀSEM i. Life. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica, eingesehen am 15. Mai 2013 (englisch, inkl. Literaturangaben)
  6. Theodor Nöldeke: Das Iranische Nationalepos. 2. Aufl. Berlin 1920, S. 44f.
  7. Abū'l-Qāsem Ferdausi: Rostam – Die Legenden aus dem Šāhnāme. Aus dem Persischen übersetzt und herausgegeben von Jürgen Ehlers. Stuttgart 2002, S. 405.
  8. Volkmar Enderlein, Werner Sundermann: Schahname. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig / Weimar 1988, Klappentext.
  9. Jalal Khaleqi Mutlaq: Iran Garai dar Shahnameh (Iran-Zentrismus im Shahnameh). In: Hasti Magazine, Bd 4. Bahman Publishers, Tehran 1993.
  10. Ehsan Yarshater: Introduction. In: Djalal Khaleghi-Motlagh (Hrsg.): The Shahnameh (The Book of Kings) (Bd. 1). Published by the Persian Heritage Foundation in association with Bibliotheca Persica. New York 1988, ISBN 0-88706-770-0, S. vi.
  11. Ehsan Yarshater: Introduction. In: Djalal Khaleghi-Motlagh (Hrsg.): The Shahnameh (The Book of Kings) (Bd. 1). Published by the Persian Heritage Foundation in association with Bibliotheca Persica. New York 1988, ISBN 0-88706-770-0, S. vii.
  12. J. Khaleghi-Motlagh: Mo'arrefi o arzyabi-e barkhi az dastnevisha-ye Shahname. Iran Nameh, III,3, 1364/1985, S. 378–406, IV/1, 1364/1985, S. 16–47, IV/2, 1364/1985, S. 225–255.
  13. Schāhnāme im Lexikon des Internationalen Films
  14. Tausend Jahre Liebe. In: FAZ, 9. Dezember 2010, S. 32