Schachboxen

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Nikolay Sazhin und Frank Stoldt kämpfen um den Titel.
Nikolay Sazhin (links) beim Gewinn des Titels in Berlin 2008.

Schachboxen ist eine 2003 vom Aktionskünstler Iepe Rubingh erstmals als Wettbewerb ausgetragene Unterhaltungssportart, bei der Boxen und Schach kombiniert werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1992 veröffentlichte der französische Comicautor und -zeichner Enki Bilal den Science-Fiction-Comic Froid Équateur (dt. Äquatorkälte). Darin nimmt die Hauptfigur Alexander Nikopol an einer Weltmeisterschaft im Schachboxen teil. Rubingh entnahm dieser Geschichte die Idee[1] und organisierte den ersten Schaukampf 2003 in Berlin. In der Folge gründete er die World Chess Boxing Organisation (WCBO), deren Präsident er ist, und den Berliner Schachbox-Verein CBCB, dem er als Vorsitzender vorsteht.

Von 2005 bis 2007 fanden jährlich mehrere Schaukämpfe statt, die jeweils einige hundert Zuschauer anzogen.

In einem im November 2007 in Berlin ausgetragenen Schaukampf, der von der WCBO als "Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht" angekündigt wurde, setzte sich der Deutsche Frank Stoldt gegen den Amerikaner David Depto durch. Im Juli 2008 verlor Stoldt seinen Weltmeistertitel gegen den Russen Nikolaj Sazhin.

Im November 2009 holte Leo "Granit" Kraft den Titel im Halbschwergewicht zurück nach Deutschland, nachdem er Sazhin in der 9. Runde (Schach) zur Aufgabe zwang.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Berliner Schachbox-Verein hat vierzig Mitglieder und ist der einzige seiner Art weltweit. Die WCBO hat das Ziel, Schachboxen offiziell als eigenständige und international anerkannte Sportdisziplin zu verbreiten.

Regeln[Bearbeiten]

Ein Schachboxkampf sieht elf Runden vor, sechs vierminütige Runden für eine Blitzschachpartie, bei der jeder Spieler insgesamt zwölf Minuten Bedenkzeit hat, und fünf dreiminütige Boxrunden. Dabei wechseln sich Schach und Boxen regelmäßig ab, jeweils unterbrochen von einer 60-sekündigen Pause zum Umziehen.

Der Wettkampf kann durch einen technischen Knockout oder Schachmatt bzw. Ablauf der Schachzeit beendet werden. Endet die Schachpartie unentschieden, entscheiden die Punktrichter über den Sieger beim Boxen. Endet auch der Boxkampf unentschieden, so gewinnt derjenige, der beim Schach mit den schwarzen Figuren gespielt hat.

Macht ein Kämpfer über eine längere Zeit keinen Zug im Schach, wird er verwarnt. Eine zweite Verwarnung führt zur Disqualifikation.

Medienecho[Bearbeiten]

Die Zeit, Spiegel TV, Spiegel Online, TV total, Focus und Deutschlandradio Kultur berichteten über Schachboxen.

In der Krimi-Serie Tatort wurde Schachboxen in der Folge Altlasten erwähnt.

2010 wurde Schachboxen in einem Werbespot für das Erfrischungsgetränk Rivella im Schweizer Fernsehen verwendet.

Helmut Kuhn lässt seinen 2012er Roman Gehwegschäden zum Teil in der Berliner Schachboxszene spielen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schachboxen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Justus Bender: Königsdisziplin. In: Die Zeit. Nr. 39, 22. September 2005, ISSN 0044-2070