Schachbrettstein

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Schachbrettsteine an der Dorfkirche Grunow
Schachbrettstein in Mallnow
Schachbrettstein in Kleinbeeren, Gemeinde Großbeeren
Schachbrettstein an der Kirche in Herzberg, Gemeinde Rietz-Neuendorf

Schachbrettsteine mit ihren meist schwarzen und weißen Schachbrettfeldern sind ein seltener Bauschmuck an den Außenwänden mittelalterlicher spätromanischer und frühgotischer Feldsteinkirchen im südlichen Ostseeraum. Sie wurden bevorzugt im Eingangsbereich oder an Mauerecken gut sichtbar angebracht.

Vorkommen[Bearbeiten]

Während derartige Steine mit Schachbrettmustern im übrigen Europa unbekannt sind, finden sie sich in vergleichsweise großer Zahl im südlichen Ostseeraum und zu beiden Seiten der Oder.

Anzutreffen sind die Steine vor allem an Kirchen beispielsweise in der Uckermark: Dobberzin, Gerswalde bei Templin, Schmargendorf bei Angermünde, Schönemark, Serwest bei Angermünde, Weselitz bei Prenzlau (heute Gemeinde Uckerfelde), aber auch Retzin (Gemeinde Ramin) im vorpommerschen Teil der Uckermark, in der Niederlausitz: Frankena bei Doberlug-Kirchhain, Werenzhain bei Doberlug-Kirchhain, Pritzen (heute Gemeinde Altdöbern), zwischen Spree- und Havelgebiet: Herzberg (Rietz-Neuendorf), in Neuendorf im Sande, heute Gemeinde Steinhöfel bei Fürstenwalde, Stradow (Spremberg) sowie westlich von Berlin in der Dorfkirche von Groß Glienicke (Stadt Potsdam).

In Märkisch Oderland finden wir diese unter anderem an Feldsteinkirchen in Hönow, Grunow (die Dorfkirche Grunow weist die ungewöhnlich hohe Zahl von sieben Schachbrettsteinen auf), Mallnow, Ihlow und Friedersdorf. Im Landkreis Oder-Spree gibt es einen derartigen Stein in Tempelberg.

Auch östlich der Oder im heutigen Polen sind derartige Steine zu finden: Radów, Gosław, Dolsko, Godków, Lubiechów Górny, Kowalów u.a..

In Nordjütland gibt es 47 Kirchen mit Schachbrettsteinen und auf Bornholm findet sich einer in der St.-Poul-Kirche.[1]

Deutungsversuche[Bearbeiten]

Vermutungen und Spekulationen zu diesen Steinen gibt es verschiedene: Eine Erklärung wäre, dass sie als eine Art Wappen der Askanier oder der Zisterzienser zu verstehen seien, da die Kirchen in deren Machtbereich entstanden und vermutlich aus diesem Grunde entsprechend gekennzeichnet waren. Die Kirchen stammen zumeist aus der Zeit der Osterweiterung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als das Gebiet von den aus dem Westen kommenden Askaniern in Besitz genommen und christianisiert wurde.

Eine weitere These kommt zu dem Schluss, es könnte sich um Zunftzeichen der Maurer, Zimmerleute und Steinmetze handeln, die bei den Bauten tätig wurden. Doch dafür ist die Herstellung derartiger Muster viel zu aufwendig.

Die Steine sind anscheinend auch keine Schmuckelemente, denn dazu ist der Ort ihrer Anbringung (Ecken und Winkel) ungeeignet.

Schachbrettmuster gehören im weitesten Sinne zu den Netz- oder Gitterformen, die in ihrer Gesamtheit als unheilabwehrend (apotropäisch) verstanden werden können. Diese Interpretation wird untermauert durch die ausschließliche Anbringung der Steine an Außenwänden.

Legende[Bearbeiten]

Eine andere Deutung bezieht sich auf eine Legende: Der Teufel spielte Schach mit dem Herrn um den Bau der Kirchen und die armen Seelen. Als er verlor, bekam das Schachbrett zur Erinnerung seinen Platz beim Bau der Kirche in Form dieser Steine. Schwarz und weiß stünden somit für Gut und Böse, Leben und Tod, Anfang und Ende.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Weiterhin gibt es Steine mit Rhombenmuster, welche dem Damebrett des Mittelalters entsprechen, aber auch Zacken- Linien- und Kreuzmuster, wie das Jerusalemer Kreuz der Templer.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bönisch, Rudolf: Schachbrettsteine und anderer Bauschmuck an den ältesten Feldsteinkirchen der Niederlausitz. in: Judith Oexle (Hrsg.): Frühe Kirchen in Sachsen. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte; 23, Theiss-Verlag, Stuttgart 1994, S. 249-265 ISBN 3-8062-1094-2
  • Wilhelm Jung, Willy Spatz und Theodor Goecke (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Weststernberg in: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg Band IV, Teil 3, Berlin, Vossische Buchhandlung, 1913

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schachbrettsteine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Skakbrætsten
  2. Kirche Gross Glienecke