Schachserver

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Ein Schachserver (engl. "Internet chess server") ermöglicht das Schachspielen mit räumlich entfernten Gegnern über das Internet. Technisch gesehen sind Schachserver eine Untergruppe von Spieleservern. Teilweise kann man direkt im Browser spielen, teilweise muss man eine eigene Zugangssoftware installieren.

Es gibt eine Vielzahl an freien und kommerziellen Schachservern, die sich in ihrer Funktionsvielfalt und Bedienung stark unterscheiden. Als eine Sonderform kann man jedoch Fernschachserver abgrenzen, die im Fernschach die Partieverwaltung sehr erleichtern.

Die Übertragung der 5. Partie der Schach-WM 2008 durch den Schachserver FICS

Schachserver[Bearbeiten]

Ein Schachserver ermöglicht das Spielen einer Partie, in der beide Gegner während der gesamten Partie angemeldet bleiben. Es lassen sich verschiedene Zeitkontrollen und teilweise auch Schachvarianten wählen. Viele Schachserver bieten sogenannte 1-Klick-Eingaben von Zügen an, mit denen sich Züge sehr schnell ausführen lassen bzw. schon als Antwortzug auf einen beliebigen Gegnerzug festlegen lassen. Damit sind sehr schnelle Zeitkontrollen möglich (eine Minute pro Partie), die als Bullet bezeichnet werden. Durch die ständige Verfügbarkeit von Gegnern haben Schachserver teilweise zu einer Popularisierung seltener Schachvarianten geführt, wie z.B. Crazyhouse oder Tandemschach. Auf Schachservern kann man auch Schachprogramme gegeneinander antreten lassen. Einige Autoren von Schachprogrammen nutzen Schachserver, um ihr Programm gegen menschliche Gegner und andere Programme zu testen.

Ein großes Problem bei Schachservern ist der Betrug durch Computerunterstützung während der Partien. Einige Schachserver haben deshalb Algorithmen entwickelt, mit denen sie die Partien auf Computerunterstützung untersuchen. Die Funktionsweise dieser Algorithmen ist umstritten und geheim, dennoch gehen zumindest die kommerziellen Schachserverbetreiber rigoros gegen Betrüger vor, um Beschwerden aus dem Nutzerkreis zu begegnen.

Fernschachserver[Bearbeiten]

Ein Fernschachserver ermöglicht das Spielen von Partien mit sehr langen Bedenkzeiten (mehrere Tage pro Zug), in der sich die Gegner nur für die Zugabgabe anmelden und danach wieder abmelden. Auf einem Fernschachserver führt man die Züge auf einem anklickbaren Brett auf einer Webseite aus und bestätigt nach einer Vorschau den Zug. Damit wechselt das Zugrecht, und die Bedenkzeit des Gegners fängt an zu laufen. Der Gegner wird über den erfolgten Zug per E-Mail informiert. Fernschachserver erfordern in der Regel keine eigene Zugangssoftware, sondern werden direkt im Browser bedient.

Fernschachserver haben in den letzten Jahren unter Fernschachspielern sehr an Popularität gewonnen. Das Übermitteln der Züge im Fernschach stellte immer eine technische und organisatorische Herausforderung dar. Neben langen Postlaufzeiten kam es auch zu Missverständnissen und Fehlern in der Übertragung sowie zu Auseinandersetzungen über die verbrauchte Bedenkzeit. Durch Fernschachserver ist einerseits eine Übermittlung der Züge ohne Zeitverlust möglich, und zum anderen werden der Partieverlauf und die Bedenkzeit auf dem Server verwaltet, so dass es zu keinen Missverständnissen über den Partieverlauf kommen kann. Die meisten Fernschachserver bieten darüber hinaus Zugvalidierung und Verwaltung der Urlaubszeiten in einem Turnier an.

Bekannte Schachserver[Bearbeiten]

FICS (Free Internet Chess Server)[Bearbeiten]

Ein gut besuchter Server mit kostenloser Vollmitgliedschaft ist der sogenannte Free Internet Chess Server.

Der Server wird durch freiwillige Helfer gewartet. Freiwillige spielen in Echtzeit Meisterspiele, die im Fernsehen übertragen wurden, auf dem Server nach, so dass von jedem Internet-Anschluss aus mit Gleichgesinnten über die Partie diskutiert werden kann.

Registrierte Spieler erhalten Wertungspunkte, die nach jedem Spiel auf den neusten Stand gebracht werden. Die Spielstärke reicht vom absoluten Anfängerniveau bis zu gehobenem Vereinsniveau, aber auch einige Spieler mit Meisterniveau sind regelmäßig online. Einzigartig ist, dass das Rating mit dem zusätzlichen Indikator RD – ratings deviation (engl. für „Spielstärkeabweichung“) – verfeinert wird. Spielt ein Spieler über lange Zeit mehrmals täglich, dann kann man seine Spielleistung zuverlässiger bestimmen, und er hat zum Beispiel bei einer Wertung von 1500 etwa einen „wahren“ Wert zwischen 1485 und 1515; hat er mehrere Monate nicht mehr gespielt, einen wahren Wert zwischen 1150 und 1800.

Der Server bietet neben einigen freien Zugangsprogrammen wie beispielsweise dem Programm Winboard (für Unix: xboard oder eboard) auch die Möglichkeit, sich per Java-Client einzuloggen. Ein besonderer Service ist die sogenannte Teaching Ladder, auf der Spieler gegenseitig das Spiel der anderen Spieler analysieren können.

Obwohl nicht unbedingt Pflicht, bietet sich die Anmeldung auf dem Server an. Da unregistrierte Spieler keine Spielstärkebewertung haben, lehnen viele registrierte Spieler das Spiel gegen nicht registrierte Gegner ab.

chessmail.de[Bearbeiten]

Logo von chessmail.de

chessmail.de ist ein Schachserver, der per Browser Schachspiele gegen reale Spieler und auch Schach-Engines ermöglicht. Es können sowohl Turniere als auch Einzelpartien gespielt werden. chessmail ist seit Mai 2003 online und bisher kostenlos. Die Mitgliederzahl der Community betrug im April 2014 über 6000 aktive Schachspieler.

Auf chessmail wird eine moderne Variante von Fernschach (Briefschach) gespielt. Das heißt die Schachzüge werden asynchron ausgeführt, es müssen nicht beide Spieler gleichzeitig online sein. Die Bedenkzeit pro Zug kann zwischen 24 Stunden und 30 Tagen eingestellt werden. Eine Urlaubsregelung erlaubt das Pausieren, also eine definierte Überschreitung der Bedenkzeit.

Funktionen[Bearbeiten]

Mit einem an die Elo-Zahl angelehntem Wertungssystem wird die Spielstärke der Nutzer ermittelt.

Über chessmail kann man an Schachturnieren teilnehmen oder auch selbst Turniere organisieren. Halbjährlich findet das chessmail Pokalturnier statt, bei dem in den drei Sektionen Hobbyspieler, Fortgeschrittene und Experten ein virtueller Pokal gewonnen werden kann. Zusätzlich zu den vollautomatischen, durch chessmail verwalteten Turnieren werden von den chessmail Nutzern Turniere mit Hilfe des chessmail Wikis organisiert.

Nutzer können auf chessmail gegen einen online Schachcomputer mit unterschiedlicher Spielstärke antreten. Die Züge werden von der GNU Chess Engine berechnet. chessmail ist damit der einzige Schachserver, der Spiele gegen den unter Linux ältesten Schachcomputer GNU Chess erlaubt. Die Engine-Spiele können, wie Spiele gegen reelle Personen, über mehrere Tage gespielt werden.

Registrierte Mitglieder können einem online Schachclub beitreten oder einen eigenen Club gründen. In chessmail sind inzwischen (Stand April 2014) ca. 50 solcher virtuellen Schachclubs enthalten, die auch teilweise als Internet-Präsenz von echten Schachvereinen genutzt werden. Ein chessmail Schachclub hat einen eigenen Bereich im chessmail Wiki und ein eigenes Forum.

Von den chessmail Nutzern wird das chessmail Wiki gepflegt. Es ist insbesondere eine Plattform für die Organisation von Turnieren, deren Durchführung über die Möglichkeiten der automatischen chessmail Turniere hinaus geht. Außerdem befinden sich im chessmail Wiki noch weitere Informationen über Schach und chessmail selbst.

chessmail.de ist seit Januar 2011 zusätzlich zur Desktop-Version auch als mobile Variante für Smartphones und Tablet-PCs verfügbar.

Geschichte[Bearbeiten]

  • Mai 2003 - chessmail ist online, erstes Schachspiel auf chessmail.de
  • November 2003 - Mit Version 1.0 ist die Beta-Phase beendet, chessmail ist stabil. Funktionen: Analysebrett, Notizzettel, Zughistorie, offene Einladungen, Freundschaftsspiele, Gemerkte Spiele, PGN-Download, eigenes Forum, Mailbox, Statements der Mitglieder, Wiki
  • September 2010 - Version 2.0, Neuentwicklung auf Basis von Spring Framework und Hibernate. Neue Technik als Basis für die Weiterentwicklung, neues Schachbrett, Optimierung des Designs, Clubs, neue Mailbox, Änderungen in allen Bereichen
  • Januar 2011 - Mobile Version, für Smartphones optimierte GUI
  • Dezember 2011 - Durchführung des ersten Pokalturniers
  • Juli 2012 - Integration der GNU Chess Engine
  • Januar 2013 - Mitglieder können selbst vollautomatisch Schachturniere durchführen

Weblinks, Referenzen[Bearbeiten]

freechess.de[Bearbeiten]

Der bereits seit 1997 aktive Schachserver freechess.de war früher der größte Browser-basierte Schachserver für Fernschach, inzwischen ist seine Bedeutung rückläufig, da andere Angebote technisch und schachlich (Angebote von Schachvarianten etc.) attraktiver sind. Es gibt Einzel- und Mannschaftsturniere, Klassen- und Ranglistenturniere, Cups für Frauen, Senioren und Jugendliche, eine Meisterschaft, ein Wanderpokal und vieles mehr. freechess.de betreibt ein eigenes Rating-System: Die Wertungszahl FCR (frechess-Rating) ist kompatibel mit der DWZ-Zahl des Deutschen Schachbundes, nicht jedoch mit den eher relevanten Rating des BdF (FWZ) oder der ICCF.

remoteSchach.de[Bearbeiten]

Seit 2000 ist remoteSchach.de online. Bis September 2008 trug der Deutsche Fernschachbund seine Turniere auf diesem Gastserver aus, bis er einen eigenen Fernschachserver in Betrieb nahm. Der Verein Chess in Friendship trägt seine Turniere weiterhin dort aus. remoteSchach bietet Einzel- und Mannschaftsturniere verschiedener Arten, umfangreiche Statistiken und Werkzeuge, die Spielstärke wird in RS-Elo gemessen, und ist kompatibel zu ICCF-Wertungszahlen. Des Weiteren verfügt der Server neben dem Webfrontend über eine Windows-Software, mit dem die Partien auch offline verwaltet werden können und man nur zum Übertragen der Züge online sein muss. remoteSchach.de ist Mitveranstalter des "1. Deutschen Fernschach-Server-Open", zusammen mit dem Deutschen Fernschachbund und weiteren Schachservern.

BdF-Schachserver[Bearbeiten]

Seit September 2008 ist der Fernschachserver des Deutschen Fernschachbundes e. V. am Netz.

Kommerzielle Server[Bearbeiten]

Einer der ersten Schachserver war der Internet Chess Club (ICC). Er zählt noch heute zu den mitgliederstärksten. Auch die Firma ChessBase betreibt einen eigenen Server.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]