Schachtentrauchung

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Eine Schachtentrauchung ist eine Sicherheitseinrichtung für den Brandfall, die bei allen Arten von Aufzügen eingesetzt wird. Sie gewährleistet das Entweichen von Brandgasen und -rauch aus dem Aufzugsschacht. Wann Entrauchungsöffnungen und in welcher Größe vorhanden sein müssen, ist den länderspezifischen Bau- und Baudurchführungsvorschriften zu entnehmen z. B. LBO und DVO_BauO.

Rechtslage[Bearbeiten]

Im Landesbaurecht Deutschlands werden typischerweise Entrauchungsöffnungen vorgeschrieben, wobei der Fahrschacht direkt in Freie entraucht werden muss. In den Errichtungsvorschriften für Aufzüge wird europaweit eine Schachtentlüftung gefordert, welche deutlich kleiner ist als die Schachtentrauchung und entweder ins Gebäudeinnere (gegen Energieverlust) oder nach draußen führen kann. Im Falle einer unkontrollierten Schachtentrauchung werden beide Vorgaben erfüllt. Bei einer kontrollierten Schachtentrauchung würde die Schachtentlüftung fehlen, wenn sich die Lamellen nicht fahrten- oder sauerstoffabhängig öffnen würden. Bei Personenaufzügen ohne notwendige Entrauchungsöffnung muss dennoch eine Schachtentlüftung (Brandschutz beachten)ins Gebäudeinnere oder nach außen erfolgen.

unkontrollierte Schachtentrauchung[Bearbeiten]

Es handelt sich hierbei um eine Abluftöffnung, die aus dem Schacht direkt ins Freie führt. Sie dient erstrangig dem Rauchabzug im Brandfall, aber auch dazu, einen Luftaustausch im Fahrschacht zu gewährleisten, sofern keine anderen Entlüftungsöffnungen vorhanden sind.

In den Schacht einströmender Rauch wird aufgrund der Thermik aus der Entrauchungsöffnung ins Freie befördert, statt in andere Etagen überzuströmen.

kontrollierte Schachtentrauchung[Bearbeiten]

Immer häufiger werden die Rauchabzugsöffnungen mit technischen Vorrichtungen temporär verschlossen, um einen unnötigen Verlust von Wärmeenergie zu verhindern. Mit der kontrollierten Schachtentrauchung gelingt es also, die baurechtlichen Vorschriften – z. B. die Landesbauordnungen (LBO) und die Energieeinsparverordnung (EnEV) – in Einklang zu bringen und zeitgleich die Sicherheit im Gebäude zu erhöhen. Derartige Systeme stellen sicher, dass die Rauchabzugsöffnung im Falle einer Rauchentwicklung sofort öffnet und der Aufzug eine Evakuierungsfahrt durchführt.

Eine kontrollierte Schachtentrauchung wird eingesetzt, um das Entweichen von warmer Raumluft durch die Rauchabzugsöffnung eines Aufzugschachtes zu verhindern. Dabei wird die Rauchabzugsöffnung so realisiert, dass diese nur in bestimmten Situationen geöffnet wird und sonst verschlossen bleibt. Eine typische Verschlusseinrichtung stellt z. B. eine elektrisch betätigte Jalousieklappe dar. Diese Jalousieklappe wird z. B. von der Schachtinnenseite vor der bzw. in der Öffnung positioniert und über einen Ansaugrauchmelder angesteuert. Der Ansaugrauchmelder entnimmt über eine Rohrleitung, welche senkrecht durch den ganzen Schacht verläuft und in regelmäßigen Abständen über kleine Ansaugbohrungen verfügt, permanent Luft aus dem Schacht und ist in der Lage, kleinste Rauchpartikel zu erkennen. Im Falle einer Rauchdetektion öffnet die Klappe, der Rauch zieht ab und der Aufzug führt in der Regel gleichzeitig eine Brandfallfahrt durch.

Die kontrollierte Schachtentrauchung ist heute bei der Errichtung neuer Wohn- und Geschäftsgebäude beinahe zum Standard geworden, baurechtlich aber keine Vorschrift. Da die Amortisationszeiten für die Investitionskosten häufig relativ kurz sind, können die Heizenergiekosten so beträchtlich reduziert werden. Zudem wird die Sicherheit der Nutzer erhöht. Wichtig ist, dass die EnEV, die Schachtentrauchungsöffnungen, gemäß Bauministerkonferenz, deutlich ausnimmt. Die oft verwendeten Klappensysteme, würden den Anforderungen aus der EnEV hinsichtlich ihres Isolationsgrades, nicht genügen, da sie oft nur aus einfachen Blechlamellen bestehen. Inzwischen befinden sich auch besser isolierte Klappensysteme auf dem Markt, die helfen einen Kondensatanfall an den geschlossenen Klappen so gering wie möglich zu halten.

Wichtig ist, dass eine solche kontrollierte Schachtentrauchung auch den CO2-Gehalt der Luft im Schacht permanent erfasst und im Falle einer Grenzwertüberschreitung die Verschlusseinrichtung öffnet. Im Falle einer Aufzugstörung mit Personeneinschluss kann der Sauerstoffgehalt der Luft in kleinen Aufzugschächten schnell einen kritischen Wert erreichen. (Beispieldaten: Luftverbrauch Mensch ca. 3 m³/h, Luftvolumen 35 m³, Anzahl der Personen 13). In modernen Steuerung für Aufzügen sind bereits Routinen enthalten, die die Entrauchungsöffnungen nach einem festgelegten Intervall öffnen und schließen, ohne den CO2-Gehalt zu berücksichtigen. Hierbei erscheint es wichtig zu erwähnen, dass es keinen belegten Fall gibt, bei denen Fahrgäste durch einen zu geringen Sauerstoffgehalt gefährdet worden wären. Die Aufzugschachtentrauchung ist eine Entrauchungsöffnung und keine Entlüftungsöffnung! Für die Belüftung des Schachtes dienen Öffnungen an der Schachtoberseite, die ins Gebäudeinnere führen. Die Forderung nach dem Vorhandensein solcher Schachtentlüftungen/Größe usw. findet man in der DIN EN 81-1/2

Für die Nachrüstung an bestehenden Aufzugsanlagen gibt es heute derartige Anlagen, die auch bei ganz alten Aufzugsanlagen, welche noch mit Relaissteuerungen ausgerüstet sind, eine Nachrüstung problemlos möglich machen.

Grundbedingung für den Einbau einer Aufzugsschachtentrauchung in einen Aufzug, ist ein, vom TÜV geprüftes und zugelassenes System. Andernfalls kann das System nicht eingebaut werden, da es derzeit noch keine bauaufsichtlich zugelassenen Systeme gibt. Sofern das Gebäude über eine Brandmeldeanlage verfügt, ist der Aufzug mit ihr zu verbinden, so dass eine Evakuierungsfahrt mit anschließender Stillsetzung erfolgt. Dieses Signal oder auch ein Schlagtaster am Aufzugschacht dürfen ebenfalls die Schachtentrauchungsklappe, -luke oder -jalousie öffnen. Hierbei sind keine Rauchdetektoren im Schacht erforderlich. Wenn sich die Verschlusseinrichtung außerhalb des Schachtes, also z. B. auf dem Dach befindet und auch von dort revidiert werden kann, dann benötigt sie keine Zulassung durch den TÜV hinsichtlich ihrer Eignung für Aufzuganlagen.