Schachweltmeister

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Botvinnik 1933.jpg Wilhelm Steinitz2.jpg
SchachWM2008.jpg

Oben: Logo des Weltschachbundes FIDE
Mitte: Weltmeister Michail Botwinnik
0000und Wilhelm Steinitz
Unten: Schachweltmeisterschaft 2008

Der Titel Schachweltmeister ist die höchste Auszeichnung im Schachspiel, die – in der Regel – nach vorausgehenden Qualifikationsturnieren und schließlich durch einen Zweikampf um die Schachweltmeisterschaft vergeben wird. Als erster offizieller Schachweltmeister gilt der Österreicher Wilhelm Steinitz nach seinem Wettkampfsieg gegen Johannes Hermann Zukertort im Jahr 1886. Amtierender Weltmeister ist seit 2013 der Norweger Magnus Carlsen, der den Titel bei der Schachweltmeisterschaft 2013 von Viswanathan Anand eroberte.

Der Titel „Schachweltmeister“ steht generell Männern und Frauen offen; daneben gibt es auch noch Schachweltmeisterschaften der Frauen, Jugendweltmeisterschaften in den Altersklassen, der Junioren, der Senioren sowie im Blitzschach, Schnellschach, Fernschach und Schach960.

Der Austragungsmodus der Weltmeisterschaften wurde erstmals 1948 nach dem Tod des Titelinhabers Alexander Aljechin von einem Zweikampf um die Schachkrone auf ein Rundenturnier mit mehreren Teilnehmern umgestellt. Danach wurde der Titel wieder über Zweikämpfe ausgespielt, wofür sich die Titelaspiranten über Zonenturniere, Interzonenturniere und Kandidatenturniere qualifizieren mussten. Nur bei der WM 2007 wurde der Weltmeister ausnahmsweise noch mal durch ein Rundenturnier ermittelt.

Eine zwischenzeitliche Trennung des Weltmeistertitels vom Weltverband FIDE seit 1993 wurde 2006 durch die Schachweltmeisterschaft 2006 behoben. Während dieser Zeit führte die FIDE Weltmeisterschaften durch, deren Sieger jedoch kaum als Weltmeister galten.

Die weltbesten Spieler vor Einführung der offiziellen Weltmeisterschaftskämpfe[Bearbeiten]

Erstes internationales Schachturnier am Hofe König Philipps II. von Spanien 1575, Gemälde von Luigi Mussini (1886)

Das moderne Schach entstand etwa um 1475 vermutlich im spanischen Valencia durch Änderung der Gangart von Läufer und Dame. An diesem Prozess wesentlich beteiligt waren die Literaten Francesc de Castellví i de Vic, Narcís Vinyoles, Bernat Fenollar und Francesc Vicent. Dies dürften auch die besten Spieler ihrer Zeit gewesen sein. Zeugnis dieser frühesten Entwicklungsphase ist das katalanische Schachgedicht Scachs d'amor.[1] In der Folge erschienen gedruckte Schachabhandlungen von Francesc Vicent (1495), Juan Ramirez de Lucena (1497) und Pedro Damiano (1512), welche an diese Tradition anknüpften.[2] Um die Mitte des 16. Jahrhunderts galt der Spanier Ruy López de Segura als bester Spieler der Welt. Er wurde im Jahre 1575 im ersten internationalen Schachturnier der Geschichte am Hofe des spanischen Königs Philipps II. in Madrid vom Sizilianer Giovanni Leonardo da Cutro mit 2:3 geschlagen. Im Anschluss besiegte Leonardo da Cutro auch den besten portugiesischen Spieler El Morro „in vielen Spielen“[3] und, zurück in Madrid, seinen italienischen Landsmann Paolo Boi mit 2:1.[4]

Zu den besten Schachspielern ihrer Zeit gehörte auch Giulio Cesare Polerio. Diese Persönlichkeiten begründeten das goldene Zeitalter des italienischen Schachs. Diese Tradition wurde um 1600 durch Alessandro Salvio und von etwa 1620 bis 1634 von Gioacchino Greco fortgesetzt.

Um 1700 galt der Schotte Alexander Cunningham als bester Spieler Europas.[5]

Ab etwa 1730 blühten die Italiener mit ihren Theoretikern Domenico Lorenzo Ponziani, Ercole del Rio und Giambattista Lolli nochmals auf. Gleichzeitig entwickelte sich im Café de la Régence in Paris eine rege Schachszene, welche die italienische Vormachtstellung im europäischen Schach allmählich überflügelte und ablöste. Die Franzosen Legall de Kermeur (1730–1745), François-André Danican Philidor (1745–1795), Verdoni (1795–1804), Alexandre Deschapelles (1804–1820) und Louis-Charles Mahé de La Bourdonnais (1820–1840) lösten einander als weltbeste Spieler ab. Berühmtheit erlangte La Bourdonnais durch sechs aufeinander folgende Wettkämpfe (insgesamt 85 Partien) gegen den Iren Alexander MacDonnell in London 1834, die der Franzose gewann.

Bild vom Zweikampf zwischen Howard Staunton (links) und Pierre Saint-Amant (1843)

Nach dem Wettkampfsieg des Engländers Howard Staunton über den Franzosen Pierre Saint-Amant in Paris 1843 galt nun England als führende Schachnation. Staunton war es auch, der sich maßgeblich für die Durchführung eines der ersten internationalen Schachturniere einsetzte. Dieses Turnier fand anlässlich der Weltausstellung 1851 in London statt. Überraschend gewann nicht der englische Vorkämpfer, sondern es siegte der bis dahin gänzlich unbekannte Deutsche Adolf Anderssen aus Breslau, der dabei im Halbfinale auch den direkten Vergleich gegen Staunton mit 4:1 für sich entschied.[6]

Anderssens Sieg ließ ihn nun in der Schachwelt als weltbesten Spieler gelten. 1858 spielte Anderssen in Paris einen Wettkampf gegen den US-Amerikaner Paul Morphy. Morphy errang einen glänzenden Sieg, der Amerikaner beendete allerdings bald danach seine Schachkarriere, sodass Anderssen nun wieder als führender Meister der Welt galt.

Nachdem der Österreicher Wilhelm Steinitz 1866 Anderssen in einem in London gespielten Wettkampf bezwungen hatte, galt er als unbestritten bester Spieler der Welt.

Geschichte der Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Nach seinem überwältigenden Sieg beim großen Internationalen Turnier in London 1883 (vor Steinitz) betrachtete sich Johannes Hermann Zukertort als Champion of the World und forderte Steinitz’ Führungsanspruch heraus. Die Schachwelt erwartete einen Zweikampf dieser Rivalen und bekam ihn: Durch seinen 12,5:7,5-Sieg (+10, -5, =5) über Zukertort im Wettkampf vom 11. Januar bis zum 29. März 1886 gilt Wilhelm Steinitz allgemein als der 1. Schachweltmeister.

Nach Steinitz’ Wettkampfsieg fanden sich etliche Herausforderer, die mit ihm um die Weltmeisterschaft spielen wollten. Bis 1948 entschied allein der Weltmeister, wessen Herausforderung er annahm und wem er einen Weltmeisterschaftskampf verweigerte. Der Titelhalter bestimmte die Bedingungen und das Preisgeld fast nach Belieben.

Insbesondere während der Zeit Emanuel Laskers auf dem Weltmeisterthron wurde dies oft kritisiert, da würdige Gegner nicht oder erst nach langjährigen Verhandlungen zum Zuge kamen.

José Raúl Capablanca versuchte 1922 klare Regeln einzuführen, die von seinen potentiellen Herausforderern (Alexander Aljechin, Efim Bogoljubow, Géza Maróczy, Richard Réti, Akiba Rubinstein, Savielly Tartakower und Milan Vidmar) akzeptiert wurden. Sie bestanden aus 21 Paragraphen, die im Dezember 1923 im American Chess Bulletin abgedruckt wurden. Die Hauptpunkte waren:

  1. Der Titelhalter muss seinen Titel innerhalb eines Jahres verteidigen, wenn er von einem anerkannten Meister herausgefordert wird, sofern dieser einen Preisfonds von mindestens 10.000 Dollar garantiert und 500 Dollar vorab als Sicherheit hinterlegt. Der Weltmeister hat aber das Recht, das genaue Datum für den Beginn des Wettkampfes festzulegen.
  2. Vom Preisgeld gehen 20 Prozent an den Titelhalter, der Rest wird im Verhältnis 60:40 zwischen Gewinner und Verlierer des Wettkampfes verteilt.
  3. Der Wettkampf geht auf sechs Gewinnpartien, Remis zählen nicht. Die Bedenkzeit ist 150 Minuten für 40 Züge. Nach fünf Stunden Spielzeit gibt es eine Hängepartie.

Der Nachfolger Capablancas als Weltmeister, Alexander Aljechin, hielt sich zwar formal an diese Regeln, einem Rückkampf mit Capablanca ging er aber dadurch aus dem Weg, dass er die Herausforderungen anderer Spieler stets bevorzugt berücksichtigte.

Von 1948 bis 1993 wurde die Weltmeisterschaft vom Weltschachbund FIDE ausgerichtet. Der jeweilige Herausforderer des Weltmeisters wurde durch ein mehrstufiges Qualifikationssystem (regionale Zonenturniere, Interzonenturnier und Kandidatenturnier) ermittelt.

Weil Kasparow 1993 nicht mehr bereit war, seinen Titel unter der Ägide der FIDE zu verteidigen, stellte sich der vor 1948 übliche Zustand wieder ein. Kasparow verteidigte seinen Titel nach seinen eigenen Bedingungen. 2000 verlor er ihn an Wladimir Kramnik. Parallel hierzu veranstaltete die FIDE ein „offizielle“ Weltmeisterschaften, deren Gewinner aber nicht allgemein als weltbeste Spieler anerkannt werden. 2006 kam es zu einem Vereinigungswettkampf, der die Spaltung des WM-Titels beendete.

Die Schachweltmeister[Bearbeiten]

Liste aller Schachweltmeister
Nr Name Land unumstritten
Weltmeister
umstritten
1. Wilhelm Steinitz Österreich-Ungarn/USA 1886–1894
2. Emanuel Lasker Deutschland 1894–1921
3. José Raúl Capablanca Kuba 1921–1927
4. Alexander Aljechin Russland/Frankreich 1927–1935
1937–1946
5. Max Euwe Niederlande 1935–1937
6. Michail Botwinnik UdSSR 1948–1957
1958–1960
1961–1963
7. Wassili Smyslow UdSSR 1957–1958
8. Michail Tal UdSSR 1960–1961
9. Tigran Petrosjan UdSSR 1963–1969
10. Boris Spasski UdSSR 1969–1972
11. Bobby Fischer USA 1972–1975
12. Anatoli Karpow UdSSR/Russland 1975–1985 FIDE: 1993–1999
13. Garri Kasparow UdSSR/Russland 1985–1993 PCA: 1993–2000
  Alexander Chalifman Russland FIDE: 1999–2000
  Ruslan Ponomarjow Ukraine FIDE: 2002–2004
  Rustam Kasimjanov Usbekistan FIDE: 2004–2005
  Wesselin Topalow Bulgarien FIDE: 2005–2006
14. Wladimir Kramnik Russland 2006–2007 Brain Games: 2000–2004
Dannemann: 2004–2006
15. Viswanathan Anand Indien 2007–2013 FIDE: 2000–2002
16. Magnus Carlsen Norwegen 2013–

Weltmeister Wilhelm Steinitz (1886–1894)[Bearbeiten]

Steinitz war eine Kämpfernatur und scheute keine Auseinandersetzung. Wie schon vor dem Wettkampf mit Zukertort wählte er sich erneut den erfolgreichsten und seine Stellung in der Schachwelt am ehesten bedrohenden Spieler zum Kampf um den Weltmeistertitel. So verteidigte er seinen Titel in Wettkämpfen 1889 (gegen Tschigorin), 1890 (gegen Gunsberg) und 1892 (wiederum gegen Tschigorin). 1894 musste sich Steinitz dem jungen deutschen Talent Emanuel Lasker geschlagen geben. Den Verlust seines Titels erkannte er aber erst an, nachdem er 1896 einen Revanchekampf gegen Lasker ebenfalls verloren hatte.

Weltmeister Emanuel Lasker (1894–1921)[Bearbeiten]

Lasker war insgesamt 27 Jahre von 1894 bis 1921 Weltmeister. Seine überragende Stellung in der Schachwelt jener Zeit ist unbestritten. Allerdings war seine Weltmeisterschaft auch dadurch geprägt, dass er Zweikämpfen ungewissen Ausganges durch das Aufstellen nur schwer zu erfüllender Bedingungen aus dem Weg zu gehen wusste. So kam es nicht zu einem von der Schachwelt gewünschten Wettkampf mit dem polnischen Meister Akiba Rubinstein. Das Kräftemessen mit José Raúl Capablanca fand erst 1921 statt.

Im Einzelnen spielte Lasker nach seinem Sieg über Steinitz 1894 noch folgende Weltmeisterschaftskämpfe: 1896 Revanchekampf gegen Steinitz, 1907 gegen den US-Amerikaner Frank Marshall, 1908 gegen seinen deutschen Rivalen Siegbert Tarrasch, 1910 gegen Carl Schlechter und ebenfalls 1910 gegen Dawid Janowski. 1921 unterlag Lasker dem kubanischen Meister José Raúl Capablanca in Havanna.

Weltmeister José Raúl Capablanca (1921–1927)[Bearbeiten]

Capablanca dominierte die Schachturniere in den 1920er Jahren und war vor allem für sein tiefes positionelles Verständnis berühmt. Auf Initiative Capablancas wurden 1922 am Rande des Londoner Turniers erstmals Regeln („The London Rules“) für künftige Weltmeisterschaftskämpfe aufgestellt, die von den anwesenden führenden Meistern akzeptiert wurden. Die Klauseln erlegten dem Herausforderer die Mühe auf, das Preisgeld einzuwerben. Ein WM-Match sollte ferner auf sechs Gewinnpartien angesetzt sein.[7] Den Herausforderer Capablancas ermittelte 1927 ein − gemäß den Londoner Regeln ursprünglich nicht vorgesehenes − Kandidatenturnier in New York, an dem Capablanca selbst teilnahm. Hinter dem Weltmeister belegte Alexander Aljechin den zweiten Platz. Nachdem Aljechin in Argentinien Sponsoren für den Wettkampf gefunden hatte, kam es vom 16. September bis zum 29. November 1927 in Buenos Aires schließlich zum langerwarteten Wettkampf um die Weltmeisterschaft. Capablanca verlor gegen Aljechin mit 3:6 bei 25 Remispartien. Er versuchte in der Folgezeit vergebens, seinen Nachfolger zu einem Revanchekampf zu bewegen. Die Londoner Regeln kamen später nicht wieder zur Anwendung.

Weltmeister Alexander Aljechin (1927–1935 und 1937–1946)[Bearbeiten]

Durch seinen spektakulären Sieg über Capablanca bestieg Aljechin 1927 den Schachthron. Obwohl er seinem Vorgänger einen Revanchewettkampf versprochen hatte, wich Aljechin in den nächsten Jahren Capablanca aus und ein Rückkampf kam nicht zustande. Stattdessen spielte er 1929 und 1934 gegen Efim Bogoljubow.

1935 verlor er seinen Titel im bis dahin längsten WM-Kampf an den Niederländer Max Euwe, holte ihn jedoch in einem Revanchekampf 1937 zurück. Zu weiteren Wettkämpfen kam es während des Zweiten Weltkrieges nicht. 1946 starb Aljechin, der Kollaboration mit den Deutschen und des Antisemitismus bezichtigt, in Portugal.

Weltmeister Max Euwe (1935–1937)[Bearbeiten]

Der Niederländer Machgielis (Max) Euwe konnte durch seinen Sieg über Aljechin zwei Jahre lang den Weltmeistertitel für sich beanspruchen. Er war der einzige Amateur, der den Titel Schachweltmeister innehatte.

Das Weltmeisterschaftsturnier von 1948[Bearbeiten]

Niederländische Kinonachrichten über die Weltmeisterschaft in Den Haag, 23. März 1948

Durch den Tod Alexander Aljechins wurde der Weg frei für die Ausrichtung der Weltmeisterschaftskämpfe durch den Weltschachverband (FIDE). Der von der FIDE gekürte und als solcher auch allgemein anerkannte Weltmeister (die FIDE ernannte bereits 1928 Efim Bogoljubow zum offiziellen Champion der FIDE) wurde im Weltmeisterschaftsturnier 1948 ermittelt, das Michail Botwinnik für sich entscheiden konnte.

An dem Turnier, veranstaltet vom 1. März bis zum 18. Mai 1948 in Den Haag und Moskau, nahmen neben Michail Botwinnik Paul Keres, Wassili Smyslow, Samuel Reshevsky und Ex-Weltmeister Max Euwe teil. Der ursprünglich gleichfalls als Teilnehmer vorgesehene US-amerikanische Großmeister Reuben Fine verzichtete. Die fünf Teilnehmer spielten jeder gegen jeden fünf Partien. Botwinnik siegte mit 14 Punkten aus 20 Partien deutlich vor Smyslow (11), Keres und Reshewsky (je 10½) und Euwe (4).

Weltmeister Michail Botwinnik (1948–1957, 1958–1960, 1961–1963)[Bearbeiten]

Von diesem Jahr an übernahm die FIDE die Organisation der Wettkämpfe. Das neue Weltmeisterschaftsregelment sah vor, dass der Weltmeister den Titel alle drei Jahre verteidigen musste. Der jeweilige Herausforderer wurde durch Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturniere ermittelt. Bis 1963 galt zudem die Regel, dass dem Weltmeister im Falle eines Titelverlustes ein Revancherecht ein Jahr später zustehen sollte.

Botwinnik verteidigte seinen Titel bei der WM 1951 gegen David Bronstein und der WM 1954 gegen Wassili Smyslow jeweils mit einem 12:12, was nach Reglement zur Titelverteidigung ausreichte. Bei der Schachweltmeisterschaft 1957 unterlag er Smyslow, konnte aber im Revanchekampf 1958 den Titel zurückholen. Bei der WM 1960 unterlag er gegen Michail Tal, konnte aber 1961 wiederum sein Revancherecht nutzen, um den Titel wiederzuerlangen. Bei der WM 1963 verlor er seinen Titel endgültig an dem armenischen Großmeister Tigran Petrosjan.

Weltmeister Wassili Smyslow (1957–1958)[Bearbeiten]

Der Zweitplatzierte des Weltmeisterschaftsturniers von 1948 konnte Botwinnik 1957 im Weltmeisterschaftskampf bezwingen, unterlag dem alten Weltmeister jedoch ein Jahr später bei dem von den Statuten vorgesehenen Revanchekampf.

Weltmeister Michail Tal (1960–1961)[Bearbeiten]

Der junge Michail Tal galt als „Feuerkopf“ unter den Schachmeistern seiner Zeit. 1960 setzte er sich gegen Weltmeister Botwinnik durch. Zur allgemeinen Überraschung gelang dem weitaus älteren Botwinnik aber dank seiner präzisen Wettkampfvorbereitung erneut die Revanche.

Weltmeister Tigran Petrosjan (1963–1969)[Bearbeiten]

1963 gelang es Tigran Petrosjan, einem der besten Defensivspieler der Schachgeschichte, Botwinnik zu schlagen. Bei der WM 1966 verteidigte er seinen Titel erfolgreich gegen Boris Spasski. Es war das erste Mal seit 1934, dass ein amtierender Schachweltmeister seinen Herausforderer besiegte. Bei der WM 1969 verlor er den Titel an einen diesmal weit besser vorbereiteten Spasski.

Weltmeister Boris Spasski (1969–1972)[Bearbeiten]

Spasskis Weltmeisterschaft dauerte drei Jahre bis zu dem vielbeachteten Wettkampf mit dem US-amerikanischen Schachgenie Robert James „Bobby“ Fischer. Vom 11. Juli bis zum 31. August 1972 fand in Reykjavík der durch die Massenmedien zum Kampf der Systeme und Match des Jahrhunderts hochstilisierte Weltmeisterschaftskampf zwischen dem Sowjetbürger Spasski und dem US-Amerikaner Fischer statt: Fischer gewann den Wettkampf mit dem Endergebnis 12,5:8,5 (+7, -3, =11), wobei Fischer die 2. Partie wegen Nichterscheinens kampflos verlor.

Weltmeister Robert James (Bobby) Fischer (1972–1975)[Bearbeiten]

Die Weltmeisterschaft Fischers wurde im Westen stark bejubelt. Zu der Faszination, die das Schachgenie Fischer ausstrahlte, gesellte sich die Genugtuung darüber, dass es einem US-Amerikaner gelungen war, in die Domäne der Sowjetischen Schachschule einzudringen.

Fischers Eroberung des Schachthrons erwies sich sehr überraschend zugleich als das Ende seiner Karriere: Der US-Amerikaner zog sich vom Schach zurück und verteidigte den Titel im Jahr 1975 nicht gegen den von der FIDE ermittelten Herausforderer Anatoli Karpow. Dem Verzicht Fischers gingen lange Verhandlungen über die Modalitäten im Wettkampfreglement voraus. Die FIDE war nicht bereit, zu Fischers Bedingungen (Spiel auf 10 Gewinne, Remis zählen nicht, beim Stand von 9:9 wird das Match als Unentschieden abgebrochen) den Wettkampf auszurichten.

Weltmeister Anatoli Karpow (1975–1985)[Bearbeiten]

Nachdem Fischer zum Weltmeisterschaftskampf 1975 nicht angetreten war, wurde der Herausforderer Karpow von FIDE-Präsident Euwe zum Weltmeister proklamiert. Bei der WM 1978 und der WM 1981 verteidigte Karpow seinen Titel jeweils gegen den 20 Jahre älteren Viktor Kortschnoi. Kortschnoi war schon 1975 sein Finalgegner um die Herausforderung Fischers gewesen.

Die FIDE hatte mittlerweile das Reglement geändert – nicht mehr 24 Partien wurden gespielt, sondern ein Match auf sechs Siege, Remis zählten nicht.

Ein 1984 begonnener Weltmeisterschaftskampf Karpows gegen Herausforderer Garri Kasparow wurde nach 48 Partien abgebrochen. Man spielte, wie 1978 und 1981, auf sechs Siege. Der Zwischenstand zum Zeitpunkt des Abbruchs lautete 5:3 (+5, −3, =40) für Karpow. Der Wettkampf hatte am 10. September 1984 begonnen und wurde am 15. Februar 1985 vom FIDE-Präsidenten Florencio Campomanes abgebrochen, obwohl das FIDE-Reglement dies nicht vorsah. Zum Zeitpunkt des Abbruchs lag Karpow zwar in Führung, war aber sichtlich angeschlagen, sodass der Abbruch allgemein als eine Begünstigung des Weltmeisters gegenüber seinem jüngeren Herausforderer angesehen wurde. Campomanes argumentierte, dass eine solche Situation mit Dutzenden Remispartien in der Satzung einfach nicht behandelt würde und dass mit mittlerweile 48 Partien die doppelte Anzahl der nach altem Reglement vorgesehenen Partien gespielt worden sei. Auch könne nicht einfach weitergespielt werden, bis ein Spieler körperlich Schaden nehme. Dies sei nicht das Wesen des Schachs.

Im Herbst 1985 wurde der Wettkampf mit geänderten Regeln (Begrenzung auf 24 Partien) wiederholt. Karpow musste sich Kasparow geschlagen geben.

Weltmeister Garri Kasparow (1985–1993/2000)[Bearbeiten]

Da die FIDE mit der Regeländerung auch das Revancherecht wieder eingeführt hatte, musste Kasparow seinen Titel 1986 gegen Karpow verteidigen, was ihm auch gelang. Auch in den folgenden WM 1987 und WM 1990 war Karpow sein Gegner, aber Kasparow konnte seinen Titel verteidigen.

1993 kam es zum Bruch zwischen Kasparow und der Weltschachorganisation FIDE. Kasparow weigerte sich, unter den finanziellen Bedingungen der FIDE erneut um die Weltmeisterschaft zu spielen, und wurde daraufhin gemeinsam mit Nigel Short, seinem Herausforderer für 1993, von der FIDE disqualifiziert. Die beiden Spieler waren in der Folge maßgeblich an der Gründung eines eigenen Schachverbandes, der Professional Chess Association (PCA), beteiligt. Hiernach wurden in beiden Verbänden rivalisierende Weltmeister ermittelt.

Kasparow verteidigte 1993 seinen Titel in einem von der PCA veranstalteten Wettkampf gegen Nigel Short. 1995 fand der nächste PCA-unterstützte Wettkampf statt: Kasparow bezwang den Inder Viswanathan Anand. Erst im Jahre 2000 verteidigte Kasparow seinen Titel erneut. Der Niedergang der PCA führte mit sich, dass kein Herausforderer für den Weltmeister ermittelt wurde. Kasparows Gegner Wladimir Kramnik war seit Aljechins Tagen der erste Herausforderer, den der Weltmeister sich aussuchte. Dass und wie – nämlich ohne einen einzigen Sieg zu erreichen – Kasparow seinen Titel an Kramnik verlor, wurde allgemein als sensationell angesehen. Man spielte vom 8. Oktober bis zum 2. November in London. Endergebnis: 6,5:8,5 (+0, -2, =13).

Die Weltmeisterschaften der FIDE[Bearbeiten]

Hauptartikel: FIDE-Schachweltmeisterschaften 1993–2005

Nachdem die FIDE den amtierenden Weltmeister Kasparow und seinen ermittelten Herausforderer Short disqualifiziert hatte, wurde zeitgleich mit dem PCA-Weltmeisterschaftskampf eine FIDE-Weltmeisterschaft durchgeführt. Dies war der Beginn einer bis 2006 dauernden Spaltung des Weltmeistertitels. Die FIDE veranstaltete in den Jahren 1996, 1997-1998, 1999, 2000, 2001-2002, 2004 und 2005 weitere Turniere mit dem Titel Weltmeisterschaft. Der 1998 eingeführte Knockout-Modus stieß bei vielen Spielern und in der Schachwelt nicht auf ungeteilte Zustimmung und kam 2004 das letzte Mal zur Anwendung.

Ein Versuch, die beiden Weltmeistertitel wieder zu vereinigen, war die von dem US-amerikanischen Großmeister Yasser Seirawan initiierte und mit dem Titel „A fresh start“[8] angestoßene Prager Abmachung[9], welche am 6. Mai 2002 von Garri Kasparow, Wladimir Kramnik und Kirsan Iljumschinow, dem Präsidenten der FIDE, unterzeichnet wurde. Diese scheiterte jedoch, da geplante Qualifikationswettkämpfe nicht zustande kamen. Erst 2006 wurden die Bestrebungen, die konkurrierenden Titel zu vereinigen, zum Erfolg geführt.

Weltmeister Wladimir Kramnik (2000/2006–2007)[Bearbeiten]

2004 verteidigte Kramnik seinen Titel gegen den im Kandidatenturnier von Braingames ermittelten Ungarn Péter Lékó durch ein 7:7-Unentschieden (+2, -2, =10).

Die Spaltung der Schachweltmeisterschaft wurde 2006 mit dem Wettkampf zwischen dem „klassischen“ Weltmeister Kramnik und dem FIDE-Weltmeister Wesselin Topalow beendet. Zum ersten Mal entschied bei einer klassischen Schachweltmeisterschaft der Tiebreak über den Sieger. Kramnik gewann und war nun alleiniger Weltmeister.

Kramnik musste – so schrieben es die FIDE-Regularien vor – in einem Rundenturnier mit acht Teilnehmern den nun alleinigen WM-Titel verteidigen. Sieger in diesem Turnier wurde Viswanathan Anand, der ungeschlagen und mit einem Punkt Vorsprung auf Kramnik neuer Weltmeister wurde.

Weltmeister Viswanathan Anand (2007–2013)[Bearbeiten]

Anand verteidigte seinen WM-Titel 2008 in einem Wettkampf gegen Kramnik. Kramnik war vor der WM 2007 zugesichert worden, im Falle des Verlusts seines WM-Titels im Jahr darauf die Chance auf ein Revanchematch zu erhalten. 2010 verteidigte Anand seinen Weltmeistertitel gegen Wesselin Topalow, 2012 gewann er gegen Boris Gelfand im Tie-Break.

Weltmeister Magnus Carlsen (seit 2013)[Bearbeiten]

Die Schachweltmeisterschaft 2013 fand vom 7. November bis 22. November 2013 als Zweikampf zwischen Titelverteidiger Viswanathan Anand und Magnus Carlsen, dem Sieger des Kandidatenturniers von London, im indischen Chennai statt. Nach zehn von zwölf angesetzten Partien gewann Carlsen mit 6,5:3,5 und wurde neuer Weltmeister. Bei der Schachweltmeisterschaft 2014 verteidigte Carlsen seinen Titel in Sotschi gegen den nunmehrigen Herausforderer Viswanathan Anand.

Der nächste WM-Kampf ist für 2016 in den Vereinigten Staaten geplant.

Abweichender Anspruch auf den WM-Titel[Bearbeiten]

Über die Spaltung des Titels von 1993 bis 2006 hinaus gab es in der Vergangenheit weitere abweichende Meinungen, wer als Weltmeister zu gelten habe. Diese sind aber heute nicht mehr relevant:

  • 1928 richtete die FIDE ihr erstes „offizielles“ Championat aus: einen Wettkampf zwischen Efim Bogoljubow und Max Euwe, 1929 nochmals zwischen den beiden selben Gegnern. Beide Male gewann Bogoljubow mit einem Ergebnis von 5,5:4,5. Auf dem 5. Kongress der FIDE, 1928 in Amsterdam, an dem der Weltmeister Alexander Aljechin gleichfalls teilnahm, wurde Bogoljubow der Titel Champion der FIDE verliehen.[10] Im Gegensatz zu den FIDE-Weltmeisterschaften 1993-2006 diente das Turnier tatsächlich nur der Ermittlung des Herausforderers von Weltmeister Aljechin.
  • Es wird argumentiert, dass Capablanca schon ab 1920 Weltmeister gewesen sei. Demnach hatte Lasker den Titel zu Gunsten des Kubaners niedergelegt. Beim WM-Kampf beider Spieler 1921 hätte daher Capablanca bereits ein Unentschieden zur "Titelverteidigung" genügt.[11]
  • Ebenso sind einige der Auffassung, dass mit Fischers Weigerung, seinen Titel zu verteidigen, Karpow bereits 1974 Weltmeister geworden sei.[12] Als 1975 Karpow formell zum Weltmeister erklärt wurde, wurde Fischer von einigen nach wie vor als der „wahre“ Weltmeister angesehen. Da dieser sich jedoch völlig zurückzog und Karpow durch zahlreiche Turniersiege seinen Status als klar stärkster Spieler der Welt untermauerte, verstummte die Debatte bald.
  • Die Ansicht, Max Euwe sei ab dem 1. August 1947 durch einen FIDE-Beschluss auf dem Kongress in Den Haag für entweder zwei Stunden oder einen Tag erneut Weltmeister gewesen, wurde durch FIDE-Aufzeichnungen widerlegt. Zwar war ein Antrag auf einen Weltmeistertitel für Euwe zur Diskussion gestellt worden, aber er wurde nicht, wie teilweise angenommen, zunächst beschlossen und bei der verspäteten Ankunft der sowjetischen Delegation wieder aufgehoben, sondern einfach bis zur sowjetischen Ankunft verschoben.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gedeon Barcza, László Alföldy, Jenő Kapu: Die Weltmeister des Schachspiels. Rattmann, Hamburg 1975.
  • Raymund Stolze: Umkämpfte Krone. Die Duelle der Schachweltmeister von Steinitz bis Kasparow. 3. Auflage. Sportverlag, Berlin 1992, ISBN 3-328-00526-9.
  • Edward G. Winter: World chess champions. Pergamon Press, Oxford 1981, ISBN 0-08-024094-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schachweltmeister – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Schachweltmeister – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ricardo Calvo: Valencia Spain. The Cradle of European Chess (Version vom 20. Oktober 2011 im Internet Archive), 1998 (englisch)
  2. Romeo, M.C.: Lucena – A mystery after 500 years (Version vom 12. Oktober 2011 im Internet Archive) (englisch)
  3. Alessandro Salvio: Trattato dell’Inventione et Arte Liberale del Gioco Degli Scacci (1604), in: George Walker: The Light and Lustre of Chess, S. 351.
  4. George Walker: The Light and Lustre of Chess, in: Chess & Chess-Players: Consisting of Original Stories and Sketches, London 1850, (englisch).
  5. Robert Wodrow: Life of James Wodrow, Edinburgh/London 1828, S. 174
  6. 1851 London Tournament, aufgerufen am 12. Oktober 2010
  7. Edward Winter: The London Rules, 2008 (englisch)
  8. A FRESH START (englisch)
  9. Vereinbarung von Prag
  10. Isaak und Wladimir Linder: Das Schachgenie Aljechin, Berlin 1992, S. 197
  11. Edward Winter: How Capablanca Became World Champion
  12. Sports Illustrated: A King Takes Himself Off The Board – maybe (Version vom 9. März 2013 im Internet Archive). 15. Juli 1974. Onlineversion abgerufen am 4. September 2012
  13. Chess: The History of FIDE, Section 5. Abgerufen am 4. September 2012