Schachweltmeisterschaft 1927

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Kontrahenten der Schachweltmeisterschaft 1927
Foto
Alekhine Capablanca WCC 1927.jpg
Alexander Aljechin José Raúl Capablanca
Nation FrankreichFrankreich KubaKuba
Status Herausforderer Titelverteidiger
Alter 34 Jahre 38 Jahre

Die Schachweltmeisterschaft 1927 war ein Zweikampf zwischen dem amtierenden Schachweltmeister José Raúl Capablanca und seinem Herausforderer Alexander Aljechin. Aljechin siegte und wurde der vierte Weltmeister der Schachgeschichte.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nachdem Capablanca beim Wettkampf 1921 Weltmeister geworden war, wollten ihn verschiedene Meister wie Rubinstein, Nimzowitsch und Aljechin fordern. Dies scheiterte jedoch stets an den finanziellen Forderungen Capablancas. Schließlich gelang es Aljechin, mit Hilfe der argentinischen Regierung das geforderte Preisgeld zu garantieren.[1]

Das New Yorker Turnier im Frühling 1927 wurde zur Generalprobe. Capablanca siegte dort mit 3½ Punkten Vorsprung vor Aljechin, den er in einer Partie vernichtend schlug (drei andere Partien endeten remis). Angesichts dieses Erfolges und seiner bisherigen Gesamtbilanz gegen Aljechin (3:0 nach Siegen bei 7 Remisen[1][2]) galt Capablanca als Favorit für den bevorstehenden WM-Kampf.

Organisation und Regeln[Bearbeiten]

Gespielt wurde in Buenos Aires.

Die Zahl der Partien war nicht limitiert. Sieger sollte derjenige sein, der als Erster 6 Siege erzielt hätte. Nicht zweifelsfrei belegt ist, ob es eine Zusatzregel gab, nach der bei einem 5:5 Capablanca seinen Titel behalten sollte, ihm also ein Unentschieden genügte, während Aljechin mindestens mit 6:4 gewinnen musste.

Schiedsrichter des Wettkampfs war Dr. Querencio; Aljechin bedankte sich in seinem Buch jedoch auch bei dem damaligen und späteren Vorsitzenden des Argentinischen Schachklubs, Dr. Molina-Carranza und Dr. Gabaret. Die Berichterstattung in der lokalen Presse erfolgte durch C. Grau für La Nación, A. Ellermann für La Prensa, C. Portelain in La Razon und C. Celaja in La Critica.[3] Aljechins Sekundant war Daniel Deletang.

Der Preisfonds belief sich auf 10.000 US-Dollar. Davon erhielt der Titelverteidiger vorab 20 Prozent. Von der restlichen Summe bekam der Gewinner 60 Prozent, der Verlierer 40 Prozent. Die Gesamtkosten des Wettkampfs für den ausrichtenden Club Argentino de Ajedrez beliefen sich auf fast 40.000 Pesos.[4]

Verlauf[Bearbeiten]

Das Match begann am 16. September 1927. Über zwei Monate später, am 29. November war der Kampf zugunsten von Aljechin entschieden. Mit 34 Partien war es der zweitlängste WM-Kampf aller Zeiten, übertroffen nur von der abgebrochenen WM 1984. Eine weitere Besonderheit war die Wahl der Eröffnung: Alle Partien außer der ersten und dritten wurden mit dem Abgelehnten Damengambit gespielt.

Schachweltmeisterschaft 1927
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Capablanca 0 ½ 1 ½ ½ ½ 1 ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ ½ ½ ½
Aljechin 1 ½ 0 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ ½ ½ ½
18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 Siege Punkte
Capablanca ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ ½ 0 ½ 0 3 15½
Aljechin ½ ½ ½ 1 ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 ½ ½ 1 ½ 1 6 18½

Folgen[Bearbeiten]

Nach seiner unerwarteten Niederlage suchte Capablanca die Revanche − allerdings zu geänderten Bedingungen: Die Zahl der Partien sollte limitiert werden, und das Preisgeld sollte deutlich niedriger sein. Aljechin beharrte jedoch strikt auf den Bedingungen, die Capablanca zuvor selbst festgelegt hatte. Dass sich Capablanca direkt nach dem Kampf in der Presse unsachlich negativ über Aljechins schachliche Fähigkeiten geäußert hatte, trug auch nicht gerade dazu bei, ihn umzustimmen.[1] Die beiden wurden erbitterte Feinde, die bei Begegnungen im Turniersaal weder Gruß noch Wort wechselten. Capablanca starb 1942, ohne dass ein Revanchekampf zustande gekommen war.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Raymund Stolze: Umkämpfte Krone. Sportverlag, Berlin 1992, ISBN 3-328-00526-9
  2. nach anderen Quellen 5:0 bei 7 Remisen
  3. Alexander Aljechin: Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft (1923-1927). Walter de Gruyter & Co. Berlin und Leipzig 1932. S. 153
  4. Edward Winter: Capablanca v Alekhine, 1927, Chesshistory.com 2003