Schachweltmeisterschaft 1995

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Kontrahenten der Schachweltmeisterschaft 1995
Foto
Kasparov-10.jpg
Garri Kasparow Viswanathan Anand
Nation RusslandRussland IndienIndien
Status Titelverteidiger
Weltmeister seit 1985
Herausforderer
Alter 32 Jahre 25 Jahre
Elo-Zahl
(Juli 1995)
2795 2725

Die Schachweltmeisterschaft 1995 war ein Zweikampf zwischen Garri Kasparow und Viswanathan Anand um den Weltmeistertitel im Schach. Die von der Professional Chess Association (PCA) ausgerichtete Weltmeisterschaft wurde vom 11. September bis 10. Oktober 1995 auf der 107. Etage des Südturms des World Trade Centers[1] in New York City ausgetragen.

Garri Kasparow verteidigte nach 18 der 20 angesetzten Partien erfolgreich seinen Weltmeistertitel.

Qualifikation[Bearbeiten]

In der Tradition der vergangenen Weltmeisterschaften veranstaltete die PCA 1994 eine Serie von Kandidatenwettkämpfen zur Ermittlung des Herausforderers. Von den acht Teilnehmern wurden 1993 sieben in einem Qualifikationsturnier nach Schweizer System in Groningen ermittelt. Der achte Platz ging an Nigel Short, den Unterlegenen der Schachweltmeisterschaft 1993. Das Viertelfinale ging über maximal 8 Partien, das Halbfinale über 10 und das Finale über 12 Partien. Im Falle von Gleichstand entschieden weitere Schnellpartien.

  Viertelfinale Halbfinale Finale
                           
   IndienIndien Viswanathan Anand 5  
 UkraineUkraine Oleh Romanyschyn 2  
   IndienIndien Viswanathan Anand  
   Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Michael Adams  
 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Michael Adams
   RusslandRussland Sergey Tiviakov  
     IndienIndien Viswanathan Anand
   Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Gata Kamsky
   Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Gata Kamsky  
 RusslandRussland Wladimir Kramnik  
   Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Gata Kamsky
   Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Nigel Short  
 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Nigel Short
   Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Boris Gulko  

Organisation[Bearbeiten]

Der Wettkampf war auf maximal 20 Partien angesetzt. Den Spielern standen zwei Stunden für 40 Züge, eine weitere Stunde für 20 Züge und eine halbe weitere Stunde für den Rest der Partie an Bedenkzeit zur Verfügung, wobei die nicht aufgebrauchte Bedenkzeit nicht während der Partie verfiel. Es gab keine Hängepartien oder Vertagungen.

Hauptschiedsrichter war Carol Jarecki.

Als Preisfonds wurden 1,5 Millionen US-Dollar vereinbart, wovon eine Million an den Sieger und eine halbe Million an den Verlierer gingen. Zehn Prozent davon kamen der PCA zugute. Bei einem Unentschieden sollte der Fonds geteilt werden, jedoch Kasparow den Titel behalten.

Interessierte konnten für 15 US-Dollar live zusehen. Die Abtrennung der Spieler stellte sich entgegen der Planung als nicht völlig schallundurchlässig heraus, wodurch die Kontrahenten Zuschauergeräuschen ausgesetzt waren.

Ablauf[Bearbeiten]

Anand hatte sich mit Artur Jussupow, Elizbar Ubilava, Jonathan Speelman und Patrick Wolff vorbereitet. Kasparow setzte auf Juri Dochojan, Jewgeni Pigussow und Wladimir Kramnik als Helfer.

Zum Beginn der Schachweltmeisterschaft eröffnete Bürgermeister Rudolph Giuliani für Anand mit 1.c4, der Zug wurde jedoch von Anand auf 1.e4 korrigiert.

Nach acht Remispartien gewann Anand die neunte Partie. In der zehnten Partie lief Anand in eine vorbereitete Eröffnungsvariante und verlor. Die elfte Partie gewann Kasparow durch eine Kombination mit Abzugsschach ebenfalls. In der zwölften Partie geriet Kasparow ebenfalls in Vorteil, doch Anand glich mit einem Zwischenzug aus. Die dreizehnte Partie ging erneut an Kasparow. In der vierzehnten Partie wurde erstmals in einer Weltmeisterschaft die Skandinavische Verteidigung eingesetzt. Nach einem abgelehnten Springeropfer Kasparows und gegenseitiger Zeitnot gewann Kasparow auch diese Partie, die später von Anand als kritischer Moment angesehen wurde. Es folgten noch vier meist kurze Remispartien, bis Kasparow uneinholbar in Führung lag.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Siege Punkte
Garri Kasparow ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 1 1 ½ 1 1 ½ ½ ½ ½ 4 10,5
Viswanathan Anand ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 0 0 ½ 0 0 ½ ½ ½ ½ 1 7,5

Folgen[Bearbeiten]

Garri Kasparow verlor seinen Weltmeistertitel 2000 an Wladimir Kramnik. Er zog sich am 10. März 2005, immer noch als einer der weltbesten Spieler geltend, vom professionellen Schach zurück und wurde russischer Politiker. Ein Jahr nach der Wiedervereinigung des Schachweltmeistertitels wurde Anand 2007 Weltmeister und verteidigte den Titel 2008 gegen Wladimir Kramnik, 2010 gegen Wesselin Topalow und 2012 gegen Boris Gelfand.

Am sechsten Jahrestag des Beginns der Schachweltmeisterschaft 1995, jedoch ohne Bezug zu ihr, wurde der Spielort bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 zerstört.

Quellen[Bearbeiten]

  1. The Week In Chess 358, 17. September 2001

Weblinks[Bearbeiten]