Schafporlinge

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Schafporlinge
Albatrellus-ovinus ist die Typart der Gattung

Albatrellus-ovinus ist die Typart der Gattung

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Schafporlingsverwandte (Albatrellaceae)
Gattung: Schafporlinge
Wissenschaftlicher Name
Albatrellus
Gray

Die Schafporlinge (Albatrellus) sind die Typgattung der Familie der Schafporlingsverwandten (Albatrellaceae). Die Gattung enthält bodenbewohnende Ectomykorrhizapilze, die mit Laub- und Nadelbäumen vergesellschaftet sind. Die fleischigen, meist nur kurzlebigen Fruchtkörper sind in einen Hut und einen zentralen oder exzentrischen Stiel gegliedert. Das Hymenophor ist röhrig. Die für die Ordnung typischen gloeoplere Hyphen kommen häufig vor, Zystiden hingegen fehlen. Die Sporen sind glatt, mehr oder weniger elliptisch und hyalin. Sie können amyloid oder inamyloid sein. Nachdem molekularbiologische Untersuchungen gezeigt hatten, dass die Gattung polyphyletisch ist, wurden zahlreiche Arten in neue Gattungen gestellt. Die Typusart der Gattung ist Albatrellus ovinus (Fr.) Kotl. & Pouz.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die einjährigen und meist nur kurzlebigen Fruchtkörper sind in Hut und Stiel gegliedert. Der Stiel kann zentral oder exzentrisch stehen, ein Velum universale (eine Membran, die den Stiel und den Hut vollständig umschließt) fehlt. Der Hut ist 3–18 cm breit, gewölbt, flach ausgebreitet oder trichterförmig vertieft. Er ist glatt bis filzig, trocken und weißlich, gelblich, ockergelb bis braun gefärbt. Das Hymenophor ist röhrig. Die Poren sind klein, und weiß, gelb oder ockergelb gefärbt. Der Stiel ist 1–8 cm lang und 1–4 cm breit. Ein Velum partiale (eine Membran die die sporentragenden Lamellen oder Röhren vom Hutrand bis zum Stiel umschließt) oder ein Ring (ein Rest des Velum partiale das am Stiel erhalten bleibt) fehlt. Das Fleisch ist weich und brüchig bis ziemlich zäh. Das Sporenpulver ist weiß bis cremefarben.

Die 3,5–11 µm langen und 2,5–6,5 µm breiten Sporen sind mehr oder weniger rundlich bis elliptisch, glatt, dickwandig und ohne Keimpore. Sie sind meist inamyloid, reagieren also nicht mit Jodreagenzien. Die Basidien haben an ihrer Basis teilweise Schnallen, Zystiden fehlen. Das Hyphensystem ist monomitisch, es gibt also nur einen Hyphentyp. An Septen können Schnallen ausgebildet sein oder fehlen, die Hyphen sind oft aufgeblasen. Die Huthaut (Pileipellis) ist ein Trichoderm, ein Tomentum oder ein Palisadoderm.[1][2][3]

Ökologie[Bearbeiten]

Die Scharfporlinge sind Ectomycorrhizpilze von Laub- und Nadelbäumen. Möglicherweise können sie sich aber auch ebenso saprophytisch ernähren.[1][3]

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung wurde 1821 von Samuel Frederick Gray erstmals wissenschaftlich beschrieben.[4]. Es gibt zahlreiche heteronyme Synonyme: Caloporus Quél. non P.Karsten (1886), Polyporus sect. Ovinus Lloyd (1911) und Ovinus (Lloyd) Torrend (1920), Scutiger (sensu Murrill) Paulet (1903) und Albatrellopsis Teixeira (1993).[2][5]

Nachdem molekularbiologische Untersuchungen gezeigt haben, dass die Gattung Albatrellus polyphyletisch ist, wurden zahlreiche Arten abgetrennt und in neu definierte Gattungen gestellt. Zu diesen Arten gehört der Braune Haarstielporling (Jahnoporus hirtus), Ziegenfuß-Porling (Scutiger pes-caprae), der Wiesen-Porling (Xanthoporus syringae), sowie Polyporoletus sublividus eine nordamerikanische Art in eigenen Gattungen. Außerdem konnten Steven L. Miller und seine Coautoren zeigen, dass Albatrellus zum Russula-Clade gehört und daher in der Ordnung Russulales einzuordnen ist.[6][7]

Arten[Bearbeiten]

Es gibt weltweit mindestens 14 bekannte Arten, davon kommen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vier Arten vor. Die Haarstielporlinge (Jahnoporus) und die Ziegenfuß-Porlinge (Scutiger) gehören heute nicht mehr zu dieser Gattung. Die Ziegenfuß-Porlinge unterscheiden sich durch ihre deutlich größeren Sporen und die Haarstielporlinge haben große, spindelförmige Sporen. Auch die saprophytischen und potentiell parasitischen Arten wie der Wiesen-Porling ( Xanthoporus syringae) wurden abgetrennt.

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Beschreibung Bild
Semmel-Porling Albatrellus confluens
(Alb. & Schwein.) Kotl. & Pouzar 1957
Hut semmelfarben, glatt, Poren rund und klein (3-5 pro mm). Der Stiel verfärbt sich nicht bräunlich. Hyphen mit zahlreichen Schnallen.
Albatrellus-confluens.jpg
Gelbgrüner Kamm-Porling Albatrellus cristatus
(Schaeff.) Kotl. & Pouzar 1957
Hut bräunlich bis gelblich mit olivfarbenen oder grünlichen Tönen, auch die Porenoberfläche hat eine grünlichen oder olivfarbenen Schimmer. Hyphen (fast) ohne Schnallen.
2011-07-07 Albatrellus cristatus (Schaeff) Kotl.Pouzar 156816.jpg
Schaf-Porling Albatrellus ovinus
(Schaeff.) Kotl. & Pouzar 1957
Der mehr oder weniger weißliche Hut reißt im Alter auf, sodass in den Rissen das gelbliche Fleisch sichtbar wird. Der frische Stiel und die Sporen sind ohne rötliche oder orangefarbene Töne. Hyphen (fast) ohne Schnallen, Sporen inamyloid.
Albatrellus cristatus BS11.jpg
Rötende Schaf-Porling Albatrellus subrubescens
(Murrill) Pouzar 1972
Die Huthaut wird selten rissig. Der frische Stiel und die Porenoberfläche zeigen manchmal einen rötlichen oder orangefarbenen Schimmer. Hyphen (fast) ohne Schnallen, Sporen amyloid.
Albatrellus subrubescens.jpg

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  German Josef Krieglsteiner, Armin Kaiser: Allgemeiner Teil. Ständerpilze: Gallert-, Rinden-, Stachel und Porenpilze. In: G. J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 1, Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-8001-3528-8, S. 471.
  2. a b Albatrellus. Gray, 1:645, 1821. In: MycoBank.org. International Mycological Association, abgerufen am 19. Februar 2013 (englisch).
  3. a b Jens H. Petersen & Thomas Læssøe: about the genus Albatrellus. In: MycoKey. Abgerufen am 22. Februar 2013 (englisch).
  4.  Samuel Frederick Gray, F. Bataille, Besançon (Hrsg.): A natural arrangement of British plants. according to their relations to each other as pointed out by Jussieu, De Candolle, Brown. Vol 1, London 1821, S. 645 (online).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAlbatrellus. Gray, Nat. Arr. Brit. Pl. (London) 1: 645 (1821). In: CABI databases: speciesfungorum.org. Abgerufen am 20. Februar 2013.
  6.  BK. Cui, Z. Wang, & YC. Dai: Albatrellus piceiphilus sp nov on the basis of morphological and molecular characters. In: Fungal Diversity. Vol.:28, 2008, S. 41–48 (online (PDF; 367 kB)).
  7.  Steven L. Miller et al.: Perspectives in the new Russulales. In: Mycological Society of America (Hrsg.): Mycologia. Vol.: 98(6), 2006, S. 960–970 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schafporlinge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien