Schahr-e Suchte

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Schahr-e Suchte
Blick auf Rostams Stadt
Blick auf Rostams Stadt
Schahr-e Suchte (Iran)
Schahr-e Suchte
Schahr-e Suchte
Basisdaten
Staat: IranIran Iran
Provinz: Sistan und Belutschistan
Koordinaten: 30° 39′ N, 61° 24′ O30.6561.4Koordinaten: 30° 39′ N, 61° 24′ O
Zeitzone: UTC+3:30

Schahr-e Suchte (persisch ‏شهر سوخته‎, weitere Schreibweisen Shahr-e Sokhta, Shah-re Sokhteh, Shahr-e Sukhteh, Shahr-e Sookhte; wörtlich „Verbrannte Stadt“) ist ein archäologischer Fundort am Ufer des Helmandflusses in der Provinz Sistan und Belutschistan im Iran. Er befindet sich auf halber Strecke zwischen den Städten Zabol und Zahedan im antiken Turan. Der Ort liegt in einer Salzsteppe - nur an den Ufern des perennierenden Flusses befindet sich Galeriewald.

Grabungsgeschichte[Bearbeiten]

Erste Ausgrabungen erfolgten 1967-78 durch das Iranische Zentrum für Archäologische Studien und das Italienische Institut des Mittleren und Fernen Ostens[1]. Weitere Untersuchungen erfolgten 1979-1997 und später. Eine Veröffentlichung der Forschungsergebnisse ist in Planung.

Der Fundort[Bearbeiten]

Mit einer Größe von mehr als 300 Hektar gilt der Fundort als größte prähistorische Fundstätte im Iran. Weitere 40 Satellitenstädte wurden in ihrem Umfeld ausgemacht [2]. Die Fundstätte lieferte wichtige Informtationen über bronzezeitliche Besiedlungen der Region (3. Jtd. v. Chr.).

Die Stadt wird in vier Bauperioden unterteilt und wurde insgesamt drei mal abgebrannt.[3]

Periode Datierung Siedlungsfläche
I 3200-2800 10-20 ha
II 2800-2500 45 ha
III 2500-2300 100 ha
IV 2300-2100

Periode I ist nur aus Tiefschnitten bekannt. Schahr-e Suchte hatte zu dieser Zeit sowohl Kontakte mit Elam (eine proto-Elamitische Keilschrifttafel und Siegel wurde in Tiefschnitt XDV gefunden) als auch mit dem südlichen Turkmenistan. In Periode II dehnte sich die Siedlung stark aus, verschiedene Handwerke, wie die Herstellung von Perlen aus Halbedelstein, Korbflechterei und die Wollverarbeitung lassen sich nachweisen. Periode III zeigt eine starke Erweiterung der Siedlung und Belege für soziale Differenzierung. Keramik wird unter anderem aus Mundigak (Afghanistan) und dem Quetta-Tal in Pakistan importiert. Nach der Zerstörung um 2100 wurde die Siedlung weitgehend verlassen, wie auch andere Fundstellen in Sistan und in Turkmenistan.

Schahr-e Suchte lag an der sogenannten Amu-Straße, die aus Zentralasien über Samarkand, Buchara, Merw, Sarachs, Maschhad, Gonabad und Schahr-e Suchte weiter nach Kerman, Tepe Yahya nach Hormuz führte, von wo die Waren mit Schiffen nach Mesopotamien transportiert wurden[4]

Funde[Bearbeiten]

Der größte Teil der Funde wurde auf die Zeit zwischen 2700 und 2300 v. Chr. datiert. Sie lassen darauf schließen, dass die Stadt ein Knotenpunkt der persischen mit der mesopotamischen, indischen und chinesischen Zivilisation gewesen ist.

Zu den Funden zählen Siegel, ein komplexes Handelsnetzwerk [1], das älteste bisher gefundene Backgammon-Spiel [5] und bearbeitete Kunststeine aus Alabaster und Sandstein.[1]

Die älteste bekannte Augenprothese, ein künstlicher Augapfel, wurde hier gefunden. Die Archäologen fanden ihn im Grab einer 25-30 Jahre alten Frau und vermuten als Material einen Mix aus Teer und Tierfett.[6]

Unter der Salzkruste haben sich auch organische Reste ausgezeichnet erhalten. Es wurden feine Leinengewebe wohl lokaler Herkunft (Nachweis von Leinsamen), aber auch Fasern von Sunn-Hanf (Crotalaria juncea), der aus Südasien stammt und Jute (Corchorus) gefunden, die ebenfalls weitreichende Handelsbeziehungen belegen.

Lapislazuli, ein blaues Mineral, wurde als Rohmaterial in Form von kleinen Blöcken, halbfertig bearbeiteten Teilen und geschliffenen Perlen gefunden. Dazu gehörten Geräte zur Steinbearbeitung: über 200 Bohrer und 50 Klingen aus Feuerstein, Stößel, ein Hammer und mehrere Glätter aus Jaspis. Die Funde gehörten zu einer zwischen 2600 und 2400 v. Chr. datierten Werkstatt, in der Lapislazuli-Perlen hergestellt wurden. Das eingeführte Mineral stammte aus der 2000 Kilometer entfernten nordostafghanischen Provinz Badachschan.[7]

Schahr-e Suchte wurde für die Liste des UNESCO- Weltkulturerbes vorgeschlagen.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lorenzo Costantini: Le Piante. In: La Città Bruciata del Deserto Salato. Ed. Tucci. S. 159-228. Erizzo, Venedig 1977.
  • Lorenzo Costantini: Wood Remains from Shahr-i Sokhta. In: South Asian Archaeology. M. Taddei, Neapel 1979, S. 87-121. ISSN 0066-2011
  • Lorenzo Costantini, Biasini L. Costantini: Palaeoethnobotanical Studies of Prehistoric Settlements in Soughun and Dowlatabad Valleys, Iran. In: Newsletter of Baluchistan Studies2, Neapel 1985, S. 16-230.
  • Irene Good: Invisible Exports in Aratta. Enmerkar and the Three Tasks. In: Carole Gillis, Marie-Louise B. Nosch: Ancient Textiles - Production, Craft and Society. Proceedings of the First International Conference on Ancient Textiles, Held at Lund, Sweden, and Copenhagen, Denmark, on March 19-23, 2003. Oxbow Books, Oxford 2007. ISBN 1-8421-7202-6
  • Giuseppe Tucci (Hrsg.). La Città Bruciata del Deserto Salato. Erizzo, Venedig 1977.
  • Matthias Schulz: Vergessene Botschaft. In: Der Spiegel. Hamburg 2010, 3, S. 105f. ISSN 0038-7452
  • Maurizio Tosi (ed), Prehistoric Sistan 1, Rom 1983.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Schahr-e Suchte In: Enzyclopaedia Britannica.
  2. Burnt City Recognized as Iran's Largest Prehistoric Site von Soudabeh Sadigh
  3. CAIS NEWS: The Burnt City, a Great Civilization in a Small Desert von Nastaran Zafar Ardalan, abgerufen am 28. Juni 2013
  4. Jahanshah Derakhshani: Materialien und Industrien aus dem Iranischen Hochland in den nahöstlichen Märkten des 4. bis 2. Jahrtausends v. Chr. In: Iran and the Caucasus. Leiden 3.1999-2000, 42. ISSN 1609-8498
  5. World's Oldest Backgammon Discovered In Burnt City auf payvand.com vom 12. April 2004, abgerufen am 28. Juni 2013
  6. 4800-Year-Old Artificial Eyeball Discovered in Burnt City, abgerufen 27. Juni 2013
  7. Horst Klengel: Handel und Händler im alten Orient. Köhler & Amelang, Leipzig 1979, S. 25 f
  8. IRIB World Service: Iran: Susa und die 'Verbrannte Stadt' für Eintrag in UNESCO-Liste registiert vom 1. Januar 2013, abgerufen am 28. Juni 2013