Schahram Amiri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Schahram Amiri (persisch ‏شهرام امیری‎, DMG Šahrām Amīrī; auch: Scharam Amiri; * 8. November 1977 in Kermānschāh [1]) ist ein iranischer Physiker. Er arbeitete bis 2009 an der Malek-Aschtar-Universität (MUT) und lebte bis zum Juli 2010 angeblich in den USA. Der Fall Amiri ist Teil der Diskussion um das iranische Atomprogramm.

Leben[Bearbeiten]

Über Amiris Tätigkeit an der MUT sind keine Details bekannt. Der Wissenschaftler verschwand Anfang Juni 2009 auf ungeklärte Weise auf einer Pilgerreise nach Mekka. Am 31. Mai war er in Saudi-Arabien angekommen und meldete sich am 3. Juni 2009 aus Medina das letzte Mal bei seiner Frau. Wenige Monate später wurde die Existenz einer zweiten Uran-Anreicherungsanlage im Iran bekannt. „Daher fragen sich Fachleute, ob der Atomforscher dem Westen Informationen darüber oder andere Aspekte des Atomprogramms geliefert hat.“ [2]

Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki beschuldigte die USA, Amiris „Verschwinden beeinflusst zu haben“. [3] Im Oktober 2009 übergab Mottaki Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon eine Liste mit Namen verschollener Iraner, auf der unter anderem auch Irans ehemaliger stellvertretende Verteidigungsminister Ali-Reza Askari vermerkt ist, der im Dezember 2007 von einer Reise in die Türkei nicht in den Iran zurückkehrte und von den USA als Überläufer geführt wird.

Am 31. März 2010 meldete der US-Fernsehsender ABC, dass auch Amiri von der CIA abgeworben worden sei und sich in den USA aufhalte. Es habe sich um eine „lange geplante CIA-Operation“ gehandelt.[4] Am 13. Juli 2010 wurde berichtet, dass der Wissenschaftler in der pakistanischen Botschaft in Washington aufgetaucht sei.[5] Kurz darauf reiste er in den Iran zurück. Der Wissenschaftler erklärte nach seiner Ankunft am 15. Juli 2010 in Teheran, er sei bei der Pilgerfahrt in Saudi-Arabien von Geheimdiensten in die USA verschleppt und dort gefoltert worden. Die US-Regierung betonte, Amiri habe sich freiwillig in den USA aufgehalten. Die Washington Post berichtete gleichzeitig, Amiri habe vom CIA fünf Millionen Dollar für Informationen über das iranische Atomprogramm erhalten. [6][7] Amiri sagte dagegen aus, die USA hätten ihm 50 Millionen Dollar angeboten, wenn er nicht in den Iran zurückkehre und weitere 10 Millionen für ein CNN-Interview, in dem er zu erklären gehabt hätte, dass er sich aus freien Stücken in den USA aufhalte.[8]

In den Medien wurde der Fall Amiri in Zusammenhang mit den beiden iranischen Wissenschaftlern Ardeshir Hosseinpours, am 15. Januar 2007 an einer Vergiftung gestorben, und Massud Ali-Mohammadi, am 12. Januar 2010 in Teheran ermordet, behandelt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kopie seines Reisepasses
  2. Sarah Mersch: Wo ist Schahram Amiri? Deutsche Welle, 5. April 2010, abgerufen am 25. November 2014.
  3. Verschollener iranischer Forscher: Das rätselhafte Verschwinden von Schahram Amiri. Spiegel Online, 9. Oktober 2009, abgerufen am 25. November 2014.
  4. Matthew Cole: Iran Nuclear Scientist Defects to U.S. In CIA 'Intelligence Coup', ABC News. 30. März 2010.  (englisch)
  5. Vermisster Wissenschaftler: Iranischer Atomforscher in USA aufgetaucht. Spiegel Online, 13. Juli 2010, abgerufen am 25. November 2014.
  6. CIA zahlte Millionen an iranischen Atomphysiker. Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2010, abgerufen am 25. November 2014.
  7. CIA soll Atomphysiker Amiri Millionen gezahlt haben Welt Online, 15. Juli 2010
  8. Iranischer Atomforscher: Auf US-Honorar in Millionenhöhe freiwillig verzichtet. RIA Novosti, 15. Juli 2010, abgerufen am 25. November 2014.