Schalksknecht

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Jan Luyken: Gleichnis vom Schalksknecht, Radierung der Bowyers-Bibel

Das Gleichnis vom Schalksknecht (Matthäus 18,23-35 EU) vergleicht das Himmelreich mit einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte, und behandelt die Frage nach der Vergebung.

Inhalt[Bearbeiten]

Ein König wollte die Schulden seiner Schuldner eintreiben. Einer seiner Knechte schuldete ihm die unbezahlbar große Summe von 10.000 Talenten. Da er nicht in der Lage war, diese Summe jemals zu bezahlen, wollte der König ihn und seine Familie versklaven lassen. Der Knecht fiel aber vor ihm nieder und bat ihn um Gnade, bis er alles bezahlt hätte, woraufhin der König ihm seine großen Schulden erließ. Draußen begegnete der Knecht einem seiner Mitknechte, der ihm die kleine Summe von 100 Denaren schuldete. Er packte ihn am Kragen, würgte ihn und befahl ihm, alles zu bezahlen. Der Mitknecht konnte jedoch nicht bezahlen, fiel nieder und bat um Geduld, bis er alles bezahlt hätte. Der Knecht wollte nicht, ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis die Schuld beglichen wäre. Die Mitknechte, die alles beobachtet hatten, waren empört und meldeten ihrem Herrn, was geschehen war. Dieser rief den Knecht herbei und sagte: „Du böser Knecht! Ich habe dir deine ganze Schuld erlassen, weil du mich darum gebeten hast! Hättest du nicht deinem Mitknecht erlassen können, wie ich dir erlassen habe?“ Da wurde der König sehr zornig und überließ den Knecht den Folterern. Das Gleichnis schließt mit den Worten: „So wird auch euer himmlische Vater euch tun, wenn ihr nicht, jeder seinem Bruder, von ganzem Herzen vergebt.“

Aufbau[Bearbeiten]

Das Gleichnis ist in drei Szenen aufgeteilt. Es ist gut durchkomponiert und wirkt durch zahlreiche Wortwiederholungen geschlossen.

Gattung[Bearbeiten]

Das Gleichnis ist eine Parabel. Es ist eine Geschichte, die in der Vergangenheit erzählt ist, über das Alltägliche hinausgeht und die deutlich eine Bild- und Sachhälfte aufweist. Es finden sich keine Parallelen in anderen Evangelien, wurde also von Matthäus zuerst verschriftlicht. Es enthält jedoch Anklänge an rabbinische Erzähltraditionen.

Deutungen[Bearbeiten]

Der König ist eine Metapher für Gott, der den Menschen aus Gnade ihre unbezahlbare Schuld vergibt. Vom Menschen, dem vergeben wurde, wird die Nachahmung der göttlichen Tat erwartet. Er soll seinen Mitmenschen vergeben, ebenso wie Gott ihm vergeben hat. Das Motiv der Abrechnung erinnert an das letzte Gericht, in dem Gott die Taten der Menschen richtet: ob sie die erfahrene Vergebung von Herzen weitergegeben haben oder hartherzig handelten. Allegorisch: Im Mittelalter wurde der erste Knecht als das jüdische Volk, der zweite als die Heiden, die Folterer als Gerichtsengel oder Zerstörer Jerusalems allegorisch gedeutet.

Kontext[Bearbeiten]

Das Gleichnis erzählt von einem heidnischen König und seinem Knecht. "Königsknecht" ist biblisch und sonst im alten Orient Begriff für einen hohen Staatsbeamten, Minister oder Gouverneur. Der kann eine unglaublich hohe Summe, wohl den Steuerertrag seiner Provinz nicht beibringen. Nach jüdischem Recht gab es dafür aber keine persönliche Haftung, auch war der Verkauf der Frau in die Schuldknechtschaft verboten.[1] Das Gleichnis bedient sich hier der härteren Gesetze der Nachbarstaaten. Sowohl die geforderte Geldsumme als auch die angedrohte Strafe sind hyperbolische Mittel, die den Aussage-Effekt verstärken. Das Gleichnis vom Schalksknecht (= böser Knecht) steht am Ende der Gemeinderede, in der Jesus seine Jünger lehrt, wie die Christen in der Kirche miteinander umgehen sollen. Dabei geht es darum, dass der, der groß sein will, dienen soll, um Ermahnung und Vergebung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Stuhlmacher: Biblische Theologie des Neuen Testaments. Band 2 Von der Paulusschule bis zur Johannesoffenbarung. Vandenhoeck & Ruprecht. Göttingen 1999. ISBN 3-525-53596-1
  • Ulricht Luz: Das Evangelium nach Matthäus. EKK 1/3. Benziger/Neukirchner. Neukirchen-Vluyn 1997. ISBN 3-545-23129-1
  • Joachim Jeremias: Die Gleichnisse Jesu. Vandenhoeck, Göttingen 1970. ISBN 3-525-53514-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Jeremias, Die Gleichnisse Jesu 8. Aufl. 1970, Göttingen, S. 208f
 Commons: Unmerciful servant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien