Schall und Rauch

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Martin Zickel, Friedrich Kayssler und Max Reinhardt, 1901

Schall und Rauch ist der Name eines literarischen Kabaretts in Berlin, das 1901 unter anderem von Max Reinhardt gegründet wurde.

Entstehung[Bearbeiten]

In einem Lokal in der Berliner Vorstadt trafen sich regelmäßig Dichter wie Christian Morgenstern, Maler, Musiker und Schauspieler vor allem des Deutschen Theaters zu einem „Die Brille“ genannten Stammtisch, an dem man neben Gespräch und Trunk aus reinem „Spaß an der Freude“ auch literarische Chansons, humorvolle literarische Miniaturen und Szenen, sogar ganze parodistische Einakter improvisierte. Max Reinhardt – damals noch ein junger, aufstrebender Regisseur – kam auf die Idee, die so entstandenen Kabinettstückchen auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zu diesem Zwecke wurde ein literarisches Kabarett gegründet. Der Name Schall und Rauch entstand angeblich, weil einem nichts anderes einfiel und nach Goethe Namen eben „Schall und Rauch“ seien.

Eröffnung[Bearbeiten]

Das erfolgreiche Eröffnungsprogramm des Kabaretts Schall und Rauch fand im Frühjahr 1901 in der Berliner Bellevuestraße statt und bestand unter anderem aus der Trilogie Don Carlos um die Jahrhundertwende, namentlich drei Parodien auf Friedrich von Schillers Bühnenstück Don Karlos – neben dem Höhepunkt Don Carlos auf der Schmiere wurde in den anderen beiden Fassungen jeweils der Stil von Maeterlinck und Gerhart Hauptmann parodiert – und einem Stimmungsbild von einer Theaterprobe Das Regiekollegium aus der Feder von Max Reinhardt.

Neben Max Reinhardt selbst wirkten z. B. Friedrich Kayssler, Martin Zickel, Else Heims und Richard Vallentin an dem Programm mit.

Erste Spielzeit[Bearbeiten]

Kleines Theater, Innenansicht mit Bestuhlung (1912)

Nach einigen weiteren Aufführungen in der Bellevuestraße, in die das Publikum förmlich strömte, bekam das Kabarett ab Oktober 1901 seinen festen Sitz in einem Saal des Viktoria-Hotels Unter den Linden, dessen Parkett vierhundert Sitze bot.

Schon in der Spielzeit 1902/1903 wurde aus der Kleinkunstbühne Schall und Rauch das Kleine Theater. Es wurde von Reinhardt als reine Schauspielbühne weitergeführt.

Nachruhm[Bearbeiten]

Bis heute ist das Kabarett Schall und Rauch ein Begriff geblieben, obwohl es als eigenständige Kleinkunstbühne nur eine Spielzeit lang das Berliner Publikum erfreute und selbst bereits in dieser sich zunehmend vom parodistischen entfernte und wieder deutlich dem Theater annäherte. Im Keller von Max Reinhardts Großem Schauspielhaus wurde später jedoch ein neues Schall und Rauch eingerichtet, in dem Künstler wie Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky, Klabund, Walter Mehring, Mischa Spoliansky, Joachim Ringelnatz und Blandine Ebinger die Möglichkeit hatten, Kabarett zu betreiben.

Thomas Mann ordnete die kurze Ära Schall und Rauch nach Reinhardts Tod folgendermaßen ein: „Am Anfang der Wiedergeburt des Theaters aus dem Geiste des Theaters stand die Parodie. Wir jungen Leute in München, Mitglieder eines akademisch-dramatischen Vereins, denen die Reinhardt-Leute ihre Don-Carlos-Parodie vorspielten, lachten Tränen.“

Die Plattenfirma Telefunken widmete ab den frühen 60er Jahren Reinhardts Kleinkunstbühne eine ganze Schallplattenreihe namens Schall & Rauch, in der bekannte Schauspieler wie z. B. Theo Lingen und Heinz Reincke Chansons, Parodien und Stücke u. a. m. aus den Schall und Rauch-Programmen nachspielten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Mehring: Schall und Rauch: Einfach klassisch. Eine Orestie mit glücklichem Ausgang. Ein Puppenspiel Fürstner, Berlin 1919. Illustrationen George Grosz; das Cover sowie 3 Puppen von Grosz und John Heartfield
    • wieder: Der Morgen, Berlin 1985
    • 2. Aufl. i. d. Reihe Vergessene Autoren der Moderne #16. Hg. & Nachwort Didier Plassard. Universität Siegen 1987
  • Peter Sprengel, Erlaubtes und Verbotenes : Spieltexte des ersten Max-Reinhardt-Kabaretts (Berlin 1901/02) / Schall und Rauch, Berlin : Nicolai , 1991 ISBN 3-87584-386-X
  • Kurt Wafner (Hrsg.), Schall und Rauch: Reprint einer Programmzeitschriften-Folge des gleichnamigen Max-Reinhardt-Kabaretts in Berlin, Der Morgen, Berlin 1985

Diskografie, Noten (unvollständig)[Bearbeiten]

  • Seitensprünge nach Noten. Schall und Rauch 1 DECCA
  • Friedrich Hollaender: Schall und Rauch. Lieder und Chansons (des Kabaretts), Gesang, Klavier. Noten. Schott Music ISBN 9790001074889, ED 7147
  • Ganz Madrid steht unter Wasser. Schall & Rauch 2
  • Weile an dieser Quelle. Schall & Rauch 5
  • Berlinisches. Schall & Rauch 6
  • Große Häfen, kleine Mädchen. Schall & Rauch 12
  • Prost Mahlzeit. Schall & Rauch 13
  • Still im Aug erglänzt die Träne. Schall & Rauch 14
  • Pikanterien in Plüsch. Schall & Rauch 20
  • Es lag in der Luft. Schall & Rauch 21
  • He! Hallo! Schall & Rauch 1919