Schamane
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Der Begriff Schamane bezeichnet einen Menschen, der im Mittelpunkt des religiösen und kulturellen Phänomens des Schamanismus steht. Er ist somit das Pendant zum Priester. Er wird von den Gläubigen als Medizinmann oder Zauberer angesehen und soll in seinen Trance-Reisen Kontakt mit einer postulierten "Welt der Geister" ermöglichen können.
Das Wort Schamane stammt vermutlich aus dem Sanskrit, bzw. aus dem tungusischen šaman (ša=wissen, šaman=der Wissende). Eine weitere Theorie stellt einen Bezug zum mandschurischen samarambi her, das „um sich schlagen oder sich empören” bedeutete.
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[Bearbeiten] Berufung zum Schamanen
Nach den Vorstellungen vieler schamanischer Traditionen kann ein Mann oder eine Frau nur durch Berufung Schamane werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten, beide Berufungsformen bestehen in schamanischen Kulturen oft nebeneinander:
- Die Berufung zum Schamanen, mit Hilfe eines Initiationsrituals, wird von elterlichen Schamanen vererbt.
- Bereits anerkannte Schamanen erwählen einen Außenstehenden.
[Bearbeiten] Rolle des Schamanen in der Gemeinschaft
Da ein Schamane als Medizinmann und Zauberer angesehen wird, gehören zu seinen religiösen und metaphysischen Aufgaben Krankenheilung, Rituale um Tod und Sterben, Abwehr "böser Geister", Wettervorhersage, Finden von Jagdwild, Weissagung, (Prophetie), Traumdeutung, soziale Regulierung und den Umgang mit geistig gestörten Menschen. Des Weiteren fungiert der Schamane ebenfalls als Lehrer in einigen Lebensbereichen, die das soziale Umfeld direkt betreffen.
Ebenso fungiert er als Erzähler, Sänger und Dichter von Mythen und Geschichten und nimmt für die Gemeinschaft die Rolle des Bewahrers von Wissen ein.
[Bearbeiten] Ausübung religiöser Rituale
Der Schamane ruft bei seiner Tätigkeit meist ein oder mehrere "Hilfsgeister" an, die gemäß dem Jagdumfeld dieser Völker häufig in Tiergestalt auftreten sollen. Insbesondere indianische Kulturen ergänzen ihre Götter- und Geisterwelt mit einer Fülle von Hilfsgeistern pflanzlicher Natur. Zu deren Anrufung bedarf es nach Überzeugung der Ausübenden meist bestimmter Riten und Rituale, die in der Regel nur dem Schamanen bekannt sind. Häufig nimmt er während des Rituals mithilfe einer Verkleidung aus Fellen oder Masken eine Tiergestalt an. Er arbeitet oft mit Amuletten und rituellen Musikinstrumenten, meist Schlaginstrumente oder Rasseln. Auch das richtige Einatmen und Ausstoßen von Tabakrauch und das Aussprechen bestimmter Beschwörungs- oder Segnungsformeln kann bei schamanischen Ritualen eine Rolle spielen.
[Bearbeiten] Schamanische Techniken
Schamanische Techniken werden vom Schamanen benutzt, um sich selbst in einen alternativen Bewusstseinszustand (Trance, Ekstase) zu versetzen. Dieser Zustand wird nach dem Glauben des Schamanen zur Erreichung seiner Absichten (z. B. Heilung) benötigt. Auf einer anderen Bewusstseinsebene glaubt er an Informationen gelangen zu können, die er auf der Ebene der "normalen" Realitätswahrnehmung nicht bekommen würde (Visionsreise). So postuliert er, mit der Natur (z. B. Tieren, Pflanzen, Steine, etc.) oder anderen Wesenheiten (z. B. Heiligen, Geistern, etc.) in Kontakt treten zu können.
Einige dieser Methoden können sein:
- Trommeln
- Gesang
- Schwitzhütte
- Fasten
- spezielle Atemtechniken
- Tanz
- Tabak und/oder Cannabis
- psychedelische Pflanzen (Peyote, Andenkaktus ("San Pedro"), Ayahuasca, Iboga, Datura (Stechapfel), Trichterwinde, Salvia Divinorum "Wahrsage-Salbei") sowie psychedelische Pilze (z.B Fliegenpilz oder psilocybinhaltige Pilze),
In vielen schamanischen Traditionen werden diese Methoden miteinander kombiniert (z.B Gesang, Trommeln und Tanz).
Schamanen wird die Fähigkeit zugesprochen, mit (Natur-)Geistern in Verbindung zu treten und magische Handlungen wie die Himmelsreise und Heilung zu vollbringen. Er begibt sich dabei in Trance, eine uralte Technik, die in der modernen, technisierten Gesellschaft an Bedeutung verloren hat (vgl. dazu auch Hypnose). Nachweisbare medizinische Wirkungen schamanistischer Rituale können von westlichen Naturwissenschaften lediglich mit dem Placeboeffekt erklärt werden und sind darüber hinaus mit wissenschaftlichen Erklärungen nicht fassbar.
Zahlreiche Wissenschaftler und Forscher untersuchten das Phänomen des Schamanismus wissenschaftlich. Der amerikanische Anthropologe Prof. Michael Harner untersuchte einige schamanische Kulturen vor allem in Nordamerika und formulierte daraus Anfang der Achtziger Jahre das Konzept des Core-Schamanismus. Dabei handelt es sich um einen Satz von Kerntechniken, die in vielen schamanischen Traditionen Nordamerikas in unterschiedlicher Ausgestaltung angewendet werden. Auf dieser Basis wurde ein weiterer möglicher kulturunabhängiger Weg zur schamanischer Erfahrung entwickelt, der von Menschen der modernen Welt gegangen werden kann. Die von Harner gegründete Foundation for Shamanic Studies (FSS) widmet sich der weltweiten Bewahrung, der weiteren Erforschung und Lehre dieses schamanischen Konzeptes.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Mircea Eliade: Schamanismus und schamanische Ekstasetechnik, Suhrkamp 2001, ISBN 3-518-27726-X
- Michael Harner: Der Weg des Schamanen, München, Ullstein, 2004, 247 Seiten, ISBN 3-548-74042-1
- Paul Uccusic: Der Schamane in uns. Schamanismus als neue Selbsterfahrung, Hilfe und Heilung. 1993
- Wolf Ondruschka: Geh den Weg des Schamanen - Das Medizinrad in der Praxis, Neue Erde 2002

