Schamanismus in Korea

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Aus der koreanischen Frühgeschichte stammt der koreanische Schamanismus. Viele seiner Rituale und Bräuche leben bis heute fort. Sie wurden vom Buddhismus beeinflusst, aber sie sind nicht verschwunden. Schamanismus wird als Religion heutzutage nicht mehr praktiziert, aber die Bräuche werden noch immer am Leben erhalten.

In der alten Agrargesellschaft war der Schamanismus fest verwurzelt, da er durch seine enge Bindung an die Natur und deren Phänomene die Bevölkerung durch den gesamten Jahresablauf begleitete. Selbst in der modernen Industriegesellschaft haben einige Bräuche überlebt. So wird kein Gebäude seiner Bestimmung übergeben, ohne das uralte Ritual der Geisterbeschwörung, wozu ein Tisch mit Opfergaben gehört. Unverzichtbar sind hierbei ein Schweinekopf und mehrere Obstsorten, zu Pyramiden geschichtet. Auch Kunst und Musik wurden vom Schamanismus beeinflusst. Vor den Dörfern des alten Korea standen hölzerne Figuren, die den Totempfählen der Indianer entsprachen und böse Geister abwehren sollten. Selbst die Jadeanhänger der Goldkronen aus der Silla-Zeit gehen auf uralte schamanistische Vorstellungen zurück. In der Musik spielt die Trommel eine wichtige Rolle; durch ihren Klang nimmt der Mensch Verbindung zu den Geistern auf. Die Riten selbst haben etliche Änderungen durchgemacht, speziell zur Zeit der Silla und Goryeo-Reiche. Sogar während der Joseon-Dynastie, in der alles vom Konfuzianismus beeinflusst war, wurden die schamanischen Bräuche nicht abgeschafft. Dies belegt wie tief diese Bräuche im Alltagsleben verankert waren.

Der koreanische Schamanismus zeichnet sich dadurch aus, dass er menschliche Probleme zu lösen versucht, indem der Mensch mit den Geistern zusammengeführt wird. Diese Zusammenkunft wird von einem Schamanen geführt. Die verschiedenen Arten von Gut (굿) spiegeln dies gut wider und sind noch immer weit verbreitet. Schamanen „mudang“ (무당, 巫堂) sind überwiegend Frauen. Sie tragen eine spezielle sehr farbenfrohe Tracht mit einer besonderen kapuzenähnlichen Kopfbedeckung. Die „mudang“ sind auch Heiler und Psychologen; besonders bei psychosomatischen und psychischen Störungen sind zahlreiche Behandlungserfolge nachgewiesen.

Schamanisches Wissen wird an Blutsverwandte vererbt bzw. dadurch erworben, dass ein Geist Besitz von einem neuen Medium ergreift.

Gut[Bearbeiten]

Ein Gut ist ein schamanischer Brauch, bei dem ein Schamane den Geistern ein Opfer darbietet. Durch Tänze und Gesang wird versucht, die Geister dazu zu bewegen, in das Schicksal der Menschen einzugreifen und Gutes zu tun. Der Schamane trägt äußerst farbige Kleider und spricht oft in Trance. Während eines Gut wechselt der Schamane die Kleidung oft mehrmals.

Drei Elemente machen ein Gut aus: der Glaube in die Geister; die Gläubigen, die zu den Geistern beten; und der Schamane, der zwischen den beiden vermittelt. Die Form des Gut variiert zwischen den Regionen. Die Abfolge innerhalb des Rituals hängt vor allem vom Ziel der Zeremonie ab. Der individuelle Charakter des Schamanen gibt einem Gut einen persönlichen Stil.

Die wichtigsten Kategorien des Gut sind Naerimgut (내림굿), Dodanggut (도당굿) und Ssitgimgut (씻김굿).

Naerimgut[Bearbeiten]

Dieser Gut dient dazu, einen Schamanen zu initiieren. Als Teil des Rituals wird jemand zum Schamanen, indem er von einem Geist besessen wird. Der Kandidat leidet an einer unbekannten Krankheit, die Sinbyeong genannt wird. Diese Krankheit hat die Symptome von Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, visuelle und auditive Halluzinationen. Der Naerimgut heilt diese Krankheit und initiiert gleichzeitig einen Schamanen.

Dodanggut[Bearbeiten]

Dieser allgemeine Brauch wird in den zentralen Provinzen von Südkorea gefeiert. Das Ziel ist es, dem Dorf oder Weiler zu Reichtum und Wohlbefinden zu verhelfen. Das Ritual wird normalerweise jährlich oder alle paar Jahre abgehalten, und zwar entweder um das Neujahr nach dem Mondkalender oder im Herbst. Ein wichtiger Teil des Gut wird mit Zauberei bewältigt.

Ssitgimgut[Bearbeiten]

Dieses Ritual dient dazu, den Geist einer verstorbenen Person zu reinigen. Seit dem Altertum besteht in Korea der Glaube, dass der Geist eines Verstorbenen nicht in die Totenwelt eintreten kann, solange der Geist unrein ist. Der Ssitgimgut wäscht diese Unreinheit weg und wird vor allem im Südwesten von Südkorea abgehalten.

Regionale schamanische Bräuche[Bearbeiten]

Name Zweck Region
Hamgyeong-do Manmukgut Wird drei Tage nach dem Tod einer Person abgehalten, um den Weg in die Totenwelt zu ermöglichen. Hamgyeong-do
Pyeongan-do Darigut Dieser Gut erlaubt dem Geist eines Verstorbenen den Eintritt in die Totenwelt. Der Ablauf ähnelt buddhistischen Zeremonien. Pyeongan-do
Hwanghae-do Naerimgut Dieses Initiierungsritual ist ein traditioneller Naerimgut. Hwanghae-do
Hwanghae-do Jinogwigut Dieser Gut heilt wütende Geister und hilft dem Geist eines Verstorbenen, in die Totenwelt einzutreten. Hwanghae-do
Ongjin Baeyeonsingut Dieser Gut versucht den Fischern zu großem Fang, Frieden und Wohlstand zu verhelfen. Dabei wird der Drachenkönig des Meeres verehrt. Hwanghae-do
Yangju Sonorigut Dieser Brauch verehrt Vieh und soll zu guter Ernte, Frieden und Wohlstand der Gemeinde führen. Dieser Gut ist einer der ausgefeiltesten. Yangju, Gyeonggi-do
Seoul Danggut Dieser Gut soll zu Frieden und guter Ernte verhelfen. Jeongbalsan Berg, Dapsimni-dong, Sinnae-dong, Bonghwasan Berg, Seoul
Seoul Jinogwigut Dieses Ritual wird für einen Verstorbenen abgehalten und soll seinem Geist den 49-tägigen Weg in die Totenwelt erleichtern. Dies geht zurück auf die taoistische Idee, dass jede Person sieben Seelen hat, wovon alle sieben Tage eine in die Totenwelt eintreten kann. Seoul
Gyeonggi-do Dodanggut Dieser Brauch findet alle zwei Monate statt und wird nach dem Mondkalender gefeiert. Er soll der Gemeinschaft zu Wohlstand verhelfen. Der Gut vertreibt böse Geister vom Familiengrab. Dingmak Gebiet, Jangmal Gebiet, Gyeonggi-do
Gangneung Danogut Dieser Gut ist ausgesprochen groß. Dutzende von Schamanen sind beteiligt und beten zu den Berggöttern für Sicherheit der Gemeinde, gute Ernte und viel Fisch. Maskierte Tänze und aufregende Volksspiele werden aufgeführt. Gangneung, Gangwon-do
Eunsan Byeolsingut Dieser Gut ist den Geistern der Familiengräber des Dorfes gewidmet. Eine Aufführung einer Legende aus dem Baekje-Reich wird präsentiert. Ein Teil des Gut findet vor dem Dorfeingang statt. Eunsan-ri, Buyeo-gun, Chungcheongnam-do
Suyongpo Sumanggut Dieser Brauch hilft dem Geist eines auf See Verstorben in die Totenwelt einzutreten. Yeongil-gun, Gyeongsangbuk-do
Gangsa-ri Beomgut Dieser gemeinschaftliche Brauch wird alle drei Jahre abgehalten. Schamanen beten für den Schutz vor wilden Tigern sowie für gute Ernte und Frieden. Gangsa-ri, Yeongil-gun, Gyeongsangbuk-do
Geojedo Byeolsingut Dieser Gut wird in jedem Fischerdorf abgehalten, um für viele Fische zu bitten. Auch um Frieden wird gebeten. Geoje, Gyeongsangnam-do
Tongyeong Ogwisaenamgut Dieses Ritual soll dem Geist eines auf See Verstorbenen den Eintritt in die Totenwelt ermöglichen. Tongyeong, Gyeongsangnam-do
Wido Ttibaegut Diese Fischerbrauch spricht viele verschiedene Geister an und zielt darauf ab, dem Dorf zu Glück zu verhelfen. Wido Insel, Buan-gun, Jeollabuk-do
Jindo Ssitgimgut Dieser Brauch wäscht den Geist eines Verstorbenen. Der Gut wird genau ein Jahr nach dem Tod wiederholt. Jindo Inseln, Jangsando Inseln, Jeollanam-do
Jejudo Singut Dieser Brauch hilft einem Schamanen zur Beförderung in einen höheren Rang. Der Gut kann auch einen Schamanen initiieren und wird drei Mal im Leben eines Schamanen ausgeführt. Jeju-do
Jejudo Yeongdeunggut Dieses Ritual wird im zweiten Monat des Mondkalenders abgehalten. Die Göttin des Meeres (Yeongdeungsin) wird angesucht, Sicherheit und viel Fisch zu gewähren. Küstengebiete, Jeju-do
Jejudo Muhongut Dieser Gut wäscht den Geist eines auf See Verstorbenen und ermöglicht damit den Eintritt in die Totenwelt. Jeju-do

Literatur[Bearbeiten]

  • Chei Woon-Jung, „Kultur des koreanischen Schamanismus“, Iudicium Verlag (2001), ISBN 3-89129-081-0
  • Sang-Chan Han , „Beziehungen zwischen dem Schamanismus und dem Verständnis des Heiligen Geistes in der protestantischen Kirche in Korea. Religionsphänomenologische und missionstheologische Untersuchung“, Verlag, Mainz, Günter (1991), ISBN 3-926987-75-8
  • Dirk Schlottmann, "Koreanischer Schamanismus im neuen Millennium", Peter Lang Verlag, Frankfurt (2007), ISBN 3-631-56856-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Shamanism of Korea – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien