Schamlippen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Schamlippen einer erwachsenen Frau.
Schamlippen einer erwachsenen Frau.

Die Schamlippen , eingedeutscht von lat. Labia pudendi (labium = Lippe; pudendum = „Scham“), sind Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, die in ihrer Gesamtheit als Vulva bezeichnet werden.

Beim Menschen und den anderen Primaten unterscheidet man die Labia majora pudendi (große Schamlippen) und die Labia minora pudendi (kleine Schamlippen). Bei den anderen Säugetieren gibt es nur ein Paar Schamlippen (Labia pudendi oder Labia vulvae), die den kleinen Schamlippen entsprechen.

Inhaltsverzeichnis

Die großen (äußeren) Schamlippen

Die großen Schamlippen (lat. Labia majora pudendi) verlaufen vom Venushügel (Mons Pubis) bis zum Damm. Sie verdecken Klitoris, Harnröhrenöffnung und Scheideneingang und schützen diese somit (siehe Sexualhygiene). Die großen Schamlippen enthalten Fettgewebspolster, sind von pigmentierter Felderhaut bedeckt und bei der erwachsenen Frau, im natürlichen Zustand, teilweise mit Schamhaaren bewachsen. Beide großen Schamlippen bilden die Schamspalte (Rima pudendi), ihre obere Vereinigungsstelle wird als Commissura labiorum anterior, die hintere als Commissura labiorum posterior bezeichnet [1].

Bei den Nicht-Primaten, bei denen die großen Schamlippen fehlen, werden der obere und untere Schamwinkel (Commissura labiorum dorsalis und ventralis) und Schamspalte von den, den kleinen Schamlippen des Menschen entsprechenden Labia pudendi (Syn. Labia vulvae) gebildet [2].

Die kleinen (inneren) Schamlippen

Die kleinen Schamlippen (Labia minora pudendi) begrenzen seitlich den Scheidenvorhof und treffen an der Klitoris (Kitzler) zusammen. Sie sind dünne, fettfreie, an der Außenseite stark pigmentierte Hautfalten aus mehrschichtigem Plattenepithel. Die Innenseiten sind wenig pigmentiert, unverhornt und enthalten Talgdrüsen. Die kleinen Schamlippen laufen vorne in je zwei Falten auseinander, wobei die vordere Falte sich mit der Gegenseite zur Kitzlervorhaut (Präputium clitoridis) vereinigt. Die jeweils hintere Falte endet als Kitzlerzügel (Frenulum clitoridis) direkt an der Clitoris.

Bei den meisten Säugetieren ist die Vorhaut des Kitzlers mit dessen Eichel (Glans clitoridis) verwachsen, bei Pferden und Hunden umgibt das Präputium clitoridis ein Grübchen (Fossa clitoridis), in dem die Eichel des Kitzlers freiliegt [2].

Bezeichnungen

Die hochdeutsche Bezeichnung Schamlippen wurde ursprünglich abgeleitet von dem altdeutschen scama bzw. dem angelsächsischen scamu = das zu Bedeckende. Zu Herkunft und Bedeutung findet sich im Duden:

Scham bedeutet ursprünglich Beschämung oder Schande […] später wurde es auch verhüllend für Geschlechtsteile gebraucht.

Die Vorsilbe Scham als Bezeichnung der weiblichen Geschlechtsteile wird daher teilweise kritisiert [3]. In den Laienmedien wird teilweise der Begriff Venuslippen (nach der römischen Liebesgöttin Venus) verwendet. Außerdem sind, wie für alle anderen äußeren Geschlechtsorgane, zahlreiche unterschiedliche umgangssprachliche Bezeichnungen geläufig.

Merkmale

Die Größe und die Gestalt der großen und kleinen Schamlippen können von Frau zu Frau deutlich variieren. Eine Normalausprägung bzw. etwaige Merkmale einer Abweichung können daher nicht definiert werden.

Die kleinen Schamlippen reagieren empfindlich auf Berührungen, bei sexueller Erregung füllen sie sich mit Blut, färben sich dunkler und schwellen an. Bei manchen Frauen wird dadurch der Scheideneingang freigelegt oder die Schamspalte etwas geöffnet.

Beim weiblichen Neugeborenen gilt das Bedecktsein der kleinen durch die großen Schamlippen als ein entwicklungsspezifisches sogenanntes Reifezeichen.

Manipulationen und Veränderungen

Die Entfernung der Schambehaarung ist in vielen Kulturkreisen verbreitet und gehört seit einigen Jahren, insbesondere unter jüngeren Frauen, auch im westlichen Kulturkreis zur Normalität. Piercings im Bereich der Schamlippen finden sich seltener, jedoch verzeichnen auch diese wie viele andere Piercings eine wachsende Popularität.

Schamlippen einer beschnittenen afrikanischen Frau
Schamlippen einer beschnittenen afrikanischen Frau

Die gesellschaftlichen Schönheitsvorstellungen bezüglich der Ausgeprägtheit der Schamlippen, insbesondere der kleinen Schamlippen, können zwischen den Kulturkreisen stark variieren.

Bei übergroßen inneren Schamlippen lassen einige Frauen eine operative Schamlippenverkleinerung durchführen. Sie wird zwar in seltenen Fällen auch aus medizinischer Notwendigkeit, meistens jedoch aus ästhetischen Gründen praktiziert.

Von den Frauen der Khoi Khoi wurde berichtet, dass sie über ungewöhnlich vergrößerte innere Schamlippen verfügten, die deutlich sichtbar über die äußeren Schamlippen hinausragten. Dieser Zustand wurde in der ethnologischen Literatur des späten 19. beziehungsweise frühen 20. Jahrhunderts oft auch abwertend als „Hottentottenschürze“ bezeichnet. Die Neutralität der vorliegenden Quellen ist fraglich, da viele Studien dieser Zeit von rassistischen Vorurteilen geprägt sind und Übertreibungen und verzerrte Berichte tatsächlich vorhandener Bräuche nicht auszuschließen sind.[4][5][6]

In vielen afrikanischen Ländern, insbesondere in islamisch geprägten Regionen, findet eine Beschneidung weiblicher Genitalien statt. Dabei werden die äußeren Genitalien je nach Gegend in unterschiedlichen Graden beschnitten; auch die Schamlippen können teilweise oder vollständig entfernt werden. In seltenen Fällen findet darauffolgend ein Verschluss der Schamspalte statt, um eine Penetration der Vagina zu verhindern. Eine medizinische Indikation ist nicht gegeben; die Gründe für den Eingriff sind unterschiedlicher, meist ritueller, Natur. Die Praxis wird oft religiös begründet, hat jedoch ihre Wurzeln schon in der vorislamischen Zeit. Häufig treten Probleme in Folge des Eingriffs auf, die durch das hohe Infektionsrisiko unter oftmals unhygienischen Operationsbedingungen verursacht werden. Unter Umständen kann der Eingriff durch Infektionen zum Tod führen.

Quellenangaben

  1. G. H. Schuhmacher, G. Aumüller: Topographische Anatomie des Menschen. Urban & Fischer 2004, ISBN 343741366X
  2. a b Uwe Gille: Harn- und Geschlechtssystem, Apparatus urogenitalis. In: Salomon/Geyer/Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Stuttgart: Enke-Verlag, 2004. ISBN 3830410077.
  3. Haarmann Claudia: "Unten rum..." - Die Scham ist nicht vorbei. 2005, Innenweltverlag, ISBN 3936360154
  4. Gérard Badou, Die schwarze Venus, München und Zürich 2001, ISBN 3-8284-5038-5
  5. Hermann Heinrich Ploss (1819-1885), Max Bartels: Das Weib in Natur- und Völkerkunde – Anthropologische Studien, Leipzig 1884
  6. journal-ethnologie.inm.de: Weibliche Genitalverstümmelung und die "Hottentottenschürze" Ein medizinhistorischer Diskurs des 19. Jahrhunderts, von Marion A. Hulverscheidt

Weblinks

Commons
 Commons: Schamlippen – Bilder, Videos und Audiodateien
Persönliche Werkzeuge