Scharfer Hahnenfuß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Scharfer Hahnenfuß
Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Illustration

Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris), Illustration

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Ranunculeae
Gattung: Hahnenfuß (Ranunculus)
Art: Scharfer Hahnenfuß
Wissenschaftlicher Name
Ranunculus acris
L.

Der Scharfe Hahnenfuß (Ranunculus acris) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). In einigen Regionen Deutschlands und in der deutschsprachigen Schweiz wird sie – wie allerdings manche anderen gelbblühenden Wiesenblumen auch – manchmal als Butterblume bezeichnet (vergleiche beispielsweise auch Kriechender Hahnenfuß).

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild und Laubblatt[Bearbeiten]

Stängelblatt

Der Scharfe Hahnenfuß wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 30 und 110 Zentimeter. Es wird manchmal ein Rhizom gebildet. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl. Die Stängel und Blütenstiele sind rund und nicht gefurcht.

Die Laubblätter sind grundständig und am Stängel wechselständig verteilt angeordnet. Die relativ lang gestielten Grundblätter besitzen mit einer Länge von 1,8 bis 5,2 Zentimeter und einer Breite von 2,7 bis 9,8 Zentimeter einen pentagonalen Umriss und sind drei- bis fünfteilig, mit ein- bis dreifach tief geteilten oder gelappten Abschnitten. Der oberste Abschnitt ist schmal elliptisch oder länglich bis lanzettlich mit einem gelappten bis gezähnten Rand und einem spitzen oder gerundeten Ende. Die Stängelblätter sind drei- bis fünfteilig und eingeschnitten gezähnt. Je weiter oben sich die Laubblätter am Stängel befinden desto kürzer ist der Blattstiel.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Blüte von unten mit behaarten, ausgebreiteten Kelchblättern
Junge Sammelfrucht mit vielen geschnäbelten Nüsschen
Habitus einer kräftigen Pflanze

Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten weisen einen Durchmesser von 1 bis 2,5 Zentimeter auf. Der Blütenboden (Receptaculum) ist kahl. Die fünf rau behaarten, meist 4 bis 6 (bis 9) mm langen und 25 mm breiten Kelchblätter sind ausgebreitet (beim Knolligen Hahnenfuß sind sie zurückgeschlagen). Die zumeist fünf kronblattartigen, leuchtend goldgelben, leicht glänzenden Nektarblätter sind meist 8 bis 11 (bis 17) mm lang und 7 bis 13 mm breit.

In einer kugelförmigen, kopfigen Sammelfrucht mit einem Durchmesser von meist 5 bis 7 (bis 10) mm stehen viel Nüsschen zusammen. Die kahlen Nüsschen sind 2 bis 3 mm lang und 1,8 bis 2,4 mm breit, deren Rand eine mit 0,1 bis 0,2 mm schmale Rippe formt. Der haltbare Schnabel ist deltaförmig mit einer geraden oder gekrümmten, mit 0,2 bis 1 mm kurzen bis langen, pfriemförmigen Spitze.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Blüten sind „Nektar führende Scheibenblumen“. Sie bestehen aus 5 kelchartigen Perigonblättern und 5 kronblattartigen Nektarblättern mit einer basalen Schuppe, in der sich die Nektardrüse befindet. Die Blütenbesucher sind zahlreich, aber auch die Selbstbestäubung ist erfolgreich. In England wurden auch rein weibliche Pflanzen (mit kleineren Blüten) beobachtet.

Die Früchte sind nur 1,5 mg schwere Nüsschen, die sich als Segelflieger ausbreiten können; daneben ist auch eine Darmausbreitung durch Rinder und eine Menschenausbreitung möglich. Fruchtreife ist von Juli bis Oktober.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Scharfe Hahnenfuß besitzt ein weites Verbreitungsgebiet auf der Nordhalbkugel in Eurasien und Nordamerika. Innerhalb Europas kommt er nur in Portugal und in der Türkei nicht vor. Er gedeiht in Höhenlagen zwischen 0 und 2300 Meter, stellenweise bis zu 2757 Meter. Ranunculus acris wächst auf Wiesen und in Gebüschen und bevorzugt feuchten, stickstoffhaltigen Lehmboden.

Inhaltsstoffe und Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Pflanzen enthalten u. a. die Giftstoffe Ranunculin, Anemonin sowie den stark haut- und schleimhautreizenden, scharf schmeckenden Giftstoff Protoanemonin und werden von Rindern gemieden. Auf beweideten Wiesen bleibt die Art daher oft inselartig stehen. Werden große Mengen Hahnenfuß im Gras an Rinder verfüttert, kann es bei diesen zu Vergiftungen kommen. Im Heu dagegen ist durch den Trocknungsvorgang das giftige und scharf schmeckende Protoanemonin verloren gegangen.

Auch für den Menschen ist das Protoanemonin giftig. Zu den Vergiftungserscheinungen, die nach dem Verzehr von Pflanzenteilen auftreten, zählen Magenschmerzen, Durchfall und Krämpfe. Bei sehr großen Mengen kann auch der Tod eintreten. Zum Verzehr ist es früher gekommen, weil in der Volksmedizin die Blätter und das Grün der verschiedenen Hahnenfuß-Arten als Abführmittel genutzt wurden. In der heutigen Medizin werden sie nicht mehr verwendet.

Der Scharfe Hahnenfuß hat einen Anteil von 0,15 % Protoanemonin im gesamten Kraut.[1]

Unterarten[Bearbeiten]

In Europa unterscheidet man vier Unterarten[2]:

  • subsp. acris
  • subsp. borealis (Regel) Nyman, kommt in Europa besonders im Nordosten vor
  • subsp. friesianus (Jordan) Rouy & Fouc., Heimat in Europa: Spanien, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Griechenland, sonst auch verschleppt
  • subsp. pumilus (Wahlenb.) Á. Löve & D. Löve, kommt in Europa im äußersten Norden besonders in Island vor
Gefülltblühende Sorte Ranunculus acris 'Multiplex'

Cultivar[Bearbeiten]

Ranunculus acris 'Multiplex' ist eine auffallend leuchtend gelb gefülltblühende Sorte des Scharfen Hahnenfußes. Diese Zierpflanze blüht von Mai bis Juni und erreicht Wuchshöhen von etwa 60 Zentimeter. Sie gedeiht in naturnahen Gärten, bevorzugt in der Nähe von Gewässern.

Quellen[Bearbeiten]

  • Alan T. Whittemore: Ranunculus in der Flora of North America, Volume 3, 1997: Ranunculus acris - Online. (Abschnitt Beschreibung und Vorkommen)
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. B. Bös: Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris). Abgerufen am 4. Juni 2011.
  2. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8 (Nymphaeaceae to Ranunculaceae). Seite 125-127, Helsinki 1989. ISBN 951-9108-07-6

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Oskar Sebald (Bearbeitung): Wildpflanzen Mitteleuropas. Wegweiser durch die Natur., ADAC, München 1989, ISBN 3-87003-352-5.
  • Gertrud Scherf: Wiesenblumen. Der etwas andere Naturführer., BLV, München 2004, ISBN 3-405-16909-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien