Scharnitz

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Scharnitz
Wappen von Scharnitz
Scharnitz (Österreich)
Scharnitz
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Innsbruck Land
Kfz-Kennzeichen: IL
Fläche: 158,77 km²
Koordinaten: 47° 23′ N, 11° 16′ O47.38833333333311.265964Koordinaten: 47° 23′ 18″ N, 11° 15′ 54″ O
Höhe: 964 m ü. A.
Einwohner: 1.301 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 8,2 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6108
Vorwahl: 05213
Gemeindekennziffer: 7 03 48
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Adolf-Klinge-Platz 72
6108 Scharnitz
Website: www.scharnitz.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Isabella Blaha (Bürger Für Scharnitz)
Gemeinderat: (2010)
(13 Mitglieder)
4 Bürger Für Scharnitz,
4 Scharnitzer Bürgerliste,
3 Scharnitzer Dorfliste,
2 AUF Scharnitz - Junge Liste
Lage der Gemeinde Scharnitz im Bezirk Innsbruck Land
Absam Aldrans Ampass Axams Baumkirchen Birgitz Ellbögen Flaurling Fritzens Fulpmes Gnadenwald Götzens Gries am Brenner Gries im Sellrain Grinzens Gschnitz Hall in Tirol Hatting Inzing Kematen Innsbruck Kolsass Kolsassberg Lans Leutasch Matrei am Brenner Mieders Mils Mühlbachl Mutters Natters Navis Neustift im Stubaital Oberhofen im Inntal Obernberg am Brenner Oberperfuss Patsch Pettnau Pfaffenhofen Pfons Polling in Tirol Ranggen Reith bei Seefeld Rinn Rum St. Sigmund im Sellrain Scharnitz Schmirn Schönberg im Stubaital Seefeld Sellrain Sistrans Steinach am Brenner Telfes im Stubai Telfs Thaur Trins Tulfes Unterperfuss Vals Völs Volders Wattenberg Wattens Wildermieming Zirl TirolLage der Gemeinde Scharnitz im Bezirk Innsbruck Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Kirche Mariahilf
Das Gemeindegebiet von Scharnitz nach 1912
Scharnitz um 1912 mit neuer elektrischer Karwendelbahn
Scharnitz von Süden

Scharnitz ist eine Gemeinde mit 1301 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Innsbruck Land des Bundeslandes Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Innsbruck.

Geografie[Bearbeiten]

Scharnitz liegt am Scharnitzpass an der Grenze zu Bayern, an der Verbindung von Seefeld in Tirol nach Garmisch-Partenkirchen. Der Ort liegt an der Isar einige Kilometer westlich deren Quelle, am Ende einer Talweitung, wo Karwendeltal, Hinterautal und Gleirschtal mit dem Isartal zusammentreffen. Er ist ein wichtiger Ausgangspunkt für viele Mountainbike- und Bergtouren im Karwendel.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht zwar nur aus einer einzigen Katastralgemeinde, wird jedoch in zehn Ortsteile gegliedert:

  • Au,
  • Eisack,
  • Gießenbach,
  • Inrain,
  • Jägerviertel,
  • Oberdorf,
  • Schanz,
  • Schießstand,
  • Siedlung,
  • Unterdorf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

In Österreich

sowie in Deutschland

Geschichte[Bearbeiten]

In Scharnitz befand sich das römische Kastell „Scarbia“ zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge. In frühmittelalterlichen Urkunden wird mit „Scharnitz“ ein unwirtlicher Wald zwischen Walchensee und Seefeld in Tirol bezeichnet, der erstmals im Jahr 763 als im „locum Scaraza“ errichtete, dem Bistum Freising unterstellte Klosterkirche zu St. Peter in Erscheinung tritt.[1] Im Mittelalter war Scharnitz eine wichtige Eingangspforte nach Tirol an der Handelsroute Venedig-Augsburg.

Ursprünglich zur Grafschaft Werdenfels gehörend (die Grenze zur Grafschaft Tirol befand sich an der Burg Schlossberg nördlich von Seefeld),[2] war es langfristig das Ziel Tirols, die Landesgrenze zum strategisch wichtigen Scharnitzpass hin zu verschieben. Einen Teilerfolg verzeichneten die Tiroler, als am 20. Oktober 1500 Kaiser Maximilian I. und Fürstbischof Philipp von Freising einen im Jahr zuvor abgeschlossenen Vertrag ratifizierten, der die Grenze Tirols bis auf einen Kilometer südlich des Ortes verlegte.[3]

Im Jahr 1633 erhielt Tirol das Recht, zum Schutz vor den vorrückenden Schweden im Dreißigjährigen Krieg am Scharnitzpass auf Werdenfelser Gebiet die Talsperre Porta Claudia zu errichten; sie wurde nach der ehemaligen Tiroler Landesfürstin Claudia von Medici benannt. Reste davon können heute noch besichtigt werden.

Durch Vertrag vom 29. Oktober 1656 wurde dann Scharnitz und das Gebiet um die Porta Claudia gegen einen Gebietsstreifen um den Kienleithenkopf mit dem Karolingerhof und Wegerecht ins Hinterautal eingetauscht. Mit dem Vertrag vom 28. Mai 1766 wurde die Zugehörigkeit von Scharnitz und der Porta Claudia zu Tirol bestätigt sowie für einen Gebietsstreifen „auf einen Musketenschuß bei allen dermaligen Fortifikationswerken heraus gegen Mittenwald“.[4]

Teile des im Karwendel zur Isar entwässernden Scharnitzer Gemeindegebietes gehören heute zur Stadt Innsbruck, die Form der Aneignung dieser Gebiete nach 1912 durch Innsbruck ist bisher ungeklärt.

In Scharnitz stand 1845 die „Erste Tirolische Asphaltfabrik“. Mit diesem Asphalt wurde einst sogar die Innsbrucker Innenstadt asphaltiert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Scharnitz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Scharnitz ist heute eine Tourismusgemeinde und gehört zur Tourismusregion Olympiaregion Seefeld. Als Eingangstor zum Wander- und Klettergebiet des Karwendels spielt der Sommertourismus eine große Rolle. Durch die drei großen West-Ost-Täler des Karwendel (Karwendeltal, Hinterautal, Gleirschtal) kann man mit dem Fahrrad schnell ins Zentrum des Gebirges gelangen und von dort die Karwendel-Gipfel besteigen.

Scharnitz liegt an der Mittenwaldbahn (Innsbruck-München) und ist Endbahnhof der S-Bahn-Linie  S5  aus Innsbruck.

Per PKW kann man Scharnitz aus Innsbruck über die Seefelder Straße (B 177) erreichen, die auf deutscher Seite als Bundesstraße 2 weiterläuft.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindeamt (Rathaus)

Der Gemeinderat von Scharnitz umfasst 13 Mitglieder: Bürgermeister, Vizebürgermeister, drei Gemeindevorstände inklusive Bürgermeister und Vizebürgermeister sowie zehn Gemeinderäte. Der Gemeindevorstand ist dabei das Äquivalent eines Stadtrats. In Scharnitz treten politische Parteien bei Gemeinderatswahlen kaum auf, zuletzt bis 1992 die SPÖ, parteinahe Gruppen kandidieren auf Namenslisten.

Seit 1989 dominierte in Scharnitz die „Scharnitzer Bürgerliste“ (SBL) von Alt-Bürgermeister Hubert Heiss. Zweitstärkste Fraktion wurde nach den aktuellen Wahlen im März 2010 die Liste „Bürger für Scharnitz“ (ehemals Bürgerforum Scharnitz) (BFS). Die Fraktion „Bürgerforum Scharnitz“ (BFS), eine parteiunabhängige Gruppe, die 1992 ursprünglich von den Bewohnern des Ortsteiles Gießenbach gegründet wurde (Spitzenkandidat war Johann Hofmann), erfuhr durch das Engagement ihres Listenmitgliedes Isabella Blaha 1998 eine Erweiterung und Umstrukturierung und gewann damit Listenkandidaten aus dem gesamten Dorf. Seit 1992 steigerte das BFS bei jeder Wahl seinen Stimmenanteil und erreichte schließlich zwei Mandate.

Ab 2004 stellte das BFS mit seiner Spitzenkandidatin Isabella Blaha die Vizebürgermeisterin. Ebenfalls 2004 wird die von Dr. Reinhold Wöll gegründete „Dorfliste“ (DL)unter dem Seefelder Hauptschuldirektor und VP-Ortsparteiobmann Thomas Grössl, MAS erstmals stimmenstärkste Fraktion, errang jedoch gleich viele Mandate wie die Bürgerliste. Ebenfalls im Spektrum der Gemeinderatslisten findet sich die Frauen- und Familienliste, die erstmals 1998 kandidierte und mit zwei Mandatarinnen als reine Frauenfraktion in den Gemeinderat einzog. 2004 wurde die Liste halbiert, 2010 zog sie sich wieder aus der politischen Landschaft zurück und kandidierte nicht mehr.

Listen, die es seit 1998 nicht mehr gibt sind die „Mitte Scharnitz“ (1992 bis 1998 mit zwei Mandaten vertreten) und die SPÖ Scharnitz. Am 4. April 2006 ist Bürgermeister Hubert Heiss nach 18 Jahren im Amt aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Daraufhin musste eine Zwischenwahl abgehalten werden. Es gab zwei Bürgermeisterkandidaten. Aus der Fraktion von Bürgermeister Hubert Heiss der SBL den Quereinsteiger Walter Lechthaler und die Listenführerin des BFS und Vizebürgermeisterin Isabella Blaha, wobei Isabella Blaha mit nur 2 Stimmen unterlag und Walter Lechthaler neuer Bürgermeister wurde.

Die allgemeinen Tiroler Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im März 2010 veränderten die Fraktionslandschaft in Scharnitz gravierend.

Die Liste BFS mit Isabella Blaha erreichte gleich viel Mandate wie die ehem. Bürgermeisterliste SBL (jeweils 4 Mandate). Isabella Blaha wird zur Bürgermeisterin gewählt. Die "Dorfliste" (DL) erhält nur noch drei Mandate und stellt mit seinem Listenführer Bernhard Vonmetz den Vizebürgermeister. Als vierte Fraktion zieht die von Ernst Reinpold neu gegründete junge Liste „AUF Scharnitz - Die junge Liste“ (AUF) mit zwei Mandaten in den Gemeinderat ein.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen

Das Scharnitzer Wappen stellt die Porta Claudia als Befestigungsanlage während des Dreißigjährigen Krieges und Eingang nach Tirol dar.

Die Farben der Gemeinde sind Schwarz - Gelb.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Gemeinde ist schwarz-gelb (1:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.

Partnerschaft[Bearbeiten]

Es besteht seit 2009 eine Partnerschaft mit Plattling im Regierungsbezirks Niederbayern. In Plattling mündet die Isar in die Donau, während sie in Scharnitz entspringt. Die grüne Isar ist also das verknüpfende Band dieser Partnerschaft.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Martin Bitschnau, Hannes Obermair, Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft m. b. H. (Hrsg.): Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 1: Bis zum Jahr 1140. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 25–27 Nr. 45. (maßgebl. Edition mit weiteren Nachweisen).
  2. Grafschaft Werdenfels - Umfang und Grenzen der Grafschaft: Die tirolische Grenze S. 15, in: Altbayern Reihe I Heft 9: Grafschaft Werdenfels, Komm. für Bayerische Landesgeschichte, München 1955.
  3. Daniel-Erasmus Khan: Die deutschen Staatsgrenzen - rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck 2004, S. 211 f. ISBN 9783161484032 Vorschau bei Google Books
  4. Grafschaft Werdenfels - Umfang und Grenzen der Grafschaft: Die tirolische Grenze S. 16, in: Altbayern Reihe I Heft 9: Grafschaft Werdenfels, Komm. für Bayerische Landesgeschichte, München 1955.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scharnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Scharnitz – Reiseführer