Scharonebene

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Die Scharonebene oder Tal bzw. Ebene Saron (hebräisch ‏עמק שרון‎, Emek Scharon, eigentlich „Scharontal“) ist eine Ebene an der israelischen Mittelmeerküste. In der älteren Literatur (vor 1948) und in christlichen theologischen Schriften überwiegt die Schreibung Saron, die – wie bei so vielen hebräischen Namen[1] – von der Transliteration zunächst ins Griechische und dann ins Lateinische herrührt. Griechen und Römer kannten den sch-Laut (phonetisch: [ʃ]) nicht und gaben ihn schlicht mit dem Buchstaben „Σ“ bzw. „S“ wieder.

Lage und Entwicklung[Bearbeiten]

In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich die Ebene von den südlichen Ausläufern des Karmelgebirges über 50 Kilometer entlang des Mittelmeers bis zum Fluss Jarkon. Mit einer durchschnittlichen Breite von 15 Kilometern reicht es im Osten bis an die Berge von Samarien.[2] Die größten Orte im Bereich der Ebene sind Chadera, Netanja, Herzlia, sowie am südlichen Ende Petach Tikwa und Tel Aviv.

Durch Sanddünen an der Küste versumpft die Ebene leicht.[3] In früheren Jahrhunderten war sie aufgrund gezielter Entwässerung dennoch besiedelt. Im Hohen Lied Salomos (Hld 2,1 ELB) und im Buche Jesaja (Jes 35,2 ELB) wird die fruchtbare Ebene und die Rose von Saron gepriesen, was viele spätere Poeten zur Nachahmung animierte.[3] In den Dünen kommt die Dünen-Trichternarzisse (hebräisch ‏חבצלת החוף‎) vor, die wegen des hebräischen Namens der Rose von Scharon (‏חבצלת השרון‎) heute oft damit identifiziert wird.

Die bekannteste Stadt war das von Herodes dem Großen gegründete Caesarea Maritima, das in römischer und byzantinischer Zeit Hauptstadt der Provinz Palaestina war. Später verfielen die Drainagen; in den letzten Jahrhunderten war die Ebene von Sümpfen durchzogen, die Malaria deswegen weit verbreitet. Entsprechend dünn war das Gebiet besiedelt und wurde eher zur Weidewirtschaft genutzt.[2] Dörfer der einheimischen arabischen Bevölkerung gab es im Küstenstreifen nur vergleichsweise selten; die Orte lagen meist weiter im Landesinneren am Rand der Berge.

Mit Beginn der Einwanderung im 19. Jahrhundert entstanden neue Siedlungen und wurden Grund und Boden verstärkt landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Den Anfang machten 1852 Kolonisten aus Westpreußen und dem Bergischen Land (u.a. Friedrich Großsteinbeck, 1821–1858, Großonkel John Steinbecks).[4] Dann kamen 1866 Kolonisten aus Maine und gründeten die seinerzeit Adams City (heute englisch American Colony; hebräisch ‏המושבה האמריקאית‎, transliteriert: haMoschavah haAmerika'it; arabisch ‏امليكان‎, DMG Amelīkān) genannte Ansiedlung vor Jaffa, die jetzt zwischen den heutigen Straßen Rechov Eilat (‏רחוב אילת‎) und Rechov haRabbi mi-Bacharach (hebräisch ‏רחוב הרבי מבכרך‎) in Tel Aviv-Jaffa liegt.[5]

Nachdem die meisten Siedler der beide Anfangskolonien in die USA ausgewandert waren, übernahmen 1869 württembergische Templer und gründeten 1871 eine weitere namens Sarona (heute hebräisch ‏הקריה‎, transliteriert: haKiria, jetzt Regierungsviertel in Tel Aviv), die nach der Ebene benannt wurde. Mit den folgenden Alijot (jüdische Einwanderung) gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden weitere Gebiete gezielt entwässert und es kam zur Gründung vieler weiterer, unten (im Atlas Mosheh Bravers, siehe Abschnitt Literatur) erwähnter jüdischer Siedlungen (zunächst als Moschawot, später vor allem als Moschawim und Kibbuzim).

Heute ist die Scharonebene abgesehen von den Großstädten das am dichtesten besiedelte Gebiet Israels. Sie wird intensiv landwirtschaftlich genutzt, vor allem für den Anbau von Zitrusfrüchten, aber auch von Avocados, Baumwolle, Gemüse und Wein. Die in diesem Gebiet kultivierte Scharon-Frucht, eine Variante der Kaki, wurde nach der Ebene benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Sachbücher
  • Alexander Brandt: Zur Ebene Saron und zum Saronischen Meerbusen. A. Kriedte in Komm., Graudenz 1896.
  • Mosheh Braver (‏מושה ברוור‎), אטלס ומדריך, ערי השרון: נתניה, הרצליה, רמת השרון, כפר שמריאהו, כפר סבא, רעננה, הוד השרון, פתח תקוה, ראש העין, אור יהודה, קריאת אונו, יהוד, ועוד (translit.: Aṭlas û-mādrîḵ, ʿārê haš-Šārôn: Netanyā, Herṣliyyā, Rāmat-haš-Šārôn, Kefār-Šemaryāhû, Kefār-Sāv'a, Raʿanānā, Hôd-haš-Šārôn, Petaḥ-Tiqwā, Rôš-hā-ʿAyin, Ôr-Yehûdā, Qiryat-Ônô, Yehûd, we-ʿôd; Atlas und Führer der Städte Scharons: Netanya, Herzlia, Ramat haScharon, Kfar-Schmaryahu, Kfar Saba, Ra'anana, Hod haScharon, Petach Tiqua, Rosch haAjin, Or Yehuda, Kiryat Ono, Yehud etc.), Tel Aviv: Yavne, 1985
  • Eli Schiller (‏אלי שילר‎), חדרה וסביבתה: פרק השרון (translit.: Ḥadērā û-sevîvātā: parq haš-šārôn; Chadera und seine Umgebung: Der Scharon-Park), Jerusalem: Ari'el, 1993, (Ari'el; Bd. 95/96)
  • Aryeh Yitzchaki (‏אריה יצחקי‎), מדריך ישראל: אציקלופדיה שימושית לידיעת הארץ, השרון, דרום מישור החוף וצפון הנגב (translit.: Madrîk Yiśrā'ēl: enṣîqlôpedyā šîmmûšît le-yedîʿat hā-Areṣ, haš-Šārôn, derôm mîšôr ha-ḥôf û-ṣefôn han-Negev; Führer Israels: Praktische Enzyklopädie zur Kenntnis des Landes; Scharon, südliche Küstenebene und der Norden des Negevs), Jerusalem: Keter, 1979.
Poesie
  • Gottlieb Cober, Hertz-erqvickende Blumen und Gemüths-labende Aepffel: Aus dem ... Lust-Garten der Heil. Schrifft ... und Der in die Blume zu Saron verliebten Sulamithin In silbernen Schalen fürgesetzet, Leipzig: Erasmus Kallenbach, 1720.
  • Der Gesang des Reigens zu Saron als des kleinen Brüder-Gesang-Buchs Anderer Theil, ohne Verfasser, London: Drukts, im Brüder-Hofe, Joh. Jacob Würz, 1754
  • Im Tale Saron: Gedichte jüdisch-religiösen Inhalts, sowie hebräischer Gebete, Lieder, Sprüche und Bibelstücke in freier poetischer Übertragung, Max Herschel (Übertrg.), Berlin: M. Poppelauer, 1905.
  • Leo Hirschfeld, Die Herrlichkeit Karmel's und Saron's (Jes 35,2 ELB) [‏הדר הכרמל ושהשרון‎, Hadar hak-Karmel we-haš-Šārôn; dt.], Gießen: Roth, 1898
  • Ludwig Philippson, Saron: gesammelte Dichtungen, Leipzig: Wallerstein, 31857, (Novellenbuch / von Phöbus und Ludwig Philippson; Bd. 1)
  • Erik Johan Stagnelius, Liljor i Saron och sex andra dikter, Stockholm: Fabel-Förlag Widstrand, 1997. ISBN 91-7842-215-9.
  • Jean Tharaud und Jérome Tharaud, La Rose de Saron, Paris: Plon, 1927.

Benennungen nach Scharon[Bearbeiten]

  • Hod haScharon, Stadt in der Ebene Scharon
  • Mischmar haScharon, Kibbuz in der Ebene Scharon
  • Lev haScharon, Landkreis im Herzen der Ebene Scharon
  • Ramat haScharon, Stadt in der Ebene Scharon
  • Rose von Saron (s.o.)
  • Neue israelitische Jugendbücherei „Saron“, eine Schriftenreihe des Leipziger Kaufmann-Verlags (um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert)
  • Societatea culturalǎ «Saron», Kulturverein in Bukarest (1. Drittel des 20. Jahrhunderts)
  • Sarona, von Templern gegründeter Ort in der Ebene Scharon, 1947 zu Tel Aviv[6]
  • Scharonfrucht

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scharonebene – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Z.B. Schim'on = Simon, Jeschua = Jesus, Jeruschalajim = Jerusalem, etc.
  2. a b Cf. Artikel: „Saron“ in: Meyers Großes Konversations-Lexikon: 20 Bde., Leipzig und Wien: Bibliographisches Institut, 61903–1908; Bd. 17: 'Rio–Schönebeck', p. 616.
  3. a b Cf. Artikel: „Saron“ in: Der Große Brockhaus: Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden: 21 Bde., Leipzig: Brockhaus, 151928–1935; Bd. 16: 'Roq–Schq', p. 455.
  4. Ejal Jakob Eisler (איל יעקב איזלר), Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850-1914: Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert, Wiesbaden: Harrassowitz, 1997, (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins; Bd. 22), pp. 54seq. und Fußnote 203 auf p. 50. ISBN 3-447-03928-0.
  5. Ejal Jakob Eisler (איל יעקב איזלר), Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850-1914: Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert, Wiesbaden: Harrassowitz, 1997, (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins; Bd. 22), pp. 77seqq. ISBN 3-447-03928-0.
  6. Die britische Mandatsverwaltung verkaufte den 1940 als Feindvermögen beschlagnahmten Ort, den die britischen Streitkräfte als Stützpunkt nutzten, zu Gunsten der internierten oder emigrierten ehemaligen dortigen Eigentümer 1947 an die Stadt Tel Aviv. Cf. Paul Sauer, Vom Land um den Asperg im Namen Gottes nach Palästina und Australien: Die wechselvolle Geschichte der Tempelgesellschaft, Stuttgart: Verlag der Tempelgesellschaft, 1995, (Schriften der Tempelgesellschaft; H. 1), p. 22

32.434.883333333333Koordinaten: 32° 24′ 0″ N, 34° 53′ 0″ O