Schatz von Preslaw

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Schmuckplatten eines Diadems (oben) und doppelseitiger byzantinischer Halsschmuck mit Bergkristallen und Amethysten (unten)

Der Schatz von Preslaw (bulgarisch Преславско съкровище) ist ein archäologischer Fund aus Weliki Preslaw in der ostbulgarischen Oblast Schumen. Er besteht aus reich verzierten Schmuckgegenständen einer Frau, die in Konstantinopel und in Preslaw im 10. Jahrhundert gefertigt wurden, sowie aus weiteren Fundstücken, die aus dem 3. bis 7. Jahrhundert datieren.

Fundort[Bearbeiten]

Teile des Depotfundes wurden im Herbst 1978 von Bauern beim Anlegen eines Weinberges in Kastana, 3 km nordwestlich von Preslaw, der ehemaligen Hauptstadt des ersten Bulgarischen Reiches[1] entdeckt. Der Schatz wurde bei den folgenden archäologischen Ausgrabungen in den Resten einer primitiven Hütte des damaligen Preslawer Vorortes Kastana in einem gemauerten Ofen gefunden.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Bei Grabungen kamen 170 goldene, silberner und bronzene Objekte, darunter 15 silberne byzantinische Münzen der Kaiser Konstantin VII.,[3][4] und Romanos II. sowie weitere Fundstücke aus dem 3. bis 7. Jahrhundert zutage.[5]

Der Schatzfund von Preslaw wurde wahrscheinlich während der Ereignisse der Jahre 970 und 972 deponiert, als Preslaw zuerst durch den Kiewer Fürsten Swjatoslaw I.[6] und zwei Jahre später durch den byzantinischen Kaiser Johannes Tzimiskes[7][8] erobert wurde.

Beschreibung[Bearbeiten]

Verschiedene Techniken der Schmuckherstellung wurden zur Fertigung der Verzierungen, Knöpfe, Aufnäher usw. benutzt: Grubenschmelztechnik, Granulation mit staubkorngroßen Goldkügelchen, Filigranarbeiten mit feinem Golddraht und Einlegetechniken aus Perlen und buntem Emaille.

Eines der Fundstücke aus dem Schatzfund von Preslaw ist ein doppelseitiger Halsschmuck aus 13 goldenen, an einer goldenen Kette aufgereihten Platten. An dieser Kette hängen, wiederum an Ketten, sieben tropfenförmige Medaillons. Auf jedem von ihnen und auf den Platten befinden sich verschiedene Darstellungen der Muttergottes und anderer Heiligen aus buntem Emaille, sowie Vögel, Blätter und andere Ornamente. Die Trägerin des Halsschmuck stand wahrscheinlich unter dem Schutz der Muttergottes, die auf beiden Seiten des mittleren Medaillons abgebildet ist. Es ist möglich, dass das Schmuckstück ein Hochzeitsgeschenk des Zaren Peter I. an seine Braut Maria-Irina von Byzanz, die Enkelin des byzantinischen Kaisers Romanos I. Lakapenos, war. Die Annahme, dass es sich um ein Hochzeitsgeschenk handelte, beruht darauf, dass die abgebildeten Wasservögel Glück in der Familie und eheliche Treue symbolisieren. Florin Curta von der Universität von Florida vermutet, dass der Schmuck einer der beiden Töchter Maria-Irinas gehörte, die ihn auf einer Reise mit ihrer Mutter nach Konstantinopel im Jahr 940 erhielt.[5]

Ein zweites Schmuckstück ist ein Diadem aus mehreren goldenen Schmuckplatten mit einem Dekor von farbigem Cloisonné-Emaille.[9] Einige Schmuckplatten sind nicht erhalten. Die mittlere Tafel zeigt den makedonischen König Alexander der Große mit zwei Greifen, in einen Wagen zum Himmel aufsteigend. Dieses Motiv wird häufig in der byzantinischen Kunst verwendet, und hat von da aus in die bulgarische Kunst Eingang gefunden. Die anderen Platten zeigen fabelhafte und mythologische Bilder, darunter Darstellungen geflügelter Hunde.

Beide Schmuckstück sind byzantinische Arbeiten.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dimiter Dimitrov: Bulgaria - Land of Ancient Civilizations. Foreign Language Press, Sofia 1961, S. 37
  2. Treasure-Room National Historical-Archaeological Reserve and Museum Veliki Preslav
  3. George Philip Baker: Constantine the Great and the Christian Revolution. Kessinger Publishing Company, Whitefish 2003, ISBN 0-7661-7292-9 S. 61
  4. Pat Southern: The Roman Empire from Severus to Constantine. Routledge, New York 2001, ISBN 0-415-23944-3, S. 286
  5. a b c Florin Curta: Southeastern Europe in the Middle Ages, 500-1250. Cambridge Medieval Textbooks, Cambridge University Press, Cambridge 2006, S. 229, ISBN 0-521-81539-8
  6. Peter Houtzagers, Jenneke Kalsbeek, Jos Schaeken: Dutch Contributions to the Thirteenth International Congress of Slavists, 15. bis 21. August 2003 in Ljubljana. Studies in Slavic and General Linguistics, S. 392
  7. John Julius Norwich: A Short History of Byzantium. 1998 S. 181
  8. John Rich: The City in Late Antiquity. Leicester-Nottingham Studies in Ancient Society, 1996 S. 191
  9. Ivan Jordanov: Preslav. In: Angeliki E. Laiou (Hrsg.): The Economic History of Byzantium: From the Seventh through the Fifteenth Century. Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Dumbarton Oaks Studies Nr. 39, Washington D.C. 2002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schatz von Preslaw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

43.16666666666726.816666666667Koordinaten: 43° 10′ 0″ N, 26° 49′ 0″ O