Schauerliteratur
Die Schauerliteratur (englisch Gothic Fiction) bzw. der Schauerroman (englisch Gothic Novel) ist ein literarisches Genre der Phantastik, das Mitte des 18. Jahrhunderts in England entstand und seine Blüte am Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte.
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[Bearbeiten] Gothic Novel
Mit Das Schloss von Otranto schrieb Horace Walpole 1764 die erste Gothic Novel und begründete ein neues Genre, das sich ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts enormer Beliebtheit erfreute.
In Letters on Chivalry and Romance beschrieb Richard Hurd die neue Richtung als Gothic Romance, in der er etwas fand, das „der Sichtweise eines Genies und dem Zweck der Poesie in besonderem Maße angemessen“ sei. Er untermauerte sein Lob mit einem Beispiel aus der Architektur: „Wenn ein Architekt einen gotischen Bau an griechischen Regeln misst, findet er nichts als Unförmigkeit. Doch die gotische Architektur hat ihre eigenen Regeln, und wenn man sie nach diesen untersucht, stellt man fest, dass sie ihre eigenen Qualitäten hat, ebenso wie die griechische.“[1]
Weitere bekannte Vertreter der angelsächsischen Schauerliteratur sind (in chronologischer Folge mit ihren Hauptwerken):
- Clara Reeve (The Old English Baron, 1778)
- William Beckford (Vathek, 1786)
- Ann Radcliffe (The Mysteries of Udolpho, 1794 und The Italian, 1797)
- William Godwin (Caleb Williams, 1794)
- Matthew Gregory Lewis (The Monk, 1796)
- Percy Bysshe Shelley (Zastrozzi, 1801)
- Mary Shelley (Frankenstein, 1818)
- Charles Robert Maturin (Melmoth der Wanderer, 1820)
- James Hogg (The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner, 1824)
Ungefähr 1825 war die Blütezeit der Gothic Novel vorbei. Zahlreiche Motive des Schauerromans wurden aber von der Literatur der Romantik aufgenommen. Es entstand die Schauerromantik, auch Schwarze Romantik genannt. Autoren wie Edgar Allan Poe und Wilkie Collins wiederum standen am Anfang der Entwicklung des Kriminalromans, der in seiner Ausprägung als Mystery Thriller stark auf Motivik des Schauerromans zurückgreift. In eine andere Richtung bewegte sich die Entwicklung zur modernen Horrorliteratur mit Vertretern wie Howard Phillips Lovecraft oder Stephen King.
[Bearbeiten] Literatur
- Christopher Frayling: Nightmare. The birth of horror. BBC Books, London 1996, ISBN 0-563-37198-6 (deutsch: Alpträume. Die Ursprünge des Horror. vgs, Köln 1996, ISBN 3-8025-2303-2).
- Jürgen Klein: Der gotische Roman und die Ästhetik des Bösen (= Impulse der Forschung 20). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, ISBN 3-534-06858-0.
- Jan C. L. König: Herstellung des Grauens. Wirkungsästhetik und emotional-kognitive Rezeption von Schauerfilm und -literatur. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2005, ISBN 3-631-54675-0.
- H. P. Lovecraft: Die Literatur der Angst. Zur Geschichte der Phantastik (= Phantastische Bibliothek 320 = Suhrkamp-Taschenbuch 2422). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-518-38922-X, (engl. Supernatural Horror in Literature.), online.
- Dirk Sangmeister: Zehn Thesen zu Produktion, Rezeption und Erforschung des Schauerromans um 1800. In: Lichtenberg Jahrbuch. 2010, ISSN 0936-4246, S. 177–217.
- Wolfgang Trautwein: Erlesene Angst. Schauerliteratur im 18. und 19. Jahrhundert. Systematischer Aufriss, Untersuchungen zu Bürger, Maturin, Hoffmann, Poe und Maupassant. Hanser, München u. a. 1980, ISBN 3-446-12987-1 (Zugleich: Stuttgart, Univ., Diss., 1979: Schauerliteratur 1765–1915.).
- Ingeborg Weber: Der englische Schauerroman. Eine Einführung (= Artemis Einführungen 7). Artemis, München 1983, ISBN 3-7608-1307-0.
- Gero von Wilpert: Die deutsche Gespenstergeschichte. Motiv – Form – Entwicklung (= Kröners Taschenausgabe 406). Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-40601-2.
[Bearbeiten] Weblinks
- The Literary Gothic – Kurzbiographien, Essays und Links zu Autoren der Gothic Novel (englisch)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ […] something in the Gothic Romance peculiarly suited to the views of a genius, and to the ends of poetry und […] when an architect examines a Gothic structure by Grecian rules, he finds nothing but deformity. But the Gothic architecture has it's own rules, by which, when it comes to be examined, it is seen to have it's merit, as well as the Grecian. Richard Hurd: Letters on Chivalry and Romance. Hg. von Edith J. Morley. London 1911, S. 81 u. 118