Scheden

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Scheden
Scheden
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Scheden hervorgehoben
51.4547222222229.7336111111111222Koordinaten: 51° 27′ N, 9° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Samtgemeinde: Dransfeld
Höhe: 222 m ü. NHN
Fläche: 26,69 km²
Einwohner: 1894 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 71 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37127
Vorwahl: 05546
Kfz-Kennzeichen: GÖ, DUD, HMÜ
Gemeindeschlüssel: 03 1 52 023
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile[2]
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstr. 2-4
37127 Scheden
Webpräsenz: www.scheden.de
Bürgermeister: Ingrid Rüngeling
Lage der Gemeinde Scheden im Landkreis Göttingen
Staufenberg Hann. Münden Bühren Scheden Rosdorf Friedland Dransfeld Jühnde Niemetal Adelebsen Bovenden Waake Gleichen Landolfshausen Bilshausen Göttingen Seulingen Ebergötzen Bodensee Seeburg Obernfeld Krebeck Wollbrandshausen Rollshausen Wollershausen Duderstadt Gieboldehausen Rhumspringe Rüdershausen Landkreis Göttingen Niedersachsen Hessen Landkreis Northeim Landkreis Northeim Landkreis Osterode am Harz ThüringenKarte
Über dieses Bild
Blick vom Gaußturm nach Scheden

Scheden ist eine Gemeinde im Landkreis Göttingen in Niedersachsen (Deutschland).

Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Dransfeld an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Dransfeld hat. Der Ort Scheden entstand aus den Orten Nieder- und Oberscheden.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Scheden liegt im Naturpark Münden am Südwestfuß des Hohen Hagens und wird vom östlichen Weser-Zufluss Schede durchflossen. Im Südostteil der Gemeinde befindet sich Meensen und das Quellgebiet des westlichen Leine-Zuflusses Dramme. Bei Meensen erhebt sich der Brackenberg, auf dem sich die Reste der Burgruine Brackenburg befinden.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Scheden besteht aus den Ortsteilen Scheden, Dankelshausen und Meensen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde König Heinrichs III. an das Kloster Hilwartshausen aus dem Jahr 1046 urkundlich als villa, quae dicitur Schitvn erwähnt.[3] Der älteste Teil der Siedlung lag im Bereich von Oberscheden und war ein Drubbel mit etwa neun Hofstellen, der wahrscheinlich erst im 14. Jahrhundert nach dem Wüstfallen mehrerer umgebender Dörfer deutlich erweitert wurde.[4] Seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts lautet die Namensform Sceden, Scheden oder Scheiden. Eine Unterscheidung von Oberscheden und Niederscheden ist seit dem 14. Jahrhundert überliefert: 1317 wird Nederen Scheden, 1322 Superiori Scheden schriftlich erwähnt, 1397 auch in der niederdeutschen Form Oueren Scheden.[5]

Auf der Karte der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1785 sind für Niederscheden 79 Feuerstellen, für Oberscheden 85 Feuerstellen verzeichnet. Die Struktur eines rein agrarisch ausgerichteten Ortes änderte sich erst 1852 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke von Göttingen nach Hann. Münden, eines Teils der Hannöverschen Südbahn, die die Ansiedlung von Industriebetrieben ermöglichte.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Dankelshausen und Meensen eingegliedert.[6]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[7]
Wahlbeteiligung: 56,88 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
56,07 %
29,66 %
14,26 %

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling wurde am 29. April 1996 gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Scheden aus dem Jahr 1973 ist im Wesentlichen viergeteilt. Es zeigt Elemente aus den Wappen der Ortsteile. Oben links, in schwarz auf goldenem Grund, ist ein mit Kleestengeln belegtes Kreuz zu sehen. Dieses Symbol ist dem Ortswappen von Dankelshausen entlehnt. Das Kreuz hält die kirchliche Bedeutung des Ortes als Parochiezentrum fest, die Kleestengel versinnbildlichen die zur Parochie gehörenden Nachbargemeinden. Unten rechts, ebenfalls in schwarz auf goldenem Grund, ist eine Geweih, das alte Cheruskerzeichen, mit Sternenspitzen, ein seltenes Symbol in der Heraldik, aus dem Siegel des Dietrich von Meensen von 1352 zu sehen. Unten links und oben rechts ist auf blauem Hintergrund ein silberner Wellenbalken dargestellt. Dieser versinnbildlicht die Schede, ein Bach der den Ortsteil Scheden durchfließt, die blauen Bereiche stehen für die ehemaligen Ortsteile Ober- und Niederscheden die sich 1964 unter dem Namen Scheden zusammengeschlossen haben. Im Vordergrund liegt verbindend über den vier Bereichen ein kleineres Wappen. Dies zeigt auf blauem Hintergrund ein goldenes Dreieck, welches oben mit einem Kreuz gekrönt ist. Diese goldene Hausmarke stand einst im Siegel des Henning von Scheden, Schultheiß zu Münden. Der Wellenbalken und die Hausmarke waren auf blauem Hintergrund in dem alten Ortswappen von Scheden zu sehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Scheden befinden sich die Baudenkmale von Scheden.

Kirche St. Markus[Bearbeiten]

St. Markus-Kirche in Oberscheden

Die Markuskirche[8] in Oberscheden wird auch als „Schedener Dom“ bezeichnet. Sie zählt zu den größten Dorfkirchen Südniedersachsens. Etwa 450 Besucher finden in der 1742–1747 im spätbarocken Stil erbauten Saalkirche Platz, die in Querausrichtung auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus aus dem 16. Jahrhundert errichtet wurde. Aus dieser Zeit (1577) stammt auch der heute noch erhaltene Taufstein. 1860–1861 wurde der Innenraum derart umgestaltet, dass seine Ausrichtung nunmehr nach Osten weist. Der seither in neoromanischem Stil ausgeführte Kirchenraum weist eine Scheinapsis mit dem Altar auf. Ihn schmücken neben dem Kruzifix und Figuren der Evangelisten zwei Halbreliefbilder. Sie zeigen die Anbetung Jesus durch die Heiligen Drei Könige und seine Taufe durch Johannes. Die an der linken Raumseite aufragende Kanzel ist mit Figuren der Verfasser der neutestamentlichen Episteln geziert. Die Kirche wurde 1984–1989 grundlegend renoviert und erhielt zwei neue Bronzeglocken als Ersatz für die 1949 anstelle der während des Zweiten Weltkriegs entfernten Bronzeglocken eingebrachten Stahlglocken, die zur Erinnerung vor der Kirche aufgestellt wurden.

Die in ihren ursprünglichen Teilen aus dem Jahr 1829 stammende Orgel ist ein Werk von Johann Dietrich Kuhlmann aus Gottsbüren. Ursprünglich hatte sie 15 Register auf einem Manual und Pedal, wurde aber bereits 1860 durch Carl Giesecke verändert und 1937 von Paul Ott um ein Rückpositiv erweitert. 2011 wurde die Orgel mit Hilfe von Spenden von der Orgelbaufirma Krawinkel aus Trendelburg restauriert und erweitert. Sie besitzt seitdem 22 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Disposition der neuen Orgel:

I Hauptwerk CD–f3
Bordun 16′
Prinzipal 8′
Hohlflöte 8′
Fernflöte 8′
Gedackt 8′
Octave 4′
Spitzflöte 4′
Quinte 22/3
Octave 2′
Mixtur III–IV 11/3
Trompete 8′
II Rückpositiv C–f3
Gedackt 8′
Principal 4′
Octave 2′
Sesquialter II 22/3
Quinte 11/3
Krummhorn 8′
Pedal C–c1
Subbass 16′
Octavbass 8′
Violon 8′
Octavbass 4′
Posaune 16′


Seit 2004 befindet sich in der St. Markuskirche die Dauerausstellung zum Gedächtnis an den 1697 in Oberscheden geboren Flötenmeister und Hofkomponisten Johann Joachim Quantz. Sie ist von April bis Oktober sonntags von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Zu diesen Zeiten ist auch der Kirchenraum außerhalb der Gottesdienste zugänglich.

Wüstung[Bearbeiten]

Kirchenruine der Wüstung Wetenborn

Rund 1,5 km östlich des Ortes liegt die Wüstung Wetenborn (51° 27′ 51,4″ N, 9° 45′ 30,8″ O51.4642777777789.7585555555556). Von dem um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert aufgegebenen Dorf sind noch Mauerwerksreste einer als vorromanisch eingestuften Kirche erkennbar. Der geostete Bau war nur 10,80×7,00 Meter groß und besaß einen eingeschnürten rechteckigen Chorraum. In den 1970er Jahren wurde die Ruine entdeckt und die Reste freigelegt.[4]

Museen[Bearbeiten]

  • Quantz-Ausstellung in der St. Markuskirche.
  • Mariannes Heimatmuseum[9]

Sport[Bearbeiten]

Der Weser-Harz-Heide-Radfernweg sowie der Durchgangswanderweg Studentenpfad berühren den Ort.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

VT 085 als FDt „Roland“ 1953 durchfährt Oberscheden

Es existiert eine Arztpraxis für Allgemeinmedizin, Betriebsmedizin, Kinderheilkunde und Rettungsmedizin.

Verkehr[Bearbeiten]

Scheden liegt direkt an der Bundesstraße 3, die von Hann. Münden nach Göttingen führt. Der nächste Anschluss zur A 7 ist Hann. Münden/Hedemünden in ca. 10 km Entfernung.

Von 1876 bis 1980 war Scheden an die schon 1856 eröffnete Hannöversche Südbahn angebunden, einst zweigleisige Hauptstrecke, danach wurde der Personenverkehr auf dem Dransfelder Abschnitt eingestellt. Die bis Dransfeld schon abgebaute Strecke wurde bis 1995 als Güteranschlussgleis für einen ansässigen Futtermittelhersteller (Firma - Hemo) genutzt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Johann Joachim Quantz-Denkmal in Scheden
  • Johann Joachim Quantz wurde 1697 in Scheden geboren und war Musiker, Komponist sowie Flötenlehrer Friedrichs des Großen.
  • Der Göttinger Senator Justus Christoph Grünewald wurde 1764 in Niederscheden geboren. Auf seine Initiative hin wurde am 22. Juni 1801 die „Spar- und Leih-Casse“ in Göttingen als erste kommunale Sparkasse Deutschlands gegründet.
  • Otto Feick baute im Niederschedener Zieh- und Stanzwerk in den Jahren 1925 bis 1926 das erste Rhönrad der Welt.
  • Theodor Krohne wurde 1846 in Dankelshausen geboren. Er wurde Stadtverordnetenvorsteher und Ehrenbürger von Königsberg i. Pr.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. a b Hauptsatzung der Gemeinde Scheden (PDF). Abgerufen am 23. März 2011.
  3. Monumenta Germaniae Historica, H. Bresslau und P. Kehr (Hrsg.): Die Urkunden Heinrichs II.. In: Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser, Band 5, Berlin 1930. Urkunde Nr. 163, S. 205
  4. a b c  Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. 5.2, CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 245ff.
  5.  Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamensbuch (NOB). Teil IV, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 356ff.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 213.
  7. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152401_000028/index.html
  8. Kirchenkreis Münden
  9. wiki-goettingen.de: Mariannes Heimatmuseum

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scheden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien