Scheinanglizismus
Als Scheinanglizismus (auch Pseudoanglizismus) werden Wörter in der deutschen oder einer anderen Sprache bezeichnet, die aus dem Englischen zu kommen scheinen und sich meist auch in Form und Lautung an die englische Sprache anlehnen. Tatsächlich sind diese Wörter im englischen Sprachraum aber unbekannt oder haben eine andere Bedeutung, so dass es mit Muttersprachlern zu Verständigungsproblemen kommen kann.
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[Bearbeiten] Herkunft und Verwendung
Scheinanglizismen sind eine Untergruppe der Pseudoentlehnungen.
Ein im Deutschen relativ bekanntes Beispiel ist das Synonym für ,Mobiltelefon‘, ,Handy‘ (ausgesprochen [ˈhɛndi] oder manchmal auch [ˈhændi]). Im britischen Englisch spricht man von mobile (phone) und im US-amerikanischen Englisch von cell (phone) oder auch cellular (phone), das englische Adjektiv handy lässt sich mit ,praktisch‘ übersetzen.
Ein anderes Beispiel ist ,Beamer‘ als Synonym für ,Video-Projektor‘. In der US-amerikanischen Umgangssprache bezeichnet beamer einen BMW-Pkw, in Großbritannien ist das Wort ein Fachausdruck für eine bestimmte Art des Wurfs beim Cricket. In der technischen Fachsprache steht es für Kettenanschärfer. Ein Video-Projektor heißt im Englischen video projector oder digital projector.[1]
Ein weiteres Beispiel ist der Begriff ‚Oldtimer‘ für ein Auto älteren Datums, der im englischsprachigen Raum nicht üblich ist; man spricht von antique car oder vintage car (old-timer bedeutet ‚alter Mensch‘). Ein bekannter Scheinanglizismus ist auch das ‚Happy End‘ (korrektes Englisch: happy ending).
Scheinanglizismen kommen außer im Deutschen auch in anderen Sprachen vor, so zum Beispiel im Niederländischen, im mexikanischen Spanisch und im Japanischen. Im Japanischen wurde hierfür ein eigener Begriff geprägt, die Wasei Eigo.
[Bearbeiten] Bewertung
Im sprachpolitischen und besonders im sprachkritischen Diskurs werden Scheinanglizismen oft als Beleg für eine Bedrohung der deutschen Sprache durch angloamerikanischen Einfluss angeführt (siehe auch Denglisch). Die Ästhetik des Ausdrucks und die kulturelle Eigenständigkeit des Deutschen leide unter der Verwendung von Anglizismen und Scheinanglizismen.
Von anderer Seite wird die Bildung von Scheinanglizismen als Zeichen der Lebendigkeit der Sprache und ihrer Fähigkeit gesehen, die expressiven Möglichkeiten durch kreative Nutzung fremder Einflüsse zu erweitern. Zudem seien viele Anglizismen und Scheinanglizismen Modewörter und verschwänden mit dem Abebben der Mode wieder aus dem Sprachgebrauch.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literaturangaben
- Petra Braselmann: Anglizismen. In: Ingo Kolboom, Thomas Kotschi, Edward Reichel (Hrsg.): Handbuch Französisch. Sprache, Literatur, Kultur, Gesellschaft. Schmidt, Berlin 2002, S. 204–208, ISBN 978-3-503-06126-6; N.A.: 2008, ISBN 978-3-503-09830-9.
- Joachim Grzega: Zu den pseudo-englischen Fremdwörtern im Deutschen (und zum Einfluss des Englischen auf das Deutsche generell). In: Joachim Grzega: Sprachwissenschaft ohne Fachchinesisch. 7 aktuelle Studien für alle Sprachinteressierten. Shaker, Aachen 2001, S. 57–70, ISBN 978-3-8265-8826-6.
- Ageliki Ikonomidis: Anglizismen auf gut Deutsch: Ein Leitfaden zur Verwendung von Anglizismen in deutschen Texten. Buske, Hamburg 2009, ISBN 3-875-48560-2.
[Bearbeiten] Weblinks
- Robbin D. Knapp: Erfundene englische Wörter im Deutschen. In: Robb: Menschliche Sprachen, 28. Oktober 2003
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ de.pons.eu – Stichwort „Beamer“