Scheinkrokusse

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Scheinkrokusse
Großblütiger Scheinkrokus (Romulea bulbocodium)

Großblütiger Scheinkrokus (Romulea bulbocodium)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Schwertliliengewächse (Iridaceae)
Unterfamilie: Crocoideae
Gattung: Scheinkrokusse
Wissenschaftlicher Name
Romulea
Maratti

Die Scheinkrokusse (Romulea), auch Sandkrokusse genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae). Die etwa 97 Arten sind hauptsächlich im Mittelmeerraum und im südlichen Afrika verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Romulea-Arten wachsen als laubabwerfende oder seltener immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie bilden sehr unterschiedlich geformte Knollen mit je nach Art unterschiedlichen Umhüllungen („Tunika“) als Überdauerungsorgane aus. Die grundständigen, einfachen Laubblätter sind unifacial, linealisch bis fadenförmig und parallelnervig mit meist zwei Rillen (mehr Rillen gibt es nur bei den beiden Arten der Serie Aquaticae). Der Blattrand ist glatt.

Die nur kurzen, verzweigten, ährigen Blütenstände ragen oft nicht über die Erdoberfläche hinaus und enthalten eine Blüte je Verzweigung. Die Tragblätter besitzen einen häutigen Rand. Es sind zwei ledrige, grüne Deckblätter je Blüte vorhanden. Die Blüten duften meist nicht. Die ungestielten Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs fast gleich geformten Blütenhüllblätter sind kurz glockenförmig verwachsen. Die Farben der Blütenhüllblätter reichen von meist weiß über gelb bis orangefarben (orange-braun) oder rosafarben. Es ist nur ein Kreis mit drei meist freien, fertilen Staubblättern vorhanden. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen mit 20 bis 50 Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. Der Griffel endet in meist sechs, selten drei Narbenästen.

Bei vielen Arten wächst der Stängel nach der Befruchtung bis zur Fruchtreife und ragt dann über die Erdoberfläche hinaus. Die dreifächerigen Kapselfrüchte enthalten 20 bis 100 Samen. Die ungeflügelten, kugeligen Samen sind hell bis dunkel braun und meist glatt.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Großblütiger Scheinkrokus (Romulea bulbocodium)
Romulea exima im Habitat
Kanaren-Scheinkrokus (Romulea grandiscapa Baker)
Griechischer Scheinkrokus (Romulea linaresii)

Die Gattung Romulea wurde 1772 durch Giovanni Francesco Maratti in Plantarum Romuleae, et Saturniae, 13 aufgestellt.[1] Der Gattungsname Romulea Maratti nom. cons. wurde konserviert gegenüber dem 1763 veröffentlichten Synonym Ilmu Adans. nom. rej. (Melbourne ICN Art. 14.4 & App. III).[2] Der Gattungsname Romulea ist vom Gründer Roms Romulus abgeleitet; die Typusart wächst rund um Rom. Weitere Synonyme für Romulea Maratti nom. cons. sind: Trichonema Ker Gawl., Bulbocodium Gronov. nom. illeg., Bulbocodium Ludw. ex Kuntze nom. illeg., Spatalanthus Sweet.[2][3]

Die Gattung Romulea gehört zur Tribus Croceae (Syn.: Ixieae) in der Unterfamilie der Crocoideae innerhalb der Familie der Iridaceae.

Romulea-Arten sind beheimatet im atlantischen Europa und im Mittelmeerraum, in Ostafrika, auf der Arabischen Halbinsel, auf Socotra, auf Bergen des tropischen Afrikas (drei Arten: Romulea camerooniana, Romulea congoensis und Romulea fischeri) und im Südlichen Afrika. Etwa 15 Arten kommen im Mittelmeerraum, in Westeuropa und Makaronesien (auf den Kanaren, Madeira sowie den Azoren) vor. In Italien kommen zwölf Arten vor. Auf den Inseln des westlichen Mittelmeerraumes gibt es 16 Arten (Korsika acht Arten, Sizilien sechs Arten). 83 Arten kommen im Südlichen Afrika, hauptsächlich in Gebieten mit Winterregen (80 % aller Arten) vor.[4]

Die Gattung Romulea wird in zwei Untergattungen mit sechs Sektionen sowie Serien gegliedert und enthält seit 2011 97[4] Arten:[3][5]

Es gibt viele Naturhybriden, von denen einige als Arten beschrieben wurden.[6]

Verwendung[Bearbeiten]

Sorten von Romulea bulbocodium werden als Zierpflanzen verwendet.

Quellen[Bearbeiten]

  • Peter Goldblatt: Romulea. In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2002, ISBN 0-19-515208-5, S. 407 (online).
  • J. Gathe: Romulea. In: Western Australian Herbarium (Hrsg.): FloraBase. The Western Australian Flora. Department of Environment and Conservation 2008, online.
  • John C. Manning, Peter Goldblatt: A synoptic review of Romulea (Iridaceae: Crocoideae) in sub-Saharan Africa, the Arabian Peninsula and Socotra including new species, biological notes, and a new infrageneric classification. In: Adansonia, 3ème Série. Band 23, Nr. 1, 2001, S. 59–108 (PDF-Datei).
  • Peter Goldblatt, Peter Bernhardt, John C. Manning: Floral biology of Romulea (Iridaceae: Crocoideae): a progression from a generalist to a specialist pollination system. In Adansonia, 3ème Série. Band 24, Nr. 2, 2002, S. 243–262 (PDF-Datei).
  • John C. Manning, Peter Goldblatt, Dee A. Snijman: The colour encyclopedia of Cape bulbs. Timber Press, Portland 2002, ISBN 0-88192-547-0.
  • John C. Manning, Peter Goldblatt, A. D. Harrower: Romulea pilosa and R. quartzicola (Iridaceae: Crocoideae), two new species from the southern African winter rainfall region, with nomenclatural corrections including new names for R. amoena, R. neglecta and R. rosea var. reflexa. In: Bothalia, Volume 41, Issue 2, 2011, S. 269-276. Volltext-PDF.
  • F. Frignani, G. Iiriti: The genus Romulea in Italy: taxonomy, ecology and intraspecific variation in relation to the flora of Western Mediterranean islands. In: Fitosociologia, Volume 48, Issue 2, Supplement 1, 2011, S. 13-20.

Volltext-PDF.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Romulea bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  2. a b c d e Romulea im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  3. a b c d e f g h Rafaël Govaerts (Hrsg.): Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 13. Oktober 2014
  4. a b c d John C. Manning, Peter Goldblatt, A. D. Harrower: Romulea pilosa and R. quartzicola (Iridaceae: Crocoideae), two new species from the southern African winter rainfall region, with nomenclatural corrections including new names for R. amoena, R. neglecta and R. rosea var. reflexa. In: Bothalia, Volume 41, Issue 2, 2011, S. 269-276. Volltext-PDF.
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al Artenliste zu Romulea in der Red List of South African Plants
  6. a b c d e f g F. Frignani, G. Iiriti: The genus Romulea in Italy: taxonomy, ecology and intraspecific variation in relation to the flora of Western Mediterranean islands. In: Fitosociologia, Volume 48, Issue 2, Supplement 1, 2011, S. 13-20. Volltext-PDF.
  7. a b Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scheinkrokusse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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