Schelfeis

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Die größten Schelfeistafeln der Antarktis (Stand 2007).

Als Schelfeis bezeichnet man eine große Eisplatte, die auf dem Meer schwimmt und von Gletschern, Eisströmen oder Eiskappen gespeist wird und noch mit diesen verbunden ist. Kennzeichnend für Schelfeis ist, dass am äußersten Rand immer wieder Eisberge abbrechen. Dieser Prozess wird als Kalben bezeichnet.

Schelfeiskante

Wenn das Eis von Gletscher oder Eisströmen die Küste erreicht, schwimmt es ab einer gewissen Wassertiefe auf dem Meer auf. Die Stelle, ab der die Eismassen nicht mehr auf dem Meeresgrund stehen, sondern aufzuschwimmen beginnen, wird Grounding Line genannt. Dort, wo sich das Schelfeis im Wasser über felsige Untiefen schiebt, können sich in Hügel oder Faltungen bilden. Diese sogenannten Ice-Rises wirken der Bewegung des nachdrängenden Eises entgegen, so dass Spannungen entstehen.

Von Schelfeis spricht man, wenn die Platte mindestens zwei Meter über den Meeresspiegel ragt. In der Regel ist Schelfeis zwischen 200 und 1000 Metern dick. Schelfeis ist flach und eben, daher entstehen durch das Kalben so genannte Tafeleisberge. Dies ist die typische Form der Eisberge in der Antarktis.

Die Stabilität und der Massenhaushalt des Schelfeises sind bedeutsam für den Anstieg des Meeresspiegels. Zwar wirkt sich das Schmelzen von schwimmendem Eis nur gering auf die Höhe des Meeresspiegels aus,[1] lösen sich aber Eisschelfe vom Festland, so fließt das plastische Eis der Inlandsgletscher schneller zum Meer. Derzeit ist noch unklar, ob das Vorrücken der Schelfeiskante seit 1957 ein normaler Prozess ist oder bereits eine Auswirkung der Klimaerwärmung.

Die größten Schelfeisgebiete liegen in der Antarktis:

In der Westantarktis ist seit 1995 ein verstärktes Aufbrechen und Abschmelzen der Schelfeistafeln zu beobachten, was zumindest zum Teil auf den lokalen Temperaturanstieg im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung zurückzuführen ist.[2][3] 2008 und 2009 brachen Teile des Wilkins-Schelfeises auf, welche bisher die Verbindung zur Charcot-Insel darstellten.[4][5] Aktuelle Aufnahmen des Wilkins-Schelfeises finden sich auf der von der ESA angebotenen 'Webcam’ from Space (siehe Weblinks).


Schematische Darstellung glaziologischer und ozeanographischer Prozesse an der Küste der Antarktis: Über dem antarktischen Eisschild fällt Niederschlag in Form von Schnee (Precipitation). Der Eisschild (Ice sheet) ist weitgehend am Untergrund festgefroren (back stress) und hat sich bis zu einer Mächtigkeit von über 4000 m aufgebaut. Das Eis fließt nach allen Seiten vom Kontinent ab, z.T. konzentriert in Eisströmen (Ice stream). An der Küste verliert das Eis im Bereich der Aufsetzlinie (Grounding line) den Kontakt zum Untergrund, wird deutlich dünner (einige 100 m) und bildet über dem Schelf (Continental shelf) ein Schelfeis (Ice shelf) = Eis, das noch mit dem Eisschild verbunden ist, aber bereits schwimmt. Fließt das Schelfeis über eine Untiefe, entstehen Eisrücken (Ice rise). An der Schelfeiskante brechen Tafeleisberge ab (Calving line, Iceberg calving), die auf ihrem Weg um die Antarktis in wärmerem Wasser schmelzen. Eine Küstenpolynya entsteht, wenn kalte ablandige Winde (Catabatic wind) das Meereis (Sea ice) von der Küste wegtreiben. In Verbindung mit der Neueisbildung entsteht kaltes, salzreiches und damit schweres Wasser, das den Kontinentalhang (Slope) herabfließt und den wesentlichen Mechanismus für die Bildung des ozeanischen Bodenwassers in der Tiefsee (Deep sea) darstellt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schelfeis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Noerdlinger, Peter D.; Brower, Kay R. (2007): The melting of floating ice raises the ocean level, in: Geophysical Journal International, Vol. 170, Juli 2007, S. 145-150, online
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAntarktis: Gigantische Eisfläche fällt auseinander. DER SPIEGEL, 19. März 2002, abgerufen am 4. Dezember 2009.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlexander Stirn: Kollabierendes Schelfeis: Antarktis-Gletscher laufen aus. DER SPIEGEL, 8. März 2003, abgerufen am 4. Dezember 2009.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAntarktis-Eis: Große Risse im Wilkins-Schild entdeckt. DER SPIEGEL, 1. Dezember 2008, abgerufen am 4. Dezember 2009.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWilkins-Packeis:Eisbrücke in der Antarktis bricht. DER SPIEGEL, 5. April 2009, abgerufen am 4. Dezember 2009.