Schellackpolitur

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Restauratorin beim Auftragen der Schellack-Handpolitur

Schellackpolitur ist die Oberflächenbehandlung von Holz (in der Regel Möbeln) mit in Ethanol gelöstem Schellack. Dabei wird auf dem Holz durch wiederholtes Auftragen und Polieren der Schellacklösung eine spiegelglatte, harte und hochglänzende Oberflächenversiegelung erzeugt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Schellackpolitur in der Möbelherstellung beginnt etwa zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Sie wird schnell als die bevorzugte Oberflächenbehandlung feiner Möbelstücke akzeptiert und verbreitet sich umgehend über Großbritannien und den Rest Europas. Sie löste die bis dahin verwendete Wachspolitur ab. Mit Entwicklung des Nitrolacks in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts geht die Bedeutung der Schellackpolitur in der Möbelherstellung schnell zurück. Heute trifft man auf sie hauptsächlich noch bei der Restaurierung von antiken Möbeln und Musikinstrumenten. Die Hersteller einiger teurer Saiteninstrumente bevorzugen heutzutage immer noch Schellackpolituren gegenüber den synthetischen Lacken.

Technik[Bearbeiten]

Die Versiegelung von Möbeln mit einer guten Schellackpolitur ist nicht nur ein zeitaufwendiger Vorgang, sondern bedarf ebenso einer erfahrenen Hand, da es sich um einen Veredelungsprozess handelt, der durch die eingesetzten Materialien äußerst sensibel ist. Er besteht aus drei unterschiedlichen Arbeitsteilen: Porenfüllen, Schichtaufbau und Auspolieren.

Zum Porenfüllen wird eine Mischung aus gleichen Teilen Schellack, Ethanol und feinstem Bimsmehl verwendet. Diese Paste wird mit einem kräftigen Borstenpinsel auf das Holz aufgetragen und anschließend mit einem Gummispachtel und einem in Ethanol getränkten Tuch wieder abgenommen. Dieser Vorgang muss bei grobporigem Holz wiederholt werden, bis alle Poren weitgehend geschlossen sind. Jedoch wird diese Methode nur dann angewendet wenn es sich um eine erste Bearbeitung von Holz handelt, bei einer Restaurierung wird das feine Bimsmehl, auch Steinmehl genannt, in sanften Brisen, mit dem Polierballen und einem Weißöl, das der Rutschfähigkeit dient, sanft einmassiert. Erst wenn die Oberfläche perfekt geschlossen ist, beginnt sie zu glänzen. Ein seitlicher Blick, wobei schräg einfallendes Licht die Ebenheit der Oberfläche zeigt, dient hier dem erfahrenen Handwerker als Kontrolle.

Nach reichlicher Trocknung – Schellack wird erst mit den Jahren ganz hart und bedarf bei der Verarbeitung zwischen den drei Schritten einer Trocknungszeit von mindestens 24 Stunden – beginnt der Schichtaufbau durch wiederholtes, gleichmäßiges Polieren der Oberflächen mit einem Polierballen, der mit in Ethanol gelöstem Schellack und etwas Öl versehen ist. Es wird darauf geachtet, dass eine gleichmäßige Aufbringung der Politur stattfindet. Da es sich dabei um eine durch die Verdünnung mit Ethanol verdampfende Substanz handelt, ist dieser Vorgang der mitunter heikelste, da eine Überpolierung mit Fingerspitzengefühl stattfinden muss, weil eine zu oft überarbeitete Stelle ebenso einer Wegbrennung – alte Politur löst sich wieder – gleichen kann. Nach jedem Schichtaufbau-Durchgang wird der gesamten Fläche Zeit zum Durchhärten gegeben, mind. 5 min. Ein Durchgang besteht aus der zentrischen kleinen Bewegung über die gesamte zu politierende Fläche, wobei jeder Quadratzentimeter nicht öfter als einmal mit dem Polierballen berührt werden sollte - sonst droht der sogenannte Verbrennungseffekt oder auch die Möglichkeit, kleben zu bleiben. Dieser Schichtaufbau wird fortgesetzt, bis eine perfekt glatte Oberfläche erreicht ist.

Der letzte Arbeitsgang ist eine etwaige Fehlerkorrektur, bei der kleine mit Bims nachzuarbeitende Löcher in der Oberfläche gefüllt werden, die in der zwischenzeitlichen längeren Trocknungsphase entstanden sind, sowie eine anschließende Aufpolierung der spiegelnden Oberfläche. Den Abschluss bildet die Reinigung der Oberfläche von den Rückständen des Öles, welche mit einer "Entfettungscreme für schellackpolierte Oberflächen" seinen letzten Arbeitsgang findet.

Rezepte[Bearbeiten]

  • Schellackpolitur (2-lb. cut): 60 g Schellack in 250 ml Ethanol auflösen.
  • Porenfüller: 100 g Schellack in 100 ml Ethanol auflösen, anschließend mit 75 g - 100 g Bimsmehl vermischen.

Pflege von schellackpolierten Oberflächen[Bearbeiten]

Die Reinigung sollte nur mit einem trockenen, nicht kratzenden höchstens "nebelfeuchten" Tuch stattfinden, damit lassen sich auch kleinere Verschmutzungen leicht entfernen. Eine nasse Reinigung sollte vermieden werden. Im alteingesessenen Drogeriefachhandel wird man auch sehr gut über Aufpolierung oder der Entfernung von kleineren Kratzern mit diversen Pflegemitteln beraten, wobei ein zweijährliches Einlassen mit einer Aufpolierung der erneuten Sättigung der Politur ausreichend ist.

Von einem Fachmann sollte man sich beraten lassen, wenn man sich eine besondere schellackpolierte Antiquität anschafft, da Raumtemperatur und Luftfeuchte zum Erhalt wichtig sind.

WICHTIG: Niemals eine schellackpolierte Oberfläche in direktem Sonnenlicht aufstellen, weil eine Entfärbung des Holzes, Ausbleichung, und eine Austrocknung der Oberfläche mit Rissbildung stattfindet.

Weblinks[Bearbeiten]