Schenkenschanz

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Schenkenschanz (Mai 2008) von Norden her gesehen. Im Hintergrund der Altrhein mit der Fähre

Schenkenschanz liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist ein Ortsteil der Stadt Kleve.

Geografie[Bearbeiten]

Dieser Ortsteil liegt rund fünf Kilometer nördlich des Zentrums der Stadt zwischen dem Rhein und dem Griethausener Altrhein, der 2,5 km unterhalb des Dorfes in den Rhein mündet. Der Ort ist auf dem Landweg nur über die Altrheinbrücke in Kleve-Griethausen erreichbar, dem tiefsten Punkt auf der Zufahrtstrecke zur nachfolgenden, gut vier Kilometer langen Deichstraße. Der andere Weg führt 300 Meter vor dem Ort von Kleve-Düffelward mit der Fähre über den Griethausener Altrhein. Bis 1972 war das Dorf nur mit der besagten Fähre zu erreichen.

Die Gemarkung Schenkenschanz ist mit 38 Hektar der kleinste Ortsteil von Kleve. Neun Zehntel des Ortes liegen im Überflutungsbereich des Naturschutzgebietes Kleve-Salmorth, ein Zehntel ist bebaut. Zwei Drittel des Ortes sind von einer Hochwasser-Schutzmauer, der Rest ist von einem Deich vor Überflutung geschützt. Der Ort zählt ca. 90 Bewohner (Stand 2012).

Der Ort wurde früher regelmäßig vom Frühjahrs-Hochwasser des Rheines umschlossen. Heute gibt es nur noch sporadisch Regen- oder Unwetter-Hochwasser. Trotz der geringen Größe des Dorfes hat sich ein reges Vereinsleben entwickelt: So gibt es z. B. einen Heimatverein, einen Schützenverein, einen Marine-Spielmannszug und einen bereits 1906 gegründeten Fußballclub, der sich jedoch in den 1980er Jahren mit dem Fußballclub von Kleve-Düffelward zusammenschloss.

Karte von Johann Bucker: Rheinverlauf bei Schenkenschanz anno 1713

Lage am Rhein[Bearbeiten]

Das Gebiet um Schenkenschanz lag in seiner ganzen Historie im Einwirkungsbereich des Rheinstroms mit Überschwemmungen, Uferabbrüchen, Inselbildungen und Verlagerungen. Die Zeichnung des Kartographen Johann Bucker zeigt, dass der Ort mit der ehemaligen Befestigung auch 1713 noch am Gabelpunkt von Waal und Nederrijn gelegen war. Auch gibt es einige kleinere und größeren Inseln und Sande (z. B. Fridericks Wardt und Salm Orht ). Die frühere Insel Salm Ohrt bildet heute das Vorland zu den Orten Griethausen, Brienen und Düffelward wo mittels einer Fähre über den heute dort verlaufenden alten Rheinarm der inzwischen in einer Niederung etwas abgelegene Ort Schenkenschanz erreicht werden kann. Heute splittet sich der Strom nicht mehr bei Schenkenschanz, sondern infolge von im 18. Jahrhundert erfolgten Wasserbaumaßnahmen weiter nördlich auf niederländischem Gebiet in die Flußläufe Waal und Nederrijn.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Dem Achtzigjährigen Krieg zwischen den Niederlanden und Spanien hat der Ort seine Entstehung zu verdanken. In 1579 hatten sich sieben niederländische Provinzen zur Utrechter Union gegen Spanien zusammengeschlossen. Sie verweigerten den Spaniern ihren Gehorsam. Zudem paktierten Sie mit England. Königin Elisabeth I. unterstützte sie mit Geld und Soldaten durch Robert Dudley, 1. Earl of Leicester. Im damaligen Gabelungswinkel von Rhein und Waal, auf einer großen und sumpfigen, „'sGrevenward“, „Saarbrugg“ oder auch „Fuchsenloch“ genannten, strategisch wichtigen Landspitze ließ der Lord 1586/87 durch den Feldhauptmann Martin Schenk von Nideggen eine Festung errichten. Ende des 16. Jahrhunderts zählte die Festung zu den stärksten Europas. Sie war von großer Bedeutung und wurde als Tor zu den Niederlanden lange als uneinnehmbar angesehen.

Die strategische Bedeutung wird deutlicher bei der Betrachtung der damaligen topografischen Situation: Die Aufspaltung des Rheins in die südliche Waal und den nördlichen Nederrijn (genauer: Pannerdens Kanal), die sich heute etwa 7,5 km westlich (flussabwärts) von Schenkenschanz bei Millingen am Rhein vollzieht, war vor der Anlage der Festung Schenkenschanz etwa 5 km weiter flussaufwärts, etwa in Höhe des heutigen Griethausen. Daran erinnert heute noch der dortige Altrhein als Rest des früheren Flusslaufs. Somit bildete das Land, auf dem Schenkenschanz errichtet wurde, eine flussaufwärts gerichtete Landspitze, die auch Spyck genannt wurde. Noch heute gibt es Spyck als Flurnamen nördlich von Griethausen, hier steht eine industrielle Ölmühle. Durch Verlagerungen der Flussläufe unterhalb von Schenkenschanz wurde die Festung zur Insel, von wo beide Flussläufe kontrollierbar waren. Schenkenschanz wurde deshalb zu Recht Hüter beider Ströme genannt. So wundert es nicht, dass der Ort im spanisch-niederländischen Krieg Schauplatz ständiger militärischer Auseinandersetzungen war und immer wieder bombardiert, in Brand geschossen und geplündert wurde. Auch mit dem Ende des Krieges und der Anerkennung der Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlande 1648 war der Streit um das Dorf noch nicht beendet. 1672, es war zu Beginn des Holländischen Kriegs (siehe auch: Beschreibung des Kriegsverlaufs), stand der 34-jährige französische König Ludwig XIV. persönlich mit seinen Truppen vor den Toren. Nach einem wilden Gefecht musste der erst 21-jährige Kommandant kapitulieren. Am 1. Mai 1674 zogen die Franzosen wieder ab und die Truppen Kurbrandenburgs ein. Sie blieben bis zum Kriegsende 1679. Schenkenschanz wurde wieder niederländisch. Ende des 17. Jahrhunderts versandete und verschlammte zunehmend der Niederrhein, und das Wasser floss immer mehr in die Waal. 1702 ließ die niederländische Regierung bei Millingen einen Kanal vom Waalbett zum dortigen Nederrijn graben (der Pannerdens Kanal), um dem Nederrjin eine stärkere Strömung zu geben. Dadurch wurde Schenkenschanz trockengelegt und verlor seine strategische und militärische Bedeutung. Die viele Jahrzehnte lang hart umkämpfte Festung entwickelte sich danach zu einem friedlichen Ort der Stille.

Chronik[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 wurde Schenkenschanz nach Kleve eingemeindet.[2]

  • 1995: Das Rhein-Jahrhunderthochwasser umschließt den Ort. Im Februar 1995 muss der Ort evakuiert werden.

Galerie[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Schenkenschanz ist der zentrale Schauplatz des 2004 beim Rowohlt-Verlag erschienenen Krimis Die Schanz des Autorentrios Leenders/Bay/Leenders.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Wisplinghoff, Erläuterungen aus dem Jahre 1984 zu: Johann Bucker, Karte des Rheines von Duisburg bis Arnheim aus dem Jahre 1713, Herausgeber: Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv, Düsseldorf 1984 , Seiten 5 bis 10
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
  3. Die Schanz auf rowohlt.de

Literatur[Bearbeiten]

  • G. Leibold: Schenkenschanz. Ein Zeitgemälde aus drei Jahrhunderten clevischer Geschichte. In: Clever Kreisblatt, 1906. Zweiter Nachdruck 1985: G. W. Bösmann, Kleve
  • Guido de Werd: Schenkenschanz. Boss-Verlag 1986, ISBN 3-922384-48-X
  • Karl Kossert: Martin Schenk von Nideggen. Mercator-Verlag, Duisburg, 1993, ISBN 3-87463-196-6
  • Deutsche Dörfer neu entdeckt, Verlag Das Beste, Stuttgart 1985, ISBN 3-87070-2427

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schenkenschanz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
165-Grad-Panoramablick Düffelward/Schenkenschanz, gesehen von der Deichstraße aus. Links der Griethausener Altrhein mit Fähre.

51.8361111111116.1102777777778Koordinaten: 51° 50′ N, 6° 7′ O