Schenker AG

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Schenker AG
Das Schenker-Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung Juli 1872
Sitz Essen[1]
Leitung Thomas C. Lieb,
Lutz Freytag,
Heiner Murmann,
Ewald Kaiser,
Thomas Schulz,
Peter Schumann,
[2]
Mitarbeiter 95.000 Mitarbeiter (2013)
Umsatz 19,7 Mrd. EUR (2013)
Branche Logistik
Website www.dbschenker.com
Der Unternehmensgründer Gottfried Schenker
Das alte Schenker-Logo mit seinem markanten „S“ hielt sich über Jahrzehnte
Schenker bietet Intermodale Verkehre an

Die Schenker AG ist ein international tätiger Logistikdienstleister. Das Angebot des Unternehmens umfasst Warenverkehr auf dem Land-, Luft- und Seeweg sowie die damit verbundenen logistischen Aufgaben. Schenker ist eine 100-prozentige Tochter der DB Mobility Logistics AG[2] und gehört zum Geschäftsfeld DB Schenker Logistics der Deutsche Bahn AG. Der Markenname Schenker wurde auch für den Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn übernommen, der inzwischen unter DB Schenker Rail firmiert.

Heutige Position[Bearbeiten]

DB Schenker Logistics beschäftigt weltweit ca. 65.000 Mitarbeiter an rund 2.000 Standorten in 130 Ländern und erwirtschaftet einen Gesamtumsatz von rund 15,0 Milliarden Euro im Jahr (Stand: 2013).

Im Januar 2006 wurde das Speditionsunternehmen BAX Global von der Deutschen Bahn AG übernommen. Durch diese Übernahme steigt Schenker zu einem der weltweit führenden Logistikdienstleister auf. Gemessen am Frachtaufkommen belegt Schenker die erste Position im europäischen Landverkehr, die zweite Position in der weltweiten Luftfracht und den dritten Platz in der weltweiten Seefracht.

Schenker ist offizieller Partner der deutschen Olympia-Mannschaft und war als Dienstleister für Spedition und Zollformalitäten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Olympischen Spiele 2008 in Peking und 2012 in London im Einsatz. Auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war Schenker offizieller Logistikdienstleister.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Speditionsunternehmen Schenker & Co. wurde 1872 von Gottfried Schenker (1842–1901) gemeinsam mit Moritz Karpeles (1834–1903) und Moritz Hirsch (1839–1906) in Wien gegründet.[3][4] Karpeles und Hirsch waren Inhaber der schon früher gegründeten Speditionsfirma Karpeles und Hirsch, das in der 2. Hälfte der 1890er Jahre mit Schenker & Co. verschmolzen wurde. 1873 wurde bei Schenker der Bahnsammelverkehr eingeführt, der der erste auf der Strecke Paris–Wien war. Das Zusammenfassen von Kleinsendungen zu größeren Einheiten, als eine der großen Neuerungen im Speditionsgewerbe, diente unter Ausnutzung aller Landwege der rascheren Abwicklung der Transporte, was zu einer besseren Preisgestaltung führte. Zwei Jahre nach der Gründung wurden Niederlassungen in Budapest, Bukarest, Prag und London errichtet, weitere folgten; deren Anzahl hatte sich bis zum Tod von Gottfried Schenker auf 33 erhöht. Im Zuge der Gründung der Adria Dampfschiffahrts-Gesellschaft (nach anderer Quelle: Adria Steamship Company, gegründet schon 1879) erwarb er 1880 an diesem Unternehmen eine Beteiligung. Ebenfalls ab 1880 begann Schenker mit der Etablierung eigener Reisebüros, damit Schenker & Co. als offizieller Spediteur für verschiedene Weltausstellungen ernannt werden konnte, was sich wiederum als innovative Ausweitung des Dienstleistungssektors darstellte. 1891 kaufte Schenker & Co. ungefähr 60 Eisenbahnwaggons und war damit in der Lage, als zu dem Zeitpunkt einzige europäische Speditionsfirma mit durchgehend kalkulierten und verbindlich geltenden Tarifen Eisenbahnfrachten von London bis Konstantinopel anbieten zu können. 1895 gründete er gemeinsam mit Burrel & Sohn und August Schenker-Angerer die Schiffahrts-Gesellschaft Austro-Americana mit Sitz in Triest. Die Reederei, mit der anfangs vier, bis 1898 elf Schiffe betrieben wurden, stellte für Schenker die regelmäßige Verbindung zwischen Nordamerika und Triest her. 1896 wurde Gottfried Schenker österreichischer Staatsbürger und adoptierte seinen Austro-Americana-Mitgesellschafter August, der mit der Nichte seiner Frau verheiratet war. Laufend wurden mit den wichtigsten Eisenbahn- und Schifffahrtslinien in Europa und in den USA weitere vertragliche Verbindungen vereinbart und damit immer mehr das Speditionsnetz ausgeweitet. In seinem letzten Lebensjahr 1900/1901 wurde Gottfried Schenker aufgrund fortschreitender Krankheit unter Kuratel gestellt, und August Schenker-Angerer übernahm die Leitung. Das Unternehmen war in der Zwischenzeit in nahezu allen europäischen Staaten vertreten und hatte in vielen davon die Marktführerschaft erreicht. 1928 verlegte das Unternehmen seine Zentrale nach Wien.[4]

Vor dem Hintergrund stetig zurückgehender Marktanteile des Schienengüterverkehrs infolge staatlich festgesetzter Preise und der steigenden Attraktivität des Straßengüterverkehrs suchte die Deutsche Reichsbahn zu Beginn der 1930er Jahre nach Möglichkeiten, das Güterverkehrsgeschäft zu stabilisieren.[5]

Nachdem die Reichsregierung nicht bereit war, die Frachttarife anzuheben, wurde die damals größte Spedition in Deutschland Ende Januar 1931 durch die Deutsche Reichsbahn, im Rahmen eines zunächst geheim gehaltenen Vertrages, übernommen. Eine Woche später, am 5. Februar 1931, schloss die Reichsbahn darüber hinaus einen − zunächst ebenfalls geheimen − Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen ab. Im Rahmen dieses so genannten „Schenker-Vertrags“ erhielt die Spedition das exklusive Recht, den Straßen-Güterverkehr im Vor- und Nachlauf des Eisenbahntransportes zu organisieren. Dabei konnte Schenker dieses Recht vor Ort auch an andere Speditionen abtreten, soweit diese sich verpflichteten, keinen Güterfernverkehr zu betreiben und den Transport zu von der Bahn festgelegten Tarifen abzuwickeln.[5]

Durch die Geheimhaltung sollte eine Erhöhung der durch die Reichsbahn zu zahlenden Reparationen vermieden werden. Während der Kauf bis 1937/1938 geheim blieb, wurde das Kooperationsabkommen zwei Wochen nach seinem Abschluss publik und entfachte vielfältige Kritik. So sahen die Spediteure ein „systematisches Abwürgen des gewerblichen Güterverkehrs“. Die Reichsbahn wurde darüber hinaus für den Abschluss eines derart umfassenden Geschäftes ohne Rücksprache mit der Reichsregierung kritisiert. Mit Abschluss des Bahnspeditionsvertrages am 6. Dezember 1931 wurde die Exklusivvereinbarung mit Schenker aufgehoben, wobei gleichzeitig der Reichsbahn die Möglichkeit eingeräumt wurde, ihre Frachttarife selbst festzulegen. 1933 erwies sich in der Nachbetrachtung der Kaufpreis für Schenker als viel zu hoch, nachdem bekannt wurde, dass die Gesellschaft kurz vor der Übernahme vor dem Bankrott stand.[5]

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  • 1933 bis 1945

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1933 – 1945[Bearbeiten]

Nachdem Schenker bereits 1932 zunächst die Aktien der Aachener Spedition- und Lagerhaus Aktiengesellschaft (SPELAG) übernommen hatte, ein unter der Leitung von Albert Schiffers im gesamten Rheinland und in den benachbarten Niederlande tätiges Speditionsunternehmen, fusionierten schließlich beide Unternehmen im Jahr 1936, wobei die SPELAG als GmbH weiterführt wurde.

In den Kriegsjahren 1939-1945 war das Gesamtunternehmen als Teil der Deutschen Reichsbahn am Transport von beschlagnahmten Haushalten von jüdischen Opfern des Holocausts beteiligt. Wie stark die Firma an Arisierungen beteiligt war, ist umstritten. Eine klare Stellungnahme wie im Falle des Dorotheums ist bis jetzt nicht erfolgt.[6]

Seit 1945[Bearbeiten]

Mit dem Zweiten Weltkrieg und anschließender Enteignungen war der Verlust zahlreicher Niederlassungen verbunden. Das Unternehmen blieb weiterhin im Besitz der nunmehr Deutschen Bundesbahn. Nach dem Wiederaufbau des Unternehmens erfolgte die weitere Internationalisierung und die Intensivierung der Luftfracht. 1947 wurde ein Tochterunternehmen in den Vereinigten Staaten gegründet. Im Weiteren wurde die Geschäftstätigkeit auf den asiatischen Markt ausgedehnt und in Hongkong eine eigene Gesellschaft gegründet. Im Jahr 1991 wurden die Anteile der Deutschen Bahn und damit die Aktienmehrheit durch die Stinnes AG übernommen. 1997 wurde die Schenker AG mit den Geschäftsbereichen „Schenker Logistics“, „Schenker International“ und „Schenker Eurocargo“ gegründet. Nach der Übernahme der schwedischen BTL AB, Göteborg im Jahr 1999 wurde in Schenker-BTL AG umfirmiert. 2002 übernahm die Deutsche Bahn AG wiederum mehrheitlich die Stinnes AG. Im selben Jahr wurde die Schenker-BTL AG mit der Schenker International Deutschland GmbH zur Schenker Deutschland AG zusammengeführt.[4] 2007/2010 agierte die österreichische Tochtergesellschaft als Kronzeuge im Fall der Spediteurs-Sammelladungs-Konferenz.[7]

Im Juli 2011 wurde bekannt, dass das Luftfrachtangebot von der Tochter Bax Global, welches bislang mit 20 Flugzeugen in Nordamerika und Mexiko betrieben wird, eingestellt wird. Grund ist das schwache Wirtschaftswachstum, verbunden mit hohen Treibstoffpreisen. Zukünftig soll dieser Frachtanteil auf dem Landweg transportiert werden.[8]

Besondere Aufgaben[Bearbeiten]

  • Schenker war offizieller Spediteur der Olympischen Sommerspiele 1972 in München, 2000 in Sydney und 2002 in Salt Lake City.
  • Schenker begleitet und unterstützt die Ausstellungen der United Buddy Bears weltweit. Eine besondere Herausforderung war dabei die Realisierung der Ausstellung in Pjöngjang (Nordkorea), 2009.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Matis, Dieter Stiefel: Das Haus Schenker. Die Geschichte einer internationalen Spedition 1872–1931. Ueberreuter, Wien 1995, ISBN 3-7064-0152-5
  • Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931–1991. Ueberreuter, Frankfurt [Main] 2002, ISBN 3-8323-0895-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schenker AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.dbschenker.com/site/logistics/dbschenker/com/de/geschaeftsfeld__logistics/profil/profil.html
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEin integriertes Transport- und Logistikunternehmen. In: Transport und Logistik im DB-Konzern. Deutsche Bahn, 31. Oktober 2008, abgerufen am 11. Februar 2009.
  3. Marianne Enigl: Wie österreichische Adelige trotz Aufnahmesperre der NSDAP beitraten. („Unterschlupf“.) profil online, 9. Januar 2010. Abgerufen am 10. Oktober 2010.
  4. a b c Charlotte Natmeßnig: Schenker, Urs Josef Gottfried. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 681 f. (Digitalisat).
  5. a b c DB Museum (Hrsg.): Im Dienst von Demokratie und Diktatur. 2. Auflage, Verlag DB Museum, Nürnberg 2004, ISBN 3-9807652-2-9, S. 32.
  6. Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931–1991. Ueberreuter, Frankfurt [Main] 2002, ISBN 3-8323-0895-4.
  7. Der Standard 11. Mai 2010
  8. Schenker gibt Luftfrachtgeschäft in den USA auf
  9. Welt am Sonntag, 7. Oktober 2012