Scherden

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Scherden in Hieroglyphen
Neues Reich
M8
G1
Z4
D21
Z1
D46
G1
N35
G1
T14
N25

Scherden / Schardana
Šrdn / Š3-r-d3-n3 [1]
Sarden [2]
Shardana.jpg
Darstellung der Scherden in Medinet Habu

Scherden (auch Šerden, Šardana, Schardana) ist ab dem Neuen Reich die neuägyptische Bezeichnung für Völker, die teils Ägypten angriffen, teils als Hilfstruppen belegt sind.

Erwähnungen der Scherden[Bearbeiten]

Amarna[Bearbeiten]

Erstmals erwähnt werden die Scherden als Scherdenu um 1345 v. Chr. in den Amarna-Briefen, in welchen Rib-Addi militärische Unterstützung von Echnaton erbat.[3] Rib-Addi beschrieb sie als gefährliche Gegner, die sowohl zu Land als auch zu Wasser angriffen.

Ramses II. und Merenptah[Bearbeiten]

Später traten sie auch als Söldnertruppen in die Dienste syrischer Kleinstaaten. Ihr Herkunftsort wurde zwar nicht genannt, doch agierten sie zumeist im östlichen Mittelmeer-Raum. Die Scherden werden in weiteren ägyptischen Quellen in Verbindung mit den sogenannten Seevölkern erwähnt, so z.B. bei der Schlacht bei Sais im 5. Regierungsjahr von Merenptah,[4] vorher schon unter Ramses II., der sie in der Schlacht bei Kadesch als verbündete Hilfstruppen einsetzte. Zuvor hatten sie Ägypten mit einigen Raubzügen bedroht. Ramses II. erwähnte sie in diesem Zusammenhang als Scherden, die Ägypten auf ihren Schiffen angriffen. Obwohl zur Art der Bedrohung keine Aufzeichnungen vorliegen, ging Ramses II. hart gegen sie vor.

Ramses III.[Bearbeiten]

Unter Ramses III. erfolgte auf Ägypten 1186 v. Chr. erneut ein Angriff der Seevölker. Auf einem Relief in Medinet Habu wurde diese Schlacht in Bildern festgehalten. In der namentlichen Aufzählung der Seevölker fehlt jedoch der Name Schardana. Ihr Name wird erst im Großen Papyrus Harris erwähnt. Dieser Widerspruch konnte bis heute nicht erklärt werden. Die Zuordnung der Scherden als Teilnehmer an der Schlacht kann zwar als gesichert angesehen werden, ihre Teilnahme im Seevölker-Bündnis gegen Ägypten stellt jedoch nur wissenschaftliche Annahmen dar.

Ramses II. rekrutierte die Scherden als Gardeeinheiten, die auf ägyptischen Schiffen eingesetzt wurden. Sie kämpften weiterhin mit ihrer eigenen Ausrüstung und als Zeichen der Zugehörigkeit zur ägyptischen Flotte wurden ihre Helme mit dem Aton-Emblem bestückt. Eine Ableitung aus den Abbildungen auf dem Relief von Medinet Habu kann aus diesen Gründen nicht automatisch vorgenommen werden.

Herkunft[Bearbeiten]

Die Scherden trugen gehörnte Helme, gerippte Brustharnische, Schilde, Doppelspeere und lange zweischneidige Schwerter. Die Helme entsprechen dem Aussehen zweier Bronzestatuetten aus Enkomi auf Zypern sowie einer aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. stammenden Kriegervase aus Mykene. Die abgebildeten Kriegswaffen waren seit dem späten 13. Jahrhundert v. Chr. ebenfalls im mykenischen Kulturkreis gebräuchlich und wurden erst im 12. Jahrhundert v. Chr. in Zypern eingeführt.

Das Aussehen der Schiffe, z.B. die Form des Bugs mit Vogelkopfmotiv, ist vergleichbar mit Abbildungen auf mykenischen Tongefäßen, z. B. einer mykenischen Bügelkanne aus dem 12. Jahrhundert (SH III C), die auf Skyros [5] gefunden wurde. Andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die kurz nach 1186 v. Chr. im Umland eingeführt wurden, sind ebenfalls mykenischen Ursprungs. Die Herkunft aus dem ägäischen Raum scheint daher nahezuliegen. Dass die Scherden an der Seevölker-Koalition zumindest zeitweise beteiligt waren, macht ihre Herkunft aus dem Ägäisraum oder Südwestanatolien ebenfalls wahrscheinlich.

Eberhard Zangger vermutete eine Herkunft der Scherden unspezifiziert aus Nordwest-Kleinasien, wo er auch Ahhijawa (seiner Meinung nach ein bedeutendes trojanisches Reich) und die Lukka-Länder annahm.[6] Seit dem Fund des Staatsvertrags zwischen Tudhalija IV. und Kurunta in Hattuša und dessen Auswertung gilt jedoch als sicher, dass sich die Lukka-Länder im westlichen Süden Kleinasiens befanden und Aḫḫijawa kaum in der Troas gelegen haben kann.[7] Eine Herkunft der Scherden aus Nordwestanatolien kann daher, will man sie - wie Zangger - in der Nähe der Lukka-Länder und Aḫḫijawas lokalisieren, nicht mehr aufrechterhalten werden.

Ferner wird schon seit langer Zeit immer wieder von einigen Forschern eine Herkunft der Scherden/Schardana aus Sardinien vermutet. Argumente dafür sind nicht nur die Namensähnlichkeit, sondern auch die phönizische Schreibung šrdn für die Insel, die auf der Stele von Nora aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. erstmals begegnet[8], sowie viele Funde ostmediterraner Herkunft, vor allem im Südosten der Insel (z. B. Nuraghe Antigori), die zeigen, dass Sardinien in das spätbronzezeitliche Handelsnetz eingebunden war.[9] Auch in Kommos auf Kreta gefundene sardische Keramik[10] wird in dem Zusammenhang angeführt. Ferner werden Bronzefiguren der Nuraghenkultur ins Spiel gebracht, wie Schiffsmodelle, die Ähnlichkeiten zu den Schiffen der Scherden bzw. zu den oben erwähnten Schifssdarstellungen auf Skyros aufweisen sollen, oder Figuren mit gehörnten Helmen. In der 1993 - 2000 ausgegrabenen Siedlung el-Ahwat im Norden Israel stieß man u.a. auf "Tholos-artige" Befestigungsbauten, die der Ausgräber Adam Zertal potentiell mit Sardinien in Verbindung bringt.[11] Die Funde ostmedierraner Herkunft datieren jedoch hauptsächlich ins 13. und 12. Jahrhundert v. Chr. (mykenische Keramik z. B. umfasst vor allem SH III B- und SH III C-Ware), nur wenige Stücke sind deutlich früher anzusetzen. Das deutet darauf hin, dass die Kontakte erst deutlich nach den ältesten Schriftquellen zu den Scherden (s.o.) intensiviert wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Texte aus der Umwelt des Alten Testaments. (TUAT) Band 1, Alte Folge, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1982.
  • Bill Manley: Die siebzig großen Geheimnisse des Alten Ägyptens. Frederking & Thaler, München 2003, ISBN 3-89405-625-8.
  • Walter Arend: Altertum: Alter Orient, Hellas, Rom (= Geschichte in Quellen. Bd. 1). Bayerischer Schulbuch-Verlag, München 1989, ISBN 3-7627-6055-1.
  • James-Henry Breasted: Ancient records of Egypt: historical documents from the earliest times to the Persian Conquest The Nineteenth Dynasty. Vol. 3: The Nineteenth Dynasty. Histories & Mysteries of Man, London 1988, ISBN 1-85417-027-9, (online).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Syllabische Schreibung Š3-r-d3-na
  2. Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch : (2800 - 950 v. Chr.). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 901.
  3. Amarna-Briefe: EA 81, EA 122, EA 123
  4. vgl. auch TUAT 1 AF S. 544-552.
  5. Abbildung s. http://www.salimbeti.com/micenei/ships.htm
  6. Eberhard Zangger: Ein neuer Kampf um Troia. Archäologie in der Krise. Droemer Knaur, München 1994 ISBN 3-426-26682-2
  7. Frank Starke: Troia im Kontext des historisch-politischen und sprachlichen Umfeldes Kleinasiens im 2.Jahrtausend, Studia Troica 7, 1997, 447-487, bes. 450ff.
  8. H. Donner, W. Röllig: Kanaanäische und aramäische Inschriften, Wiesbaden 1969, Nr. 46; zitiert nach Günther Hölbl, Beziehungen der ägyptischen Kultur zu Altitalien Band 1, Leiden 1969, S. 21 Anm. 64.
  9. Einen aktuellen Überblick zu den Funden bietet: Laura Soro, Sardinien und die mykenische Welt: Die Forschungen der letzten 30 Jahre, in: Fritz Blakolmer u.a. (Hrsg.) Österreichische Forschungen zur Ägäischen Bronzezeit 2009. Akten der Tagung vom 6. bis 7. März 2009 am Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg, Wien 2011, 283 - 294. (online-Version)
  10. L. V. Watrous, Kommos III. The Late Bronze Age Pottery (Princeton 1992) 163‒191 Taf. 56‒57, zitiert nach: ebenda, S. 287, Anm. 26.
  11. Ausführliche Publikation der Grabungsergebnisse: Adam Zertal (Hrsg.): El-Ahwat, A Fortified Site from the Early Iron Age Near Nahal 'Iron, Israel. Excavations 1993 - 2000, Leiden 2012.