Schibboleth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Schibboleths im Sinne eines Sprachtests. Für eine Beschreibung des gleichnamigen Authentifzierungsverfahrens siehe Shibboleth (Internet).
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.


Ein oder eine Schibboleth (Plural: Schibbolethe, Schibboleths oder Schibboloth) ist eine sprachliche Besonderheit, durch die sich ein Sprecher einer sozialen Gruppe oder einer Region zuordnen lässt. Zu unterscheiden sind Schibboleths von Zungenbrechern, die für alle Sprecher schwer auszusprechen sind. Vielmehr handelt es sich bei Schibboleths um Wörter, an deren verschiedener Aussprache die Herkunft des Sprechers zu erkennen ist und die somit zu einem sozialen Code werden.

Etymologie[Bearbeiten]

Schibboleth (hebr. שבולת) ist ein hebräisches Wort und bedeutet wörtlich ‚Getreideähre‘, wird aber in der Bedeutung von ‚Kennwort‘ oder ‚Codewort‘ verwendet. Im Tanach und im Alten Testament heißt es im Buch der Richter 12, 5-6:

„Und die Gileaditer besetzten die Furten des Jordans vor Ephraim. Wenn nun einer von den Flüchtlingen Ephraims sprach: Lass mich hinübergehen!, so sprachen die Männer von Gilead zu ihm: Bist du ein Ephraimiter? Wenn er dann antwortete: Nein!, ließen sie ihn sprechen: Schibbolet. Sprach er aber: Sibbolet, weil er's nicht richtig aussprechen konnte, dann ergriffen sie ihn und erschlugen ihn an den Furten des Jordans, sodass zu der Zeit von Ephraim fielen zweiundvierzigtausend.“

In hebräischer Schrift ist die Aussprache des Schin nicht ersichtlich, wenn es nicht punktiert ist. So sind die beiden punktierten Varianten שִׁבּוֹלתּ (Schibboleth) bzw. שִׂבּוֹלתּ (Sibboleth). Der tatsächliche hebräische Bibeltext in diesem Vers, der wie die ganze hebräische Bibel ursprünglich unpunktiert niedergeschrieben wurde, verwendet allerdings zur Klarstellung den Buchstaben Samech und nicht Sin für den letzteren Fall. Die jeweiligen Ausspracheweisen dienten der Einteilung von Personen in die Dichotomie Feind und Freund.

Der französische Philosoph Jacques Derrida hat 1984 in einem Vortrag anlässlich eines Internationalen Paul-Celan-Symposions das Codewort (die Parole) aufgegriffen. Zur Kennung der Ephraimiter schreibt Derrida:

„Ein gewisses Unvermögen, das ihrem Stimmapparat zugestoßen war..., war dafür verantwortlich, daß die Ephraimiter ihre Unfähigkeit, das auszusprechen, was – wie sie wohl wußten – Schibboleth und nicht Sibboleth lauten mußte, im Körper und am eigenen Leib zu spüren bekamen.“

Das Wort "Schibboleth" ist demgemäß selbst ein Schibboleth (Homolog). Es wird in der Freimaurerei traditionell als Passwort des Gesellengrades verwendet.[1]

Schibboleths im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Mit Schibboleths im weiteren Sinn kann im Hochdeutschen die Herkunft eines Sprechers durch verschiedene kleine Eigenheiten der Aussprache einer mehr oder weniger großen Region zugeordnet werden. Dem Sprecher selbst sind dabei diese Eigenheiten oft gar nicht bewusst. Die Zuordnung ergibt sich ganz natürlich im Gespräch ohne Verwendung eines besonderen Kennworts.

Schibboleths im engeren Sinn werden im Dialekt meist scherzhaft dazu verwendet, Nicht-Ortsansässige als solche zu identifizieren. Durch den Einsatz und die Kombination spezifischer Aspekte der lokalen Mundart wird erreicht, dass das Wort oder die Wendung für einen Außenstehenden nicht korrekt auszusprechen ist. Erschwerend kommen mitunter noch eigenständige Vokabeln dazu, die das grundsätzliche Verstehen ohne Übersetzung unmöglich machen. Mancherorts gilt man als Einheimischer ehrenhalber, wenn es einem gelingt, den lokalen „Sprachtest“ zu bestehen.

Das wohl bekannteste deutsche Schibboleth ist Oachkatzlschwoaf, siehe unten.

Deutsch (Schriftdeutsch)[Bearbeiten]

Für den Unterschied zwischen Norddeutschen und Süddeutschen gilt das s im Wortanlaut als Merkmal: Süddeutsche Sprecher verwenden hier das stimmlose (IPA: [s]), norddeutsche das stimmhafte (IPA: [z]). So kann ein Wort wie Sonne als Schibboleth verwendet werden. Eine weitere Nord-Süd-Unterscheidung zeigt die Aussprache von st: „Schornsteinfeger Stefan fischt im Nest nach Wurst.“ Je südlicher die sprachliche Herkunft des Sprechers ist, desto häufiger spricht er das „st“ wie scht aus (bis zu viermal). Im Bremer Dialekt werden sp und st stets in s-p [sp] und s-t [st] statt standarddeutsch schp [ʃp] und scht [ʃt] getrennt, was im klassischen Satz „Der Stadtbremer ist über den spitzen Stein gestolpert“ verdeutlicht wird.

Helles ch und sch sind vor allem für Sprecher aus dem Rheinland, Sachsen und Südhessen schwer zu unterscheiden: „Schwarzwälder Kirschtörtchen“, „griechische Geschichte“, „tschechischer Tontechniker“.

Regionale Aussprache des r:

  • Münsterland und Ostwestfalen: auch nach kurzvokaler Vokalisierung (bzw. aufgrund der fehlenden Unterscheidung der Länge hier Zusammenfall), z. B. in „Kirche“: IPA ['kiːɐçə] statt ['kɪʁçə] (Fangsatz: „Hirsch heiß ich.“); dagegen in der oberen Lausitz sowie Siegerland und Wetterau: fast analog zum amerikanischen r, d.h. als alveolarer Approximant [ɹ]: „Rahm“ als [ɹaːm] statt [ʁaːm].
  • Franken: Typisch ist hier das alveolar gerollte [r] v.a. nach Konsonanten, d.h. wie in italienischer oder schwedischer Hochsprache: „Rahm“ als [rɑːm]. Vor Konsonanten hingegen oft Angleichung an den folgenden Konsonanten: „Sport“ [ʃpɔd̥].
  • Rheinland: nach hinteren Vokalen wie velares/uvulares ch (IPA [x] oder [χ]): „Sport“ [ʃpɔχt].

Norddeutsche und westfälische Aussprache von pf am Wortanfang wie f. Pennälerscherz: Caesar equus consilium = ‚Caesar Pferd Rat‘ = ['tsɛːsaː fɛːɐt raːt] = Caesar fährt Rad.

Schweizerisch, bairisch und österreichisch (vor allem Tirol) wird k oft zu kch [kχ].

Schweizerische Aussprache von chs immer als ch-s: Sechsachser (IPA [ˈsæxsʌxsəɾ] statt [ˈzɛksʔaksɐ])

Ü versus i und ö versus e fällt West- und Norddeutschen typischerweise leicht, Polen, Tschechen, Bayern und Sachsen typischerweise schwer. (Im Bairischen kommt „ü“ z.B. gar nicht vor.)

Schwäbisch: nasal gefärbt etc.

Test auf französischen Akzent: „Hans hat in einem hohen Hochhaus gewohnt.“ Erstens fällt die Aussprache von h und dem Rachen-ch in Hochhaus schwer; zweitens wird Hans und gewohnt gerne nasalisiert; drittens wird das e in hohen gerne als ɛ oder sehr kurzes, leicht gerundetes œ ausgesprochen (korrekt wäre ungerundetes ə).

Im Bairischen gibt es feinere Unterscheidungen bei Lautnuancen und Phonemen als im Standarddeutschen. Ein Beispiel sind die standarddeutschen Phoneme /a/ [a] und /o/ [ɔ] oder [o], denen im Bairischen drei bis vier Phoneme (würden die nasalen Vokale dazugenommen werden, so wären es noch mehr) gegenüberstehen: Das überhelle a /à/ [], das dunkle a /å/ [ɒ], das offene o /ò/ [ɔ] (die beiden letzteren werden teilweise nicht unterschieden) und das geschlossene o /o/ [o]. Ein westmittelbairisches Beispiel ist nà - na - nò - no (nein - dann - hinab - noch).[2][3]. Deshalb kann der Satz „Der Papst pappt Pop-Plakate.“ auch als Schibboleth verwendet werden, um Nichtbaiern zu erkennen, so wird ein Baier (wer einen bairischen Dialekt spricht) den Schibboleth-Satz auch im bairischen Deutsch[4] mit zwei unterschiedlich gefärbten a-Lauten aussprechen: „Papst“ und „pappt“ mit dunklerem a, „Plakate“ mit zweimal hellerem a, während im Wort „Pop“ ein deutlich dunkles o gesprochen wird.[5]

Fränkisch[Bearbeiten]

„Oozullds Buddlesbaa“ leitet sich ab von „abgenagtes Hühnerbein“. Dabei wird '"Putt-putt"', also der Lockruf für Hühner, als Wort für Huhn benutzt. „Mamaladenaamala“ bedeutet ‚Marmeladeneimerchen‘. Es existiert auch in der erweiterten Form als „A Mamaladenaamala hama aa daham“ und heißt ‚Ein Marmeladeneimerchen haben wir auch daheim‘.[6]

Frankfurt am Main[Bearbeiten]

Ein klassisches Frankfurter Schibboleth lautet: Isch haach der aans uffs Aach, awwer uffs annere Aach haach isch der aach ans![7] (‚Ich hau Dir eines auf das Auge, aber auf das andere Auge haue ich Dir auch eines!‘).

Hunsrück[Bearbeiten]

„Die Mesche en de Krinschelehegge“. Die Wendung bedeutet auf Hochdeutsch ‚Die Spatzen in den Stachelbeerhecken‘.

Pfalz/Kurpfalz[Bearbeiten]

In de Pålz geht de Pårre mit de Peif in die Kär(s)ch. (‚In der Pfalz geht der Pfarrer mit der Pfeife in die Kirche‘). Typisch für das Vorderpfälzische ist das starke Verkürzen von Wörtern unter Auslassung von Vokalen und Konsonanten („verschlucken“). Außerdem wird schnell gesprochen, so dass es für Außenstehende nur als „Sing-Sang“ wahrzunehmen ist. Außerdem gibt es im Süden der Pfalz eine Annäherung des „a“ an das „o“, was mit „å“ zum Ausdruck gebracht werden soll. An diesem Zwischenlaut erkennt man jemanden aus der südlichen Vorderpfalz.

Beliebte Schibboleths im badischen Teil der Kurpfalz, also in der Gegend um Mannheim und Heidelberg, sind Ä grie oagschdrichenes Gadedearle (‚Ein grün angestrichenes Gartentörchen‘)[8] und das möglichst schnell gesprochene Scheint d’Sunn schun schää? D’Sunn scheint schun schää! (‚Scheint die Sonne schon schön? Die Sonne scheint schon schön!‘), wobei letzterer weniger durch schwierige Aussprache wirkt als durch die Verwirrung des Fremden über die Bedeutung des Satzes.

Schwierigkeiten haben Sprecher des Pfälzischen mit aufeinanderfolgenden -ch- und -sch-Lauten. So kann man einen Pfälzer beispielsweise fragen, ob ihm „Römische Geschichte“ oder die „Griechische Archaik“ mehr liege.

Süd-Saarland[Bearbeiten]

Maansche e Gutzje? (Schreibweise uneinheitlich) oder auch Varianten davon, z. B. Willsche e Gutzje? (‚Möchtest Du ein Bonbon?‘). Aussprache entweder [mɑːnʒəʔə‿ˈɡʊtsjə] mit nur schwach ausgeprägtem Glottisschlag (quasi [mɑːnʒə‿ə‿ˈɡʊtsjə]) oder ohne: [mɑːnʒə‿ˈɡʊtsjə].

Sachsen[Bearbeiten]

Moodschekiepchen bedeutet auf Hochdeutsch ‚Marienkäfer‘ und wird ganz charakteristisch breit und mit den berühmten sächsisch-weichen Konsonanten ausgesprochen; „De Weechen besieschen de Hardn“ (Die Weichen besiegen die Harten). Ebenfalls nicht unüblich: Forderung der Aussprache der Zahl 11 (hochdeutsch: elf, sächsisch: ölf). Die Aussprache sächsischer Dialektwörter und Sprache fällt vielen Nichtsachsen durchaus schwer – trotz vieler versuchter Nachahmungen im Zuge von Witzen über den sächsischen Dialekt klingen die Sprecher (zumindest in sächsischen Ohren) nicht „sächsisch“.

Erzgebirgisch: Wu de 'Hasen' Hosn haaßn un de 'Hosen' Husn haaßn. (hochdeutsch: ‚Wo die Hasen ‚Hosn‘ heißen und die Hosen ‚Husn‘ heißen.‘).[9] Letzterer Satz wird auch in Oberfranken verwendet, worin die Verwandtschaft des Erzgebirgischen zum Oberfränkischen deutlich wird, siehe Ostfränkische Dialektgruppe.

Bairisch / Österreichisch[Bearbeiten]

Oachkatzlschwoaf, (im Wienerischen als Achkatzlschwaf); Oachkatzl = „Eichhörnchen“ (Eichkätzchen), Schwoaf = ‚Schweif‘ und Loawedoag = ‚Laibchenteig‘[10] sind Schibboleths zur Erkennung von Muttersprachlern einer Bairisch-österreichischen Mundart.[11] Dieses Schibboleth war vor allem während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Kommunikation mit US-Soldaten sehr beliebt. Wer diesen Sprachtest nicht besteht, wird in Bayern grundsätzlich unabhängig von seiner tatsächlichen Herkunft als Preiß bezeichnet. Wird der Test wider Erwarten doch bestanden, wird das Opfer meist aufgefordert, das Wort Schwoachbatzlkoaf (ein Buchstabendreher des ursprünglichen Wortes) auszusprechen. Dieses Wort ergibt zwar keinen Sinn, ist aber schwierig auszusprechen.

 Wiktionary: Oachkatzlschwoaf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Bayern[Bearbeiten]

D’ Koinarin håd’s Bschteck z’ schpâd bschtoid. Dieser Satz (‚Die Kellnerin hat das Besteck zu spät bestellt‘), in manchen Teilen Bayerns auch leicht anders ausgesprochen, ist sowohl Schibboleth als auch Zungenbrecher.[12] Weitere Beispiele sind vui zvui Gfui (‚viel zu viel Gefühl‘) und Fentui-Schleicherl (‚Ventilschläuchlein‘).

Niederbayern[Bearbeiten]

Is heid Koaprob? Naa, heid is kõa Prob. „Ist heute Chorprobe? Nein, heute ist keine Probe.“ Die Ausdrücke „Chorprobe“ und „keine Probe“ sind für Nicht-Bayern so gut wie nicht zu unterscheiden, geschweige denn richtig nachzusprechen.

Nordbayern: Die nordbairischen Vokale[Bearbeiten]

Ein bekanntes Schibboleth aus der nördlichen Oberpfalz, wo markantes Nordbairisch gesprochen wird, ist der folgende Satz (es gibt mehrere Varianten). Entscheidend ist hier, ob jemand die nordbairischen Triphthonge – hier [ɔu̯ɐ] – korrekt aussprechen kann.

Is des wòua, daß a Gròua in an Jòua hindan Òua a Schebbal Hòua wagsn kho lòua? (‚Ist es wahr, dass sich eine Krähe innerhalb eines Jahres hinter dem Ohr ein Büschel Haare wachsen lassen kann?‘)[13]

Österreich: regionale Varietäten[Bearbeiten]

Oberösterreich: Ödögidöggi
Dieses Wort, das gemeinhin unter Oberösterreichern als Zeichen der Zugehörigkeit empfunden wird, bedeutet auf Hochdeutsch „Öltiegeldeckel“. Als Zungenbrecher ist unter anderem folgende Phrase bekannt, die auch in den westlichen Teilen Niederösterreichs als Dialektlegitimierung eingesetzt werden kann: Mei Ural hot a No’l-lal und a Nahno’l-la’l a. Der Satz bedeutet ‚Meine Urgroßmutter hat eine Nadel-Lade und eine Nähnadel-Lade auch‘.

Steiermark: Höllböllkernöl
Anhand der falschen Aussprache dieses Kunstwortes wird der Nicht-Steirer entlarvt. Ortsfremde werden gebeten, das besagte Wort nachzusprechen, was sich für viele als sehr schwierig herausstellt. Man lässt sich das Höllböllkernöl (hergeleitet von Kürbiskernöl, einer steirischen Spezialität, resp. Häuptel für „Haupt“ oder „Kopf“) vortragen, um das Bellen, eine Eigenheit des steirischen Dialektes, auszutesten.

Wien: Zwirnknäuerl oder Zwirnspulerl
Besonders von Wienern der älteren Generation wird dieses Wort (auf Standarddeutsch „Zwirn(s)knäuel“) – wegen der markanten Konsonantencluster und des typischen Diminutivsuffixes -erl – gerne als Schibboleth verwendet.

Vorarlberg
Die vorarlbergerischen Dialekte unterscheiden sich zum Teil sehr stark voneinander. Einen „standardisierten“ Test gibt es daher für das Vorarlbergerische nicht.

Für einen der besonders markanten Dialekte, jenen aus Lustenau, ist das Schibboleth Äuöli (Ei) bekannt, das durch einen der im Lustenauer Dialekt häufig vorkommenden Triphthonge besonders schwer auszusprechen ist..

Kölsch[Bearbeiten]

In Köln wird gelegentlich das Kunstwort Kanaljevüjjelcheszüngelcheszüppche (‚Süppchen aus den Zünglein von Kanarienvögelchen‘) als scherzhafter Sprachtest für die Kölner Mundart, das Kölsch, benutzt. Verbreiteter ist die Aufforderung: Saach ens Blootwoosch (‚Sag mal Blutwurst!‘). Die korrekte Antwort darauf ist nicht „Blootwoosch“, sondern „Flönz“ (der kölsche Mundartausdruck für Blutwurst).[14]

Schweiz[Bearbeiten]

Im Schweizerdeutschen wird meist das Wort Chuchichäschtli (ein kleiner Küchenschrank) verwendet. Auf Berndeutsch hiesse dieses Chuchischäftli; daher ist im berndeutschen Sprachgebiet zudem auch das Wort Miuchmäuchterli (ein Milchgefäß) bekannt.

Auch erzählt man sich gerne diesen Dialog aus Schaffhausen: Taar da da? – Ja, da taar da! – Da da da taar! (‚Darf das (= dieses Kind etc.) das (tun)? – Ja, das darf das! – Dass das das darf!‘). In Unterfranken ist derselbe Dialog als Döff des des? – Des döff des! – Dass des des döff?! und am Niederrhein als Derf datt datt? – Datt derf datt. – Datt datt datt derf! bekannt.

Schwaben[Bearbeiten]

Der Abfolge der Konsonanten wegen schwierig ist z.B. Zwetschgakuacha (‚Zwetschgenkuchen‘).

Man hört einem Schwaben erstaunlich treffsicher an, ob er aus einer katholischen oder aus einer evangelischen Gegend kommt. Katholiken sprechen einige wenige Wörter, die primär aus dem Bereich Schule/Kirche kommen, gegen die Regel des Dialekts eher nach der Hochsprache. Das betrifft unter anderem die Wörter Seele, Lehrer, Ehre, aber auch das Wort sehr, das in der Umgangssprache im Gegensatz zu den ersten häufig vorkommt. Ein Katholik spricht das e in diesen Wörtern lang und geschlossen (wie im Hochdeutschen), ein Protestant spricht dieses e offen, also als ä.

Alemannisch[Bearbeiten]

Badisch als Sprachvarietät ist innerhalb der deutschen Varietäten nicht bekannt. Badisch bezeichnet ein politisches (Verwaltungs-)Gebiet. Der vorherrschende Dialekt ist Alemannisch, zu dem sprachgeschichtlich auch das Schwäbische gehört. Das Schibboleth für den alemannischen Sprachraum stellt lautliche Realisierung von "scht" an der Stelle von (geschrieben) "st". Das Beispiel wäre "Es ischt Sommer." Allerdings gilt das Schibboleth auch in den Grenzbereichen des Alemannischen, wie beispielsweise im nordbadischen Karlsruhe, dessen Dialekt dem Rheinfränkischen zugerechnet werden kann. Ein beliebtes Schibboleth im Badischen ist Zwoi woiche Oier en oinerer Roi (hochdeutsch „zwei weiche Eier in einer Reihe“), den die eher pfälzisch geprägten Nordbadener signifikant anders aussprechen als die alemannisch geprägten Südbadener.

In allen süddeutschen Dialekten ist beim Laut ei der mittelhochdeutsche Lautstand bewahrt, wodurch das Wort zwei anders ausgesprochen wird als das Wort drei. Im Norddeutschen ist das nicht der Fall; die so bedingten Aussprachefehler verraten treffsicher den Reigschmeckten.

Schibboleths in der geschriebenen Sprache[Bearbeiten]

Als Schibboleths in der geschriebenen Sprache bezeichnet man Merkmale, die einen, im besten Fall ohne Kenntnis der betreffenden Sprache, schnell erkennen lassen, um welche Sprache es sich handelt. Im einfachsten Fall sind dies charakteristische diakritische Zeichen an Buchstaben wie dem deutschen ä, ö und ü, dem ungarischen ő und ű, dem französischen é und ê oder dem spanischen ñ. Oder auch Ligaturen wie das deutsche ß, das jedoch in der Schweiz nicht verwendet wird.

Schibboleths in anderen Sprachen[Bearbeiten]

Englisch[Bearbeiten]

"red lorries, yellow lorries, red lorries, yellow lorries" ... (wird wiederholend ausgesprochen; gilt auch als Zungenbrecher) bedeutet 'rote Lastkraftwagen, gelbe Lastkraftwagen' …

Dies können insbesondere die Engländer im Südwesten des Landes (Cornwall) und die Südstaatler der USA nicht oder nur mit Mühe aussprechen, weil vor lauter gerollten 'r' und 'l' die Feinabstimmung versagt.

Die Aussprache des Namens der texanischen Stadt Corpus Christi gilt als einfacher Test, um Südtexaner und Südstaatler von anderen amerikanisch-Englischsprechern zu trennen, da bei Einheimischen die erste Silbe über 70 % der Sprechdauer des Namens ausmacht, wobei „o“ und „r“ verschmelzen, was mit wachsender Entfernung graduell abnimmt.

Polnisch[Bearbeiten]

Für Ausländer[Bearbeiten]

Nach dem missglückten Krakauer Aufstand des Vogtes Albert gegen den polnischen Herzog von Krakau Władysław (Ladislaus) Ellenlang wurde die Loyaliät der Krakauer Bürger von diesem mit einem einfachen Sprachtest überprüft. Wer die Worte soczewica, koło, miele, młyn (Linse, Rad, mahlen, Mühle) nicht fehlerfrei nachsprechen konnte, galt als schuldig. Die zu einem erheblichen Teil deutschsprachigen Bürger Krakaus, die wesentlich die Rebellion getragen hatten und die dies nicht korrekt aussprechen konnten, wurden zum Teil vertrieben oder waren Repressionen ausgesetzt.

innerhalb Polens[Bearbeiten]

Oberschlesier kennen statt drei nur zwei Reihen Zischlaute (Siakanie): Das betrifft allerdings nur eine ganz kleine Gruppe der Oberschlesier bei der tschechisch-slowakischen Grenze:

  • polnisch c / ć / cz // s / ś / sz // z / ź / ż = rz
  • oberschlesisch c / (ć =) cz // s / (ś =) sz // z / (ź =) ż = rz

Niederländisch[Bearbeiten]

In den Niederlanden wird gerne das Wort Scheveningen als Sprachtest verwendet. Die niederländische Aussprache lautet „S-cheveningen“ ( anhören?/i), während Deutsche das Toponym typischerweise mit einem ʃ am Anfang aussprechen. Entsprechendes gilt für Enschede und Schiphol. Bei Letzterem ist zu beachten, dass das „ph“ nicht wie „F“ ausgesprochen wird, sondern getrennt, also „S-chip-hol“.

Ebenso gern der Name des bekannten Grandhotel Huis ter Duin, dessen korrekte Aussprache mit etwa „Häüs t(e)r Däün“ beschrieben werden kann und von Nichtholländern entweder buchstabengetreu oder wie „Höis ter Döin“ ausgesprochen wird.

Tschechisch / Slowakisch[Bearbeiten]

Der „Satz ohne Vokale“: Strč prst skrz krk (‚Steck den Finger durch den Hals‘).

Dänisch[Bearbeiten]

„Rødgrød med fløde“ [ˈʁœðɡʁœðʔ me fløːð] (‚Rote Grütze mit Sahne‘) ist der bekannteste dänische Sprachtest für Ausländer. Die Schwierigkeit besteht darin, dreimal in kurzer Folge das für die dänische Sprache charakteristische „weiche d“ [ð] auszusprechen. Dieser Laut ist für sich genommen schon eine Herausforderung. In Kombination mit einem vorausgehenden ø bzw. den beiden r in „rødgrød“ verlangt er Fremdsprachigen zudem eine ungewohnte Abfolge von Zungen- und Mundbewegungen ab.

Schwedisch[Bearbeiten]

Der Satz „sju sjösjuka sjömän sköttes av sju sköna sjuksköterskor“ /ˈɧʉː .../ Hörprobe?/i (‚Sieben seekranke Seemänner werden von sieben schönen Krankenschwestern gepflegt‘) oder einer seiner vielen Variationen stellen die Fähigkeit des Sprechers auf die Probe, den schwedischen „sj“-Laut mehrmals hintereinander zu produzieren. Nicht-Schweden neigen dazu, diesen Laut wie „sch“, „ch“, „s(j)“ oder „h“ auszusprechen, aber der Laut liegt irgendwo dazwischen. In der südschwedischen Aussprache eher beim „h“ im nordschwedischen eher beim „sch“, aber zumindest für einen Schweden deutlich davon unterscheidbar.

Italienisch[Bearbeiten]

Während des Aufstands von 1282 (Sizilianische Vesper) wurden die Franzosen in Sizilien verfolgt und vertrieben. Wer verdächtigt wurde, ein untergetauchter Franzose zu sein, soll dazu gezwungen worden sein, das Wort ceciri (dt.: ‚Kichererbsen‘) auszusprechen. Statt [ˈtʃɛːtʃɪɾɪ] (sizilianisch) sprachen viele Franzosen das Wort auf französisch als [sesiˈʀi] aus und wurden daraufhin ermordet.[15]

Türkisch[Bearbeiten]

Der Berg Ararat in der Türkei (Ostanatolien) heißt auf Türkisch: 'Ağrı Dağı' [ʼɑɣɾɯ dɑɣɯ]. Dies wird meistens als Türkisch-Test für Ausländer angewendet. Die Aussprache ist für Nicht-Muttersprachler unter anderem deshalb so schwierig, da in vielen anderen Sprachen (außer Turksprachen) die Buchstaben 'ğ' ("weiches" G) und 'ı' (ein 'i' ohne i-Punkt; sogenannter "Schwa"-Laut) nicht existieren und somit keine Entsprechung oder ähnliche Laute haben.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schibboleth – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Dieter Binder: Die Freimaurer. Ursprung, Rituale und Ziele einer diskreten Gesellschaft. Freiburg i.Br.: Herder 2006, S. 241
  2. Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch, München 1985, ISBN 3-406-30562-8, Abschnitt Lautlehre, S. 75 - 78
  3. Ludwig Zehetner: Basst scho! Wörter und Wendungen aus den Dialekten und der regionalen Hochsprache in Altbayern, Regensburg, 2009, ISBN 978-3-939112-42-6, Kapitel 36
  4. Ludwig Zehetner: Bairisches Deutsch. Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern, Kreuzlingen 2005, ISBN 3-9807028-7-1, Definition siehe Einleitung, S. 13–24
  5. Ludwig Zehetner: Bairisches Deutsch. Lexikon der deutschen Sprache in Altbayern, Kreuzlingen 2005, ISBN 3-9807028-7-1, Stichwörter a; à und o sowie Papst, pappen, Plakatsäule.
  6. http://www.kerwa.de/index.php?id=283&type=0&uid=12&cHash=7df3ea04e8
  7. http://www.wetterauer-zeitung.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Butzbach/Artikel,-Frankfurter-Gebabbel-ganz-kommod-serviert-_arid,32059_regid,3_puid,1_pageid,73.html
  8. http://www.undinger.de/dictionairle/schwaebisch/wort/2426/A%20saum%C3%A4%C3%9Fig%20oagnehm%20grasgrea%20agschdriches%20Gardaderle/
  9. http://www.n-tv.de/leute/essen/Wo-die-Hasen-Hosen-heissen-article172525.html
  10. Ludwig Zehetner: Das bairische Dialektbuch München 1985, ISBN 3-406-30562-8, Abschnitt Lautlehre, S. 78.
  11. Wehle, Seite 93.
  12. http://www.donaukurier.de/nachrichten/bayern/Die-Erfinderin-des-Jodelpop;art155371,2564494
  13. Eberhard Wagner: Das fränkische Dialektbuch, München 1987, ISBN 3-406-31800-2, S. 51f.
  14. Dagmar Schmauks: Semiotische Streifzüge: Essays aus der Welt der Zeichen, LIT Verlag Berlin-Hamburg-Münster, 2007, S. 158.
  15. http://www.comune.sperlinga.en.it/storia.asp